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Faymanns Ausflug in den Olivengürtel

06.08.2012 | 17:39 |  Von Nikolaus Jilch (Die Presse)

Österreich war bisher ein Mitglied des "Hartwährungsblocks" in der Eurozone. Jetzt will Bundeskanzler Werner Faymann die Banklizenz für den ESM – und geht erstmals in Opposition zur Eurolinie von Angela Merkel.

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Wien. Drucken oder nicht drucken? Das ist und bleibt die Frage in Europa. Die Front verläuft zwischen den schuldengeplagten Südländern rund um Italien, wo man Inflation gewöhnt ist und Sparpaketen eher skeptisch gegenübersteht – und den (noch) solventen Nordländern rund um Deutschland, wo man in der Inflation durch „frisch“ gedrucktes Geld die wahre Bedrohung sieht. Und diese Front ist wahrlich verhärtet. Denn was die einen als Heilsbringer sehen, ist für die anderen der direkte Weg in die Katastrophe – und vice versa.

Österreich wurde bisher dem „Hartwährungsblock“ zugeordnet, gemeinsam mit Deutschland, Holland, Luxemburg und Finnland. Aber jetzt geht Bundeskanzler Werner Faymann erstmals in direkte Opposition zur Linie von Angela Merkel. Er sprach sich am Wochenende dafür aus, dass der „permanente Rettungsschirm“ ESM eine Banklizenz erhalten soll und sorgte damit für Verstimmung in Berlin. Ist Österreich zur anderen Front übergelaufen?

Banklizenz war eine Sarkozy-Idee

Wann auch immer von „Feuerkraft“, „Brandmauer“, „Rettungsschirm“, „Bazooka“ oder der „Dicken Bertha“ die Rede ist: Es geht ums Gelddrucken. Um die Schaffung frischer Euros in den Computern der Notenbank. Dieses Geld stammt nicht aus Spareinlagen, es wird kreiert. Und wenn damit Staaten direkt finanziert werden, droht eine hohe Inflation – die Entwertung des Geldes. Davor hat der ehemalige EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing gerade erst gewarnt.

Noch ist die EZB einigermaßen zurückhaltend. Aber immer mehr Politiker wollen, dass auch die EZB den Weg von Federal Reserve, Bank of England und Bank of Japan geht: drucken und beten. Und weil die Notenbank sich weigert, suchen die Politiker nach Wegen, die EZB beim Gelddrucken zu umgehen. Alle derartigen Pläne sind bisher an Deutschland gescheitert, weil Berlin nicht bereit ist, unbeschränkte Haftungen für die übrigen Euroländer zu übernehmen. Dies wurde vom Bundesverfassungsgericht sogar schon explizit untersagt.

Werner Faymann glaubt trotzdem, dass Merkel diesmal nachgeben und einer Banklizenz für den ESM zustimmen wird, dass eine politische Einigung einer juristischen Debatte vorhergehen muss. Dabei ist der ESM noch nicht mal aktiv. Der Vertrag wird von den Verfassungsjuristen in Karlsruhe gerade überprüft. Trotzdem: „Der Bundeskanzler will eine Politik der großen Schritte verfolgen“, so ein Faymann-Sprecher. Und ein großer Schritt wäre die ESM-Banklizenz allemal. Fragt sich nur, in welche Richtung.

Der ehemalige EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark sieht darin „einen klaren Verstoß gegen europäisches Recht“, weil das Verbot der direkten Staatsfinanzierung durch die Notenpresse so umgangen werden könnte. Stark hat die EZB vergangenes Jahr im Protest gegen die Notfall-Anleihenkäufe verlassen. Und sogar Österreichs Finanzministerin Maria Fekter sagt, dass „eine unbeschränkte Haftung des ESM vertraglich gar nicht möglich“ sei. Und in Richtung Faymann: „Wir brauchen nicht jeden Tag einen neuen Hüftschuss.“

Die Idee mit der ESM-Banklizenz stammte eigentlich vom ehemaligen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy. Auch er war damit bei Angela Merkel gescheitert. Und die EZB? Deren Chef Mario Draghi zeigte sich vergangene Woche äußerst verwundert über die neu aufgeflammte Diskussion. Man habe bereits vor Monaten klargestellt, dass die EZB mit dem ESM in seiner jetzigen Form keine Kreditgeschäfte abwickeln wird. Heißt: Auch mit Lizenz bekäme der ESM (den es noch nicht mal gibt) kein „frisches“ Geld von der EZB. Eine Änderung der ESM-Verträge würde Monate dauern und sollte er einmal aktiv werden (nach einer Zustimmung des Bundesverfassungsgerichts), wird Deutschland in dem Gremium über eine Sperrminorität verfügen und Angela Merkel kann blockieren so viel sie will. Es wäre also noch nicht mal überraschend, wenn Österreich, nachdem die ESM-Banklizenz endgültig vom Tisch ist, rasch wieder in den „Hartwährungsblock“ zurückkehrt.

Bundesbank oder Zimbabwe?

Der steht in der EZB nämlich nicht so schlecht da, wie es oberflächlich aussieht. Zwar stimmte am vergangenen Donnerstag nur ein EZB-Direktoriumsmitglied (Bundesbankchef Jens Weidmann) gegen Mario Draghis Pläne, möglicherweise weitere Staatsanleihen zu kaufen. Aber: Die Draghi-Ankündigung war eigentlich eine Enttäuschung für Liquiditätsjunkies an den Märkten und in den Regierungen.

Denn die EZB wird nur Anleihen von Staaten kaufen, die offiziell unter dem Rettungsschirm sind. Heißt: Italien und Spanien müssten zuerst den erniedrigenden Weg unter den Rettungsschirm gehen – wo Geld an Bedingungen geknüpft ist. Das war sicher nicht die Botschaft, die man sich in Madrid und Rom erhofft hatte. Kaum verwunderlich also, dass auch Italiens Premier Mario Monti zu den Unterstützern der ESM-Banklizenz-Idee gehört.

Die EZB wird sich in den kommenden Monaten beweisen müssen: Ist sie tatsächlich eine größere Bundesbank, die die Inflation unter Kontrolle und den Geldwert stabil halten kann? Oder ist sie schon zum Spielball der Politiker verkommen? Gelddrucken kann nicht die Lösung sein – egal in welcher Form. Wenn Wirtschaft so funktionieren würde, wäre Zimbabwe heute das reichste Land der Welt.

Auf einen Blick
Deutschland hat schon eine ganze Reihe exotischer Geldbeschaffungsideen abgelehnt. Vom „Hebel“ für den EFSF bis zu Eurobonds: Am Ende würden die solventen Staaten haften – also vor allem Deutschland. Österreich war bisher auch Mitglied des „Hartwährungsblocks“.
Jetzt aber fordert Kanzler Faymann eine Banklizenz für den ESM. Das ist auch deswegen verwunderlich, weil die EZB betont, dass dies rechtlich gar nicht möglich sei. Außerdem gibt es den ESM noch nicht einmal. Das deutsche Verfassungsgericht muss erst zustimmen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.08.2012)

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484 Kommentare
 
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Gast: Huch
09.08.2012 16:31
0 0

Ist doch besser, sie kann sich vieles nicht vorstellen, macht aber das Richtige -

- als umgekehrt.
Oder?
;-)

wie lange müssen

wir diesen kanzler der schande noch ertragen????

der umverteilungssozialismus wird uns alle -solidarisch wohlgemerkt- in den abgrund reißen!

Also eines muss man der Merkel lassen !

So lange so ein Gesicht ziehen ist eine Kunst.

Antworten Gast: G. D.
08.08.2012 17:28
2 0

Re: Also eines muss man der Merkel lassen !

Yep, die kann das. Das macht sie so sympathisch im Gegensatz zu den anderen, die sich immer stocksteif geben und wahrscheinlich auch denken.

Gast: Gast 2012
08.08.2012 11:47
5 1

da haben die Typen von SPÖVP

die Legislaturperiode ohne Volksabstimmung um ein Jahr verlängert, damit sich die Österreicher um ein Jahr länger für ihren "Bundeskanzler" schämen müssen.

Stell dir vor du bist Kanzler in einem fleissigen, wichtigen, sehr gut strukturiert und gefuehrtem Staat! Dann stell dir vor du musst mit unserem Kanzlerdarsteller verhandeln!!

Ich entschuldige mmich hiermit bei Fr Merkel fuer die österreichische Kanzlervariante von Borat!!

Es tut 80 Prozent der österreicher furchtbar leid, sg Fr Merkel! Glauben sie uns, nicht alle sind so wie der Kanzlerdarsteller. Im Gegenteil, die die so sind, bekommen ueblicherweise Fruehrente und werden vom Staat personell betreut!!

Bitte, nicht zu ernst nehmen!!

Re: Stell dir vor du bist Kanzler in einem fleissigen, wichtigen, sehr gut strukturiert und gefuehrtem Staat! Dann stell dir vor du musst mit unserem Kanzlerdarsteller verhandeln!!

Da steckt doch die Sozialistische Internationale (Vereinigung) dahinter !

Außerdem: Inkl.Grüne sind sie der mächtigste Block in der EU.

4 0

Faymann´s Rache an Österreich

Fakt ist dass er überall dabei ist wo Bürgerechte und Demokratie ausgehöhlt und eingeschränkt werden! Was drauf schliessen lässt, dass er Österreich und die Österreicher nicht wirklich mag, deren Interessen ihm absolut egal sind, und deren Demokratieverständnis und Verfassung auch nicht wirklich akzeptieren will. Er denkt auch das Volksabstimmungen für Ihn nicht Bindend sein müssen und setzt sich gegen das österreichische Volk für ESM, Voratsdatenspeicher, Rasterfahndung, Spitzeldienste, ACTA, Bankenrettungen und Fremdstaatenhilfe gegen die Lissabonner Verträge ein. Den Kolateralschaden den diese asexuelle Figur mit Ihrem offensichtlichen Österreichhass anrichtet wird noch viele Generationen nachhaltig beschäftigen.

Gast: G. D.
08.08.2012 10:13
3 0

Ja, ja - die Wankelmütigen

Einmal so, dann wieder so, dann wieder anders, aber irgendwie immer auf die Seite der vermeintlich Stärkeren, dann kann nichts schief gehen.... Oder vielleicht doch erst recht, nur mit Verzögerung.

EU Politik

Sagt der Kanzler zum Kardinal:
"Halt Du sie dumm, ich halte sie arm!"

Bei einer Brotverdiener - Verteilung in der mehr als die Hälfte vom "Kanzler" dem Staatssäckel abhängig ist und in geschützten Bereichen wie Verwaltung, Versorgern, Gesundheitswesen etc... sein gesichertes Auskommen hat, weiters partei-treue Erfüllungsgehilfen mit Erfolgskarrieren rechnen dürfen, wird sich nicht viel ändern in diesem Land.

Gott sei Dank, es gibt aber auch die andere (zahlenmäßig wesentlich kleinere) Seite der innovativen Unternehmer, Exporteure und fleißigen Handwerker welche den Politschwachsinn mit ihren Leistungen finanzieren. Davon können wir nicht genug haben - wenn's so weiter geht. Aber welcher Betrieb wird Leistungsverweigerer einstellen wollen?

Hausverstand und Augenmaß sind gefragt!
Beides sind für unsere Politiker offenbar Fremdworte,

Stimmt zu 100%


5 0

...dazu müsste man ihn aber erst ernst nehmen


Gast: Berater mit Grips
07.08.2012 20:17
2 0

Warum heuert Fayman nicht den in Geldpolitik versierten Prof. Wilhelm Hankel (siehe youtube) als Berater? Dessen Honorar würde sich für uns Steuerzahler mehr als rentieren!


faymann..

..Du verstehst nix, ruf den Minhard an und frag ob er Dich beraten kann, der weiß wie es schneller geht, uns in den Bankrott zu führen, denn es ist Dein roter Bruder, der schon die AUA zerlandet hat, Du Flasche!

Re: faymann..

und wenn der auch keine zeit hat, ruf den helmut elsner an, schlechter als Du, kann der auch nicht sein. Er ein Failbanker und ein FAILKANZLER!

Re: faymann..

und wenn der Minhard ausgebucht ist, denn der ist ja unser Superhirn, dann ruf den Linzer Bürgermeister an, der ist Weltmeister im Geld versenken, der hat mit seiner Unterschrift gleich 400 Mio EURO versenkt! Guter Mann-auch Dein roter Gesinnungsfreund, einfach unfähig, einfach SPÖ!!

Ich verstehe nicht wirklich warum man in Kärtnen wegen 6 Mille das Gericht bemüht, wenn Dein Freund 400 Mille versenkt hat, ist der Staatsanwalt in Linz blind, taub oder ein SOZE??????????????

Gast: Zunge anbinden?
07.08.2012 18:40
4 0

Und von Fekter oder unserem Witzekanzler hört man noch immer kein Dementi, keinen Pieps - weil Faymann etwa recht hat, da wir inklusive Haftungen & Eskapaden längst so abgewirtschaftet wie Griechenland sind???

Braucht Klima nicht dringend einen toll bezahlten, gschaftlhuberischen Assistenten in Argentinien?

Kann man ihn nicht schleunigst irgendwohin jubeln?

Gibt es nicht einen ökonomisch versierten Aufpasser, den man dem Brandstifter als Berater andienen könnte?

Gast: joseph
07.08.2012 17:56
12 0

der lebenslauf

der lebenslauf faymanns laesst den schluss zu, dass er von wirtschaft rein gar nichts versteht.

Vielleicht liegt Faymann doch nicht so falsch...


....betrachtet man die Ausgangslage:

-Staatsschulden Österreichs 226 Mrd

-Haftungen außerhalb des Budgets 110 Mrd

-Haftungen aus ESM, ESFS und EZB ??????

-Steuer-und Abgabenquote Ö 43,6%

-unfähiges und untätiges Regierungsmanagement, 2013 noch dazu mit den Grünen

-Österrreich liegt in Punkto Korruption im schlechten Mittelfeld, Tendenz negativ.

Also, das Szenario, daß Ö unter den ESM-Rettungschirm kommen kann, der dann unbegrent österr. Staatsschulden finanziert, ist nicht auszuschliessen.

Wo jedoch Faymann falsch liegt....

... ist die politische Tatsache, daß bei der Entwicklung allein von Spanien und Italien...

...kein Platz mehr für das kleine Österreich unter dem Rettungschirm sein wird.

Und Faymann wird feststellen, daß die
europäische Solidaridät beim Geld endet.

Und eins zum Schluß:

"Klare Rechnung, gute Freunde" (alte Kaufmanns-Weisheit)


Antworten Gast: phj
07.08.2012 18:11
2 1

Re: Vielleicht liegt Faymann doch nicht so falsch...

So blöde ist er nicht, der BK Er hat sicher die neuesten Zahlen von Österreich und irgendwer wird ihm schon gesagt haben, daß es bergab geht.
Darum ist er zum Wendehals geworden.

Bei klarer Rechnung hätte er keine Freunde.

Gast: Reimar OLTMANNS
07.08.2012 17:00
14 0

ein inkompetener Bundeskanzler

Mit solchen Einlassungen, die Europäische Zentralbank mit einer Banklinzenz auszustatten, beweist Österreichs Bundeskanzler Werner Faymann, dass er von wirtschafts- und finanzpolitischen Zusammenhängen in Europa reichlich wenig versteht. Er ist ein linker Laienschauspieler, der den Wohlstand in Österreich zur Disposition stellt, der Geldschläuche an die Europäische Zentralbank für seit Jahrzehnten heruntergewirtschaftete Länder anschließen will. Hier entstehen keine Reformen, keine überfälligen Strukturanpassungen, hier wird einfach Geld gedruckt. Inflation und Arbeitslosigkeit lassen grüßen. Es ist erschreckend, dass sich solch ein Politiker Bundeskanzler ungestraft nennen kann. Wie in Österreich erfolgreich dicke Bretter gebohrt werden, dafür sind in der Steiermark Franz Voves und sein ÖVP-Stellvertreter Schützenhöfer ein Beispiel. Sie sollten in Wien die Macht übernehmen und Faymann dahin stellen, wohin er gehört: in den Frisiersalon eitler Sonntagsredner Im übrigen ist es sehr bemerkenswert, wie beiläufig er das einst hochgepriesene, stabile Verhältnis zu Deutschland mit Kanzlerin Merkel mit solchen herabsetzenden Bemerkungen aufs Spiel zu setzen. Der Mann ist unverantwortlich, gehört abgelöst. Österreich hat einen besseren Bundeskanzler verdient.

Gast: nano 2
07.08.2012 16:42
9 0

Feimann

will italienische verhältnisse und riskiert damit einen Bruch mit Deutschland.

Re: Feimann

Die Sozis haben sich immer schon an den Schuldenmachern orientiert. Die ziehen uns nunmehr ganz offensichtlich in den Schuldensumpf hinein.

Wählt diese Versager ab. Auch der VP-"Leitl" - der aus der unnützen WK - will die Notenpresse anwerden.

2013 Regierung abwählen!

2013 Regierung abwählen! ....


...solange den Österreicher sein 50" Plasma, dancing stars, usw. wichtiger sind, wird es da nicht spielen.

Erst wenn der Strom für den 50" Plasma nicht mehr bezahlt werden kann, erwacht Österreich.

Und warum hat der Faynachtsmann noch keine Volksbefragung zur Einführung der Schulden- und Hyperinflationsunion angesetzt? Hat er doch seinerzeit der Kronenzeitung versprochen!

Oder kommt demnächst die Verlängerung der bestehenden Legislaturperiode auf 100 Jahre, damit man nicht ganz offiziell die Demokratie abschaffen muss?

Gott schütze Österreich!


Ein dramatischer Spruch aus der Vergangenheit scheint dramatisch schnell wieder aktuell zu werden.

Ob's an der Regierung aus Versagern und Dummschwätzern liegt, oder ob die Lage wirklich so ernst ist?

Sollte aber noch einmal eine Wahl anstehen, werden allfällige Wähler für diesen Offenbarungseid der rotgrünen Hyperinflationsanheizer zu "schätzen" wissen.

 
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