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Schuldenkrise: Monti weitet die Eurokampfzone aus

06.08.2012 | 18:00 |  Von Michael Laczynski (Die Presse)

Der italienische Übergangspremier Mario Monti fordert in einem „Spiegel“-Interview, dass europäische Regierungen ihre nationalen Parlamente „erziehen“. Deutschland, der vermeintliche Adressat, ist entrüstet.

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Wien/Rom/Berlin. Kann eine Krisenfeuerwehr nach demokratischen Prinzipien geführt werden? Wie viel Parlamentarismus ist den europäischen Bemühungen um die Stabilisierung der Eurozone zuträglich, und ab wann stehen die Mandatare der Rettung der Einheitswährung im Weg? Was nach einem staubtrockenen Disput unter Politologen klingt, hat seit einem Interview, das der italienische Regierungschef Mario Monti dem „Spiegel“ gegeben hat, tagespolitische Relevanz – und Brisanz.

Neben seiner Warnung vor einer schleichenden Entsolidarisierung in der krisengeplagten Eurozone hat Monti nämlich auch durchblicken lassen, dass er die parlamentarische Demokratie, wie sie momentan praktiziert wird, für ein Hindernis auf dem Weg der europäischen Genesung hält. Natürlich hätten Regierungen den Entscheidungen der Parlamente Folge zu leisten, doch sie hätten zugleich auch „die Pflicht, das Parlament zu erziehen“ und dürften sich auf keinen Fall „mechanisch“ an alle Vorgaben halten.

Parteiübergreifende Kritik

Was bzw. wen der italienische Übergangspremier damit konkret gemeint hat, wurde in dem Pressegespräch nicht näher erläutert. Nachdem aber der „Spiegel“ Montis Medium der Wahl war, liegt die Vermutung nahe, dass Deutschland, das in den krisengeplagten südeuropäischen Ländern als großer Verhinderer verschrien ist, der Adressat war. Wenig verwunderlich fielen die deutschen Reaktionen auf das Interview am Montag durchwegs negativ aus – und das quer durch das politische Spektrum: Während FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle eine ausreichende demokratische Legitimation Europas einforderte, hieß es aus der SPD-Parlamentsfraktion, dass „die Akzeptanz für den Euro durch nationale Parlamente gestärkt und nicht geschwächt wird“.

Selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel sah sich zu einer Stellungnahme veranlasst: „Wir in Deutschland sind mit dem richtigen Maß an Beteiligung des Parlaments eigentlich immer gut gefahren“, ließ sie über ihren Sprecher ausrichten. Außerdem habe man vom Verfassungsgericht Hinweise erhalten, „dass das Parlament eher mehr als weniger zu beteiligen ist“.

Doch auch das von Merkel als demokratiepolitischer Kronzeuge genannte Verfassungsgericht wird zunehmend zur Kampfzone: Immer öfter wird nämlich die Kritik artikuliert, dass die deutschen Verfassungsrichter einer umfassenden – und dabei möglicherweise nicht ganz auf dem Fundament des Grundgesetzes basierenden – Lösung der Eurokrise im Weg stünden. Und diese Kritik ist nicht nur von den politischen Randzonen zu vernehmen, sondern auch aus dem institutionellen Kern – etwa vom SPÖ-Europa-Parlamentarier Hannes Swoboda (siehe unten).

Technokratischer Paternalismus

So laut der Sturm der Entrüstung auch ist – aus Montis Perspektive ist die Forderung nach der Schwächung des Parlaments aus zwei Gründen verständlich: Zum einen ist es seine Daseinsberechtigung per se, als nicht gewählter technokratischer Reformer abseits des apathischen Parlaments zu agieren. Auf der anderen Seite hat technokratischer Paternalismus in Italien Tradition – das Leitmotiv der Staatsgründer anno 1861 lautete nicht von ungefähr: „Wir haben Italien geschaffen, nun müssen wir Italiener schaffen.“

Doch was in Italien berechtigt sein mag, muss es anderswo nicht sein. Das beste Gegenbeispiel zu Montis These bietet nämlich Spanien, wo die gerade absolute Mehrheit der Regierungspartei im Parlament die Reformarbeit von Premier Mariano Rajoy legitimiert. Als Technokrat ohne parlamentarische Unterstützung wäre Rajoy wohl zum Scheitern verurteilt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.08.2012)

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59 Kommentare
 
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er hat völlig recht

oppositionparteien nützen die krise um auf populistische art u. weise stimmen zu gewinnen.aber
es sind nicht alle länder gleich,das muss man schon sagen.
die italiener können von glück reden dass der monti aufgetaucht ist, man stelle ich den berlusconi in dieser situstion vor.

Austritt

Die Zeit der Geberländer aus dem Euro auszutreten rückt immer näher, bevor nicht reparable Schäden an unserer Gesellschaftsordnung entstehen.

Gast: phj
07.08.2012 10:30
5 1

Monti bringt es auf den Punkt

Für alle EU-Anhänger und an alle die den EU_Beitritt bejaht haben:
Das Ziel ist:
Eine einzige EU-Regierung mit einem EU-Parlament, Abschaffung nationaler Parlamente.
Behörden werden für nationale Belange genügen.
Kleinparteien haben in der EU keine Chance mehr.

Wer das nicht vorhergesehen hat, sollte jetzt aufwachen und lautstark dagegen protestieren oder es für viele Jahre sein lassen.



Gast: HansWurst1
07.08.2012 09:41
6 1

Um an das Geld der "Nordländer" zu kommen

ist dem Herrn sogar die Diktatur recht.

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Re: Um an das Geld der "Nordländer" zu kommen

nomen est omen

Antworten Gast: muhhh
07.08.2012 12:48
0 1

Re: Um an das Geld der "Nordländer" zu kommen

looooool sag mal wo lebst du?? ach ja in österreich!!! immer noch nicht kapiert das wir schon Diktatur haben ???ich würde dir mal raten dich über Demokratie nach zu forschen du weist zu 10000%nicht mal von vo das kommt und was das eigentlich zu bedeuten hat und das sind 99% der leute nur mal zu info googel ist dir sicher behilflich !!!

Gast: Kibietz
07.08.2012 09:28
5 0

Monti, der Goldman & Sachs Mann in Italien

Natürlich versucht er die Demokratien zu schwächen. Ist er doch (weisungsbedingt) für eine Wirtschaftsdiktatur.

Ein Grund mehr der EU und auch dem Euro den Rückenzu kehren. Vorallem uns Österreichern würde unterm Strich mehr überbleiben da sie EU uns mehr scchadet als nützt.

Solange das so ist sollten wir schauen das wir rauskommen.

Wieso sollten wir auch weiterhin Pleitiers die sich weigern zu konsolidieren weiter unterstützen? Wenn das allerdings der neue Trend wird können wirdas Konkursrecht gleich abschaffen da, im Sinne der Gleichberechtigung, nun jedes Konkursunternehmen um Staatshilfe ansuchen kann.

Denn was für Pleitestaaten und Pleitebanken gilt könnte ja auch auf Unternehmen und Privatleute angewand werden, oder?

Gast: Silvio36
07.08.2012 09:09
3 0

Berlusconi

Berlusconi -der Macho war besser.

Gast: Erhard Berlusconi
07.08.2012 08:58
4 0

Monti, der Banker

glaubt wohl, dass es in der Demokratie genauso zugeht, wie in den Banken. Wenn man sich verspekuliert hat, dann hat das Volk die Verluste zu übernehmen, und die Bankster genehmigen sich unmoralisch hohe Bonis.
Noch dazu glaubt er als Italiener, den eropäischen Parlamentariern eine Erziehung angedeihen zu lassen!
Hat er tatsächlich keine Ahnung, wie es im italienischen Parlament zugeht?

Antworten Gast: Kibietz
07.08.2012 09:29
0 0

Re: Monti, der Banker

Das würde er gerne. Der Goldman&Sachs Jünger.

Gast: der wahre Jacob
07.08.2012 08:38
5 0

Deutschland soll die Demokratie abschaffen

damit die reichen Italiener weiterhin keine Steuern zahlen müssen? Bravo!

Gast: unbeteiliter
07.08.2012 08:34
5 0

Na das is ja ein schöner ...

Hosentaschen mussolini-

Man sollte Karlsruhe das zum Lesen geben und wenn die dann den Verfassungsputsch immer noch durchwinken, dann ist wohl wirklich schicht im schacht mit demokratie .

Tod der EU !

Herr Laczynski,

die ersten Fragen die Sie aufzählen als 'staubtrockene' Materie für Politologen zu bezeichnen, entlarvt Sie. es geht hier um nichts anderes als (auch die offizielle) Abschaffung der (Rest)Demokratie. warum übergehen Sie diesen Sachverhalt so en passant und nennen ihn nicht beim Namen? wurden Sie gezwungen?
Diie nationalen Parlamente wurden übrigens schon bisher so gut es ging NICHT miteinbeziehen, belogen und übergangen - somit sind die deutschen Reaktionen auf Monti nur mehr Farce. schade dass man in der Presse nicht ein BISSCHEN mutiger kommentiert.

Ja, nun sind wir so weit,

der erste Schritt zur EU-Diktatur, der Souverän ist raus! Und das österreichische Nachtlicht Faymann wird voll dabei sein! Weg mit ihm!

Gast: Liberty Force
07.08.2012 08:06
3 0

Niemand hat diesen Kerl gewählt

Trotzdem sitzt er als Regierungschef da und darf Italien ruinieren.

Die Politik hat sich verselbständigt, sie tut, was sie selbst bzw. Lobbyisten und Hochfinanz wollen, und vergisst auf die Erledigung der ihr vom Volk anvertrauten Aufgaben. Ob das Absicht ist oder Zufall, lasse ich mal dahingestellt.

Sobald es aber ums Zahlen für ihre ausschweifende Eliten-Party geht, fällt ihnen das Volk plötzlich wieder ein.

Wer diese Herrschaften nicht länger finanzieren möchte, kann seine persönliche Steuerlast verringern. Es gibt viele einfache und praktisch durchführbare Möglichkeiten dazu.
Bei Interesse: http://www.steuerboykott.org" target="_blank">www.steuerboykott.org mit angeschlossenem Forum zum Thema Steuerlastminderung.

4 0

parlamentarische Demokratie, wie sie momentan praktiziert wird, für ein Hindernis auf dem Weg der europäischen Genesung hält.

Bedenklich für alle EU-Staaten!

Gast: Johan Meltini
07.08.2012 07:33
2 0

Erziehen?

Der Großteil der Parlamentarier ist schon erzogen. Da braucht es keine zusätzliche Intervention. Monti braucht nur das Wort Spread sagen und das ganze italienische Parlament ist hinter ihm. Mehr noch, die ganzen Medien gehen in den Kniefall vor dem Spread.
Draghi, sein Arbeitskollege bei Goldman-Sachs, liefert die nötigen Rahmenbedingungen via EZB und die deutsche Exportindustrie den ideologischen Überbau des blanken Klassenkampfes von oben. Herrliche Zeiten! Folgerichtig empört sich der Nordländer ob der ihm in den Mund gelegten südlichen Faulheit und Verschwenderei.

Gast: ETFskeptiker
07.08.2012 07:20
0 0

Der größte Goldheist aller Zeiten


Banken verleihen und verkaufen verwahrtes Gold ihrer Kunde:

http://www.goldseiten.de/artikel/145606--Ueberspringende-Banken-Buschfeuer-Teil-2~2.html


Und weiter wird gelogen:


Heute behauptet dieser Monti, er habe das Gegenteil gesagt,nämlich ,dass die Parlamente gestärkt gehören.

Diese Herrschaften halten die Bürger wirklich für blöd. Warum sollte er das gesagt haben ?

Wann sind Wahlen in Italien?

Ich hoffe, dass die Italiener ihn zum Teufel jagen !!

Antworten Gast: Bärenfalle...
07.08.2012 06:57
6 0

Re: Und weiter wird gelogen:

Korrekt.

Unfassbar wie hier Demokratiefeindlichkeit und Entmachtung der Parlamente auch noch bagatellisiert werden.

Man stelle sich vor Putin hätte so einen Sager:

"Die Regierung soll sich vom Parlament nicht all zu sehr beeinflussen lassen"

vom Stapel gelassen.

Na da würde die europäische Journaille aber aufjaulen wie ein geprügelter Hund.


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Wehret den Anfängen

hier wird schrittweise die Diktatur installiert - und Faymann hilft fleissig mit.

Hoffentlich lassen sich die Deutschen nicht einlullen!

denn unser Grinsekanzler hat ja schon völlig den Durchblick verloren, oder nie gehabt. Bin dann schon mal auf die versprochene Volksbefragung gespannt!

Gast: blödi
07.08.2012 05:42
3 0

zinssklaven erziehen

parlamente ausschalten.finanzakteure übernehmen die regierungen.

Was wurde nicht alles böse über ...

... Berlusconi geschrieben.

EUdSSR ik hör dir trapsen!

Ja leben wir denn in einer Bananenrepublik oder was?
Nun Demokratie ist er ja von Goldman Sachs nicht gerade gewohnt, aber er tut sich mit solchen Sprüchen keinen Gefallen.

Was die Eurokrise angeht so sollte man sich zur Bewältigung nicht am Sozialismus (wie der Kommunismus neuerdings genannt wird) orientieren. Der ist schon einmal gescheitert, warum sollte es also diesmal funktionieren?

Und, liebe Italiener, Spanier, Griechen, die Hand die einen füttert sollte man besser nicht beißen!

... dass europäische Regierungen ihre nationalen Parlamente „erziehen“?

Ist doch "bei uns in Österreich" schon längst passiert: Die "Zeichengebenden" erheben sich doch nur aus dem "Durchsitzen", wenn der Befehl dazu ausgegeben wird.

Manchmal genügt der Macht auch "das Zeichen" mit den g.e.d.o.l.t.e.t.e.n Händen, statt dass sie sich ans Hirn greifen! :-o

 
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