22.05.2013 01:07 Merkliste 0

Schuldenkrise: IWF will Schuldenerlass für Athen

07.08.2012 | 16:37 |   (Die Presse)

Der Internationale Währungsfonds (IWF) gesteht erstmals indirekt ein, dass Griechenland seine Schulden nicht wird zurückzahlen können und fordert jetzt einen Erlass. Die Geberländer sind wenig begeistert.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Wien/Brüssel/Red. Der Internationale Währungsfonds macht hinter den Kulissen zunehmend Druck auf die internationalen Geldgeber Griechenlands. Das Ziel: Dem Land sollen weitere Schulden erlassen werden, damit es wieder auf die Beine kommen kann. Laut einem Bericht des „Wall Street Journal“ droht der IWF sogar mit der Einstellung der eigenen Hilfszahlungen, sollte es nicht zu einem Schuldenerlass kommen. Bei einem ersten Schuldenschnitt wurden dem Land bereits 100 Mrd. Euro erlassen – eine Maßnahme, die nicht von nachhaltigem Erfolg gekrönt wurde.

Nun will der IWF den „großen Wurf“ sehen. So soll das Verhältnis Schulden–BIP in Griechenland bis 2020 auf 100 Prozent gedrückt werden. Der Schuldenstand würde dann der Wirtschaftsleistung eines Jahres entsprechen. Eigentlich ist schon ein Schuldenstand von 60 Prozent des BIPs als zu hoch zu betrachten – deswegen wurde diese Grenze auch im Maastricht-Vertrag festgelegt. Ein Vertrag, an den sich heute kaum noch ein Euroland hält. Das ursprünglich mit dem schuldengeplagten Griechenland vereinbarte Ziel war eine Schuldenquote von 120 Prozent des BIPs. Ein Ziel, das eigentlich ohne weiteren Schuldenschnitt hätte erreicht werden sollen.

„Gutes Geschäft“?

Der Vorstoß des IWF wird in den Geberländern wohl nicht mit Wohlwollen aufgenommen werden. Deutschland allein hat Griechenland schon mit 127 Mrd. Euro unterstützt. Österreich ist mit rund einem Zehntel der Summe dabei. Politiker in beiden Ländern haben die Hilfszahlungen als „Lösung“ verkauft. Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) behauptete sogar, dass die Griechenland-Hilfe ein „gutes Geschäft sei“, weil man das Geld ja mit Zinsen zurückbekäme. Kommt es aber zu einem Schuldenerlass, müsste man zumindest einen Teil der Hilfsgelder abschreiben. Schon der erste Schuldenschnitt kostete die verstaatlichte Kommunalkredit (und damit den österreichischen Steuerzahler) eine Milliarde Euro.

Der IWF hat mehrere Vorschläge zu einem möglichen weiteren Schuldenschnitt für Griechenland gemacht, die laut „WSJ“ in Berlin allesamt auf Ablehnung stoßen. Die Minimalvariante wäre eine weitere Senkung der Zinsen auf Hilfskredite. Nach derzeitigem Stand muss Griechenland bis 2014 39 Mrd. Euro an Zinsen allein zahlen. Ein weiterer Vorschlag des IWF sieht einen direkten Schuldenschnitt vor: Die Geberländer müssten sich dann Verluste bei der Griechenland-Hilfe eingestehen. Angesicht der Wahlen in Deutschland und Österreich 2013 wohl keine attraktive Option für die Regierungen in Berlin und Wien. Variante drei sieht eine 30-prozentige Abwertung der Hellas-Anleihen in den Büchern der Europäischen Zentralbank (EZB) sowie der nationalen Zentralbanken vor. Das Problem: Die EZB hat sich durch einen juristischen Trick schon beim letzten Schuldenschnitt „enthalten“. Das Argument damals: Der Kauf von Staatsanleihen sei erst dann als verbotene Staatsfinanzierung zu beurteilen, wenn diese Anleihen definitiv ausfallen.

Noch eine ESM-Idee

Ob der IWF bei seinen eigenen Vorschlägen mitmacht, ist indes unklar. Der Fonds verleiht Geld im Status eines „bevorzugten Gläubigers“, was ihn von einer etwaigen Schuldenreduktion ausnehmen dürfte. Das IWF-Geld wächst freilich auch nicht auf Bäumen. Es stammt von den IWF-Mitgliedsländern und damit zumindest zum Teil auch aus Europa.

Ein weiterer Vorschlag des IWF betrifft den umstrittenen „permanenten Rettungsschirm“ ESM. Dieser solle, so der IWF, der griechischen Regierung jene 50 Mrd. Euro „abnehmen“, die für die Bankenrettung vorgesehen sind. Das könnte die griechische Schuldenlast um bis zu 20 Prozent des BIPs drücken. Die Regierungschefs der Eurozone hatten sich im Juni darauf geeinigt, den ESM auch zur Bankenrekapitalisierung einsetzen zu wollen. Die 100 Mrd. der Partnerländer für spanische Banken sollen zum Beispiel im Nachhinein vom ESM übernommen werden.

Der ESM ist allerdings noch nicht aktiv. Das deutsche Bundesverfassungsgericht will erst im September entscheiden, ob der ESM überhaupt mit dem deutschen Grundgesetz vereinbar ist. Unterdessen verschlimmert sich die Lage in Griechenland zusehends. So wird die Wirtschaft laut aktuellen Prognosen heuer um sieben Prozent einbrechen. Nicht nur um 4,7 Prozent – wie ursprünglich angenommen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.08.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

Mehr auf DiePresse.com

43 Kommentare
 
12
0 0

wozu?

der Schulden"ERLASS" kommt automatisch - wetten ?

Gast: nK
08.08.2012 08:44
0 0

Wer regiert das Land?

Bezeichnend ist, dass unser Bundeskanzler Feymann und seine SPÖ für die Politik in diesem Lande gar nicht mehr verantwortlich gemacht werden.

Alle geben der Fekter die Schuld.

Fekter, Kanzlerin in spe?

Gast: Neo0780
08.08.2012 07:33
1 0

Fekter: "Griechenlandhilfe kostet keinen Cent"

Siehe: http://oe1.orf.at/artikel/279327
" target="_blank">http://oe1.orf.at/artikel/279327


Ziemlich ähnlich wie
"Wie Till Eulenspiegel einen Hahn als Pfand gab"

Gast: Fungibilität
08.08.2012 03:37
0 0

Warum bekommt Griechenland kein frischgedrucktes DKT-Spielgeld als Parallelwährung? Wird es von den desillusionierten, entnervten Gläubigern ebenso wie bei den Griechen untereinander und ev. auch im Ausland und von Touristen an Zahlung statt als eine Art Gutschein akzeptiert, wäre alles paletti!? Die Kreditsperre müßte allerdings wasserdicht und entsprechend langfristig sein.

Unseren Banken müßten sie zumindest laufend die Kreditzinsen zahlen, damit diese ihr Engagement nicht abschreiben müssen. Nach einer angemessenen Restrukturierungsphase könnten sie wieder sachte mit den Kapitalrückzahlungen beginnen.

5 0

einer muss zahlen

Jetz is die Katze aus dem Sack.
Die privaten Investoren und Banken wurden von den Hilfsgeldern bedient aber bezahlen wirds der dumme Steuerzahler, dem sie immer noch erklären das der Konkurs teurer wäre!

Gast: gast999
08.08.2012 00:24
1 0

wer hängt jetzt noch drin, in diesen unsäglichen papieren??

pensionsversicherungen und der steuerzahler

bravo, dafür hat man das geld auch investiert, 5 jahre und nichts ist wirklich in der substanz passiert, keine regulierungen, die banken machen weiter wie gehabt

Gast: phj
07.08.2012 23:39
3 0

Sollte der Schuldenerlass Wirklichkeit werden

dann sollten auch sofort Neuwahlen stattfinden.
Bisher wurden wir Bürger nur belogen.
Welche Steuern und Abgaben werden nun erhöht werden?
Wo sind die versprochenen Reformen ?
Mit der nun kommenden Inflation wird der Bürger nun noch mehr zur Kasse gefordert.
Inflationsanpassungen = Indexsteigerung = Erhöhung der Steuern und Abgaben=Realnettolohnkürzungen.

Wie kann man als Bürger Neuwahlen erzwingen ?
Wo bleibt der Protest der Medien ?

Re: Wie kann man als Bürger Neuwahlen erzwingen ?

Ging sogar - sinngemäß - in der DDR. Demonstrationen mit dem Titel "Wir sind das Volk".

Aber ich fürchte das kommt erst, wenn nicht nur der Griff in die Privatkassen absehbar ist, sondern erst wenn er tatsächlich erfolgt.

Antworten Antworten Gast: do
09.08.2012 15:08
0 0

Re: Re: Wie kann man als Bürger Neuwahlen erzwingen ?

nicht mal dann, österreich ist dafür zu feige

des gonze kost uns kan cent

wortwörtlich vom oevp peppi pröll ! wir san jo nur bürge und des bringt uns sogar zusätzliche steiermillionen an zinsen. wenn ich das als selbstständiger durchführe nennt man das fahlässige krida und bekomm wenn ich die strafe nicht zahl ersatzfreiheitsstrafe. da peppi a super pension/abfertigung und einen managerposten bei der raika ?? und das schlimme ist, sind doch alle parteien gleich... es gibt keine einzige was sich für die menschen im land einsetzt. tolle zukunft für europa. was soll sich denn auch noch ändern bei den nächsten wahlen ?? räumt halt eine ander partei ab. danke österreich

Der Faymann ist sicher dafür...



....und die Fekter wird uns erklären, daß ein Schuldenerlass sicher ein gutes Geschäft ist.

Ich frage mich, wo wir die ca. 3 Mrd für diesen Schuldenerlass herholen.

Eija, der Faymann hat´s ja schon angekündigt.
Wir druckens einfach.

Gast: trader1
07.08.2012 22:28
3 0

ja mei ...

mathematik ist halt unbestechlich :-)
und drum ist es gar nicht so schwierig bevor eine ratingagentur, ein iwf, geschweige ein politiker was kapiert, schon vorher die richtigen schlüsse zu ziehen :-)

Re: ja mei ...

Das von den Ratingagenturen zu beurteilende Ausfallsrisiko ist nicht so groß, und keine rein mathematische Frage. Denn egal wie hoch der Schuldenberg ist, es besteht IMMER die politische Option ihn weg zu inflationieren. Das ist formal kein Ausfall, auch wenn es katastrophale Auswirkungen hat. Wie hoch die Inflation sein muss um - allenfalls in Kombination mit Sanierungsmaßnahmen - die Schulden im Griff zu behalten kann man ausrechnen. Wie wahrscheinlich es ist, dass die Politiker das dann auch so machen - ist aber mathematisch nicht feststellbar. Man muss raten.

Auch bei den Politikern wird es noch den einen oder anderen geben, der rechnen kann. Auch der kommt auf den Trichter, dass es keinen einfachen Ausweg gibt und die bisherigen Maßnahmen die Krise nicht lösen können. Früher oder später müssen definitiv härtere Maßnahmen kommen (inkl. Inflation) oder der Ausfall. Beides hat harte Konsequenzen für ganz Europa und wird den Wähler daher nicht freuen. Aber wenn man es hinter die nächste Wahl verschieben kann hat man als Politiker schon viel gewonnen.

Dass Ratingagenturen und Politiker die richtigen Schlüsse ziehen hilft also nicht weiter, so lange nicht - und jetzt wird es utopisch - der Wähler auch die richtigen Schlüsse zieht. Dann gibt es für den Politiker durch die Verzögerungstaktik nämlich nichts mehr zu gewinnen, weil der Wähler ihn durchschauen würde. Und die Ratingagentur könnte das dann auch in ihrer Prognose der politischen Entscheidungen einbeziehen.

Re: Re: ja mei ...

Sie haben das ganze Dilemma mit dem letzten Absatz wirklich bemerkenswert zusammengefasst.
Und ich bin ebenfalls geneigt, das Wort "utopisch" zu verwenden. Aber es gibt Beispiele dafür, dass die Trendwende zu schaffen ist. Wie in diesen Fällen der Wähler davon überzeugt wurde, habe ich noch nicht vollständig durchblickt. Nur Eines: Indem ein komplettes Paket an Massnahmen beschlossen wurde (und nicht irgendwo im Kleinen herumgedoktert).

5 0

...nur Idioten glauben, dass das Geld wiederkommt...

...bei einem Konkurs vor 3 Jahren wäre das Ärgste bereits überstanden...

1 0

schulden

ein schuldenerlass ist nix anderes als eine Abwertung der Drachme. das wollten doch viele Poster.

Re: schulden

Nein, es ist grundsätzlich besser.
Die Abwertung der Drachme würde jeden treffen, der Drachmen hat. Der Schuldenerlass (was in Wahrheit nichts anderes ist als ein Zahlungsausfall, also Konkurs) trifft dagegen ganz gezielt jene, die bewußt das Risiko eingegangen sind Griechenland Geld zu borgen.

Der konkrete Vorschlag verheißt aber nichts Gutes. Da ist nämlich nur von den Zentralbanken die Rede, nicht von anderen Gläubigern. Das heißt, man spielt die ganze Sache erst wieder über die Währung. Und weil das nicht die Drachme sondern der Euro ist hat man damit das Risiko, das Griechenland (als Schuldner) und seine Gläubiger jeweils eingegangen sind sozialisiert. Mit den bekannten Folgen und der Vorbildwirkung - moral hazard.

Gast: Wahnsinn
07.08.2012 21:27
7 2

Wo endet das

Ich war von Anfang an gegen den EU-Beitritt.
Ich bin seit dem Beitritt für einen Austritt.

Ich hoffe dass Deutschland nicht umfällt - eine Frechheit was der "Süden" da aufführt. Die bekommen niemals genug und der wahnsinnige Berlusconi fängt auch noch an zu zündeln (viertes Reich und so).

Lasst uns dieser EU den Rücken kehren, wir haben selbst schon genug Probleme - auch ohne Südeuropa.

Leider kann ich nicht verstehen, warum es bei uns so viele Leute gibt, die ebenfalls über die Deutschen her fallen.

Re: Wo endet das

Die alten Nationalstaaten sind längst Geschichte. Europa wächst weiter zusammen. Das lässt sich von den wenigen nationalen Egoisten glücklicherweise nicht aufhalten.

Re: Re: Wo endet das

Nord gegen Süd und umgekehrt. Ungewählte halten Parlamente für überflüssig etc. etc.

Angesichts der Lage braucht´s schon einen schrägen Humor, das als "zusammenwachsen" zu bezeichnen.

Gast: Pro Korrektur: 5 Euro
07.08.2012 21:23
0 0

....

"Der Internationale Währungsfonds (IWF) gesteht erstmals indirekt ein, dass Griechenland seine Schulden nicht wird zurückzahlen können und fordert jetzt einen Erlass."

- Das "n" in können ist zu viel.

Re: ....

Auch wenn man das "wird" nicht streicht?

Gast: b754
07.08.2012 20:44
2 10

es wird zeit die deutschen zu isolieren die ruinieren die eu


Immer dasselbe stereotype Posting....


...seien sie doch etwas kreativ, oder haben sie einfach ein Jugendtrauma, das im Presseforum hochkommt.

Dagegen helfen auch Psychopharmaka.

4 0

Re: es wird zeit die deutschen zu isolieren die ruinieren die eu

genau!
werfen wir die deutschen raus!!!!!!!

nur...wer soll dann die schulden zahlen ?????

Gast: Kuya
07.08.2012 20:22
8 0

Fechter, "ein gutes Geschäft", unsere Steuern im bankrotten Griechenland zu veranlagen: "Zinsen"

. . . der Teufel soll's holen
wenn jetzt dem Stimmvieh das Licht nicht kommt, dann haben wir mit dem ESM Hintertürl, der Transferunion unsere Souveränität schon verspielt

 
12

Eurokrise - Die Begriffe

  • Was ist die Eurokrise? Ein Rückblick auf die Ursachen mehr...

    EFSF Der Rettungsschirm und wie er funktioniert mehr...

    Hebel für EFSF Wie man aus sehr viel Geld noch viel mehr Geld macht. mehr ...

    EFSM Der Mechanismus für Finanzstabilisierung und seine Aufgaben mehr...

    ESM Der Europäische Stabilitätsmechanismus soll 2013 den EFSF-Fonds ablösen. mehr ...

    Eurobonds Was gemeinsame EU-Anleihen bezwecken und wie sie funktionieren sollen. mehr ...

    EZB Die EZB ist Hüterin des Euro und soll eine geringe Inflation garantieren. Zumindest bis jetzt. mehr ...

    Waffen der EZB Was die "Bazooka" ist und welche anderen Waffen die Zentralbank hat. mehr ...

    IWF Der IWF ist die Finanzfeuerwehr der Vereinten Nationen und massiv an den Hilfsaktionen in Europa beteiligt. mehr ...

    Ratingagenturen Die wichtigsten Agenturen und deren Bewertungen. mehr ...

    SPIV Das Special Purpose Investment Vehicle soll die Finanzierung in Euroländern erleichtern. mehr ...

    Troika Die Troika ist eine Gruppe von Experten von EZB, IWF und EU-Kommission. mehr ...

    G20 Die 20 größten Wirtschaftsmächte repräsentieren zwei Drittel der Weltbevölkerung. mehr ...

    PSI Beim Private Sector Involvement geht es um die Beteiligung des Privatsektors an der Krisenlösung. mehr ...

    CDS Kreditausfallsversicherungen werden unter anderem dann fällig, wenn ein Land pleite ist. mehr ...

    Sekundärmarkt Der Sekundärmarkt ist der Markt, auf dem die bereits in Umlauf befindlichen Wertpapiere gehandelt werden. mehr ...

    OMT OMT ist die Abkürzung für Outright Monetary Transactions. Dahinter verbirgt sich das von der EZB am 6.September 2012 beschlossene neue Kaufprogramm von Staatsanleihen der Krisenländer. mehr ...