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Schuldenkrise: IWF will Schuldenerlass für Athen

07.08.2012 | 16:37 |   (Die Presse)

Der Internationale Währungsfonds (IWF) gesteht erstmals indirekt ein, dass Griechenland seine Schulden nicht wird zurückzahlen können und fordert jetzt einen Erlass. Die Geberländer sind wenig begeistert.

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Wien/Brüssel/Red. Der Internationale Währungsfonds macht hinter den Kulissen zunehmend Druck auf die internationalen Geldgeber Griechenlands. Das Ziel: Dem Land sollen weitere Schulden erlassen werden, damit es wieder auf die Beine kommen kann. Laut einem Bericht des „Wall Street Journal“ droht der IWF sogar mit der Einstellung der eigenen Hilfszahlungen, sollte es nicht zu einem Schuldenerlass kommen. Bei einem ersten Schuldenschnitt wurden dem Land bereits 100 Mrd. Euro erlassen – eine Maßnahme, die nicht von nachhaltigem Erfolg gekrönt wurde.

Nun will der IWF den „großen Wurf“ sehen. So soll das Verhältnis Schulden–BIP in Griechenland bis 2020 auf 100 Prozent gedrückt werden. Der Schuldenstand würde dann der Wirtschaftsleistung eines Jahres entsprechen. Eigentlich ist schon ein Schuldenstand von 60 Prozent des BIPs als zu hoch zu betrachten – deswegen wurde diese Grenze auch im Maastricht-Vertrag festgelegt. Ein Vertrag, an den sich heute kaum noch ein Euroland hält. Das ursprünglich mit dem schuldengeplagten Griechenland vereinbarte Ziel war eine Schuldenquote von 120 Prozent des BIPs. Ein Ziel, das eigentlich ohne weiteren Schuldenschnitt hätte erreicht werden sollen.

„Gutes Geschäft“?

Der Vorstoß des IWF wird in den Geberländern wohl nicht mit Wohlwollen aufgenommen werden. Deutschland allein hat Griechenland schon mit 127 Mrd. Euro unterstützt. Österreich ist mit rund einem Zehntel der Summe dabei. Politiker in beiden Ländern haben die Hilfszahlungen als „Lösung“ verkauft. Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) behauptete sogar, dass die Griechenland-Hilfe ein „gutes Geschäft sei“, weil man das Geld ja mit Zinsen zurückbekäme. Kommt es aber zu einem Schuldenerlass, müsste man zumindest einen Teil der Hilfsgelder abschreiben. Schon der erste Schuldenschnitt kostete die verstaatlichte Kommunalkredit (und damit den österreichischen Steuerzahler) eine Milliarde Euro.

Der IWF hat mehrere Vorschläge zu einem möglichen weiteren Schuldenschnitt für Griechenland gemacht, die laut „WSJ“ in Berlin allesamt auf Ablehnung stoßen. Die Minimalvariante wäre eine weitere Senkung der Zinsen auf Hilfskredite. Nach derzeitigem Stand muss Griechenland bis 2014 39 Mrd. Euro an Zinsen allein zahlen. Ein weiterer Vorschlag des IWF sieht einen direkten Schuldenschnitt vor: Die Geberländer müssten sich dann Verluste bei der Griechenland-Hilfe eingestehen. Angesicht der Wahlen in Deutschland und Österreich 2013 wohl keine attraktive Option für die Regierungen in Berlin und Wien. Variante drei sieht eine 30-prozentige Abwertung der Hellas-Anleihen in den Büchern der Europäischen Zentralbank (EZB) sowie der nationalen Zentralbanken vor. Das Problem: Die EZB hat sich durch einen juristischen Trick schon beim letzten Schuldenschnitt „enthalten“. Das Argument damals: Der Kauf von Staatsanleihen sei erst dann als verbotene Staatsfinanzierung zu beurteilen, wenn diese Anleihen definitiv ausfallen.

Noch eine ESM-Idee

Ob der IWF bei seinen eigenen Vorschlägen mitmacht, ist indes unklar. Der Fonds verleiht Geld im Status eines „bevorzugten Gläubigers“, was ihn von einer etwaigen Schuldenreduktion ausnehmen dürfte. Das IWF-Geld wächst freilich auch nicht auf Bäumen. Es stammt von den IWF-Mitgliedsländern und damit zumindest zum Teil auch aus Europa.

Ein weiterer Vorschlag des IWF betrifft den umstrittenen „permanenten Rettungsschirm“ ESM. Dieser solle, so der IWF, der griechischen Regierung jene 50 Mrd. Euro „abnehmen“, die für die Bankenrettung vorgesehen sind. Das könnte die griechische Schuldenlast um bis zu 20 Prozent des BIPs drücken. Die Regierungschefs der Eurozone hatten sich im Juni darauf geeinigt, den ESM auch zur Bankenrekapitalisierung einsetzen zu wollen. Die 100 Mrd. der Partnerländer für spanische Banken sollen zum Beispiel im Nachhinein vom ESM übernommen werden.

Der ESM ist allerdings noch nicht aktiv. Das deutsche Bundesverfassungsgericht will erst im September entscheiden, ob der ESM überhaupt mit dem deutschen Grundgesetz vereinbar ist. Unterdessen verschlimmert sich die Lage in Griechenland zusehends. So wird die Wirtschaft laut aktuellen Prognosen heuer um sieben Prozent einbrechen. Nicht nur um 4,7 Prozent – wie ursprünglich angenommen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.08.2012)

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43 Kommentare
 
1 2
Gast: Kuya
07.08.2012 20:22
8 0

Fechter, "ein gutes Geschäft", unsere Steuern im bankrotten Griechenland zu veranlagen: "Zinsen"

. . . der Teufel soll's holen
wenn jetzt dem Stimmvieh das Licht nicht kommt, dann haben wir mit dem ESM Hintertürl, der Transferunion unsere Souveränität schon verspielt

2 0

Re: Fechter, "ein gutes Geschäft", unsere Steuern im bankrotten Griechenland zu veranlagen: "Zinsen"

welcher Politiker kann schon wirtschaften, denken doch alle nur in Parteilinie, dann war es keiner wenn's dick kommt.

Gast: Die EU ist unser Untergang....
07.08.2012 19:48
9 0

Die Frau Fekter ist ja auch eine exzellente Expertin, die kennt sich aus!

Und die Umfaller der Frau Merkel kosten uns sehr sehr viel Geld. Alternativlos!!!
Flaschen wohin man schaut!

Re: Die Frau Fekter ist ja auch eine exzellente Expertin, die kennt sich aus!

seit Frau fekter die klappe hält sind wir weniger blamiert

Gast: E.T.
07.08.2012 19:46
10 0

Jeder Hausbesorger

hat das schon vorher gewusst.

Einzig und alleine die Politiker und teils selbsternannten Experten machen uns immer ein x für ein u vor.

Dabei hoffe ich wirklich, dass dies besseren Wissens passiert, sonst müsste ich an der Zurechnungsfähigkeit der EU-Experten zweifeln.

3 0

Re: Jeder Hausbesorger

...hat ja auch ein Masterstudium - Hausmasta

probleme, probleme

Hört sich gar nicht gut an ...

Den Ausgleich

Hätte auch Billiger sein können !
Da werden Hunderte Milliarden verpulvert weil die Politiker Unfähig sind,aber wen einer sein Asyl missbraucht sind alle Politiker der Kämpfer der Nation ;D

9 0

war wohl nix...

wie wird Frau Fekter das dem österreichischen Steuerzahler erklären? Statt satter Rendite - faule Kredite.

Re: war wohl nix...

Gott schütze uns vor ihren Erklärungen, man sollte Unwissenheit nicht zur Kunst erheben.

Re: Re: war wohl nix...

Phantasiefiguren schützen vor gar nichts. Denken schon eher.

Re: war wohl nix...

garnicht.

über den Steuerzahler wird einfach drübergfahren. ändert an 2013 ja eh nix, so massiv wie kärnten gerade medial geschlachtet wird hat strache wenig chancen.

wir wurden ja bisher nie gefragt (obwohl das faymandl vollmundige wahlversprechen hatte), also warum jetzt.

als begründung wird's wieder heißen, dass es griechenland so ganz sicher schafft.

als nächstes bekommt Spanien einen schuldenschnitt, da es zu groß für den schirm ist und italien.......

wir werden als dankeschön dann 2013 eine neuauflage von rot/schwarz bekommen und ein schönes "sparpaket" in Form von neuen steuern. schließlich leben "wir" ja über unsere verhältnisse und müssen sparen.

komisch nur, dass mein konto einen positiven saldo aufweist.

3 0

Re: Re: war wohl nix...

die Banksta haben dem Sparer 1% gezahlt - dort haben 10% erlöst von den 9% lässt sich nicht schlecht leben...

...solln's die Suppe auch auslöffeln, die sie sich eingebrockt haben!

Mahlzeit

komisch nur, dass mein konto einen positiven saldo aufweist

Das war jetzt ein wenig unvorsichtig, dass öffentlich kundzutun.
Sie qualifizieren sich damit für neue Abgaben, da sie als reich eingestuft werden können.

Ich weiss - das ist alles nicht mehr lustig.

Re: war wohl nix...

Auf Englisch !

Gast: Gonza B
07.08.2012 19:16
6 0

IWF will Schuldenerlass für Athen

Ein fataler Fehler mit verheerenden Folgewirkungen auf die übrigen "angeschlagenen EU Staaten" und den Steuerzahlern aller EU Länder.

0 0

Re: IWF will Schuldenerlass für Athen

Die Strategie der USA.

0 0

Re: Re: IWF will Schuldenerlass für Athen


Wann gibt's eigentlich eine europäische Ratingagentur die die USA entsprechend nach dem Bruttonationalprodukt und der Wirtschaftsleistung einstuft???

Wir lassen uns von den großmauligen Helden alles aufzwingen und danach sagen wir noch freundlich DANKE...

 
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