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Griechenland: Kommt der zweite Schuldenschnitt?

08.08.2012 | 17:13 |   (Die Presse)

Die Ratingagentur Standard & Poor's senkt den Ausblick für Griechenlands Rating von stabil auf negativ, weil die Sparanstrengungen stocken. Die Agentur Moody's warnt ebenso vor einem zweiten Schuldentausch.

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Wien/Weber. Kurz nach der Abreise der „Troika“ hat Griechenland von der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) einen Schuss vor den Bug bekommen. Der Ausblick wurde von stabil auf negativ gesenkt, die Bewertung „CCC“ jedoch beibehalten. Damit werden Investments in griechische Staatsanleihen als äußerst spekulativ eingestuft. Zusätzlich sorgt sich S&P jetzt darüber, dass das Land die Erwartungen der Gläubiger nicht erfüllt und neue Hilfen in Anspruch nehmen muss.

Wegen der Neuwahlen im Mai und im Juni hätten sich die Sparanstrengungen deutlich verzögert, heißt es in einer Erklärung. Die Agentur sieht auch die Gefahr, dass die Geduld der Geldgeber bald ein Ende hat: Der negative Ausblick reflektiere die Möglichkeit, dass ein neuer Geldbedarf von der Troika – bestehend aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds – „nicht gedeckt wird“, heißt es. Alleine nächstes Jahr könnte das Land nach Einschätzung der Experten weitere sieben Mrd. Euro benötigen.

Die Perspektiven Griechenlands werden von S&P dabei deutlich negativer eingeschätzt als von EU und IWF. Die Amerikaner erwarten, dass die Wirtschaft im Zeitraum 2012 und 2013 um zehn bis elf Prozent schrumpfen wird, während letztere nur mit vier bis fünf Prozent rechnen.
Nachdem Griechenland Anfang des Jahres einen Schuldenschnitt durchgeführt hatte, bei dem private Gläubiger auf einen Teil ihrer Schulden verzichteten, war das Land im Mai von „teilweisem Zahlungsausfall“ („SD“) auf „CCC“ heraufgestuft worden. Dieses Urteil wackelt nun wieder.

Sparpaket wird ausgearbeitet

Am Sonntag hatten die internationalen Geldgeber nach ihrem Besuch in Athen noch die Fortschritte des Landes bei den Sparbemühungen gelobt. Im September wird der Bericht der Troika erwartet. Von ihm hängt die Auszahlung weiterer Hilfsgelder aus dem Rettungsschirm EFSF ab.
Die Koalitionspartner in Athen sind momentan dabei, ein Sparpaket im Ausmaß von 11,5 Mrd. Euro zu schnüren. Am Dienstag räumte Finanzminister Yannis Stournaras jedoch ein, dass gut ein Drittel der Einsparungen noch nicht feststehe.

Ebenso wie S&P ist auch die Ratingagentur Moody's der Überzeugung, dass das Thema Griechenland noch nicht abgehakt ist. In einer neuen Studie warnt die Agentur, dass angeschlagene Staaten nach einer ersten Umschuldung oft noch eine zweite Runde durchlaufen. Analysiert wurden 30 Umschuldungen seit 1997. Bei mehr als einem Drittel sei es nach einer ersten Umschuldung zu einem weiteren Zahlungsausfall gekommen, heißt es in dem Papier. Vor allem wenn der Umtausch von Staatsanleihen im Verhältnis zu den Gesamtschulden eher klein war, gab es noch andere Umschuldungen unter Beteiligung von privaten und öffentlichen Gläubigern.

Beim ersten „Haircut“, der im Frühjahr dieses Jahres durchgeführt wurde, wurde Griechenland von etwa 100 Mrd. Euro oder 30 Prozent seiner Gesamtschulden befreit.  Daran teilgenommen hatten nur private Gläubiger, also etwa Banken und Versicherungen. Die direkten Hilfen, die auch Österreich an Griechenland bezahlt hat, blieben davon unberührt. Auch die EZB, die haufenweise griechische Staatsanleihen besitzt, beteiligte sich nicht an dem Schuldenschnitt.

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Erhebliche Risken für Steuerzahler

Insgesamt besitzen öffentliche Gläubiger mittlerweile 73 Prozent der griechischen Staatsschulden, das sind 194 Mrd. Euro. Kommt es zu einem zweiten Schnitt, könnte auch dieser Brocken von einer Restrukturierung betroffen sein. Bei einer zweiten Runde gebe es zwischen privaten und öffentlichen Gläubigern oft kaum noch Unterschiede, schreibt Moody's.

Welche Verluste dadurch für den österreichischen Steuerzahler entstehen, kann ohne Drehbuch für einen neuen Schuldenschnitt nicht gesagt werden. Risken gibt es aber genug: So schulden die Griechen dem heimischen Fiskus Geld aus dem ersten Hilfspaket. Daneben ist Österreich am Rettungsschirm EFSF und an der Europäischen Zentralbank beteiligt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.08.2012)

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44 Kommentare
 
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einzig hilfreiche Alternative zu der bestehenden Situation

auflösen der Union und ein Neustart aber erst, nachdem ! geklärt wurde, wer in einem Währungsraum überhaupt etwas zu verlangen (auch zu bieten) hat !!!

Auch ein auflösen/verringern der aufgeblähten Verwaltung, welche ja erst solch Lichtgestalten wie Strasser und Co hervorbringen konnte, müsste als Vorraussetzung gelten.

Pressechat mit Ökonomen Streissler

Mag. Robert Cvrkal:
Nachdem Griechenland die laufenden Ausgaben (ohne Zinsen und Schuldentilgung) nicht aus seinen laufenden Einnahmen bestreiten kann sind weitere Schuldenschnitte unvermeidbar (z.B. sieht der IWF einen weiteren Schuldenschnitt als notwendig an). Bestätigen sie die Aussage, dass es sich bei Kosten im Falle eines GREX IT im wesentlichen um jene Gelder, die die Griechen schon haben und die sowieso verloren sind?

Donnerstag, den 9. August 2012 11:34

Erich Streissler: Ja, ich bin vollkommen dieser Meinung, aber füge noch hinzu: Man muss sich über die historische Situation Griechenlands klar sein. In den gut 180 Jahren des selbstständigen Bestehen ist Griechenland bereits sechs Mal in Bankrott gegangen und ist dabei zum 7. Mal in den Bankrott zu gehen. Griechenland hat den zahlenmäßig höchsten Bankrott gemacht, den es je gab. Es ist das Land, das am meisten in der Geschichte der letzten 200 Jahre, seiner Schulden nicht bezahlt hat. Die hälfte aller Jahre in den letzten 180 Jahren war Griechenland auslandszahlungsunfähig. Das zu ignorieren war von den Leitern der EZB verantwortungslos und erst in der heutigen Zeitung steht, dass der vormalige Kanzler Deutschlands, Helmut Schmidt, gesagt hat: "Das war ein großer Fehler".

http://regionaut.meinbezirk.at/schoenkirchen-reyersdorf/wirtschaft/milliardengrab-eurorettung-d228001.html

Zweite Sichtweise...

...die von den Medien größtenteils ignoriert wird.

Griechenland wäre das reichste Land Europas.

Siehe hier: http://www.freie-pressemitteilungen.de/modules.php?op=modload&name=PresseMitteilungen&file=article&sid=91808

Rattenfänger: Zweite Sichtweise...

Der Vorletzte war ein offensichtlich agitatorisch gedrillter Reiseführer in England, der 90 % wahre Fakten anführte und mit dem Slogan endete:"Die Merkel solle sich nicht so haben. Nur mit Geld kann man die Wirtschaft ankurbeln."

Wer glaubt hier allen Ernstes, dass Griechenland, sollte es einmal in Erdöl und Geld schwimmen, Rest-Europa daran teilhaben lässt, umsomehr, als sich dort schon jetzt US-israelische Firmen tummeln. Wie naiv muss man sein ?

"Gebt den Griechen einfach noch ein paar Jahre Geld. Es wird sowieso nur gedruckt. "

Der Haken dabei ist, dass arbeitsame Bürger ehrlicher Staaten mit diesem eh nur gedrucktem Geld belastet werden, und Kinder und Enkel ihr Leben lang dafür malochen werden.

Mein Rat kann nur sein, lasst Euch von diesen Rattenfängern nicht hinters Licht führen.

Re: Rattenfänger: Zweite Sichtweise...

Um, bei der zweiten Sichtweise zu bleiben, ohne das - von den Medien überstrapaziere Klischee - der Bösen und der Guten weiter zu vertiefen.
Krieg bleibt Krieg, auch wenn es bei uns "nur" ein Wirtschaftskrieg ist.
Fakt ist, sollte es keine EU mehr geben, werden die einzelnen Staaten zum Spielball der "Rating Agenturen".
Griechenland ist nicht Bolivien!!!

Re: Rattenfänger: Zweite Sichtweise...

naja da haben die Gläubiger Deutschland Österreich etc ja auch noch mitzureden! stellt sich dann überhaupt noch die frage, ob das Griechenland so will? und warum kann man, wenn das denn stimmen sollte, nicht die nächsten Zahlungen daran koppeln? ihr Gebt uns das Geld wir das etwaige Öl? warum lässt die Eu zu, dass USA und Israel sich da Vorrechte sichern?

Re: Re: Rattenfänger: Zweite Sichtweise...

Erdöl in einer anderen Währung als Dollar handeln bedeutet Krieg, ob Finanz- oder Realkrieg.
(siehe: Irak, Lybien, Syrien und -last but not least - Iran)

Griechenland ist nicht Bolivien!!!

Re: Zweite Sichtweise...

interessant! warum wird das außer acht von den Merkels, hollandes, Montis etc gelassen?

Re: Zweite Sichtweise...

das ist richtig. wurde von den systemmedien nie wieder aufgegriffen. dabei weiß man darüber seit den 70er Jahren Bescheid. einfach mal im Spiegelarchiv stöbern...

2 0

Re: Zweite Sichtweise...

absolut richtig!!

Dämliche Illustrationen

Bitte bringen Sie einmal eine Doppelseite mit Ihren Lieblingsfotos zum Friseurthema, damit wir dies auch hinter uns bringen können, und dann lassen Sie es bleiben.

Gast: nano 2
09.08.2012 07:38
7 0

Frau Fekter

Das gute Geschäft mit Griechenland, wo der österreichische Staat ja so ausgezeichnet an den Krediten an Griechenland verdient,löst sich in Luft auf.Dafür wird wieder ein Sparpaket geschnürt.Danke!

Gast: E.T.
09.08.2012 06:30
7 0

Aus für den Euro

Ich kann nicht verstehen, warum man sich nicht ein Szenario für die Auflösung des Euros in der derzeitigen Form sucht.

Griechenland und künftig andere Länder sind mit dem jetzigen System nicht zu retten. Der Moloch braucht immer mehr Geld, gleichzeitig sparen sie sich aber auch zu Tode, als es geht nicht aufwärts.
Ein System, wo alle nur verlieren können.

Wollen wir wirklich zusehen, wie ganz Europa in Armut und Bürgerkrieg versinkt.

Ich glaube, die einzige Möglichkeit zurück zu Nationalwährungen und Eigenständigkeit der Länder, also die Geldhohheit wieder an die Staaten oder eine Teilung des Euro in jeweils passende Regioneinheiten.


Ich kann nicht verstehen, warum man sich nicht ein Szenario für die Auflösung des Euros in der derzeitigen Form sucht

Tut man ja eh laufend. Es gibt ja durchaus eine Menge von Rahmenbedingungen mit dem Sinn, die gemeinsame Währung zu unterstützen.
Beispiel 1: Maastricht -Kriterien. Mit deren Bruch wurde die (damals "derzeitige") Form des der Euros aufgelöst bzw. geändert.
Beispiel 2: No-Bailout-Klausel. Ebenso.
Beispiel 3: EZB-Statuten mit der primären Anweisung, die Geldwertstabilität zu verfolgen. Ebenso.

Das Gesicht der Währung wird laufend geändert. EFSF, ESM etc. etc. laufen allesamt darauf hinaus.

Das ursprüngliche Projekt der gemeinsamen Währung gibt es inzwischen nicht mehr.

Antworten Gast: saalaufseher
09.08.2012 09:23
3 0

Re: Aus für den Euro

Die Politker führen die Krise herbei, um an der Macht zu bleiben. Künstliche Hungersnöte und Scheingefechte lenken das Stimmvieh am besten von Korruption, Ausschweifung, Dekadenz und Dummheit der Politiker ab. Auch die Neue Weltordnung lässt sich nur einführen, wenn die Völker physisch und psychisch am Ende sind.

Wenn die Leute bis zu den nächsten Wahlen nicht aufwachen, droht ein bitteres Ende.

4 0

griechenland

grichenland hat ungefaer 300 miliarden falsche euros staatsschulden das schaffen die USA in gerade mal drei monaten!!! es muss einmal das ganze geldsystem hinterfragt werden und wer dahinter steckt


Gast: b754
08.08.2012 21:57
0 3

habt ihr es immer noch nicht geschnallt dass mekel eine konkursverschlepperin ist

um die deutschen banken zu versorgen auf kosten des rests

Re: habt ihr es immer noch nicht geschnallt dass mekel eine konkursverschlepperin ist

Dass hier (seit Beginn) Banken (und nicht nur deutsche) auf Kosten der Allgemeinheit rausgekauft werden, ist ja soweit keine absolute Neuigkeit.

Und? Was machen wir jetzt mit dieser Information. Ganz einfach: Mehr vom Gleichen - meint zumindest unsere Bundesregierung.

Es ist nicht die Frage ob sondern nur wann und wie hoch der nächste Schuldenschnitt für Griechenland ist?

Da die Griechen ihre laufenden Ausgaben (ohne Zinsen und Kapitaltilgung) aus den laufenden Einnahmen nicht decken können, wird sich eine Gesundung des griechischen Haushaltes innerhalb der Eurozone niemals ausgehen. Folgt im September der längst überfällige GREXIT?

http://regionaut.meinbezirk.at/schoenkirchen-reyersdorf/wirtschaft/milliardengrab-eurorettung-d228001.html

Re: Es ist nicht die Frage ob sondern nur wann und wie hoch der nächste Schuldenschnitt für Griechenland ist?

sie vergessen leider, kein euro hat je das griechische volk erreicht. es wurden nur billige kredite, gegen teure kredite getauscht, verdient haben banken und spekulanten, wir aber zahlen die rechnung und das griechische volk zahlt die rechnung.

Antworten Antworten Gast: Verkonsumiert
09.08.2012 07:58
1 0

Re: Re: Es ist nicht die Frage ob sondern nur wann und wie hoch der nächste Schuldenschnitt für Griechenland ist?

Das Grichische Volk hat die ganzen Euros sehrwohl bekommen. Das ist halt schon einige Jahre aus und die sind zur gänze verkonsumiert worden ohne dass da eine entsprechende Wirtschaftsleistung dahinter stand.

Heute geht es um die Rückzahlung. Und da hapert es.

Und Wenn in der Staatskasse die Einnahmen geringer sind als die Ausgaben ist es egal ob da Euro oder Drachme hinter der Zahl steht.

Re: Es ist nicht die Frage ob sondern nur wann und wie hoch der nächste Schuldenschnitt für Griechenland ist?

Schön, haben Sie halt einen Leserbrief an das Bezirksblattl geschrieben. Sehr brav und das war ganz, ganz, ganz toll. Und jetzt, bitte, stören Sie nicht länger damit.

Antworten Antworten Gast: gertrudenora
08.08.2012 22:37
2 0

Re: Re: Es ist nicht die Frage ob sondern nur wann und wie hoch der nächste Schuldenschnitt für Griechenland ist?

Völlig falsch - wir haben auch dafür bezahlt, dass die Griechen mehr konsumieren als sie sich leisten können - ca. 120-150 Mrd. Euro in den letzten 7 Jahren. Dazu haften wir auch noch für das Vermögen, dass die reichen Griechen außer Landes schaffen, um dort den Steuern zu entgehen, und zwar via Target 2. Die Banken machen weniger als die Hälfte der Zahlungen aus, und die mussten schon einmal einen Schuldenschnitt hinnehmen. Bin auch ein Bankenfeind, aber was falsch ist, ist falsch

Re: Es ist nicht die Frage ob sondern nur wann und wie hoch der nächste Schuldenschnitt für Griechenland ist?

Schön, haben Sie halt einen Leserbrief an das Bezirksblattl geschrieben. Sehr brav und das war ganz, ganz, ganz toll. Und jetzt, bitte, stören Sie nicht länger damit.

Gast: newy123
08.08.2012 19:37
2 0

Zinsen vor Euro und nach Euroeinführung

Also ganz verstehe ich die Welt nicht mehr.
Vor der Einführung des Euro waren die Kreditzinsen für Griechenland (und auch IT/SP/PR) wesentlich höher als nach der Einführung der neuen Währung.
Es wurde also nur eine neue Währung eingeführt und das Länderrisiko hat sich auf nahezu 0 gesenkt?
Ich kann dieser Logik nicht so recht folgen, denn in diesen Ländern hat es keine anderen Anpassungen in dieser Zeit gegeben. Was rechtfertigte also diese veränderte Risikobwertung? Vielleicht haben die Investoren gewusst, dass uns bisher verborgen blieb!

Gast: Danke schön.
08.08.2012 19:32
5 0

Die Zeit wurde gut genutzt.

Zitat
Insgesamt besitzen öffentliche Gläubiger mittlerweile 73 Prozent der griechischen Staatsschulden, das sind 194 Mrd. Euro.
.........................

Tja, die Investoren haben die Zeit der "Rettung" gut genutzt, jetzt kann der Steuerzahler "die Krot fressen"

 
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