Marcel Fratzscher soll am 1. Februar 2013 die Leitung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) übernehmen. Schon jetzt lässt er aufhorchen. In einem Interview mit der "Financial Times Deutschland" (FTD) spricht er sich nicht nur für den Verbleib der Griechen in der Eurozone aus, sondern auch für deren Erweiterung. "Als überzeugter Europäer wünsche ich mir ganz langfristig einen europäischen Währungsraum mit allen 27 Mitgliedsländern", so der Wirtschaftsforscher.
Die bisherigen Schritte zur Lösung der Euro-Krise gehen Fratzscher noch nicht weit genug. "Die Eurozone wurde ohne politische, fiskalische und Bankenunion gegründet. Langfristig sind diese Schritte aber notwendig, um den Währungsraum krisenfest zu machen", sagte der 41-Jährige im Gespräch mit der "FTD".
Krisenländer werden wettbewerbsfähiger
Besonders wichtig sei es, "eine Ansteckung der Krise auf andere Euro-Staaten zu vermeiden. Das ist eine der größten Gefahren für Italien und Spanien und damit den gesamten Währungsraum", so Fratzscher. "Alle Euro-Südstaaten haben mit strukturellen und haushaltspolitischen Reformen begonnen, um wieder an Wettbewerbsfähigkeit zu gewinnen und die öffentlichen Defizite in den Griff zu bekommen." Nun gehe es darum, alle Maßnahmen rasch umzusetzen. Irland sei auf einem sehr guten Weg. Aber auch Länder wie Spanien, Portugal und auch Griechenland würden international konkurrenzfähiger.
Wirtschaftspolitischer Analyst bei EZB
Fratzscher ist derzeit noch Leiter der Abteilung für internationale wirtschaftspolitische Analysen bei der Europäischen Zentralbank (EZB). Der Ökonom ist dabei maßgeblich für die Formulierung von Politikpositionen zuständig. Momentan geht er in seiner Forschung der Frage nach, wie Notenbanken mit Märkten und Öffentlichkeit kommunizieren sollten.
Am Donnerstag beschloss das Kuratorium des Berliner DIW einstimmig, Fratzscher zum neuen Vorstandsvorsitzenden zu berufen. Die Vertragsverhandlungen sollen bald beginnen. Das DIW sorgte zuletzt für Schlagzeilen, weil es Zwangsanleihen für Reiche gefordert hatte (mehr dazu ...).
(Red.)
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