Athen/C.g./Red. Die Maßnahmenpakete, die griechische Politiker zurzeit schnüren, könnten Zeitungen füllen. Letzte Woche wurde ein Wachstumspaket für die griechische Wirtschaft verkündet, vergangenen Montag waren Privatisierungen dran. Staatsbetriebe sollen verkauft, staatliche Immobilien von Investoren genutzt werden.
Zufrieden sind jedoch die wenigsten. Der deutsche Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP), bekannt für seine harte Haltung gegenüber dem Balkanstaat, zeigte sich zuletzt „schwer enttäuscht“ von den Reformbemühungen des Landes. Außenminister Guido Westerwelle, ebenfalls FDP, forderte die Griechen auf, die Sparvorlagen der Gläubigertroika (EU, IWF und EZB) endlich zu erfüllen.
Tatsächlich laufen die Privatisierungen äußerst schleppend. Die Ergebnisse der laufenden Verkäufe werden vermutlich, wie so oft, weit hinter den Erwartungen zurückbleiben. In einem Bereich gibt es jedoch Fortschritte: Die lange verzögerte Bereinigung auf dem griechischen Bankensektor ist voll im Gange. Das kleine Griechenland leistete sich bislang vier große und drei mittlere Banken. Platz wäre nach europäischen Maßstäben aber nur für zwei Institute.
Kein Geld für Zombie-Banken
Nachdem Fusionen in den letzten Jahren trotz Konsolidierungsdruck gescheitert waren, hat der Schuldenschnitt von diesem Frühjahr den Stein ins Rollen gebracht: Die staatliche Agrarbank (ATE-Bank) wurde vergangene Woche in „gutes“ Vermögen für den neuen Eigentümer, die Piräus-Bank, und in eine „Bad Bank“ aufgeteilt.
Hintergrund für den Verkauf ist die Weigerung der europäischen Geldgeber, das Institut zu refinanzieren. Der Euro-Rettungsschirm EFSF stellt nach der Abschreibung der griechischen Staatsanleihen zwar 48 Mrd. Euro für griechische Banken zur Verfügung. Nicht überlebensfähige Institute wie die ATE-Bank bekommen aber kein Geld.
Der griechische Staat, der in den vergangenen Jahren vier Mrd. Euro bei der Sanierung der Bank „versenkt“ hat, verfügt über keine eigenen Mittel zu ihrer Rettung. Ein Konkurs hätte jedoch den Verlust von über 5000 Arbeitsplätzen bedeutet. So wählte man die Lösung der „bösen Bank“ und des Abverkaufs der gesunden Bestandteile an die Piräus-Bank, die den Erhalt sämtlicher Arbeitsplätze garantiert. Sie macht ein gutes Geschäft, denn sie wird lediglich 95 Mio. Euro an die „Bad Bank“ zahlen, erhält dafür aber Vermögenswerte in Höhe von 27,5 Mrd. Euro und das gesamte Filialnetz. Den Personalstand will man allein durch Frühpensionierungen verringern.
Franzosen müssen nachschießen
Nächster Übernahmekandidat ist die Commercial Bank, von der sich ihr Eigentümer, die französische Crédit Agricole, trennen will: Bis zum Angebotsschluss am Mittwoch haben die drei größten griechischen Banken – National Bank, Eurobank EFG und Alpha-Bank – entsprechende Angebote abgegeben. Dritter Verkaufskandidat ist die staatliche griechische Postbank. Weitere ausländische Investoren, darunter die französische Société Générale (Mehrheitseigentümerin der Geniki Bank), wollen ihr Engagement in Griechenland ebenfalls beenden.
Die Crédit Agricole wird aller Voraussicht nach aber noch einige Milliarden aufwenden müssen, um die Commercial Bank, in die sie bereits an die fünf Mrd. Euro investiert hat, an den Mann zu bringen. Griechenland fordert von den Franzosen nach Presseberichten eine Mitgift von zwei Mrd. Euro, dazu kommen noch um die 500 Mio. Euro zur Absicherung vor faulen Krediten.
Geht es nach den Bietern, muss sich Crédit Agricole zudem noch an der Kapitalaufstockung der neuen griechischen Großbank beteiligen. Denn nur wenn zehn Prozent des Kapitals einer Bank von privaten Investoren kommen, entgeht sie der vollständigen Verstaatlichung und kann das Management selbst bestimmen. Schon im Mai hat die griechische Regierung nach Auszahlung der ersten acht Mrd. Euro aus dem Euro-Rettungsschirm für die Bankenrefinanzierung staatliche Aufpasser in die Bankenvorstände entsandt.
Der griechische Bankensektor dünnt sich aus. Der Staat hat seine Agrarbank bereits kostenfrei der Piräus-Bank überlassen. Nächster Übernahmekandidat ist die Commercial Bank, bis dato im Besitz der Crédit Agricole. Im Vergleich zu anderen EU-Ländern ist Griechenland massiv „overbanked“. Es wird erwartet, dass die Konsolidierung weitergehen wird. Vom Rettungsschirm können tote Banken nicht mehr viel erwarten.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.08.2012)

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