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Griechenland: Kehraus am Bankensektor beginnt

12.08.2012 | 18:32 |   (Die Presse)

Der Staat trennt sich von seinen Anteilen an der ATE-Bank. Auch private Eigentümer, etwa französische Großbanken, ziehen sich vom griechischen Markt zurück. Nächster Übernahmekandidat ist die Commercial Bank.

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Athen/C.g./Red. Die Maßnahmenpakete, die griechische Politiker zurzeit schnüren, könnten Zeitungen füllen. Letzte Woche wurde ein Wachstumspaket für die griechische Wirtschaft verkündet, vergangenen Montag waren Privatisierungen dran. Staatsbetriebe sollen verkauft, staatliche Immobilien von Investoren genutzt werden.

Zufrieden sind jedoch die wenigsten. Der deutsche Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP), bekannt für seine harte Haltung gegenüber dem Balkanstaat, zeigte sich zuletzt „schwer enttäuscht“ von den Reformbemühungen des Landes. Außenminister Guido Westerwelle, ebenfalls FDP, forderte die Griechen auf, die Sparvorlagen der Gläubigertroika (EU, IWF und EZB) endlich zu erfüllen.

Tatsächlich laufen die Privatisierungen äußerst schleppend. Die Ergebnisse der laufenden Verkäufe werden vermutlich, wie so oft, weit hinter den Erwartungen zurückbleiben. In einem Bereich gibt es jedoch Fortschritte: Die lange verzögerte Bereinigung auf dem griechischen Bankensektor ist voll im Gange. Das kleine Griechenland leistete sich bislang vier große und drei mittlere Banken. Platz wäre nach europäischen Maßstäben aber nur für zwei Institute.

 

Kein Geld für Zombie-Banken

Nachdem Fusionen in den letzten Jahren trotz Konsolidierungsdruck gescheitert waren, hat der Schuldenschnitt von diesem Frühjahr den Stein ins Rollen gebracht: Die staatliche Agrarbank (ATE-Bank) wurde vergangene Woche in „gutes“ Vermögen für den neuen Eigentümer, die Piräus-Bank, und in eine „Bad Bank“ aufgeteilt.

Hintergrund für den Verkauf ist die Weigerung der europäischen Geldgeber, das Institut zu refinanzieren. Der Euro-Rettungsschirm EFSF stellt nach der Abschreibung der griechischen Staatsanleihen zwar 48 Mrd. Euro für griechische Banken zur Verfügung. Nicht überlebensfähige Institute wie die ATE-Bank bekommen aber kein Geld.

Der griechische Staat, der in den vergangenen Jahren vier Mrd. Euro bei der Sanierung der Bank „versenkt“ hat, verfügt über keine eigenen Mittel zu ihrer Rettung. Ein Konkurs hätte jedoch den Verlust von über 5000 Arbeitsplätzen bedeutet. So wählte man die Lösung der „bösen Bank“ und des Abverkaufs der gesunden Bestandteile an die Piräus-Bank, die den Erhalt sämtlicher Arbeitsplätze garantiert. Sie macht ein gutes Geschäft, denn sie wird lediglich 95 Mio. Euro an die „Bad Bank“ zahlen, erhält dafür aber Vermögenswerte in Höhe von 27,5 Mrd. Euro und das gesamte Filialnetz. Den Personalstand will man allein durch Frühpensionierungen verringern.

 

Franzosen müssen nachschießen

Nächster Übernahmekandidat ist die Commercial Bank, von der sich ihr Eigentümer, die französische Crédit Agricole, trennen will: Bis zum Angebotsschluss am Mittwoch haben die drei größten griechischen Banken – National Bank, Eurobank EFG und Alpha-Bank – entsprechende Angebote abgegeben. Dritter Verkaufskandidat ist die staatliche griechische Postbank. Weitere ausländische Investoren, darunter die französische Société Générale (Mehrheitseigentümerin der Geniki Bank), wollen ihr Engagement in Griechenland ebenfalls beenden.

Die Crédit Agricole wird aller Voraussicht nach aber noch einige Milliarden aufwenden müssen, um die Commercial Bank, in die sie bereits an die fünf Mrd. Euro investiert hat, an den Mann zu bringen. Griechenland fordert von den Franzosen nach Presseberichten eine Mitgift von zwei Mrd. Euro, dazu kommen noch um die 500 Mio. Euro zur Absicherung vor faulen Krediten.

Geht es nach den Bietern, muss sich Crédit Agricole zudem noch an der Kapitalaufstockung der neuen griechischen Großbank beteiligen. Denn nur wenn zehn Prozent des Kapitals einer Bank von privaten Investoren kommen, entgeht sie der vollständigen Verstaatlichung und kann das Management selbst bestimmen. Schon im Mai hat die griechische Regierung nach Auszahlung der ersten acht Mrd. Euro aus dem Euro-Rettungsschirm für die Bankenrefinanzierung staatliche Aufpasser in die Bankenvorstände entsandt.

Auf einen Blick

Der griechische Bankensektor dünnt sich aus. Der Staat hat seine Agrarbank bereits kostenfrei der Piräus-Bank überlassen. Nächster Übernahmekandidat ist die Commercial Bank, bis dato im Besitz der Crédit Agricole. Im Vergleich zu anderen EU-Ländern ist Griechenland massiv „overbanked“. Es wird erwartet, dass die Konsolidierung weitergehen wird. Vom Rettungsschirm können tote Banken nicht mehr viel erwarten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.08.2012)

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22 Kommentare
Gast: Not War-Make Win
13.08.2012 17:45
0 1

Wie schon einmal hier im Forum gesagt. Die südlichen EU-Schuldenländer sollten mithilfe der deutschen und französischen Solaranlagenbauer (Arbeitsplätze, Unternehmergewinne sprich Steuerleistung für das Kerneuropa) alle verfügbaren Flächen verbauen ( Arbeitsplätze für Südeuropa) und somit in die Lage gebracht werden ihre Schulden in Form von Stromlieferung langfristig abzuzahlen.


Zumindest die großen deutschen Solarproduzenten sind alle im Konkurs oder wurden ins Ausland, vornehmlich an China verkauft :-P


Gast: Ein Denkender
13.08.2012 14:29
0 1

Das Verschleudern

des Staatseigentums solls bringen??
Eine Einmaleinnahme und dann ab an reiche Ausländer - das ist die Lösung???
Kein Wunder, dass die deutsche Regierung so verhasst ist...

Gast: Gruftmaus
13.08.2012 13:49
0 0

MELDUNG!!!

ZOMBIE-BANK.
Griechen als Zombies zu bezeichnen ist meiner bescheidenen Meinung nach....noch juristisch näherer Begutachtung wert!
Auf jeden Fall "gewagt", würd ich mal sagen.

Wenn das einreißt, so haben wir bald eine Welt der sogen. Zombies.
Wer die Def. des Wortes "Zombie" kennt, der weis, was ich meine.

Das KO kommt vor der letzten Runde


Re: Das KO kommt vor der letzten Runde

In welchem Jahr wird ihrer Meinung nach, wenn es zu keinem KO kommen sollte, die letzte Runde eingeläutet?

..

Ist sowieso egal da sie ja eh alle vernetzt sind

Es ist immer eine Zeitfrage ob eine Panik eintritt!

Ist leicht an dem Unterschied z.B. bei Lehman's plötzlichen Crash und einer geordneten Insolvenzabwicklung wie bei so manchen europäischen Banken zu erkennen!


So oder so

muss jemand für die Schulden gerade stehen! Wer sind das?

Re: So oder so

1. der Schuldner
2. der Gläubiger

zu guter letzt wird der Staat, um seinen eigenen Finanzsektor nicht abschmieren zu lassen, einspringen müssen.


Antworten Gast: bezirkler
13.08.2012 13:40
1 0

Re: Kommt ein GREXIT??

schauns lieber, dass mit ihren unnedigen moserbezirksblättern net abhausen...

Gast: Economic Hit Men
13.08.2012 08:51
1 0

Läuft wie am Schnürchen....


11 1

Den Personalstand will man allein durch Frühpensionierungen verringern.

todsichere Sanierungsstrategie...

Hier geht es um sozialen Frieden oder auch die staatliche Handlungsfähigkeit erhalten!

Griechenland hat über 25% Arbeitslose, das Dreifache seit 2008. Bei den Jugendlichen haben über 50% keinen Job, was die Depression im Lande noch weiter puscht. Die mit einem hohem Ausbildungsstand versuchen das Land zu verlassen, was die Zukunftsaussichten noch weiter reduziert. Sämtliche öffentlichen und sozialen Einrichtungen fahren wegen Geldmangels auf Notbetrieb, ganz schlimm z.B. bei Spitälern!

Aber zur Beruhigung, die Mindestpensionen von etwa 380€/monat haben sich ebenfalls halbiert. Nur die Preise liegen mit 98 etwa auf dem Niveau von Deutschland mit 103 oder Österreich mit 105 Punkten.

Das ist ein Pulverfass, bei dessen Entladung von mehrwöchigen gewaltbereiten Protesten bis zum einem längerem Ausnahmezustand alles möglich ist ...

Re: Hier geht es um sozialen Frieden oder auch die staatliche Handlungsfähigkeit erhalten!

Mag sein, trotzdem kann man durch Frühpensionierung weder eine Firma noch einen Staatshaushalt sanieren.

Der soziale Friede in Griechenland ist mir, mit Verlaub gesagt, völlig wurscht.
Dass die österreichischen Haftungen schlagend werden ist sicher, die Frage ist nur wann und dann können Sie ihre oben geschilderten griechischen Verhältnisse 1:1 auf Ö umlegen.
Rettungsschirm wird es allerdings keinen geben...

Dqas ist der Versuch, um Österreich davor zu schützen!

Sie können das als als inflationäre Tendenz ansehen, denn nach Griechenland folgen Spanien, Italien, etc.

Für Deutschland, Schweiz, Niederlande oder in dessen Sog auch Österreich als Export orientierte Länder ist es dann nur eine Frage der Zeit. Alleine Deutschland, oder warum glauben sie das Merkle das untstützt, exportiert 7% ihres BIP oder besser gesagt fast 200 Mrd. in den Euroraum. Die BRD würde nach dem Einbruch der Euro-Exporte selbst zu einem Sozialfall!

Re: Dqas ist der Versuch, um Österreich davor zu schützen!

Das sind die üblichen Propagandamärchen.
Was hat es für einen Sinn, erst Geld, dass man selber gar nicht hat zu verleihen, um anschließend sich seine Exporte mit dem geliehenen Geld zahlen zu lassen?

Export ist nur in Länder ohne Euro relevant, da ist der Euro auch hilfreich weil es sich mit einer schwachen Währung leichter exportieren lässt.

Export ist nur in Länder ohne Euro relevant ...

Bitte erklären sie mir das, denn ich versteh es nicht!

Re: Export ist nur in Länder ohne Euro relevant ...

Was genau verstehen Sie daran nicht?

Gast: HB4242
12.08.2012 20:56
9 0

John Perkins,

der Autor von "Economic hitman" würde sagen, das Finale hat für GR begonnen ....

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