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Wunsch nach neuer Wirtschaftsordnung

16.08.2012 | 18:23 |   (Die Presse)

Angesichts der Krise sehen laut einer aktuellen Bertelsmann-Umfrage 81 Prozent der Österreicher das System an Grenzen stoßen. Nur jeder Vierte glaubt an Selbstheilungskraft des Marktes.

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Wien/Cu. Wirtschaftsliberalismus war in Österreich schon immer ein Minderheitenprogramm. Doch unter dem Eindruck der Finanzkrise scheint die antikapitalistische Grundströmung anzuschwellen. 81 Prozent der Österreicher sehen das „jetzige System an seine Grenzen“ stoßen. Sie fordern eine „neue Wirtschaftsordnung“, die „auch den Schutz der Umwelt und den sozialen Ausgleich in der Gesellschaft stärker berücksichtigt“. Nur 23 Prozent glauben an die Selbstheilungskraft der Marktwirtschaft.

Dieses Bild ergibt eine Studie, die das Institut TNS Emnid im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung als Diskussionsgrundlage für den heurigen Salzburger Trilog erstellt hat. Das Treffen begann am gestrigen Donnerstag. Auf der Teilnehmerliste fand sich unter anderen EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton.

 

Große Zustimmung für Sparkurs

Bertelsmann hatte dieselbe Umfrage schon vor zwei Jahren durchgeführt. Die Marktskepsis und der Postmaterialismus der Österreicher haben seither zugenommen. Im Jahr 2010 haben es noch 45 Prozent der Österreicher für mehr oder weniger wichtig für ihre persönliche Lebensqualität erachtet, Geld und Besitz zu mehren. Mittlerweile ist das nur noch für 31 Prozent der Befragten vorrangig. Ihre persönliche Gesundheit ist für 99 Prozent diesbezüglich das höchste Gut. Eine No-na-net-Antwort, die sich aus einer No-na-net-Fragestellung ergibt.

Genau in dieser wolkigen Ausrichtung liegt übrigens die Schwäche der Studie. Es werden Einstellungen abgefragt, die fast jeder unterschreiben kann. Wer sollte Umweltschutz, Gesundheit oder Frieden nicht als erstrebenswert erachten? Daraus erwächst aber noch kein Erkenntnisgewinn.

Ähnlich ratlos wie die politische Klasse erscheinen die österreichischen Bürger, wenn sie nach Auswegen aus der Finanz- und Schuldenkrise suchen sollen. 42 Prozent meinen, das Wirtschaftswachstum soll angekurbelt werden. 37 Prozent sind der Ansicht, Einsparungen sollten absoluten Vorrang vor Wachstum haben. Jeder Vierte gibt zu, die Antwort nicht zu wissen. Doch auch hier mutet die Fragestellung etwas seltsam an. Denn sie suggeriert, dass es nicht möglich sei, gleichzeitig Schulden abzubauen und Wirtschaftswachstum anzukurbeln.

Aufhorchen lassen könnte bei Politikern jedoch, dass ein strikter Sparkurs derart viele Anhänger findet.

 

(c) Die Presse / HR

(c) Die Presse / HR

Pragmatische Postmaterialisten

Bei aller Kapitalismuskritik und allem postmaterialistischen Hang zum Wahren und Schönen: Ganz abgeneigt sind die Österreicher dem Wirtschaftswachstum auch nicht. 80 Prozent halten es für wichtig oder sogar sehr wichtig „für die Lebensqualität in unserer Gesellschaft“. Neun Prozentpunkte weniger als vor zwei Jahren, aber immerhin.

Vielleicht ließe sich das Phänomen auf eine Formel bringen: Die Österreicher sind pragmatische Postmaterialisten.

Auf einen Blick

Der Salzburger Trilog wird von Bertelsmann-Stiftung und Außenamt organisiert. Gastgeber ist Vizekanzler Spindelegger, Diskussionsleiter am heutigen Freitag Ex-Kanzler Schüssel. Eingeladen waren unter anderen EU-Außenbeauftragte Ashton sowie die Ex-Premiers Kok (Niederlande) und Radicova (Slowakei).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.08.2012)

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36 Kommentare
 
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Zukunftstauglich?

Zur Aufgabe und Verantwortung steht, dass wir Wege finden von der heutzutage vorwaltenden auf quantitatives Wachstum versessenen Erfolgsgesellschaft hin zu einer auf qualitatives Wachstum orientierten Leistungsgesellschaft, die willens und befähigt ist, das Wirtschaften mit der Technik in die Gesamtzusammenhänge der kulturellen Entwicklungen mit den gemeinschaftlichen und den persönlichen Lebensführungen einzubinden. So dass im kritischen Lernen aus der Geschichte Bewährtes bestärkt und zukunftstauglich Neues geschaffen wird.

Zur „Selbstheilungskraft der Marktwirtschaft“ muss klarwerden, dass die Märkte nur in geregelten Toleranzen funktionieren und nur so die feindlichen Faktoren der Zwänge und der gewalttätigen Willkür überwinden können.

Gast: Volksmasse
19.08.2012 13:52
0 0

Selbstheilungskraft des Marktes

Die Realität wird's schon richten.

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Der Markt wird von

Spekulanten, Banken und ihren Hintermännern und ihren willfährigen Helfern in den Regierungen jeden Tag vergewaltigt.

Gast: gertrudenora
18.08.2012 16:00
0 0

Arme Marktwirtschaft

Es ist schon lustig, wenn die Leute auf die Märkte schimpfen, obgleich die Eurokrise nur durch das Abdrehen eines zentralen Martmechanismus, nämlich eines Preises (WECHSELKURS) verursacht wird. Der Euro verhindert künstlich Wechselkursanpassungen, das hat zu den Zahlungsbilanzungleichgewichten geführt, und die haben alle anderen Probleme verursacht. Unter Ökonomen eigentlich klar. Nur die Politiker verstehen das nicht, die aus Ostdeutschand kommende Merkel kann es sich nicht vorstellen, und Österreichs Bürger verstehen noch weniger davon, sodass die das den blinden Politikern nicht mal vorwerfen. Wie soll man da einen Auweg finden?

Gast: herbert60
17.08.2012 15:31
2 0

=????

naja wenn dich persönlich diese krise nicht betrifft ist es solchen leuten egal und genau solche leute dies nie betrifft in den auswirkungen hocken in den gremien

Gast: iggi zu faul zum einloggen
17.08.2012 15:17
3 0

wo sieht irgendjemand einen freien markt ?

der staat haut die banken raus, der staat subventioniert, blockiert und kassiert an allen ecken und enden ... was wollen die 'marktkritiker' ? dass noch mehr detaillierte verordnungen von noch mehr beamten verwaltet werden, egal wie effektiv verordnung und verwaltung sind ? dass kleinbetriebe von noch mehr auflagen belastet werden ? alles verstaatlichen ? sowjetsystem ? traumland ?

Gast: motto power
17.08.2012 14:54
0 1

Vollbeschäftigung wäre ein Hit!!!

Ich will das Wirtschaftssystem der 60er in der EU. Das war damals sehr erfolgreich. Keynes is the King of economy!

Re: Vollbeschäftigung wäre ein Hit!!!

Keynes ist TOT!

0 0

Re: Vollbeschäftigung wäre ein Hit!!!

Warum in der EU?

Gast: Be-obachter
17.08.2012 13:40
3 0

Von allein

wird die neue Wirtschaftsordnung nicht kommen. Denn noch sitzen die Zocker fest im Sattel. Bis die Ordnung kippt, müssen noch viel mehr Menschen arbeitslos werden und kein Geld, sie zu versorgen.
Beispiel: die 30er Jahre des abgelaufenen Jahrhunderts.

Antworten Gast: Kuya
18.08.2012 00:30
3 0

das ist des Pudels Kern!

. . . oder es kommt eine neue "politische" Ordnung.
Zu wünschen, dass der Stronach dem Filz der der Pfründe- und Privilegienwirtschaft den Garaus machte.

Antworten Antworten Gast: Be-obachter
20.08.2012 16:38
0 0

Re: das ist des Pudels Kern!

Dass der Stronach momentan die besten Absichten hat, glaube ich sogar.

Aber leider findet er nicht die geeigneten Politiker für sein Vorhaben.
Keiner, der derzeit fest im Sattel und nah am Futtertrog sitzt, wird für Stronach seine Privilegien riskieren.

Liebe Leute, sitzt nicht gekauften Umfragen auf.

Marktwirtschaft sei ungeeignet, ist falsch. Wir hatten nämlich eine politisch gesteuerte durch Subventionen fehlgeleitete und verzerrte Marktwirtschaft, die Lobbyisten waren erfolgreich, wenn sich diese Meinung

die Marktwirtschaft sei schuld

eingebrannt hat.

Denken Sie bitte selbständig nach, wer an dieser Meinung Interesse hat, das sind Bürokraten, Lobbyisten, Politiker und Manager von großen Kapitalgesellschaften, die ihre Marktmacht nur mit Planwirtschaft gesichert sehen.

1 0

Re: Liebe Leute, sitzt nicht gekauften Umfragen auf.

Sie lesen das Geplärre jeden Tag hier: die EU ist schuld, der Euro ist schuld, ...

Nur was man selten zu hören bekommt: Die die enge Verknüpfung von Politik und Banken, welche die Finanzierung von Wahlzuckerl, Arbeitsplatzprogrammen ohne jeglichen Nutzen erst ermöglicht haben und noch immer tun, hat uns in die jetzige Lage getrieben.

Ein echter Spekulant arbeitet ganz anders als viele denken.

Sinn der ganzen Berichte ist die Ablenkung von Schuld, von den jetzigen Systemen.

Welche Fragen hat man denn eingangs gestellt, um....

.... festzustellen, das die Befragten überhaupt den Schimmer einer Ahnung von Volkswirtschaft haben, oder durften hier - wie im Parlament - Volksschullehrer mit Energetiker gleichermaßen mitreden?

Gast: unbeteilgiter
17.08.2012 08:43
2 1

Zusammenfassend kann man ...

sagen:

Tod der EU !

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Re: Zusammenfassend kann man ...

Komplexe oder suizid?

Krise ja, aber

die heutige Wirtschaftskrise ist durch Fehlentscheidungen poltischer Natur (Aufnahme der maroden Staaten in die Eurozone, Vergemeinschaftung der Schulden, usw.) entstanden. Mit anderen Worten die Eurokrise ist die Auswirkung von politischen Fehlentscheidungen sowie dem Unvermögen der Machthaber gemachte Fehler einzugestehen und zu korrigieren.

http://www.meinbezirk.at/schoenkirchen-reyersdorf/wirtschaft/grexit-folgen-fuer-oesterreich-d237908.html

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Jahrzehnte der sozialistischen Gehirnwäsche

haben aus fast jedem Österreicher einen latenten Kommunisten gemacht.
Nur zu Zeiten des dritten Reiches gab es noch mehr Propaganda und noch mehr wirre Ideen.

Gast: unbekannt12
16.08.2012 23:36
1 1

Ganz interessanter Beitrag.....

Ganz interessanter Beitrag.....
Keiner weiß mehr was eigentlich stimmt, das Volk wird bewusst für dumm verkauft!!!

http://info.kopp-verlag.de/video.html" target="_blank">http://info.kopp-verlag.de/video.html ganz interessante Beiträge zu all den Themen, Monti/Bilderberger lässt grüßen!

Und die Familie Goldman Sachs auch
http://www.format.at/articles/1231/935/337228/der-euro-reissbrettwaehrung
" target="_blank">http://www.format.at/articles/1231/935/337228/der-euro-reissbrettwaehrung

die Figuren sind gesetzt und man wartet nur noch auch die akzeptanz des Volkes (nennen wirs warten)

die neue ordnung wird

schneller und unerwarteter und völlig anders kommen, als wir alle miteinander uns das vorstellen können.

9 0

Wirtschaftsliberalismus

wenn eine bank, wie die HAA* haftungen vom land kärnten braucht, dann ist das kein Wirtschaftsliberalismus. das hat auch nichts mit spekulation im engeren sinne zutun.
das ist versagen und missbauch der politik. und genau mit diesem problem kämpfen wir jetzt.

erst erzählt man den leuten blödsinn, klar das dann bei jeder frage mehrheitlich blödsinn als antwort kommt.

*) ist wahrscheinlich in AT keine einzelfall, nur die anderen sind halt nicht bekannt. es geiern ja alle auf den ESM, anstatt mal alle haftungen von bund, ländern und gemeinden aufzuschlüsseln. in einem liberalen wirtschaftssystem wären haftungen von gebietskörperschaften nicht notwendig und auch nicht erwünscht. _so_ beginnt nämlich die vergemeinschaftung von schulden!

5 0

Re: Wirtschaftsliberalismus

ich will damit sagen, dass dem volk das wort im munde umgedreht wird. man erklärt dem volk permanent rot sei gelb.
wenn man mit den leuten spricht, ist die mehrheit der meinung, wer schulden macht soll diese auch bezahlen.

meine lieben, die gegen den liberalismus sind, DASS IST genau liberalismus!


"Wunsch nach neuer Wirtschaftsordnung"

Liebe Leute! Dieser Wunsch wird bestimmt erfüllt.
Nur wie, das ist eben die Frage.

http://www.banken-in-die-schranken.eu

Gast: gast45
16.08.2012 22:06
2 0

man muss die fragen nur richtig stellen

1) sind sie der meinung das leistung angemessen entlohnt werden soll ?
2) sind sie der meinung das bei parteienfinanzierung gespart und unnötige demokratie abgebaut werden musz ?
3) sind sie der meinung, das fachleute anstatt parteifreunde und freunderln das land regieren sollen ?
4) sind sie der meinung, dass das wohlergehen des landes wichtiger als das wohlergehen der EU ist ?

wetten das es auf alle vier fragen 100% ja gibt ? .. und warum wählen dann die leute anders :-):-)?

Antworten Gast: Hanst Wunder
17.08.2012 10:05
0 0

Re: man muss die fragen nur richtig stellen

ich bin v.a. der Meinung dass sie das und dass nicht unterscheiden können
danke
p.s. wer die Wahl hat, der hat die Qual

 
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