Finnland: Neuanfang durch den Euro-Crash?

17.08.2012 | 18:27 |  von anna gabriel (Die Presse)

Finnlands Außenminister Erkki Tuomioja beteuert, Helsinki habe längst Notfallpläne für ein Ende der Währungsunion entworfen.

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Wien/Helsinki/Brüssel. Markiert die seit Jahren schwelende Eurokrise den Beginn einer neuen Ära in der Geschichte der Europäischen Union oder ist sie gar – durch den möglichen Zerfall der Währungsunion – der Anfang vom Ende des Staatenbundes? Während an mancher Stelle die Rufe nach einem stärkeren Zusammenwachsen der EU-Mitgliedstaaten immer lauter werden, bereiten sich Regierungen anderswo schon einmal auf das sichere Ende der Eurozone vor.

So jedenfalls formulierte es der finnische Außenminister Erkki Tuomioja in einem Interview mit der britischen Zeitung „Daily Telegraph“. „Wir müssen uns auf die Möglichkeit eines Zerfalls der Eurozone einstellen“, forderte er. Sein Land habe die nötigen Vorbereitungen bereits getroffen, so Tuomioja. Den anderen Euro-Staaten riet er, ebenfalls Notfallpläne zu entwerfen.

 

„Nicht Position der Regierung“

Abweichend von der offiziellen Sprechart der EU kann der Sozialdemokrat einem möglichen Zerfall der Währungsunion auch positive Seiten abgewinnen. Ein solches Szenario könne der Staatengemeinschaft sogar helfen, besser zu funktionieren, argumentiert er. Skeptisch äußerte er sich allerdings zu Plänen für eine stärkere Integration der Staatengemeinschaft. Die Kritik auf Tuomiojas Aussagen ließ zwar nicht lange auf sich warten: Europaminister Alexander Stubb stellte klar, dass „die Spekulationen des Außenministers nicht die Position der Regierung widerspiegeln.“ Finnland stehe zu „100 Prozent zum Euro“.

Helsinki nimmt in der Eurorettung jedoch seit jeher eine harte Position ein: So hatte Finanzministerin Jutta Urpilainen Anfang Juli damit gedroht, eher aus dem Euro aussteigen zu wollen, als für die Schulden anderer Euroländer zu haften. Auch einer Bankenunion, wie sie derzeit heftig debattiert wird, erteilte Urpilainen eine Absage. Finnland ist zudem das einzige EU-Land, das für seine Beiträge an den Finanzhilfen für Griechenland und Spanien Sonderabsicherungen verlangt hat.

 

Bundesstaat nur nach Euro-Aus?

Dass das Ende der Gemeinschaftswährung die Chance für eine echte Umstrukturierung der EU sein könnte, glaubt indes auch der deutsche Europarechtler Thomas Schmitz. Allerdings würde dieses Ereignis seiner Meinung nach zu einem engeren Zusammenrücken aller EU-Mitgliedstaaten führen. „Erst wenn der Euro crasht, wird das Konzept eines europäischen Bundesstaats wahrscheinlicher“, so Schmitz. Eine grundlegende Umgestaltung, wie sie von vielen Seiten gefordert wird, sei zwar schon jetzt dringend nötig. Aber: „Europa hat es in seiner langen Geschichte nie verstanden, sich rechtzeitig zu reformieren.“

Auf einen Blick

Im Zuge der Krise wird auch der Ruf nach einem engeren Zusammenrücken der EU-Mitgliedsländer in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht immer lauter. Ein konkretes Konzept für „Vereinigte Staaten von Europa“ gibt es zwar noch nicht, das wahrscheinlichste Modell sieht aber ein parlamentarisches Zweikammersystem vor.

Die Kommission würde (mit einem direkt gewählten Präsidenten an der Spitze) die Regierung des neu gegründeten Bundesstaates stellen. Die erste Kammer könnte das Europäische Parlament stellen, das dann auch erweiterte Kompetenzen erhalten würde.

Parallel dazu würde eine Länderkammer installiert, in die wohl Mitglieder der Regierungen entsandt würden – so wäre sichergestellt, dass die Nationalstaaten großen Einfluss bewahren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.08.2012)

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11 Kommentare
Gast: r-tiroch@t-online.de
20.08.2012 09:24
0

Kriesenvorbeiseinkoller

die Währungsreform steht desshalb vor der Tür, weil Monti heute behauptet hat, dass die krise mal wieder vorbei sei, obwohl sie explodiert und sich mehrere EU-Länder bereits dafür Rüsten.

Ich schätze,

das das Zerplatzen des Euros mit einer Währungsreform einhergehen wird/muss.

D.h. die Sparer und Gläubiger werden einen großen Teil ihres Geldes verlieren.
Gleichzeitig wird das wirtschaftliche Gefüge in Europa, so wie wir es kennen, Geschichte sein.

Leute bringt euer Kapital in Sicherheit.

Gast: Wladimir Iljitsch Uljanow
18.08.2012 10:45
4

Die größte Unwahrscheinlichkeit ist also doch eingetreten:

Es gibt sie also doch noch:

Mitdenkende Sozialdemokraten!

Einfaches Naturgesetz

Das alte muß sterben, damit das Neue eine Chance hat. Wenn das den Politikern bewusst wird.......

Gast: finnenwege
18.08.2012 05:34
3

finnland war schon immer einen wichtigen schritt voraus/ der eurozusammenbruch ist schon im gange, nur die SPOE politiker wie faymann wollen das nicht zugeben und pumpen noch abermrd. steuergelder der asvg arbeitnehmer und asvg pensionen in dieses gescheiterte teuroexperimient. den reichen und banken gefaellts naturlich und die faymann SP macht bei dieser steuergeldumverteilung wie immer mit.


Gast: b745
17.08.2012 22:20
3

wichtigtuer welches land hat diese pläne nicht


Gast: Demokrit
17.08.2012 20:58
3

Crash ist vorprogrammiert

Wir befinden uns in einer weltweiten Währungskrise. Das derzeitig gültige System der schwindelerregenden Geldschöpfung (ohne Goldbindung, ohne Gegenwert - da steht nicht einmal eine Semmel dahinter) führt unweigerlich zum finanziellen Kollaps. Es ist mathematisch unwahrscheinlich, wenn nicht sogar unmöglich, diesem Crash zu entkommen. Wir alle sind Opfer dieses Systems. Gibt es eine Lösung? Wenn man die Gier der Hochfinanz und der Politik in Rechnung stellt, bleibt wenig Hoffnung. Die Verantwortlichen spielen auf Zeit. Der große Knall wird so sicher kommen wie der Kater nach dem großen Gelage.

Euro-Crash? - Immer mehr Menschen

haben Angst und beginnen, sich auch Nahrungsvorräte anzulegen; mir hat heute sogar jemand empfohlen, auch Trinkwasser zu lagern. Diese Sorgen dürften Fayman, Fischer bzw dem Koalitionspartner nicht bekannt sein, sonst hätten sie sich doch sicherlich längst medial ausführlich auch dazu geäußert?!

Re: Euro-Crash? - Immer mehr Menschen

Auch ein Munitionslager kann nicht schaden.

Antworten Gast: xxxyyyzzz
17.08.2012 20:21
4

Re: Euro-Crash? - Immer mehr Menschen

sind hysterische, irrational handelnde Menschen die sich insgeheim den großen Crash, der ihnen von all den Bauernfängern, Populisten und dergleichen schon so lange eingeredet wird wünschen.

Was sollen sie auch sonst auch mit all den Notrationen und Reserven, die sie gehortet haben, und dem Gold im Nachtkästchen, das sie überteuert da in viel zu kleiner Stückelung gekauft haben, sonst auch machen?

Re: Re: Euro-Crash? - Immer mehr Menschen

Sie böser Mensch Sie. Aber jetzt wo Sie´s ansprechen, muss ich mal Halbarkeitsdaten prüfen gehen;-)

Ernsthaft: Ich denke schon zu jenen zu gehören, die sich versuchen, "auf Eventualitäten vorzubereiten" - aber sehe das eher als Frage der Streuung von Anlagen. Sonst eher als Pessimist eingestuft schliesse ich mich doch Ihrer Sichtweise an: Vieles wird hemmungslos übertrieben - und ich denke auch: Nicht ganz ohne Lust.

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