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Spanischer Ort droht "Stadt ohne Ersparnisse" zu werden

21.08.2012 | 17:18 |   (DiePresse.com)

700.000 Anleger sind von einem Bankaktien-Skandal betroffen. Berater sollen riskante Papiere gezielt an schlecht informierte Kleinsparer verkauft haben.

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Tausende von Spaniern haben Angst um ihre Ersparnisse und ihre Altersvorsorge. Sie hatten auf die Empfehlungen von Bankberatern gehört und Vorzugsaktien von Geldhäusern gekauft. Viele solcher Papiere verloren infolge der Bankenkrise die Hälfte ihres Werts und lassen sich nicht mehr abstoßen. In ganz Spanien sind nach Schätzungen von Verbraucherverbänden etwa 700.000 Anleger von dem Skandal um die Vorzugsaktien betroffen.
In Nordwestspanien muss eine ganze Kleinstadt befürchten, zu einer "Stadt ohne Ersparnisse" zu werden, wie die Zeitung "El País" schreibt. In dem galicischen Ort hatte ein großer Teil der 19.000 Einwohner Sparguthaben für Vorzugsaktien verwendet.

Spanische Banken und Sparkassen hatten in den vergangenen Jahren diese Papiere im Wert von insgesamt 30 Milliarden Euro abgesetzt, um Kapital zu mobilisieren. Der Vorwurf: Berater sollen gezielt Kleinsparer, Rentner und Ungebildete ins Visier genommen und sie mit Erträgen von bis zu 7,0 Prozent im Jahr gelockt haben. Was viele Kunden wohl nicht wussten: Diese werden nur gezahlt, wenn die Geldhäuser entsprechende Gewinne erwirtschaften. Zudem lassen sich die Vorzugsaktien nicht ohne weiteres verkaufen. Anders als Sparguthaben werden sie bei einer Bankenpleite nicht vom Garantiefonds abgesichert.

Wirtschaftsminister will Vorschriften verschärfen

"Die Vorzugsaktien sind komplexe Finanzprodukte und hätten nicht an Kleinsparer verkauft werden dürfen", meinte Wirtschaftsminister Luis de Guindos. An diesem Freitag will die Regierung die Vorschriften für die Ausgabe solcher Papiere verschärfen. Die großen Banken wie Santander oder BBVA hatten bereits von sich aus ihren Kunden angeboten, die Vorzugsaktien, die kein Stimmrecht haben, gegen normale Aktien oder andere Wertpapiere einzutauschen.

Das Problem liegt bei Geldhäusern wie Bankia oder Novagalicia Banco, die nur mit staatlicher Hilfe vor einem Zusammenbruch bewahrt werden konnten. Die Vorzugsaktien dieser Banken lassen sich derzeit nicht einlösen. Und ausgerechnet diese Geldinstitute, die aus Zusammenschlüssen maroder Sparkassen hervorgangen sind, waren bei der Ausgabe von Vorzugsaktien besonders aktiv gewesen.

Regierung braucht Zustimmung aus Brüssel

Die Regierung würde den Kleinanlegern gerne helfen, aber sie steckt in der Klemme: Madrid hat die EU zur Rettung der Banken um eine Kredithilfe von bis zu 100 Milliarden Euro gebeten und kann in dieser Sache ohne Zustimmung aus Brüssel kaum etwas unternehmen. Die EU-Kommission verfolgt jedoch die Linie, dass bei der Sanierung der Banken auch die Aktionäre einen Teil der Verluste mittragen müssen.

"Banken, die staatliche Hilfen erhalten, dürfen die Steuergelder nicht dazu nutzen, ihre Kunden zu subventionieren", sagte EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia. "Die Vorzugsaktien müssen zu Marktpreisen gehandelt werden." Dies bedeutet nach einer Schätzung von "El País", dass 50 bis 60 Prozent der Einlagen verloren gehen könnten.

Verbraucherverbände organisieren Sammelklagen von Betroffenen gegen die Geldinstitute. In zahlreichen Orten Spaniens verlangen Anleger auf Protestkundgebungen ihr Geld zurück. Am vorigen Wochenende kamen 5000 Sparkassenkunden in Galicien im Urlaubsort von Ministerpräsident Mariano Rajoy zu einer Demonstration zusammen. Der Regierungschef hatte sich allerdings vorher in den Süden des Landes aufgemacht.

(APA/dpa)

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13 Kommentare

mit höheren renditen steigt nun einmal auch das risiko!

jeder der sich aktien, anleihen oder sonstige finanzprodukte kauft sollte das eigentlich wissen!

und dass renditen nur gezalt werden wenn gewinne anfallen, sollte wirklich jeder halbwegs klar denkende mensch wissen!

natürlich ist es blöd dass diese leute nun mit leeren händen darstehen, aber so ist das nun mal mit spekulieren, das kann halt auch nach hinten los gehen!

ich sehe auf alle fälle nicht ein, warum mit meinem geld, die gier und dummheit dieser investoren bezahlt werden soll, hätten diese ungebildeten kasperln sich halt besser informiert, und etwas über die methode mit der sie spekulieren in erfahrung gebracht!

ach ja, und das der bankberater, der mir die schuldscheine seines geldhauses verkauft, nicht unbedingt objetiv sein wird ist wohl relativ leicht auszumalen!

also was solls, behaltet euch den krempl, wir in österreich zahlen eh schon genug für die ganzen südländischen deppen, da müssen wir doch nicht auch noch die dummheit gieriger rentner und kelinanleger kompensieren!

Gast: maxxxximus
22.08.2012 08:58
1 0

komplex?

wenn ich jetzt im vergleich ähnliche produkte der österreichischen banken nehme, sind diese weder so komplex, noch wurde in der beratung betrogen (im normalfall)

"sie bekommen 3% mehr zinsen als sonst, dafür gibts die zinsen nur wenn die bank auch gewinn macht und der rückzahlungstermin wird von der bank gewählt"

der kunde machts und kann sich dann vier jahre später mysteriöserweise nur noch an die "3% mehr als normal" erinnern - weil er damit, dass eine bank mehrere jahre hintereinander keinen gewinn macht, gar nicht gerechnet hat. und wenn wir ehrlich sind: damals war anzunehmen, dass vielleicht ein schlechtes jahr ohne zinszahlung dabei ist, aber nicht, dass die halbe branche vor der pleite steht.

leider hats auch hier sicher wieder einige schwarze schafe gegeben, die diese produkte trotzdem als "komplett sicherern sparbuchersatz" angeboten haben ... und leider kann man die im nachhinein nicht mehr herausfiltern, sondern muss pauschal verurteilen

"Berater sollen gezielt Kleinsparer, Rentner und Ungebildete ins Visier genommen und sie mit Erträgen von bis zu 7,0 Prozent im Jahr gelockt haben."

das notwendige gegenstück zur "stadt ohne ersparnisse" müssen "berater ohne ersparnisse" werden!

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Re: "Berater sollen gezielt Kleinsparer, Rentner und Ungebildete ins Visier genommen und sie mit Erträgen von bis zu 7,0 Prozent im Jahr gelockt haben."

Liegt wahrscheinlich an den Vorgaben, die die Berater haben und so und so viele Verträge abschließen müssen, denn sonst sind sie weg vom Fenster. Ist ein Prinzip von "entweder ich oder der andere".

Was ich mir nicht erklären kann ist, daß es bis in die 80-iger Jahre viel mehr Geldhäuser gegeben hat. Die Beratung gut war und trotzdem haben diese Institute nicht gedarbt. Was ist in der Zwischenzeit schief gelaufen? Ist es der Wunsch gewesen, unbedingt am Weltmarkt mitzumischen. Und hat man bei dieser Gelegenheit sich am Ankauf amerikanischer Schrottpapiere ruiniert? Oder das neue System, wo AG's (auch Banken) verkauft wurden und der Kaufpreis schon allein davon hereingekommen ist, daß man ein paar Beteiligungen und oder Immobilien dieser Firma verscherbelt hat. Da können sicher ein paar betroffene Mitarbeiter dieser Firmen ein Lied davon singen! Komischerweise profitierten nicht einmal die Käufer, die sich ja da eigentlich kommod bereichern konnten!

Re: "Berater sollen gezielt Kleinsparer, Rentner und Ungebildete ins Visier genommen und sie mit Erträgen von bis zu 7,0 Prozent im Jahr gelockt haben."

:-)
Wobei man fairerweise anmerken muss, dass man nunmal keine risikolosen 7% erwarten kann. Das hat eigentlich gar nichts mit Wissen zu tun. Sondern mit der simplen Überlegung, dass das dann ja jeder machen würde. Somit jeder Anbieter "bieten" müsste.
Da es aber Produkte unter dieser Marke gibt, muss das einen Haken haben. Die Leute sind also schon auch ordentlich selber schuld.

Gast: Urin stinkt
22.08.2012 08:11
0 0

Bei unw das Gleiche mit Spaern und dem ital. MIlchriesen, oder

So lange die Provisioen der Aktienverkäufe den Einlagenutzen übersteigen, werden zuerst die eigenen Taschen gefüllt.

Gast: blauer Weana
22.08.2012 07:06
0 0

genau deswegen

bin ich gegen den ESM und gegen ähnliche Produkte.

Dadurch zahlen wir künftig für jeden Blödsinn im Sinne HypoAlpeAdria, Kommunalkredit, Volksbank DER KOMPLETTEN EU !!!!!

Gast: Halbwissen
21.08.2012 22:57
3 0

So ist das in einer degenerierten Welt !

Praktisch niemand kann und will in Sachen Geld Verantwortung übernehmen.

Lieber einen Wildfremden geben als darüber nachdenken und womöglich falsch liegen.

Re: So ist das in einer degenerierten Welt !

Exakt!
Die Frage ist: Warum ist das so?
Jeder hat Erfahrung mit Geld, hat´s jederzeit dabei, lebt damit. Und trotzdem lassen sich die Leute irgendeinen Unsinn verkaufen, der sogar normaler Logik widerspricht.
Das geht sogar soweit, dass sie Banken Geld dafür zahlen, dass sie ihnen Geld leihen dürfen (Girokonto). Zumindest alle unselbst. Beschäftigten können jederzeit ein Gratiskonto haben. Und offenbar ist das grösste Geheimnis: Mit Banken kann man tatsächlich handeln. Und zwar richtig.

Also warum?

Gast: Markus Trullus
21.08.2012 21:33
1 1

Immer noch größere Sauerreien kommen da zum Vorschein, Aber was hat das mit der EU zu tun?

Die kriminelle Begehrlichkeit lag also, wie viele vermuteten, eindeutig bei den Banken. Hier muss massivst aufgeräumt werden. Ich hab auch konkrete Vorstellungen, wie so was aussehen könnte; ich denke, andere auch schon....

Re: Immer noch größere Sauerreien kommen da zum Vorschein, Aber was hat das mit der EU zu tun?

blödsinn, die anleger sind selbst schuld!

wenn ich 7% rendite bekomme, also teilw mehr als das doppelte was ich für meinen mickrigen bausparvertrag erhalte, und diese anlageform laut dem dem ich das geld borge genauso sicher ist so stellt sich mir schon die frage warum er dann so großzügig ist und mir doppelt so hohe dividende zahlt!

absolut jeder, der sich auf das finanzparket begibt, muss wissen, dass mit höherer rendite IMMER auch das riskio steigt

jeder erwachsene mensch ist für sein eigenes handeln höchstpersönlich verantwortlich, und hat auch die konsequenzen dafür selbst zu tragen.
man kann nicht immer das verhalten einzelner auf andere umstände abwälzen (schwere kindheit, unwissenheit, böse betrügerishce banken,...) jeder kann sein geld investieren wie er will, er ist aber dann auch selbst dafür verantwortlich!!!

die anleger sind also selbst schud, hätten sie halt in deutsche oder österreichische unternhemen investiert, dort sind halt die renditen viel niedriger, aber dadurch eben auch viel sicherer!

Re: Immer noch größere Sauerreien kommen da zum Vorschein, Aber was hat das mit der EU zu tun?

Auszgezeichnete Frage. Hat wohl irgendetwas mit dem Wettbewerbsrecht zu tun. Ausserdem passt die Kombination Spanien/Banken in Zeiten wie diesen so schön zum Eurothema.

Dass Banken nicht den Zweck haben, ihre Kunden reich zu machen, ist soweit keine Überraschung. Dass sie zu den seltsamsten Mitteln greifen, auch nicht.

Aber dass sie dann nachher kommen und bei den schon Gerupften (die diesmal in der Rolle der Steuerzahler sind) nochmal die Hand aufhalten, ärgert mich auch. Durchaus nicht undenkbar, dass ich dieselben Fantasien entwickle, wie Sie;-)

Was Berater in Spanien im kleinen geschafft haben, machen andere Verantwortliche im großen, nämlich die Vernichtung von Geld.

http://www.meinbezirk.at/schoenkirchen-reyersdorf/wirtschaft/panikmache-euro-d324668.html

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