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Mario Draghi: Europas Hoffnungsträger

03.09.2012 | 18:09 |  Von unserem Korrespondenten OLIVER GRIMM (Die Presse)

Mario Draghi hat wegen der Entscheidungsschwäche der Politiker die Schlüsselrolle in der Schuldenkrise. Nun steht der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) vor seiner bisher wichtigsten Entscheidung.

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Brüssel. Wenn die Volksvertreter zaudern, müssen die Technokraten ran: Die Tiefe der politischen Krise Europas lässt sich auch daran erkennen, dass dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) jetzt die wichtigste Rolle in der Eingrenzung des Schuldenproblems zufällt. An Mario Draghi liegt es, den zerstrittenen und mutlosen Führern der zerzausten Währungsunion zumindest eine vorübergehende Atempause zu verschaffen. Am Donnerstag wird Draghi in Frankfurt verkünden, ob und wenn ja, wie die von ihm geführte Bank den von hohen Zinsen gequälten Regierungen Italiens und Spaniens beispringen will.

 

Die Wahl der richtigen Worte

Das ist in erster Linie eine Frage der Geldpolitik. Soll die EZB wie schon im Sommer vor einem Jahr auf dem Sekundärmarkt Staatsanleihen kaufen, um die Verzinsung dieser Papiere zu drücken und den Regierungen in Rom und Madrid bei der Finanzierung ihrer Budgets zu helfen? Oder reicht es aus, wenn Draghi seine Ankündigung vom Juli in neue Worte kleidet und erklärt, die Bank werde „alles tun, um den Euro zu retten“?

Das Handeln der Bank hat aber nicht nur eine geldpolitische, sondern auch eine fiskalpolitische Dimension. Sie kauft zwar keine Anleihen direkt von den Staaten; diese Form der direkten Staatsfinanzierung durch die Notenbank verbieten die EU-Verträge. Doch wenn die EZB auf dem Markt für Staatsanleihen interveniert, beeinflusst sie das Handeln der Politiker. Im schlimmsten Fall schafft sie damit Anreize ab, verantwortungsvoll zu haushalten. Das hat Silvio Berlusconi knapp vor seinem Abgang als italienischer Regierungschef vorexerziert: Kaum hatte die EZB ihre Bereitschaft zum Kauf italienischer Anleihen bekundet, erklärte Berlusconi seine unter dem Druck einer möglichen Zahlungsunfähigkeit gegebenen Versprechen zur Sanierung des italienischen Haushaltes für Makulatur.

Es darf also nicht wundern, wenn Draghi vor allem aus Deutschland Gegenwind weht. Der Anleihenkauf durch die Notenbank wird dort rasch auf die „Schuldenfinanzierung durch die Notenpresse“ heruntergedampft, was zwar fachlich grundfalsch ist, beim besorgten Volk aber auf offene Ohren stößt. Draghis wichtigste Aufgabe ist es folglich, den Anleihenkauf so zu gestalten, dass Bundesbankpräsident Jens Weidmann ohne Gesichtsverlust mitstimmen kann. Dabei springt ihm Jörg Asmussen, der zweite Deutsche im Führungskreis der Bank, zur Seite. Die EZB soll nur Anleihen solcher Länder kaufen, die sich gleichzeitig einem vom Internationalen Währungsfonds geschriebenen und zu überprüfenden Reformplan unterwerfen. Die Geldpolitik könne nämlich Versäumnisse der Fiskalpolitik nicht ausbügeln, erklärte Asmussen. Das müssten schon die Politiker tun.

 

Der deutsche Italiener

Das sieht Draghi genauso. Dem Römer, der am Montag 65 wurde, ist ein leichtfertiger Umgang der Politik mit dem Geld zuwider. „Mir ist die Geldwertstabilität darum so wichtig, weil ich in meiner Jugend in Italien gesehen habe, wie es ist, sie nicht zu haben“, sagte der am Massachusetts Institute of Technology promovierte Volkswirt und frühere Manager der Großbank Goldman Sachs bei seiner Anhörung im Europaparlament, bevor er am 1. November 2011 sein Amt vom Franzosen Jean-Claude Trichet übernahm. Dieses Bekenntnis zum stabilen Euro hört man vor allem in Deutschland gern.

Auf einen Blick

Mario Draghi ist seit 1. November 2011 Präsident der Europäischen Zentralbank. Der am 3. September 1947 in Rom geborene frühere Gouverneur der Banca d'Italia muss am Donnerstag seine bisher wichtigste Entscheidung treffen: Soll die EZB Anleihen kriselnder Euroländer kaufen oder nicht?

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.09.2012)

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38 Kommentare
 
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Gast: Reflector
05.09.2012 11:10
0 0

Korrespondent Grimm ist wohl Experte und Draghi Fan


Man erwartet schon Erklärungen eines Experten zu folgender Aussage, die im Artikel zwar aufgestellt, aber nicht näher erläutert wurde:

(...)
Der Anleiheankauf durch die Notenbank wird dort (Anm. Buba, Weidmann) rasch auf die „Schuldenfinanzierung durch die Notenpresse“ heruntergedampft, was zwar fachlich grundfalsch ist, beim besorgten Volk aber auf offene Ohren stößt.
(...)

Was ist da bitte 'heruntergedampft' (Was ist das denn für ein Prozess bitte?) und 'fachlich grundfalsch' Herr Grimm?

Oder wurde das aus Draghis Operettenbank Jubelfolder unreflektiert abgeschrieben?

1.) Ist der erste Teil der Aussage falsch, dass eine Anleihe eine Finanzierungsform durch Kreditgabe (in diesem Fall Überollung mit gleichzeitiger Erhöhung der Summe) ist?

oder

2.) Ist der zweite Teil der Aussage falsch, dass die EZB diese aus der elektronischen Presse durch Geldmengenerhöhung macht, also zusätzlich druckt?

Oder beide falsch?

Oder doch beide richtige Aussagen?

Nach meiner und vieler Anderer Meinung sind nämlich beide Teile der Aussagen vollkommen richtig.

Und nun zum Stabilitätsdrachen Draghi, Ehrlichkeit, Banken (GS) und Geldstabilität; wer nach Allem den GS Männern blinden Glauben schenkt, der muss wohl auch noch ans Chrsitkind glauben.

Sei Ihnen unbenommen, aber bitte nicht diesen Irrglauben missionarisch verbreiten!

D ist dabei die EZB nach dem Muster der Banco d' Italia umzugestalten, das sieht ein Blinder und eben auch Weidmann und viele Andere.

Gast: Hans im Glück
04.09.2012 14:36
0 0

Das wird noch Draghisch enden...


Wie zerbrechen wir den Küngel zwischen Politik, Banken und Wirtschaft!?


Der Bürgerkrieg rückt näher.

Vielleicht nicht heute und nicht morgen, aber sicherlich bis zum Jahr 2020.
Es wird Zeit Europa zu verlassen oder sich zu bewaffnen.

Antworten Gast: Hans im Glück
04.09.2012 14:37
0 0

Re: Der Bürgerkrieg rückt näher.

Wo wollen sie in einer Weltwirtschaftskrise "Ausländer" sein?

ein soldat von goldmann sachs

goldmann sachs kauft sich europa
GS drehte an der greichenland pleite und verdiente damit super geld...
jetzt sitzt ein braver soldat in der EZB

das sind die waren mafiosi... die skulls & bones
die bilderberger... die geheimbünde

Gast: smilefiile
04.09.2012 11:04
6 0

Wohin uns die,...



sogenannten Europahoffnungsträger gebracht haben, erlebt dieses Europa tagtäglich,..

Herzlichen Dank,....Goldman & Sachs und Konsorten,...

Gast: STFU
04.09.2012 09:17
2 0

Interessanter Artikel im Standard

auch die Kommentare mit den Links lesen!

ECO....

http://derstandard.at/1345165817702/Der-talentierte-Mr-Goldman-Sachs

Antworten Gast: BKM
04.09.2012 10:45
2 0

Re: Interessanter Artikel im Standard

Sehr interessant, danke für den Tipp. Das Netzwerk ist so aufschlußreich wie furchterregend.

Gast: gralchemist
04.09.2012 09:07
7 0

vorsicht - goldman sachs infiziert

jeder, der ein nahverhältnis zu goldman sachs hat oder hatte, muss besonders kritisch betrachtet werden!

Gast: EURO - Austritt
04.09.2012 08:43
3 0

Totengräber NICHT Hoffnungsträger


EU-Rettungspakete für Spanien und Italien würden die Kapazitäten des ESM um 150 Milliarden Euro sprengen, meinen Analysten der Credit Suisse.

Die Finanzierung eines Bailouts für beide Staaten ist demnach vor 2014 so gut wie unmöglich, da erst dann mit 400 Milliarden Euro die volle Kapazität des ESM erreicht wäre.

Draghi soll offensichtlich die Wirtschaftskraft des gesamten EURO Raumes im Interesse des PETRODOLLARS nachhaltig unterminieren.

10 0

Hoffnungsträger für wen?

Für die jungen Menschen, die keine Arbeit bekommen? Für jene, die noch Arbeit haben, aber die komende Altersarmut als bange Zukunftvision durchaus ernst nehmen sollten? Für die kleinen Sparer, die im Spagat, reale Inflation und mikrigste Verzinsung, tagtäglich ihre Kaufkraft verlieren?
Mit Sicherheit nicht! Dieser Mann ist Statthalter der Banken. Er setzt sich permanent über EU-Richtlinien hinweg - was die gleichgeschalteten Systemmedien anscheinend nicht stört. Dadurch wird der Kapitalfluss von öffentlichen Geldern mittels Transferunion zu den Banken abgesichert.
Wie käuflich ist die Presse schon geworden, daß sie einen derartigen Scharlatan zum Hoffnungsträger stilisiert?

Re: Hoffnungsträger für wen?

Ok Cerberus, sie sind jetzt Chef der EZB. Was sagen sie am Donnerstag?


Gast: Bärenfalle...
04.09.2012 06:49
9 1

Bekenntnis zum stabilen Euro.

Haha ...

Selbst die einfache Wurstsemmel kostet statt 5 Schillinge heute fast 20.

Sehr stabile Sache dieses Euro-Ding.

Aber schon interessant:

Wer etwa Wein panscht um aus wenig gutem Wein viel schlechten Wein zu machen ist ein Weinpanscher und wird bestraft.

Wer aus wenig gutem Geld viel schlechtes macht ist ein Geldpanscher .. und gemäß gleichgeschalteter Medien ein Held.

Wer wie Draghi plant die Sparvermögen der Europäer mittels der virtuellen Druckmaschine zu enteignen ist kein "Technokrat" sondern ein Hochleistungskrimineller.

Der "schwarze Kanal" von früher ist heute eine
mediale Dauerwerbesendung geworden.


Gast: spartacus
04.09.2012 06:34
16 0

Draghi ist ein Trojaner der Banken

Steigende Jugenarbeitslosigkeit, Sozialabbau mit kommender Altersarmut sind für diesen Statthalter der Banken zweitrangig - solange die Transferunion die Banken weiterhin auf unsere Kosten mästet.
Hoffnungsträger sehen anders aus - ganz anders!

Gast: little_brother_is_watching_you_too!
04.09.2012 00:43
12 0

europas...

... alptraum!

Gast: ein gast
03.09.2012 23:29
8 0

"wie die ... Bank den von hohen Zinsen gequälten Regierungen Italiens und Spaniens beispringen will"

S T R A F Z A L U N G E N (und kein "beispringen"!) wurden als unbedingte voraussetzung für den euro zwingend vereinbart und rechtswirksam beschlossen !!!

wenn das verletzen der stabilitätskriterien zu einem "beispringen" führt:
wer (bzw. welches land wird sich denn dann noch um die einhaltung der stabilitätskriterien bemühen???

wenn das "nicht-einhalten" geschenke und nicht negative konsequenzen nach sich zieht???

und wie stabil wird der euro dann noch sein???

aufwachen, liebe sparer!!!

mit m e i n e m ersparten geld wird sicher nicht "beigesprungen" werden, ich hebe vorher die restlichen euro-papierzetteln ab und lasse mir dafür etwas von wirklichem dauerhaftem wert geben!!!

damit ich unserer währung wieder vertrauen könnte, müsste die südliche euro-peripherie und, ja, auch frankreich aus der eurozone ausgeschlossen werden!!!!!
die zahlreichen zuwanderer in frankreich machen mir nämlich nicht den eindruck, als ob sie an einem soliden staatshaushalt interessiert wären und wenn der eben nicht zusammengebracht wird, dann wird inflation als scheinbarer (bestenfalls sehr kurzfristiger!) "ausweg" gewählt werden!!!

Gast: bankersindkeinehoffnungsträger
03.09.2012 23:22
10 1

draghi der italienische banker soll ein hoffnungsträger für europa sein? banker haben niemals in der geschichte für das wohl des volkes gearbeitet-sondern haben es den reichen eliten und spekulanten gerichtet- und dies immer auf kosten der arbeitenden menschen


9 0

SIEG

des Neoliberalismus über die Politik. Anstatt das Politiker Bemühungen anstellen, die richtigen Weichen zu stellen, überlassen sie das Handeln den Bankern.

Gast: dazergast
03.09.2012 22:53
1 1

muhahaaaa ...

... der ist wirklich gut!!!

Gast: Gegen globale Ausbeutung
03.09.2012 22:38
5 0

Die Handlanger der übelsten Familienclans haben die wichtigsten Positionen in der EU besetzt

Genau die sind sicher unsere Retter.

.

Mario Draghi "mir ist die Geldwertstabilitaet sooo wichtig" man muss ihm jetzt nur noch erklärten, dass Monetarisieren von Italiens Schulden nicht anti-inflationaer wirkt.....Spannend wäre, ob diese PR Kampagne in deutschsprachigen Medien direkt von den Banken oder von der EZB gezahlt wird. Und ob wir bald lesen duerfen "Eurobonds sichern unsere Arbeitsplaetze.."

Gast: Humpelstilzchen
03.09.2012 22:13
7 0

Bilderberger und GS - eine echte Hoffnung...


Re: Bilderberger und GS - eine echte Hoffnung...

und Italiener. Es fast zum lachen!!

...

goldman sachs---> unsere Hoffnung!
oder unser Henker?

11 0

Was ist schief gelaufen,


dass so ein Mann wie Mario Draghi mit so einer schmierigen Goldman-Sachs-Vergangenheit zum Chef der EZB ernannt wurde?

 
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