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Spanien verlangt "beherztes Eingreifen" der EZB

04.09.2012 | 16:44 |   (Die Presse)

Während die Großbank Bankia „Notinfusion“ erhält, schlittern immer mehr Regionen in die Pleite: Mit Andalusien ist nun die vierte von 17 Provinzen auf Hilfe aus Madrid angewiesen. Der Kapitalmarkt ist versperrt.

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Madrid/ag./ju. In Spanien spitzt sich die Lage gefährlich zu: Der staatliche Bankenrettungsfonds musste Montagabend hastig 4,5 Mrd. Euro für die Großbank Bankia loseisen, nachdem die Kernkapitalquote des schwer schlingernden Instituts nach der Bekanntgabe eines Megaverlusts deutlich unter die Mindesterfordernis zu fallen drohte. Und mit Andalusien stellte sich die vierte Region um Hilfsgelder bei der Zentralregierung in Madrid an. Zuvor hatten schon Valencia, Katalonien und Murcia wegen akuter Pleitegefahr den Canossagang nach Madrid antreten müssen.

Analysten sehen das als sicheres Zeichen dafür, dass Spanien nicht nur EU-Hilfe für seine Banken benötigt, sondern schon demnächst ganz unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfen wird.

Bankia hatte gegen Ende der Vorwoche einen Halbjahresverlust von mehr als vier Mrd. Euro ausgewiesen. Die Montagabend losgeeisten Milliarden sind allerdings Teil eines Hilfspakets von insgesamt 23,5 Mrd. Euro, das für Bankia schon bereitsteht. Die aus mehreren Not leidenden Sparkassen eilig zusammenfusionierte Bank war vor allem wegen ihres hohen Anteils an „notleidenden“ Immobilienkrediten schwer ins Schlingern geraten. Insgesamt hat Spanien für seine Banken Finanzhilfen über 100 Mrd. Euro angemeldet.

Damit sind die Banken nach derzeitigem Stand noch das deutlich größere Problem als die Regionen, für die die Regierung einen mit 18 Mrd. Euro dotierten Notfonds installiert hat. Der Fonds wird unter anderem aus Lottoeinnahmen gespeist.

Ob er reicht, ist freilich fraglich. Bisher haben vier der 17 Regionen um Staatshilfe gebeten. Darunter das sehr separatistisch gestimmte Katalonien, dessen Regierung der Gang nach Madrid besonders schwergefallen sein dürfte. Es gilt aber als sicher, dass weitere folgen werden. Die Regionen sind durch die Bank hoch verschuldet und haben Probleme, auf „normalem“ Weg noch zu Finanzmitteln zu kommen. Einigen ist der Weg an den Kapitalmarkt unterdessen praktisch versperrt.

Moody's stuft ganze EU herab

Die Probleme Spaniens dürften ein wesentlicher Mitgrund dafür sein, dass die Ratingagentur Moody's den Ausblick für die gesamte EU auf „negativ“ gestellt hat. Der Warnschuss der Agentur kam am Dienstag. Am selben Tag verlangte der spanische Wirtschaftsminister Luis de Guindos in einem Interview mit dem deutschen „Handelsblatt“ ein beherzteres Eingreifen der Europäischen Zentralbank. Es gelte, die Zweifel am Euro auszuräumen und den Märkten klarzumachen, dass die Europa-Währung irreversibel sei, meinte der spanische Minister. Dafür, so Guindos, könnte es kurzfristig nötig sein, „dass die EZB agiert“.

Unter „Agieren“ versteht Guindos wohl direkte Ankäufe spanischer Staatsanleihen durch die EZB, wogegen sich Deutschland vehement sträubt. Möglicherweise wird die EZB schon bei ihrer morgigen Sitzung in Frankfurt über weitere Anleiheankäufe entscheiden. Beobachter meinen freilich auch, dass die Währungshüter erst den Spruch der Karlsruher Verfassungsrichter über die Verfassungsmäßigkeit des europäischen Rettungsschirms ESM abwarten. Dieser Spruch wird für den 12. September erwartet.

Tourismus vor Rekord

Unterdessen kommen spärlich auch positive Nachrichten aus Spanien: Das Land profitiert offenbar vom Einbruch im griechischen Tourismus und erwartet heuer für diesen Wirtschaftszweig, der knapp mehr als zehn Prozent des BIPs erwirtschaftet, ein Rekordergebnis.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.09.2012)

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22 Kommentare
Gast: Warth
04.10.2012 12:48
0 0

Vertrauen in die Politik

Schäuble lügt! Hinter den Rücken der Euro-Europäer wird das Geld in den Sand gesetzt.

Gast: Bonn
04.10.2012 12:44
0 0

Stolze Versager

Spanien ist für die Probleme selbst verantwortlich. Mit Stolz kann keine Wirtschaftspolitik betrieben werden. Das Land sollte schnell den Stolz ablegen und endlich richtige Reformen durchführen.

der € ist irreversibel !

auf kosten einiger, weniger länder. dieser kleine club hat gottseidank in den europäischen entscheidungsgremien keine mehrheit mehr !

hasta la vista !

Gast: BDSU
06.09.2012 13:49
0 0

Zahlen und die Go.... halten!

Und wer wird uns helfen wenn wir dank der Spanier, Griechen, Slowenen etc. am absaufen sind?!


Warum sollte die EZB eingreifen?

Die Spanier haben ihre Probleme (so wie alle anderen Pleitestaaten) selbst verursacht. Warum also sollen wir das nun bezahlen müssen? Z.B. mit alljährlichen Pensionskürzungen und Kahlschlägen im Sozialsystem....

Re: Warum sollte die EZB eingreifen?

die wollen nur unser Geld, das Geld der anderen!
Aber große Lippe....

Gast: unbeteiligter
05.09.2012 08:38
3 0

und wenn das ein Normalsterblicher macht....

dann bekommt eine betrügerische Krida aufgebrunmt

..
in der Eudssr gibts dafür den Karlspreis als aussergewöhnlicher Europäer.

Tod der EU !

Gast: xs1
05.09.2012 05:54
0 0

und wir, was tun wir? wir wählen sie ein weiteres mal...

geht der euro und mit ihm die union zugrunde, dann folgen massenarbeitslosigkeit und armut in den mitgliedsstaaten. die als dumpfe schwüle bereits wahrnehmbaren vorhandenen ressentiments verstärken sich, die gewitterwolken der politisierung der feindseligkeiten und gegenseitigen schuldzuweisugen ziehen am horizont auf und eventuell wird europa ein weiteresmal in einem jener feuerstürme untergehen, die überhaupt erst zur gründung der EU und ihrer vorläuferorganisationen geführt haben.

doch was tun unsere politiker?
sie geben uns regenschirme, gefertigt aus unserem eigenen papiergeld und trocken wie zunder. sie sind den ratingagenturen hörig und verabschieden sparpakete, die dem goldenen herz unserer gesellschaft immer weiter die luft zum atmen abschnüren.

1 0

Gibt es das?

"Der Fonds wird unter anderem aus Lottoeinnahmen gespeist."

Lottoeinnahmen? Habe ich richtig gelesen? 6 Richtige heißt Anleihekauf durch EZB und die Zusatzzahl ESM?

Goldman Sachs

eine Bank regiert die Welt

Gast: prison planet
04.09.2012 21:29
0 0

beherztes Eingreifen - ja, für die Justiz.

http://de.euronews.com/2012/07/04/spaniens-justiz-ermittelt-gegen-fruehere-bankia-manager/
" target="_blank">http://de.euronews.com/2012/07/04/spaniens-justiz-ermittelt-gegen-fruehere-bankia-manager/


Zitat
Bankia hatte noch im Februar einen Gewinn von fast 310 Milliarden Euro gemeldet, im Mai wurde die Zahl auf ein Minus von drei Milliarden korrigiert. Bankia forderte Finanzhilfen in Höhe von 19 Milliarden Euro an.
---------------------

Irgendwo muss der Spass aufhören, oder?

Langsam erscheint die Berichterstattung mehr als konfus.

Re: beherztes Eingreifen - ja, für die Justiz.

Nun, das ergibt sich einfach daraus, dass man mit Bankbilanzen (fast) machen kann, was man will, wie ja auch die Erste unter Treichl kürzlich gezeigt hat. Und zwar ist das buchhalterisch sehr simpel: man kann z.B. Kredite wertberichtigen oder abschreiben un das mehr oder weniger "nach Ermessen", nämlich aufgrund der Einschätzung(!) ob ein Kredit künftig(!) einbringlich sein wird oder nicht. Und dann kann man noch Beteiligungen auf oder abwerten, wer weiß schon, was ein Unternehmen wirklich wert ist (siehe Facebook....), ebenso kann man das mit nicht börsennotierten Wertpapieren machen. All diese Dingen schlagen natürlich direkt und 1:1 in der G u. V durch. Wenn man also (wie die Erste) her geht und plötzlich alle Ostbeteiligungen abwertet (aus "kaufmännischer Sorgfalt" natürlich...) wird innerhalb von 19 Tagen aus 800 Mio. Gewinn 800 Mio Verlust, was Herrn Treichl nichts ausmacht, weil ihn trotzdem niemand rauswirft. So einfach ist das und genau so machen das die Spanier um nun ihre Leichen im Keller auf Kosten der Pensionisten und des Sozialsystems "anständig" wirtschaftender Staaten endlich los zu werden.

Zuerst Milliarden aus EU-Subventionen...


...in sinnlosen Projekten verbrennen

....dann Milliarden in einer Immobilienblase verbrennen

....und jetzt sollen wieder Milliarden mitels EZB verbrennen.

Mir reichts, daß ich dafür haften und zahlen soll und die Inflation angekurbelt wird.

Auf eine derartige Solidaridät sch...ich.

3 0

Spanien verlangt „beherztes Eingreifen“

Der Drogenabhängige nach Freigabe der Drogen
Der Mordlustige nach weniger Selbstverteidigung
Der Adipöse nach mehr Zucker und Fett
.
.
.

Gast: Vogel Strauss
04.09.2012 13:14
2 0

Frage!

Warum schicken die Spanier immer den 'Wirtschaftsminister' nach Brüssel? Haben die keinen Finanzminister? Oder ist De Guindos in Brüssel besser vernetzt??

Gast: Hutbürger
04.09.2012 11:09
2 0

Hallo, ist da jemand?

Die EU-Länder sind aufgereiht wie die Domino-Steine. Nachdem die ersten Steine umgefallen sind, sollten wir uns nicht wundern, wenn nach und nach auch die anderen Steine purzeln. Aber bei jedem Stein, der zu wackeln beginnt, wird mit Zittern und Bangen zuerst alles dementiert und schließlich dann doch um Hilfe gerufen. Es wird unbegründete Hoffnung geschürt, da werden Illusionen genährt, Rettungsprojekte verabschiedet etc. - alles für die Katz. Es ist immer die gleiche Handlung in diesem Film, aber wir schauen ihn uns jedes Mal mit anderen Darstellern an.

Gast: BKM
04.09.2012 10:51
7 0

Chuzpe

Das nenn ich Chuzpe. Sitzt in seinem iberischen Finanzwrack, spuckt große Töne und stellt Forderungen. Beeindruckend.

"Zunächst müssten aber die Bedingungen geklärt sein"

Der gute Mann meint wohl, wenn die EZB eine großzügige Lösungen anbietet, wird er auch viel großzügiger zulangen! De Guindos, mir graut vor dir! mfg

Gast: gast45
04.09.2012 09:16
1 0

sind eben wortverdreher

wenn ein bankkunde der weil er nicht zaht keinen kredit mehr bekommt, und der sagt dann er wird von spekulanten angegriffen, oder er ist ein bollwerk der solidarität, fragen ihn alle ob er angerennt ist ..

wenn politiker das gleiche in bezug auf durch wahlzuckerln entstandene staatsschulden sagen, nicken alle statt ihm auch zu fragen ob er angerennt ist :-):-)

Gast: Hans im Glück
04.09.2012 08:49
2 0

Sie werden damit bis nach dem 12. September warten...

Nach dem Richterspruch werden die Fetzen fliegen... die Papierfetzen oder die Politfetzen...

Re: Sie werden damit bis nach dem 12. September warten...

...zu hoffen ist, dass diese Richter ein Quantum Intelligenz haben und den ESM kippen. Dann sollte endlich Ruhe sein mit diesem Wahnsinn.

Re: Re: Sie werden damit bis nach dem 12. September warten...

hoffentlich - müsste ja so sein, wenn in DE noch irgendwer das GG ernst nehmen sollte !

allein, mir fehlt der glaube - es wird ein "ja, aber", wobei das "aber" in 3 wochen bereits vergessen ist....

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