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EZB greift ein: Neuer Kauf von Staatspapieren

05.09.2012 | 18:16 |  Von unserem Korrespondenten OLIVER GRIMM (Die Presse)

Nach einem halben Jahr ist Notenbankchef Draghi offenbar wieder bereit, in die Märkte für Staatsanleihen einzugreifen. Das soll Italien und Spanien zahlungsfähig halten - und Zeit für echte Lösungen schaffen.

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Brüssel. Den vermutlich berühmtesten Kommentar zur Macht der Anleihenmärkte hat James Carville formuliert, ein Berater des früheren US-Präsidenten Bill Clinton. Falls es die Wiedergeburt gebe, käme er gern als Anleihenmarkt zurück auf die Welt. Der könne nämlich jeden einschüchtern.

Von diesem Drohpotenzial der „bond markets“ können die Europäer seit Beginn der Schuldenkrise ein trauriges Lied singen. Da die Investoren immer weniger daran glauben, dass die Regierungen Spanien und Italien ihre Schulden voll begleichen können, lassen sie die Finger von deren Staatsanleihen. Darum sinkt ihr Wert, und ihre Verzinsung steigt, als Ausdruck des höheren Verlustrisikos. Müssen Rom und Madrid längerfristig mehr als sechs Prozent Zinsen für neue Schulden zahlen, sind sie irgendwann zahlungsunfähig.

So beißt sich die Katze in den Schwanz: Je höher der Argwohn der Geldgeber die Zinsen treibt, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass die Prophezeiung vom Staatsbankrott der Mittelmeerländer sich erfüllt. Kann man diesen Teufelskreis durchbrechen? Mario Draghi, der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), will es versuchen.

Heute, Donnerstag, wird er voraussichtlich bekannt geben, dass die Bank nach rund einem halben Jahr wieder bereit dazu ist, gezielt in die Anleihenmärkte einzugreifen. Draghi wird verkünden, dass die EZB in unbestimmtem Ausmaß Staatspapiere auf den Märkten kauft – allerdings nur solche mit einer Höchstlaufzeit von drei Jahren, und nur unter der Bedingung, dass ein Land, dem die Bank auf diese Weise hilft, sich gleichzeitig einem strengen Spar- und Reformprogramm unterwirft, das unter anderem vom Internationalen Währungsfonds überwacht wird.

Weder Rom noch Madrid hat bisher offen um so einen Eingriff der EZB gebeten. Doch Draghis Plan hat einen psychologischen Zweck: Die Anleger sollen darauf vertrauen können, dass die Notenbank bereit ist, den Markt für kriselnde Staatsanleihen zu stabilisieren. Ganz bewusst wird Draghi verschweigen, wie viele und welche Anleihen die EZB zu kaufen gedenkt und ab welchem Zinssatz sie zu intervenieren plant. Das würde nur Spekulanten einladen.

Kaputte Geldpolitik

Wer allerdings glaubt, die EZB wolle die Staatsschulden von Italien und Spanien übernehmen, irrt. Denn erstens verbietet ihr das der EU-Vertrag. Sie wird bereits begebene Anleihen auf den Märkten kaufen – so, wie sie das von Mai 2010 und Februar 2012 im Ausmaß von rund 200 Milliarden Euro schon einmal gemacht hat. Und zweitens wird Draghi seine Intervention als Maßnahme begründen, die nötig ist, damit die Geldpolitik der EZB überhaupt funktioniert. Denn diese ist seit Beginn der Schuldenkrise, die vor mehr als vier Jahren als Kernschmelze der Finanzmärkte begonnen hat, schwer gestört. Die Banken trauen einander nicht, und sie geben auch den Unternehmen der Realwirtschaft zu wenig Kredite. Das ist rätselhaft, denn eigentlich bekommen die Banken billiges Geld nachgeworfen. Der Leitzinssatz liegt bei 0,75 Prozent. Und zu Jahresbeginn hat die EZB den Banken in zwei Tranchen rund eine Billion Euro für drei Jahre zum Zinssatz von einem Prozent zur Verfügung gestellt.

Böse Nebeneffekte im Norden

Doch die Kreditvergabe will nicht anspringen. Denn die Banken reduzieren ihre Kreditportfolios, um strenge neue Eigenkapitalvorschriften zu erfüllen. Und sie parken das frische Geld in sicheren Anlageformen, allen voran in den Staatsanleihen Deutschlands, Schwedens oder Österreichs. Darum bekommen diese Staaten derzeit sogar etwas gezahlt, wenn sie neue Staatsschulden begeben.

Das hat auch für Bürger Nordeuropas böse Nebeneffekte. So müssen niederländische Pensionisten zweistellige Rentenkürzungen schlucken. Denn ihr Pensionssystem ist fast gänzlich privatisiert. Die Pensionsfonds investieren vor allem in langfristige, risikoarme Wertpapiere – wie in jene Staatsanleihen, die nun winzige oder gar negative Verzinsungen abwerfen. „Wenn die Zinssätze in einigen Euroländern so hoch und in anderen so niedrig sind, funktioniert die Geldpolitik nicht“, bringt die Wirtschaftsforscherin Cinzia Alcidi vom Brüsseler Centre for European Policy Studies das Argument Mario Draghis auf den Punkt.

Kurzfristig dürfte dieser Plan funktionieren. Doch Alcidi warnt: „Die EZB kann diesen Job nicht allein machen.“ Draghi verschafft Europas Politikern eine Atempause. Ob sie diese für eine grundlegende Lösung der Schuldenkrise nutzen, bleibt abzuwarten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.09.2012)

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409 Kommentare
 
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gewoehnt euch schon mal an die hohen lebensmittelkosten und spritkosten

die werden nicht mehr weniger - eher noch mehr, je mehr geld gedruckt wird

Gast: Lukas
08.09.2012 15:37
2 0

der Schutz des Geldadels wird forciert

die Dummen sind die kleinen Bürger, die der Staat durch gewollte Inflation ausnimmt wie eine Weihnachtsgans!

schon gut, nehmen wir endlich zu kenntnis,

dass die ezb das szepter in der eurozone übernommen hat, und ihre stützungen vom wohlverhalten des sozialstaates abhängig machen wird. das heißt für uns eu-bürgerInnen: einschnitte im sozialwesen, verringerung der pensionen, leistungsssenkungen im gesundheitswesen, aud ausgabensenkung im bildungsbereich.
kommt euch das nicht auch in österreich bekannt vor?

Danke Draghi, danke Novotny!

Jetzt weiß ich endlich, daß ich doch Stronach wählen werde!

Ein Italiener wird der Sargnagel Europas!

Mit dem Kauf der Staatsanleihen wird keine Zeit erkauft, sondern die Zukunft verschenkt.

Europa muß endlich verstehen, dass Hirn-Einschalten gefragt ist.
Sparen heißt nicht, die sozial Schwachen durchfallen zu lassen, sondern Pfründe wegzunehmen und an die Zukunft zu denken.

Langsam fürchte ich wirklich, dass Merkl verloren hat.

Gast: trader1
07.09.2012 11:57
1 0

heisser tip für linz und niederösterreich

jetzt könnts euer verzocktes geld wiederholen ..
all in auf goldmann sachs .. die sind 10% in drei tagen gestiegen, also praktisch ein royal flash :-) ... und wenn sie das ganze jahr
so weitersteigen, dann seid ihr alle fein raus :-)

sicherheitshalber: .. ist natürlich nur was für könner, das papierl :-)

Re: heisser tip für linz und niederösterreich

Ein Insider!

sie sollten ihre guten Tips nicht so verschleudern, sondern sich als Consultant bei den Landesfürsten anbieten.

0 0

Der Herr der Euros

3 Euros der EU-Komission hoch im Licht; 7 dem EU-Parlament in ihrer Halle aus (Steuergeld-)Stein; den Bürgern, ewig dem Zahlen verfallen 9.... Ein Teuro dem dunklen Draghi auf dunklem EZB-Thron - im Lande Europa, wo die Schulden droh'n, Ein Teuro um alle Euros zu inflationieren, noch mehr Euros zu drucken, und auf ewig zu kassieren...

Gast: Spätberufener77
07.09.2012 11:26
1 0

mir scheint,

dass immer mehr Menschen begreifen, was da ab geht!

Wenn man die Kommentare hier mit jenen von z.B. 2008 vergleicht?

Mir scheint, da kommt schön langsam eine Lawine ins Rollen.

Nur, weil`s grad dazu passt: Hypo-Alpe-Adria, 20 Mrd. Euro Haftungen. In irgendwelche Taschen muss das viele Geld ja geflossen sein.


Re: In den Klauen von Goldman Sachs

Ja wundert das noch jemanden?

das riecht

es stinkt
guter Nährboden für Anarchie

soso

ein klarer Bruch der Verträge.
Raus aus dieser EU

Antworten Gast: EFF EFF
07.09.2012 11:48
0 0

Verträge?

Verträge sind dazu da, nach Belieben gebrochen zu werden.

Gast: prison planet
07.09.2012 10:08
2 0

Mario wird's nicht richten


Der Fehler steckt im System.
Der Fehler muss entfernt werden.

http://www.monetative.de/?page_id=61

So bescheuert ist das System:

http://de.wikipedia.org/wiki/Banking-Theorie

Zitat
Während der Staat diese Prozesse monetär nicht mehr unter Kontrolle hat, muss er in solchen Krisen gleichwohl, um einen Systemkollaps zu verhindern, die allfälligen Verluste der Banken tragen und sich für ihren Bestand verbürgen. Dies macht fiskalische und budgetäre Bemühungen des Staates zunichte. Wirtschaft und Gesellschaft in der Breite haben die Kosten und Folgelasten zu tragen. Da zugleich viele Banken nicht damit aufgehört haben, Managern und Mitarbeitern exorbitante Boni zu zahlen, hat dies nachdrückliche Forderungen nach ‚mehr Kontrolle‘ und ‚strengerer Regulierung‘ der Banken auf den Plan gerufen, darunter auch viele Vorschläge an die Politik, die Banking-Theorien nicht länger zur Grundlage ihres Handelns zu machen.
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Wo sind unsere "Experten", die gegen diese Misstände angehen?

"Deutschland stimmt gegen den Beschluss, setzt sich aber nicht durch"

Der Euroraum ist schon ein Segen. Da muss sich ein Land (das wirtschaftlich stärkste) dem Druck der Mehrheit beugen, wenn es um seine eigene Währungspolitik geht. Spitze.

2 0

Re: "Deutschland stimmt gegen den Beschluss, setzt sich aber nicht durch"


Tja, ein Land, eine Stimme!

Zypern ist genauso viel wert wie Deutschland!

Re: Re: "Deutschland stimmt gegen den Beschluss, setzt sich aber nicht durch"

Nein, ist es nicht.

Was uns alles als "Eurorettung" verkauft wird...


....ist nichts anderes als eine weitere Bankenrettung.

Der unbegrenzte Ankauf von Papieren auf dem Sekundärmarkt bedeutet nicht anderes, daß die EZB die toxischen Papier der Banken übernimmt und somit zur bad bank wird.

In den Vorstandsetagen der Banken und bei deren Eigentümer knallen die Champagnerkorken.

Hat man jetzt wieder genug Geld um kräftig zu spekulieren.

Antworten Gast: Goldiger Sachse
07.09.2012 11:27
1 0

Re: Was uns alles als "Eurorettung" verkauft wird...

@EnricoII, sprich`s aus:

gerettet werden auch nicht "die Banken", sondern "gefüttert" werden die ... (Selbstzensur!).

1 0

Schade daß wir den ESM noch nicht haben.

Dann bräuchten wir uns jetzt nicht so über die EZB aufregen. Wir wüßten dann nämlich nichts von dieser Entscheidung. Und wenn man es uns doch gesagt hätte, dann bräuchten wir zumindest nicht drüber nachdenken ob man Klage einreicht oder nicht. Das ginge nämlich nicht.

Wie glücklich und zufrieden könnten wir sein wenn wir doch bloß den ESM schon hätten ...

Re: Schade daß wir den ESM noch nicht haben.

kommt schon, mit der schrittweisen Demontage der Demokratie - sehr bald!

Die parlamentarische Demokratie im Sinne unserer Verfassung ist bereits demontiert!


Gast: Till aus dem Haus der Freude
07.09.2012 09:38
3 0

Das größte Friedensprojekt Europas...

...ist einen gewaltigen Schritt voran gekommen:
bald erfreuen wir uns einer EINHEITLICHEN Währung, die wirklich überall Akzeptanz findet:

Bezahlt wird künftig in
- Schokolade
- Zigaretten
- Nylons
- Aspirin
- Munition
- Rasierklingen
- Corned-Beef-Dosen

...500-Euro-Scheine sind dann Wechselgeld.

Gast: lèoville
07.09.2012 09:35
1 0

Die Deutschen sind der Brennsteib der EU

aber Vetorecht haben sie keines. Offensichtlich will man das Land nach der Wiedervereinigung gezielt runieren. Wer da wohl die Drahtzieher sind? Leider wird es Österreich wirtschaftlich dadurch nur unwesentlich besser gehen. Nämlich dahingehend, daß wir aufgrund der desaströsen und vor der Öffentlichkeit diskret verschwiegenen Ostdebakel bald selbst EU Schirme in Anspruch nehmen müssen. Man sollte etwaige Ersparnisse in Euro bald von der Bank beheben und in realen Werten absichern.

Gast: zzz
07.09.2012 09:31
0 0

Bankregierung

damit steht auch fest, wer Europa in Zukunft regiert.
Goldman Sachs hat nun endgültig die Zügel übernommen. Das wird im Endausbau eine Hyperinflation.

 
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