EZB kündigt unbegrenztes Anleihen-Kaufprogramm an

06.09.2012 | 13:51 |   (DiePresse.com)

Die klammen Länder müssen sich aber der strikten Kontrolle des Rettungsfonds unterwerfen. Die Entscheidung fiel nicht einstimmig. Die EZB lässt den Leitzins auf dem Rekordtief von 0,75 Prozent.

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Die Europäische Zentralbank (EZB) wird weitere Staatsanleihen nur kaufen, wenn sich die betreffenden Staaten der strikten Kontrolle der Euro-Rettungsfonds unterwerfen. Dann könnte die EZB unbegrenzt Anleihen mit einer Laufzeit von einem bis drei Jahren kaufen, sagte EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag in Frankfurt.

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Die Anleihekäufe ohne Limit seien "fokussiert" und begrenzt auf Staatspapiere mit einer Laufzeit von zwischen "einem und drei Jahren", sagte Draghi. Der Aufkauf der Staatsanleihen erfolge unter strengen Bedingungen, fügte er hinzu. Die EZB wird bei ihrem Anleihenankaufprogramm aber keine Obergrenze für das Volumen setzen. Das Programm werde beeendet, wenn die Ziele erreicht seien.

Keine Einstimmigkeit im EZB-Direktorium

Der EZB-Beschluss zum neuen Anleihen-Kaufprogramm war nicht einstimmig, sagte der EZB-Chef nach der Zinssitzung. "Wir werden nicht sagen, wer dagegen war. Sie können darüber spekulieren", ergänzte der Italiener. Der deutsche Bundesbankpräsident Jens Weidmann hatte bereits im Vorfeld seinen Widerstand gegen das Programm kundgetan, da er die Grenze zwischen Fiskal- und Geldpolitik verwischt seht. Draghi sagte weiter, der Beschluss sei "fast einstimmig" gefallen.

Umgehend kam Kritik vom deutschen CDU-Fraktionschef Volker Kauder an der EZB-Entscheidung. Er warnte vor einer Staatsfinanzierung durch die Notenpresse. Auch die CSU hat die angekündigten neuen Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank (EZB) scharf kritisiert. Auch CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt nannte eine "Staatsfinanzierung durch die Notenpresse falsch und brandgefährlich". Dobrindt warnte vor Geldentwertung: "Die EZB muss eine Stabilitätsbank sein und darf keine Inflationsbank werden."

Anleihezinsen sanken stark

Den Anleihenzinsen hat die EZB-Entscheidung  nicht geschadet, sie gingen zum Teil stark zurück. Die spanischen Zinsen auf 10-Jahrespapiere fielen Donnerstagnachmittag auf 6,058 Prozent. Damit wurden die Renditen für Spanien innerhalb von nur eines Tages deutlich billiger, am Mittwoch notierten die Zinsen noch bei 6,606 Prozent. Positiv entwickelten sich die Zinsen auch für Portugal. Erstmals seit mehr als einem Jahr gingen sie auf unter neun Prozent zurück und lagen am Nachmittag am Sekundärmarkt bei 8,952 Prozent. Billiger wurden auch italienische Renditen. Sie notierten zuletzt bei 5,336 Prozent nach 5,411 vom Vormittag und 5,728 vom Vortag.

Leitzins bleibt unverändert

In den Hintergrund gedrängt wurde der Beschluss des EZB-Rats, dass der Leitzins im Euroraum auf dem Rekordtief von 0,75 Prozent bleibe. Obwohl Zentralbankgeld für Banken damit bereits so günstig ist wie nie seit Einführung des Euro 1999, hatten viele Volkswirte mit einer weiteren Absenkung gerechnet. Denn die Konjunktur in vielen Euroländern schwächelt.

Konjunkturaussichten eingetrübt

Der Euroraum steckt nach Einschätzung der Europäische Zentralbank (EZB) in der Rezession. Die Konjunkturaussichten haben sich aus Sicht der Währungshüter eingetrübt. Die EZB senkte ihre Wachstumsprognose für dieses und das kommende Jahr gegenüber der Juni-Prognose deutlich.

Sie erwartet, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Eurozone im laufenden Jahr um 0,4 Prozent sinken wird. Zuletzt hatte sie ein kleineres Minus von 0,1 Prozent erwartet. Die Wirtschaft im Euroraum werde sich erst allmählich erholen, sagte EZB-Präsident Mario Draghi. 2013 soll das BIP in der Eurozone nach der Vorhersage wieder wachsen, allerdings nicht so dynamisch wie bisher erwartet. Die EZB sagte für 2013 ein Wirtschaftswachstum von 0,5 Prozent voraus statt wie bisher von 1,0 Prozent.

Preisanstieg erwartet


Gleichzeitig hat die Notenbank ihre Prognose für die Preisentwicklung nach dem jüngsten Anstieg der Energiepreise leicht angehoben. Die Inflation werde 2012 voraussichtlich über der Marke von zwei Prozent bleiben und erst im Verlauf des kommenden Jahr wieder unter diese Warnschwelle rutschen, sagte Draghi. Insgesamt prognostiziert die EZB für 2012 eine Inflationsrate von 2,5 Prozent.

Im kommenden Jahr werde der Preisdruck nachlassen. Die Inflationsrate dürfte demnach unter den Zielwert der EZB von knapp 2 Prozent auf 1,9 Prozent fallen.

(APA/dpa)

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409 Kommentare
 
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gewoehnt euch schon mal an die hohen lebensmittelkosten und spritkosten

die werden nicht mehr weniger - eher noch mehr, je mehr geld gedruckt wird

Gast: Lukas
08.09.2012 15:37
2

der Schutz des Geldadels wird forciert

die Dummen sind die kleinen Bürger, die der Staat durch gewollte Inflation ausnimmt wie eine Weihnachtsgans!

schon gut, nehmen wir endlich zu kenntnis,

dass die ezb das szepter in der eurozone übernommen hat, und ihre stützungen vom wohlverhalten des sozialstaates abhängig machen wird. das heißt für uns eu-bürgerInnen: einschnitte im sozialwesen, verringerung der pensionen, leistungsssenkungen im gesundheitswesen, aud ausgabensenkung im bildungsbereich.
kommt euch das nicht auch in österreich bekannt vor?

Danke Draghi, danke Novotny!

Jetzt weiß ich endlich, daß ich doch Stronach wählen werde!

Ein Italiener wird der Sargnagel Europas!

Mit dem Kauf der Staatsanleihen wird keine Zeit erkauft, sondern die Zukunft verschenkt.

Europa muß endlich verstehen, dass Hirn-Einschalten gefragt ist.
Sparen heißt nicht, die sozial Schwachen durchfallen zu lassen, sondern Pfründe wegzunehmen und an die Zukunft zu denken.

Langsam fürchte ich wirklich, dass Merkl verloren hat.

Gast: trader1
07.09.2012 11:57
1

heisser tip für linz und niederösterreich

jetzt könnts euer verzocktes geld wiederholen ..
all in auf goldmann sachs .. die sind 10% in drei tagen gestiegen, also praktisch ein royal flash :-) ... und wenn sie das ganze jahr
so weitersteigen, dann seid ihr alle fein raus :-)

sicherheitshalber: .. ist natürlich nur was für könner, das papierl :-)

Re: heisser tip für linz und niederösterreich

Ein Insider!

sie sollten ihre guten Tips nicht so verschleudern, sondern sich als Consultant bei den Landesfürsten anbieten.

Der Herr der Euros

3 Euros der EU-Komission hoch im Licht; 7 dem EU-Parlament in ihrer Halle aus (Steuergeld-)Stein; den Bürgern, ewig dem Zahlen verfallen 9.... Ein Teuro dem dunklen Draghi auf dunklem EZB-Thron - im Lande Europa, wo die Schulden droh'n, Ein Teuro um alle Euros zu inflationieren, noch mehr Euros zu drucken, und auf ewig zu kassieren...

Gast: Spätberufener77
07.09.2012 11:26
1

mir scheint,

dass immer mehr Menschen begreifen, was da ab geht!

Wenn man die Kommentare hier mit jenen von z.B. 2008 vergleicht?

Mir scheint, da kommt schön langsam eine Lawine ins Rollen.

Nur, weil`s grad dazu passt: Hypo-Alpe-Adria, 20 Mrd. Euro Haftungen. In irgendwelche Taschen muss das viele Geld ja geflossen sein.


Re: In den Klauen von Goldman Sachs

Ja wundert das noch jemanden?

das riecht

es stinkt
guter Nährboden für Anarchie

soso

ein klarer Bruch der Verträge.
Raus aus dieser EU

Antworten Gast: EFF EFF
07.09.2012 11:48
0

Verträge?

Verträge sind dazu da, nach Belieben gebrochen zu werden.

Gast: prison planet
07.09.2012 10:08
2

Mario wird's nicht richten


Der Fehler steckt im System.
Der Fehler muss entfernt werden.

http://www.monetative.de/?page_id=61

So bescheuert ist das System:

http://de.wikipedia.org/wiki/Banking-Theorie

Zitat
Während der Staat diese Prozesse monetär nicht mehr unter Kontrolle hat, muss er in solchen Krisen gleichwohl, um einen Systemkollaps zu verhindern, die allfälligen Verluste der Banken tragen und sich für ihren Bestand verbürgen. Dies macht fiskalische und budgetäre Bemühungen des Staates zunichte. Wirtschaft und Gesellschaft in der Breite haben die Kosten und Folgelasten zu tragen. Da zugleich viele Banken nicht damit aufgehört haben, Managern und Mitarbeitern exorbitante Boni zu zahlen, hat dies nachdrückliche Forderungen nach ‚mehr Kontrolle‘ und ‚strengerer Regulierung‘ der Banken auf den Plan gerufen, darunter auch viele Vorschläge an die Politik, die Banking-Theorien nicht länger zur Grundlage ihres Handelns zu machen.
----------------------

Wo sind unsere "Experten", die gegen diese Misstände angehen?

"Deutschland stimmt gegen den Beschluss, setzt sich aber nicht durch"

Der Euroraum ist schon ein Segen. Da muss sich ein Land (das wirtschaftlich stärkste) dem Druck der Mehrheit beugen, wenn es um seine eigene Währungspolitik geht. Spitze.

Re: "Deutschland stimmt gegen den Beschluss, setzt sich aber nicht durch"


Tja, ein Land, eine Stimme!

Zypern ist genauso viel wert wie Deutschland!

Re: Re: "Deutschland stimmt gegen den Beschluss, setzt sich aber nicht durch"

Nein, ist es nicht.

Was uns alles als "Eurorettung" verkauft wird...


....ist nichts anderes als eine weitere Bankenrettung.

Der unbegrenzte Ankauf von Papieren auf dem Sekundärmarkt bedeutet nicht anderes, daß die EZB die toxischen Papier der Banken übernimmt und somit zur bad bank wird.

In den Vorstandsetagen der Banken und bei deren Eigentümer knallen die Champagnerkorken.

Hat man jetzt wieder genug Geld um kräftig zu spekulieren.

Antworten Gast: Goldiger Sachse
07.09.2012 11:27
1

Re: Was uns alles als "Eurorettung" verkauft wird...

@EnricoII, sprich`s aus:

gerettet werden auch nicht "die Banken", sondern "gefüttert" werden die ... (Selbstzensur!).

Schade daß wir den ESM noch nicht haben.

Dann bräuchten wir uns jetzt nicht so über die EZB aufregen. Wir wüßten dann nämlich nichts von dieser Entscheidung. Und wenn man es uns doch gesagt hätte, dann bräuchten wir zumindest nicht drüber nachdenken ob man Klage einreicht oder nicht. Das ginge nämlich nicht.

Wie glücklich und zufrieden könnten wir sein wenn wir doch bloß den ESM schon hätten ...

Re: Schade daß wir den ESM noch nicht haben.

kommt schon, mit der schrittweisen Demontage der Demokratie - sehr bald!

Die parlamentarische Demokratie im Sinne unserer Verfassung ist bereits demontiert!


Gast: Till aus dem Haus der Freude
07.09.2012 09:38
3

Das größte Friedensprojekt Europas...

...ist einen gewaltigen Schritt voran gekommen:
bald erfreuen wir uns einer EINHEITLICHEN Währung, die wirklich überall Akzeptanz findet:

Bezahlt wird künftig in
- Schokolade
- Zigaretten
- Nylons
- Aspirin
- Munition
- Rasierklingen
- Corned-Beef-Dosen

...500-Euro-Scheine sind dann Wechselgeld.

Gast: lèoville
07.09.2012 09:35
1

Die Deutschen sind der Brennsteib der EU

aber Vetorecht haben sie keines. Offensichtlich will man das Land nach der Wiedervereinigung gezielt runieren. Wer da wohl die Drahtzieher sind? Leider wird es Österreich wirtschaftlich dadurch nur unwesentlich besser gehen. Nämlich dahingehend, daß wir aufgrund der desaströsen und vor der Öffentlichkeit diskret verschwiegenen Ostdebakel bald selbst EU Schirme in Anspruch nehmen müssen. Man sollte etwaige Ersparnisse in Euro bald von der Bank beheben und in realen Werten absichern.

Gast: zzz
07.09.2012 09:31
0

Bankregierung

damit steht auch fest, wer Europa in Zukunft regiert.
Goldman Sachs hat nun endgültig die Zügel übernommen. Das wird im Endausbau eine Hyperinflation.

 
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