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EZB beschließt Ankauf von Anleihen der Krisenländer

06.09.2012 | 17:52 |   (Die Presse)

EZB beschließt den Ankauf von Staatsanleihen von Euro-Krisenstaaten. Deutschland stimmt gegen den Beschluss, setzt sich aber nicht durch. Die Euronotenbank rechnet mit schärferer Rezession und höherer Inflation.

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Frankfurt/red./ag. Die Europäische Zentralbank (EZB) macht mit ihren angekündigten Aufkäufen von Staatsanleihen ernst: Bei seiner Sitzung am Donnerstag beschloss der EZB-Rat den unlimitierten Ankauf von Staatsanleihen von Euro-Krisenstaaten. Allerdings werde die Bank Anleihen nur von solchen Staaten aufkaufen, die sich der strikten Kontrolle des EU-Rettungsfonds unterwerfen.

Letztere Einschränkung war offenbar auf Bestreben Deutschlands zustande gekommen: Im Rettungsfonds ESM, in dem die Stimmrechte nach Kapitalanteilen bemessen werden, hat Deutschland eine Art Sperrminorität, während in der EZB selbst jedes Land unabhängig von seiner Größe und Wirtschaftskraft nur eine Stimme hat. Im Rahmen des ESM können die stabilitätsorientierten Deutschen also nicht so leicht überstimmt werden.

Trotzdem war der Beschluss nicht einstimmig, sondern nur „fast einstimmig“, wie EZB-Chef Mario Draghi nach der Sitzung sagte. Wer die Anleihenankäufe abgelehnt hat, ließ Draghi offen: „Wir werden nicht sagen, wer dagegen war. Sie können darüber spekulieren“, meinte er zu den Journalisten.

Zinsen für 10-Jahres-Anleihen
Land7.9.6.9.5.9.4.9.6.8.13.6.28.3.
Griechenland22,4082194521,94922,93425,33230,73119,984
Portugal8,70590,789,0399,33010,89910,86911,173
Spanien5,8786,2526,6066,7896,8446,7245,302
Italien5,1895,4115,7285,7306,0106,1715,089
Belgien2,6662,6652,6302,6172,5403,2473,378
Österreich2,0732,0542,0292,0671,9272,4182,835
Frankreich2,2272,2272,1972,2102,0962,7622,940
Finnland1,6491,6071,4901,5341,4851,8622,326
Niederlande1,9021,8671,7421,8121,6892,0672,472
Deutschland1,5631,5301,4011,4011,3991,5071,882
Bitte sehr: Die Gegenstimme ist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit vom deutschen Bundesbank-Präsidenten Jens Weidmann gekommen. Dieser hatte sich schon im Vorfeld massiv gegen Anleihenkäufe ausgesprochen, weil diese direkte Staatsfinanzierung darstellen, was der EZB genau genommen verboten ist.
Die EZB hat dieses Verbot der direkten Staatsfinanzierung bisher immer so umgangen, dass sie Staatsanleihen nicht bei der Emission durch die Staaten selbst, sondern immer auf dem Sekundärmarkt (überwiegend von Banken) gekauft hat.

Draghi verneint, dass die EZB mit den geplanten Ankäufen gegen ihr Mandat verstößt. Gekauft werden sollen nur sehr kurzlaufende Anleihen mit Restlaufzeiten von einem bis drei Jahren. In der EZB sind manche der Meinung, dass solche „Kurzläufer“ die Staaten nicht zu leichtfertigem Umgang mit dem so aufgebrachten Geld verleiten. Der Druck des relativ nahen Rückzahlungstermins verhindere das. Dazu kommt, dass Länder, die Anspruch auf Anleihenaufkäufe durch die EZB haben, unter den ESM-Rettungsschirm schlüpfen müssen – und damit dessen strengen politischen Auflagen unterliegen.

Inflation soll deutlich steigen

Die EZB greift zum Staatsanleihen-Aufkaufprogramm, weil ihre konventionellen Krisenbegrenzungs- und Konjunkturankurbelungsinstrumente nicht mehr greifen. Normalerweise ist das Steuerungsinstrument der Wahl der sogenannte Leitzins. Dieser leite aber nur noch „eingeschränkt“, meinte EZB-Direktor Jörg Asmussen. Die klassische Geldpolitik erreiche die Wirtschaft nur mehr teilweise. Konsequenterweise ließ die Euronotenbank ihren Leitzinssatz am Donnerstag unverändert bei 0,75 Prozent.

Direkte Staatsfinanzierung aus der Notenpresse gilt als mittelfristiger Inflationstreiber. Allerdings ist die Teuerungsrate, wenn man die Konjunkturlage in Betracht zieht, schon jetzt ziemlich hoch: Laut EZB wird die Teuerung in der Eurozone heuer 2,5 Prozent erreichen. Bei der letzten Sitzung waren die Währungshüter noch von 2,4 Prozent ausgegangen. Die Tendenz zeigt also nach oben. Auch die Prognose für das kommende Jahr wurde auf eine Bandbreite von 1,3 bis 2,5 Prozent angehoben. Bisher war die EZB von einer Bandbreite von 1,0 bis 2,2 Prozent ausgegangen.

Rezession in der Eurozone

Dafür geht es mit der Konjunktur bergab. Nach den gestern vorgelegten Prognosen erwarten die Euronotenbanker eine Rezession. Waren sie bisher für die gesamte Zone heuer von einem BIP-Rückgang um 0,1 Prozent ausgegangen, so steht die Prognose jetzt bei minus 0,4. Kommendes Jahr soll die Wirtschaft wieder wachsen. Mit 0,5 Prozent aber nur halb so stark wie bisher angenommen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.09.2012)

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409 Kommentare
 
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gewoehnt euch schon mal an die hohen lebensmittelkosten und spritkosten

die werden nicht mehr weniger - eher noch mehr, je mehr geld gedruckt wird

Gast: Lukas
08.09.2012 15:37
2 0

der Schutz des Geldadels wird forciert

die Dummen sind die kleinen Bürger, die der Staat durch gewollte Inflation ausnimmt wie eine Weihnachtsgans!

schon gut, nehmen wir endlich zu kenntnis,

dass die ezb das szepter in der eurozone übernommen hat, und ihre stützungen vom wohlverhalten des sozialstaates abhängig machen wird. das heißt für uns eu-bürgerInnen: einschnitte im sozialwesen, verringerung der pensionen, leistungsssenkungen im gesundheitswesen, aud ausgabensenkung im bildungsbereich.
kommt euch das nicht auch in österreich bekannt vor?

Danke Draghi, danke Novotny!

Jetzt weiß ich endlich, daß ich doch Stronach wählen werde!

Ein Italiener wird der Sargnagel Europas!

Mit dem Kauf der Staatsanleihen wird keine Zeit erkauft, sondern die Zukunft verschenkt.

Europa muß endlich verstehen, dass Hirn-Einschalten gefragt ist.
Sparen heißt nicht, die sozial Schwachen durchfallen zu lassen, sondern Pfründe wegzunehmen und an die Zukunft zu denken.

Langsam fürchte ich wirklich, dass Merkl verloren hat.

Gast: trader1
07.09.2012 11:57
1 0

heisser tip für linz und niederösterreich

jetzt könnts euer verzocktes geld wiederholen ..
all in auf goldmann sachs .. die sind 10% in drei tagen gestiegen, also praktisch ein royal flash :-) ... und wenn sie das ganze jahr
so weitersteigen, dann seid ihr alle fein raus :-)

sicherheitshalber: .. ist natürlich nur was für könner, das papierl :-)

Re: heisser tip für linz und niederösterreich

Ein Insider!

sie sollten ihre guten Tips nicht so verschleudern, sondern sich als Consultant bei den Landesfürsten anbieten.

0 0

Der Herr der Euros

3 Euros der EU-Komission hoch im Licht; 7 dem EU-Parlament in ihrer Halle aus (Steuergeld-)Stein; den Bürgern, ewig dem Zahlen verfallen 9.... Ein Teuro dem dunklen Draghi auf dunklem EZB-Thron - im Lande Europa, wo die Schulden droh'n, Ein Teuro um alle Euros zu inflationieren, noch mehr Euros zu drucken, und auf ewig zu kassieren...

Gast: Spätberufener77
07.09.2012 11:26
1 0

mir scheint,

dass immer mehr Menschen begreifen, was da ab geht!

Wenn man die Kommentare hier mit jenen von z.B. 2008 vergleicht?

Mir scheint, da kommt schön langsam eine Lawine ins Rollen.

Nur, weil`s grad dazu passt: Hypo-Alpe-Adria, 20 Mrd. Euro Haftungen. In irgendwelche Taschen muss das viele Geld ja geflossen sein.


Re: In den Klauen von Goldman Sachs

Ja wundert das noch jemanden?

das riecht

es stinkt
guter Nährboden für Anarchie

soso

ein klarer Bruch der Verträge.
Raus aus dieser EU

Antworten Gast: EFF EFF
07.09.2012 11:48
0 0

Verträge?

Verträge sind dazu da, nach Belieben gebrochen zu werden.

Gast: prison planet
07.09.2012 10:08
2 0

Mario wird's nicht richten


Der Fehler steckt im System.
Der Fehler muss entfernt werden.

http://www.monetative.de/?page_id=61

So bescheuert ist das System:

http://de.wikipedia.org/wiki/Banking-Theorie

Zitat
Während der Staat diese Prozesse monetär nicht mehr unter Kontrolle hat, muss er in solchen Krisen gleichwohl, um einen Systemkollaps zu verhindern, die allfälligen Verluste der Banken tragen und sich für ihren Bestand verbürgen. Dies macht fiskalische und budgetäre Bemühungen des Staates zunichte. Wirtschaft und Gesellschaft in der Breite haben die Kosten und Folgelasten zu tragen. Da zugleich viele Banken nicht damit aufgehört haben, Managern und Mitarbeitern exorbitante Boni zu zahlen, hat dies nachdrückliche Forderungen nach ‚mehr Kontrolle‘ und ‚strengerer Regulierung‘ der Banken auf den Plan gerufen, darunter auch viele Vorschläge an die Politik, die Banking-Theorien nicht länger zur Grundlage ihres Handelns zu machen.
----------------------

Wo sind unsere "Experten", die gegen diese Misstände angehen?

"Deutschland stimmt gegen den Beschluss, setzt sich aber nicht durch"

Der Euroraum ist schon ein Segen. Da muss sich ein Land (das wirtschaftlich stärkste) dem Druck der Mehrheit beugen, wenn es um seine eigene Währungspolitik geht. Spitze.

2 0

Re: "Deutschland stimmt gegen den Beschluss, setzt sich aber nicht durch"


Tja, ein Land, eine Stimme!

Zypern ist genauso viel wert wie Deutschland!

Re: Re: "Deutschland stimmt gegen den Beschluss, setzt sich aber nicht durch"

Nein, ist es nicht.

Was uns alles als "Eurorettung" verkauft wird...


....ist nichts anderes als eine weitere Bankenrettung.

Der unbegrenzte Ankauf von Papieren auf dem Sekundärmarkt bedeutet nicht anderes, daß die EZB die toxischen Papier der Banken übernimmt und somit zur bad bank wird.

In den Vorstandsetagen der Banken und bei deren Eigentümer knallen die Champagnerkorken.

Hat man jetzt wieder genug Geld um kräftig zu spekulieren.

Antworten Gast: Goldiger Sachse
07.09.2012 11:27
1 0

Re: Was uns alles als "Eurorettung" verkauft wird...

@EnricoII, sprich`s aus:

gerettet werden auch nicht "die Banken", sondern "gefüttert" werden die ... (Selbstzensur!).

1 0

Schade daß wir den ESM noch nicht haben.

Dann bräuchten wir uns jetzt nicht so über die EZB aufregen. Wir wüßten dann nämlich nichts von dieser Entscheidung. Und wenn man es uns doch gesagt hätte, dann bräuchten wir zumindest nicht drüber nachdenken ob man Klage einreicht oder nicht. Das ginge nämlich nicht.

Wie glücklich und zufrieden könnten wir sein wenn wir doch bloß den ESM schon hätten ...

Re: Schade daß wir den ESM noch nicht haben.

kommt schon, mit der schrittweisen Demontage der Demokratie - sehr bald!

Die parlamentarische Demokratie im Sinne unserer Verfassung ist bereits demontiert!


Gast: Till aus dem Haus der Freude
07.09.2012 09:38
3 0

Das größte Friedensprojekt Europas...

...ist einen gewaltigen Schritt voran gekommen:
bald erfreuen wir uns einer EINHEITLICHEN Währung, die wirklich überall Akzeptanz findet:

Bezahlt wird künftig in
- Schokolade
- Zigaretten
- Nylons
- Aspirin
- Munition
- Rasierklingen
- Corned-Beef-Dosen

...500-Euro-Scheine sind dann Wechselgeld.

Gast: lèoville
07.09.2012 09:35
1 0

Die Deutschen sind der Brennsteib der EU

aber Vetorecht haben sie keines. Offensichtlich will man das Land nach der Wiedervereinigung gezielt runieren. Wer da wohl die Drahtzieher sind? Leider wird es Österreich wirtschaftlich dadurch nur unwesentlich besser gehen. Nämlich dahingehend, daß wir aufgrund der desaströsen und vor der Öffentlichkeit diskret verschwiegenen Ostdebakel bald selbst EU Schirme in Anspruch nehmen müssen. Man sollte etwaige Ersparnisse in Euro bald von der Bank beheben und in realen Werten absichern.

Gast: zzz
07.09.2012 09:31
0 0

Bankregierung

damit steht auch fest, wer Europa in Zukunft regiert.
Goldman Sachs hat nun endgültig die Zügel übernommen. Das wird im Endausbau eine Hyperinflation.

 
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