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Brüssel weicht Bedingungen für EZB-Gelder auf

09.09.2012 | 18:16 |  NIKOLAUS JILCH (Die Presse)

Weil Madrid und Rom zögern, versichert die EU: Die EZB könnte auch ohne neue Sparvorgaben Staatsanleihen kaufen. Aber in den Südländern will man von Kontrolle und neuen Sparvorgaben nichts hören.

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Wien. In Griechenland wird wieder protestiert. Mehr als zehntausend Menschen gingen am Wochenende in Thessaloniki auf die Straße: „Es reicht. Wir können nicht mehr“, skandierten die Menschen. Davon unbeeindruckt bastelt die Athener Koalition weiter an einem 11,5 Mrd. Euro schweren Sparpaket, das spätestens kommenden Freitag fertig sein soll.

Am Sonntag waren auch wieder Vertreter der Troika aus EU, EZB und IWF in Athen und trafen dort mit Finanzminister Ioannis Stournaras zusammen. Die Demonstranten warfen der Regierung derweil vor, „den Befehlen der Geldgeber-Troika zu gehorchen und das Land und seine Menschen in die Katastrophe zu führen“.

Es sind genau diese Zustände, die die Regierungschefs von Spanien und Italien wohl unbedingt vermeiden möchten. Das am Donnerstag von der EZB vorgestellte Ankaufprogramm für Staatsanleihen, das die Refinanzierungskosten von Problemländern wie Spanien oder Italien senken soll, ist aber an die Bedingungen der EU–Rettungsschirme geknüpft. „Hilfe und Kontrolle“ nennt sich dieser Ansatz.

Die Betonung auf „Kontrolle“ ist vor allem in Deutschland wichtig, wo die entstehende Haftungsunion in Europa von den Wählern mit Argwohn betrachtet wird. Aber in den Südländern will man von Kontrolle und neuen Sparvorgaben nichts hören: Ein offizielles Hilfsansuchen an Brüssel wird als Erniedrigung verstanden.

Deswegen bemühten sich am Wochenende hochrangige Eurokraten um Rom und Madrid – und verwässerten die Bedingungen: Teilnehmern des Programms würden nicht zwangsläufig weitere Sparmaßnahmen vorgeschrieben, sagte der französische EZB-Notenbanker Benoît Coeuré. Und EU-Währungskommissar Olli Rehn legte am Sonntag nach: Wenn die EU-Kommission ein Hilfsgesuch bekomme, dann müsse das jeweilige Land keine neuen Bedingungen fürchten, sagte er. Die Regierung des hilfesuchenden Landes müsse lediglich „eine Absichtserklärung“ unterzeichnen, die auch einen klaren Fahrplan für die von der EU ohnehin geforderten Reformen enthält.

Aber Spanien und Italien wollen sich keine Blöße geben. „Keine Eile“, lautet die Devise in beiden Hauptstädten. Die spanische Zeitung „El Economista“ berichtet, dass Premier Mariano Rajoy ein mögliches Hilfsansuchen bis Ende Oktober hinauszögern könnte, weil er um die Wahlen in Galizien am 21. Oktober fürchtet. „Die Spanier haben Angst, das neue Griechenland zu werden. Dass sie sich den rechten Arm abhacken müssen im Austausch für eine Bluttransfusion“, sagte Mark Cliffe, der Chefökonom der ING-Bank, der „New York Times“.

 

Nur 100 Mrd. Euro für Anleihen?

Nach der Ankündigung „unbegrenzter“ Anleihenkäufe durch die EZB sind die Zinsen für spanische und italienische Anleihen auf knapp unter sechs Prozent gefallen. Solange sie dort bleiben, können die Länder sich ohne Hilfe refinanzieren.

Die EZB selbst hat jedenfalls nach einem Bericht des „Spiegel“ nur 70 bis 100 Mrd. Euro für „unbegrenzte“ Anleihenkäufe im Jahr 2012 eingeplant.

 

Auf einen Blick

Weil Spanien und Italien zögern, sich den Bedingungen des EU-Rettungsschirms zu unterwerfen, weicht Brüssel diese auf: Neue Sparmaßnahmen seien nicht zu befürchten, so Währungskommissar Olli Rehn. Rom und Madrid wollen trotzdem abwarten: Ihre Anleihezinsen sind zuletzt gesunken.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.09.2012)

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134 Kommentare
 
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Ö_k_o_n_e_t_i_k

fällt offensichtlich nicht unter die Meinungsfreiheit.

dort finden sie Lösungen für die Schuldenkrise.


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Re: Ö_k_o_n_e_t_i_k

Warum Sie 2 Minus bekommen haben verstehe ich nicht. Die Leute wollen was unrealistisches und das ist das Problem. Gerade die ewige Wachstumserwartung, die die realwirtschaftlichen Konjunkturzyklen plattgewälzt hat, ist teils Ursache dieses Ungleichgewichts. Solange sich Leute berechenbar verhalten, besonders die Reichen und Mittelschicht und ja den Hals nie voll genug bekommen können, kann superleicht gegen eine Währung oder ein Land gehedgt werden.
Das ist die spieltheoretische Konstante in den finanzmathematischen Programmen des Hochfrequenzhandels. Der Rest der programme basiert auf minnima maxima oder genetischen oder probabilistischen Algorithmen. Neuronal Netze haben sich als zu chaotisch erwiesen.

Re: Re: Ö_k_o_n_e_t_i_k

Auf meiner Website tummeln sich in erster Linie Banken von Rothschild bis OeNB da sind 2 Minus eh nichts ;-)

Aber natürlich haben sie recht. Die meisten halten sich für Intellektuelle wenn sie alles Nachplappern...

aber von "genetischen oder probabilistischen Algorithmen" habe ich noch nichts gehört...

Es gibt ohnehin eine Alternative

auch wenn diese noch eine Weile massiv zensuriert wird:

http://oekonetik.info/umschuldung
http://oekonetik.info/schuldenfreiheit

Antworten Gast: Raffzahn Schani
10.09.2012 16:46
4 0

Re: Es gibt ohnehin eine Alternative


Das läßt die Bängsterdiktatur nicht zu. Klar könnte der Staat von seinen Bürgern das Geld leihen, und ihnen sichere Zinsen bieten: das eigene Steuergeld.

Aber stattdessen pampert er die Bängsters, indem er die Bürger in die Banken lockt und eine staatliche Prämie (Bausparen etc.) aus Steuergeldern drauflegt.

Überhaupt könnte der Staat das Geld selber schöpfen, aber er überlässt es den Banken und verzichtet damit auf Milliarden an Seignorage.

Wir sind noch im Mittelalter, Hr. Peter Niveus. Nur dass sie uns heute statt dem Zehent ein Vielfaches abluchsen.

2 0

2009 ...


... insgesamt 52000 EU-Patentanmeldungen.

Davon Griechenland und Portugal je 24! (= 0,046%).


Re: 2009 ...

Am österreichischen Patentamt hat man zu wenig Personal. Ich rate Ihnen patentieren sie irgendetwas. Man hat nicht die Zeit um zu prüfen ob ihre Erfindung neu ist. Das hat mir ein Patentprüfer gesagt!


Gast: Hans Berger
10.09.2012 13:23
12 0

"WOLLT IHR DEN TOTALEN EURO ?!?!?!?"

Die deutsche Sprache reicht nicht aus um den Grad der Verblödung unserer politischen "Eliten" zu beschreiben.

Durch das festhalten am "totes Pferd reiten"-Prinzip tötet man den Euro und riskiert dazu sogar einen schweren Rückschlag für die Europäische Union.

Was ist so schwer daran einfach zuzugeben: "Der Euro war eine TOTGEBURT, wir haben uns geirrt."? Stattdessen wird der politischen Eitelkeit der Wohlstand der GESAMTEN Euro-Zone geopfert.

Alles, aber auch wirklich ALLES was Kritiker befürchtet haben, alles was anfangs vehement bestritten wurde, ist eingetreten:

Bruch des Maastricht-Stabilitätspaktes

Bruch der No-bail-out-Vereinbarung

Missbrauch der EZB als Ramschaufkäufer

1. Rettungsschirm nicht ausreichend

2. Rettungsschirm nicht ausreichend

ESFS nicht ausreichend.

Hebelung der ESM-Gelder

Umschuldung zu Lasten der Nettozahler

EZB als unbegrenzter Ramschladen

...

All das wurde ständig bestritten, bis es dann als "alternativlos" und "unabwendbar" deklariert wurde. Der Trick liegt darin, die dramatische Lage eines überschuldeten Landes als Dramatik des eigenen Landes darzustellen und dann, mittels "Hilfsgelder" diese dramatische Lage seinem eigenen Staat tatsächlich zu "kaufen".

Und genau so werden die Kritiker recht behalten dass uns der gehebelte ESM bald um die Ohren fliegen wird.

28 Milliarden EURO für Österreich ergeben gehebelt über 100 Milliarden. 12.000,- Euro neue Schulden für jeden Österreicher, vom Baby zum Greis, kostet uns diese eitle Niedertracht der Politik.

1 0

Wenn die Ideen haben, dann schnell bitte

Das Problem ist, wenn sie eine Lösungen haben lieber Hans Berger, dann schlagen sie sie rasch vor. Ich hab nur halbe, auf die keiner einsteigen will, ich seh nur die Gefahren.
Temporärer Griechenlandaustritt aus € mit Schuldenschnitt würde helfen, aber Deutschland verliert Kredite und Target2 Salden.
Bin ich zu sparsam oder kürze zu sehr bei den Löhnen => Wirtschaft wird abgewürgt. Besteuere ich die Reichen => Vermögen wandert ins Ausland ab.
Senke ich den Leitzins weiter => Mittelstand investiert nicht in Aktien von stabilen heimischen Realwirtschaftsbetrieben, sondern investiert in Ölhedgefonds oder Währungsspekulationsfonds gegen den €, weil sie in ihrer Gier die 8%-10% Rendite sehen.

4 0

Re: "WOLLT IHR DEN TOTALEN EURO ?!?!?!?"

Obwohl ich eher linksliberal eingestellt bin, muss ich ihnen rechgeben. Die Schulden der gesamten EU wachsen egal, in welcher Stärke ich jetzt Hyperinflationskarusell spiele, mehr als alle privaten Vermögen. Und sobald die Schulden nahe an die Höhe der privaten Vermögen kommen, werden die ins Ausland abgezogen. Und dann...


Antworten Gast: Messalina-X
10.09.2012 19:49
0 0

Re: IWF rudert zurück

Economic Hit Man

Antworten Gast: Info
10.09.2012 12:44
0 0

Re: IWF rudert zurück


der IWF, und was er wirklich macht

http://www.trend.infopartisan.net/trd0900/t400900.html

10 0

Vertiefend

Der EZB ist es nur als "Feintuning" lt. Statuten erlaubt, Anleihen von Mitgliedsstaaten zu kaufen. Hier aber wird über den Sekundärmarkt für Anleihen beinharte Realpolitik betrieben.

Demokratiefeindlich ist diese Vorgehensweise insoferne, weil die EZB die Zustimmung der deutschen Höchstrichter zum ESM anscheind voraussetzt. Oder er will damit Tatsachen schaffen.

Diese Vorgehensweise nimmt den Druck von den Politikern ihre Finanzen zu sanieren. Am Beispiel Griechenlands sieht man das dann absolut nichts passiert.

Die direkte Auswirkung ist die Vernichtung der Vermögen der deutschsprachigen Steuerzahler.

Versaille war ein Peanut dagegen.

Antworten Gast: Messalina-X
10.09.2012 19:51
0 0

Re: Vertiefend

das Versailler Diktat?
das war aber auch nicht von schlechten Eltern..., das hat den II WK garantiert

10 0

Zu hoffen ist,

dass der Deutsche Verfassungsgerichtshof diesen Wahnsinn kippt. Es kann einfach auf Dauer nicht sein, dass wir diese Pleitestaaten finanzieren.

Gast: leave
10.09.2012 11:54
6 0

lead or leave - sagt Soros

Deutschland solle als gütiger Hegemon die Führung übernehmen, oder die Eurozone verlassen.

Wenn nicht, sollten sich Italien, Spanien, usw. unter Führung von Frankreich zusammenschließen und Deutschland aus der Eurozone hinausschmeißen.

Die schlechteste Lösung wäre wenn ein schwaches Mitglied nach dem Anderen in einer Kettenreaktion hinausgedrängt wird.

http://www.welt.de/finanzen/article109110616/Ein-Fehler-Merkels-kann-zum-Ende-des-Euro-fuehren.html

0 0

Re: lead or leave - sagt Soros

Bei solchen Zwischenrufen von Finanzlern darf man nie vergessen, dass die sich mit eher einfachen Wirklichkeiten auseinandersetzen (kaufen, verkaufen, Kurse rauf und runter). Politische Komplexität itvdenen oft nicht zugänglich, da können sie noch so erfolgreich in ihrem Metier sein

Re: lead or leave - sagt Soros

Sollten wir ernsthaft die Heuschrecken fragen wann es Zeit wird das Feld für die Ernte zu räumen?

15 0

Es wird nicht mehr lange dauern

und die Südländer werden auch die Drohgebärde der Troika nicht mehr ernst nehmen, so auch von Schäuble und co. Von den Finanzmärkten her steht fest, daß zwar Spekulanten bedient werden, eine Konsolidierung aber nicht mehr erwartet werden wird.

Gast: skw
10.09.2012 11:22
14 0

Unglaublich - der Wahnsinn nimmt Fahrt auf

Das ging ja super-schnell mit dem Aufweichen der Bedingungen. Schneller als der größte Pessimist je vermutet hätte...ein paar Tage nach der Ankündigung von ganz ganz scharfen Auflagen und Kontrollen für das Aufkaufen von Staatsanleihen ist alles schon wieder anders. Wobei selbst wohlmeinende Ökonomen stets betont haben, dass das Ganze - wenn überhaupt - nur dann Erfolg haben kann, wenn eben die Kontrollen streng bleiben. So aber wird jeder echte Sparwille abgewürgt und man vernichtet abermals sinnlos Steuergeld bis zum unausweichlichen totalen Kollaps. Bestimmen in der EU wirklich nur noch Schwachsinnige und Korrupte- und das auch noch im undemokratischen Alleingang? Was ist aus der ursprünglichen idealistischen Idee eines vereinten Europas geworden? Ein Albtraum. Ein Horror ohne Ende - der Europäische Untergang, das Europäische Unglück, die Europäische Undemokratie!

machen sie sich auf den Weg

zu ihrer Bank und heben sie ihr gesamtes Geld ab.

15 0

eigentlich wollte ich überhaupt nichts mehr zum Euro schreiben, aber nur zum Trost für die Skeptiker

Klar, es wird bis zum bitteren Ende in unserem Land SPÖVP gewählt werden und damit wird halt unser Geld plus Guthaben Richtung Wert Null gedreht. Das wird zwar noch einige Weile dauern, aber das ist das sichere Ergebnis einer solchen Finanzpolitik.

Aber wenn der Euro nichts mehr wert ist, dann werden das alle im Euroraum spüren. Immerhin werden sich aber dann immer noch die Staaten am raschesten erholen, die Initiative und Aufbauwillen zeigen, ganz einfach deshalb weil sie ja bis zum Ende gearbeitet haben, damit das Eurowerkel am Leben erhalten bleibt. Also machen sie weiter und irgendwann geht es wieder nach oben. Aber was machen die, die lediglich die Hand aufgehalten haben? Die sind dann wirklich am Ende. Vielleicht macht sich endlich einer dieser EU-Strategen einmal darüber Gedanken, anstatt die Menschen mit Falschmeldungen zu täuschen und bei der Stange zu halten!

Übrigens, zu glauben, daß die Südländer sich jetzt zusammen nehmen werden, ist reine Zeitverschwendung. Die wollen es offensichtlich wissen, wie weit sie gehen können! Von dieser Seite ist sicherlich keine Lösung zu erwarten!

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zum Thema "der Euro ist nichts mehr wert"

Seit 1. August ist er von 1,21 auf 1,28 zum USD gestiegen.
Auch wenn ich ihrer Sicht viel abgewinnen kann..... die Fakten sind genau verkehrt herum.

Re: zum Thema "der Euro ist nichts mehr wert"

2 Beispiele:
EUR/AUD: Nach neuem Allzeittief haben wir uns wieder auf das letzte Tief von Anfang 2012 "hochgearbeitet". Der EUR ka.ckt wellenförmig ab. Einfach den 5Y-Chart zu Rate ziehen.

EUR/NOK: Das Allzeittief ist ein paar Tage her. Hier geht´s eigentlich fast in einer graden Linie bergab. Der Rest (wie die gegenwärtige Erholung) ist am 5Y-Chart nur Rauschen.

Es hat wenig Sinn, wenn jemand, der sich im freien Fall befindet, seine Position relativ zu einer anderen abstürzenden Person angibt.

Re: Re: zum Thema "der Euro ist nichts mehr wert"

Einverstanden, langfristig hat der EUR ja auch zum USD abgek.ckt.

Hier geht es um die Massnahme des unbegrenzten Anleihekaufprogrammes der EZB, zumindest im Artikel, und als Ergebnis hat man in den letzten Tagen und Wochen einen steigenden EUR gesehen, auch gg NOK. Diese Massnahme hätte eigentlich das Gegenteil erwarten lassen sollen, hat es aber nicht.

 
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