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Die Bankenunion: Nutzen, Risken und Nebenwirkungen

11.09.2012 | 16:50 |  Von unserem Korrespondenten OLIVER GRIMM (DiePresse.com)

Die EZB wird künftig jeder Bank in Euroland die Lizenz entziehen dürfen. Das stärkt die Währungsunion, aber es schwächt den Binnenmarkt. Nichts soll den Augen der Europäischen Zentralbank verborgen bleiben können.

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Brüssel. Was die „Europäische Bankenunion" sein soll, kann man auf einen simplen Nenner bringen: Banken, die künftig in Euroland Geschäfte machen wollen, brauchen dafür eine Erlaubnis von der Europäischen Zentralbank. Haben sie zu wenige flüssige Mittel oder zu viele faule Kredite, kann die EZB sie zum Zusperren zwingen - und zwar jede der etwa 6000, die derzeit in den 17 Euromitgliedstaaten eine Banklizenz haben. Was heute noch eine Aufgabe für die jeweilige nationale Notenbank und etwaige zusätzliche Finanzmarktbehörden ist, soll morgen einzig von Frankfurt aus wahrgenommen werden.

Der Zweck dieses Vorschlages, den Binnenmarktkommissar Michel Barnier am heutigen Mittwoch vorstellen wird, ist zweifach: Erstens soll es den nationalen Bankenaufsehern künftig nicht mehr möglich sein, schlechte Nachrichten über die von ihnen kontrollierten Banken so lange geheim zu halten, bis es kracht. Denn das ist in einer Währungsunion fatal, wie der spanische Bankenunfall krass vor Augen führt. Sogar noch im Sommer 2011, als alle nationalen Bankenaufseher dazu angehalten waren, ihre Institute einem ehrlichen Stresstest zu unterziehen, schummelte sich Madrid aus Rücksicht auf seine Sparkassen ein schmeichelhaftes Ergebnis zurecht. An den Folgen dieser Schönfärberei laboriert seither ganz Euroland - und auch die EZB selbst: Sie stellte der angeschlagenen Übersparkasse Bankia im Rahmen ihrer langfristigen Liquditätsspritzen für die Eurobanken zur Jahreswende 2011/2012 rund 40 Milliarden Euro zur Verfügung, ohne sicher sein zu können, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass Bankia diesen billigen Kredit wird zurückzahlen können. „Angesichts dessen, dass die Aufsicht vollständig in nationalen Händen ist, und angesichts beschränkter oder inexistenter Teilung von Informationen ist es kein Wunder, dass die EZB mehr über die Gesundheit der Finanzinstitutionen wissen möchte, der sie Darlehen von dieser Größe gewährt", stellte Karel Lannoo vom Brüsseler Centre for European Policy Studies, einer der besten Kenner der Sachlage, trocken fest.

Das Recht auf Razzien

Nichts soll darum den strengen Augen der EZB als oberster Bankenaufseherin verborgen bleiben können. Sie „sollte in der Lage sein, alle notwendigen Informationen anzufordern sowie Untersuchungen und Vor-Ort-Inspektionen durchzuführen", heißt es in Punkt 31 der einleitenden Bemerkungen von Barniers Verordnungsentwurf, der der italienischen Wirtschaftszeitung „Il Sole 24 Ore" zugespielt wurde, die ihn fairerweise veröffentlichte. Der zweite Zweck der Bankenunion ist damit schon angedeutet. Da der Euro-Währungsfonds ESM, dessen Rechtmäßigkeit das deutsche Bundesverfassungsgericht ebenfalls heute unter Auflagen feststellen wird, künftig auch angeschlagene Euroland-Banken wird rekapitalisieren können, braucht es eine so starke und einheitliche Aufsicht, dass ESM-Einsätze die Ausnahme bleiben statt zur Regel zu werden.

Wehklagen der Nicht-Euroländer

Das alles ist für Euroland sehr gut, hält Lannoo fest. Es wird als Finanzzentrum attraktiver, weil die aufsichtsrechtlichen Zuständigkeiten in Frankfurt gebündelt werden. Internationale Banken hätten also weniger Papierkram, zumindest für ihr Geschäft in Euroland.

Die Kehrseite dieser Medaille ist allerdings eine Beschädigung des Binnenmarktes. Dem gehören ja noch zehn Nicht-Eurostaaten an. Sie beklagen „Wettbewerbsnachteile" für ihre nationalen Banken, die künftig in Konkurrenz mit Banken aus Euroland stünden, hinter denen als Absicherung der ESM mit seinen Rettungsmilliarden steht. Zur Schaffung der Bankenunion müssen alle 27 EU-Staaten zustimmen. Nicht nur deshalb, sondern auch wegen der Mitentscheidung des Europäischen Parlaments ist Barniers Ziel, die Bankenunion mit 1. Jänner 2013 aus der Taufe zu heben, sehr ehrgeizig.

 

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20 Kommentare

da diese bankenkontrolle eine gute sache ist,

wird großbritannien alles tun, um dieses projekt zu fall zu bringen.
denn das ist die rolle von gb innerhalb der eu: destruktivität im auftrag von.... eh schon wissen!

1 0

ist nur eine Ausrede

um dem ESM eine Banklizenz geben zu können.

Re: ist nur eine Ausrede

Ok, ich find´s zwar kindisch, dass ein Hinweis auf den ESM-Vertragstext hier nicht durchgeht, aber dann versuchen wir´s halt nochmal:
Der ESM benötigt keine Banklizenz (s. Vertrag 32(9)).
Abgesehen davon kann die EZB Anleihen nach eigenem Gutdünken kaufen (Auflagen wird´s nicht geben), somit braucht auch niemand mehr den ESM.

Re: Re: ist nur eine Ausrede

die EZB kauft staatsanleihen nur auf dem sekundärmarkt....
der ESM kann sie direkt vom Staat kaufen...

Re: Re: Re: ist nur eine Ausrede

Wie unten schon irgendwo erwähnt: Gäbe es keinen ESM, würde eben die EZB am Primärmarkt kaufen. Und sagen Sie jetzt bitte nicht, das würde gegen irgendwelche Statuten/Verträge/anderes geltendes Recht verstossen;-)

Re: ist nur eine Ausrede

Der ESM benötigt keine Banklizenz, er ist von dieser Verpflichtung ausgenommen:

§32(9): "Der ESM ist von jeglicher Zulassungs- oder Lizenzierungspflicht, die nach dem Recht eines
ESM-Mitglieds für Kreditinstitute, Finanzdienstleistungsunternehmen oder sonstige der Zulas-sungs- oder Lizenzierungspflicht sowie der Regulierung unterliegende Unternehmen gilt, befreit."

Re: Re: ist nur eine Ausrede

Nasowas. Hat´s der Kommentar doch noch durch alle Sicherheitsinstanzen geschafft...

3 0

jetzt

entscheidet also in Zukunft Goldman Sachs, welche Banken in der EU zusperren und welche nicht! Sehe ich das richtig, oder liege ich falsch??

Na über die Kontrollen in der EU

wissen wir ja einigermaßen Bescheid. Es wird auch bei der EZB nicht viel anders sein. Auch die "Sparbemühungen" Griechenlands werden so lange geprüft werden bis sie passen. Das kennen wir auch bei den Abstimmungen. Da für gewöhnlich eine Hand die andere wäscht - warum tun wir da nicht mit und lassen uns irgend etwas teuer abkaufen... W.

1 0

warum tun wir da nicht mit und lassen uns irgend etwas teuer abkaufen

Das funktioniert nicht mit SPÖVP-Politikern. Die kriechen doch in der EU unter dem Teppich herum. Außerdem sind wir dort sowieso nur als Zahler beliebt, ansonsten werden wir jedes mal abgebeutelt wie ein lästiges Insekt!

Und zu den Kontrollen haben Sie vollkommen recht. Es hält sich ja niemand an die Verträge und Abmachungen, denn wäre das so, dann hätten wir ja diese ganzen Schwierigkeiten nicht! Die Leute, die in der EU am Steuer sitzen, haben es offensichtlich zur Gewohnheit gemacht, daß jedes Jahr eine neue Verfahrensweise eingeführt wird (mit allen Verträgen und Pflichten und dem ganzen Trara). Dann hält sich keiner daran und nächstes Jahr kommt das gleiche Theater. Der Steuerzahler schaut sich verwundert das ganze an und verhält sich NOCH ruhig! Aber was ist, wenn die ganzen Guthaben von der Inflation aufgefressen sind, die Löhne kaum mehr für den täglichen Bedarf an Essen und Unterkunft reichen? Also schlicht, wenn sogar der Blödeste merkt, daß er im Eimer ist. Glauben da die EU-Kasperln noch immer, daß dann alles friedlich verläuft? Das wäre ja ein Witz!

Re: warum tun wir da nicht mit und lassen uns irgend etwas teuer abkaufen

Wie wahr, wie wahr - lurch - was sie da am Ende schreiben. Ich fürchte auch, daß das Lösungsprojekt unserer Eliten in Inflation besteht. Es geht nur um die "Unauffälligkeit". Es wurde ja schon mehrfach über eine erhöhte "kontrollierte!!" Inflation nachgedacht. Für mögliche Unruhen gibt es schon Schubladengesetze bis hin zum Armeeeinsatz und die Wiedereinführung der Todesstrafe. Die Wahrscheinlichkeit von Unruhen ist allerdings stark vom Vorhandensein vieler junger, zorniger Männer abhängig und dieser Bereich ist (unzufällig) ziemlich ausgedünnt - sieht man von den "Neoeuropäern" ab. Im Übrigen bleibt die Demokratie (Zitat Churchill) die "unzulänglichste Regierungsform - es gibt nur keine bessere". Allerdings ist das praktisch schon obsolet - eine Gesellschaft nach luxemburgischen Recht übernimmt bald das Ruder. Aber es gibt auch Gutes - den Parlamentsumbau um 500 Mio.€ können wir uns sparen - ein Großraum für die Restagenden der Restabgeordneten genügt! W.

Gast: b745
11.09.2012 21:59
4 0

diese verbrecher gehören endlich kontrolliert und notfalls eingesperrt


Antworten Gast: N.N.N.
12.09.2012 01:08
2 0

Re: diese verbrecher gehören endlich kontrolliert und notfalls eingesperrt

Andersherum wird es wahrscheinlicher kommen, diese Verbrecher kontrollieren und sperren dann notfalls die Aufmüpfigen ein.

Die Bankenunion soll die Gründung der Staatsbürgerbanken verhindern

"Was heute noch eine Aufgabe für die jeweilige nationale Notenbank und etwaige zusätzliche Finanzmarktbehörden ist,..."

Natürlich müsste es heißen: "Was heute noch ein Privileg der nationalen Souveränität ist... "

Begründung:

Mit der Gründung von Staatsbürgerbanken und einer solidarischen Umschuldung, könnte die Schuldenkrise zu Gunsten der Bürger und der Demokratie beendet werden.

Die Banken würden die Macht über die Staatsfinanzen (die Regierungen) komplett verlieren. Die Politk würde sich wieder auf die Probleme der Bürger konzentrieren können. Zudem würden die Bürger von den Zinsen der Staatsverschuldung profitieren können (ca. 500 Euro pro Jahr). Mit der Bankenunion soll verhindert werden, dass neue Bankenmodelle die Staaten von den Schulden befreien.

http://oekonetik.info/schuldenfreiheit
http://oekonetik.info/umschuldung

Re: Die Bankenunion soll die Gründung der Staatsbürgerbanken verhindern

ein schönes MODELL.
so ähnlich ist es ja in japan, dort funktioniert es sogar. allerdings scheint sein ende gekommen zu sein, da die liberal-demokratische partei es als gotteslästerung ansieht, dass die bürger sie von ihrer fast-dauerherrschaft abgewählt haben, und daher kühlt sie ihr mütchen an diesem modell und bringt es evtl. zu fall...

genau das fürchte und prognostiziere ich auch für uns: zu aller erst einaml bezweifle ich, dass die bürger ausser heisser luft tatsächlich etwas für das wohl ihres staates beitragen werden. und falls doch, wird es wie in japan einer politischen intrige zum opfer fallen.

man muss bei solchen modellen immer in betracht ziehen, WER wir bürger WIRKLICH sind. wir sind nämlich bei weitem nicht so gut und anständig, wie wir uns gerne selbst beschreiben!

Re: Re: Die Bankenunion soll die Gründung der Staatsbürgerbanken verhindern

Manche gehen Tennisspielen - ich schreibe beizeiten ein paar Ideen nieder.

Wichtig ist nur zu zeigen, dass wir Bürger viel bessere Modelle hätten - aber die Politik nichts von uns Normals wissen will.

Mit Alternativen wird aufgezeigt, WER die Politiker WIRKLICH sind - und dass sie uns Bürger im Grunde abgrundtief hassen. Wir bedrohen mit unseren dummen Kommentaren und Lösungen praktisch immer ihre Pfründe. Auch Medien sind Bürgerhasser.

Gast: prison planet
11.09.2012 21:22
2 0

Das System muss reformiert werden.

Immer mehr - man glaubt es kaum - erkennen dies.

http://www.oekonomenstimme.org/artikel/2012/06/banken-und-staaten/

Zitat
Initiative für Vollgeld

Weitere Folgen des Werte- und Wahrnehmungswandels zeichnen sich ab. So strebt eine geplante Volksinitiative in der Schweiz eine Vollgeldreform beziehungsweise die Abschaffung der Geldschöpfung durch Geschäftsbanken an und Vertreter verschiedener politischer Interessen hinterfragen die Rolle und Bedeutung des Finanzsektors. Als Antwort auf diese kritischen Interventionen wird nicht genügen, dass Banken „schon immer“ Geld schöpften oder ihr derzeitiges Geschäftsmodell verfolgten. Vielmehr wird überzeugend darzulegen sein, dass dieses Geschäftsmodell mit den veränderten gesellschaftlichen Wertvorstellungen übereinstimmt und zur Erreichung volkswirtschaftlicher Ziele beiträgt.
-----------------------------

Genau, da geht's lang.

Re: Das System muss reformiert werden.

Immer mehr erkennen das - das ist aber neu. UND? W.

Gast: Hubertus
11.09.2012 21:12
10 1

Es wird immer besser

Der Chef der EU Kommission: ein Portugiese
Der Chef der EZB:Ein Italiener(und Goldman Sachs Mann)
Der (ins Auge gefaßte) Chef der Bankenaufsicht: Ein Portugiese.
Der frühere Vizepräsident der EZB:Ein Grieche.
Der Generalsekretär der OECD: Ein Spanier.
Wo sind eigentlich die Länder, die die Show bezahlen? D, A, NL; Finnland? Sitzen überall die Vertreter der Bankrotteure? Und diese entscheiden über das Geld der österreicher? Wer war denn so blöd das zuzulassen? War das etwa Honeckers Rache an der BRD, unsere Angie(Merkel)? Assistiert von SPÖVP und der Haider FPÖ(zum Unterschied von der heutigen FPÖ).Als Blockflöte Sekretärin für Propaganda und Politagitation?Man sage nicht die Volksabstimmung 1994. Die bezog sich nicht auf den Beitritt zur Eurozone. Da war ja seinerzeit ein Fachmann wie Edlinger am Werk. Er brauchte zwar bei jedem Gespräch einen Dolmetscher, ausgenommen beim deutschen Finanzminister.Jetzt hat er endlich einen seinem Niveau entsprechenden Job gefunden. Er ist Präsident bei Rapid.

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Soll dieses Recht

auch für den ESM gelten :) ? (der sich ja so sehr als Bank sehen würde)

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