Die Bankenreform-Gruppe des finnischen Notenbankchefs Erkki Liikanen erklärte in ihrem am Dienstag präsentierten Bericht, dass "kein bestimmtes Geschäftsmodell besonders gut oder besonders schlecht" in der Finanzkrise gearbeitet habe. Allerdings seien "übermäßige Risiken" aufgedeckt worden, oft durch den Handel mit hochkomplexen Instrumenten oder Krediten für Immobiliengeschäfte. "Die eingegangenen Risiken waren nicht durch entsprechendes Kapital" gedeckt.
Außerdem "war der hohe Grad an systemischen Risiken durch die starke Verknüpfung zwischen den Finanzinstitutionen" gekennzeichnet. Aus diesem Grund sei die Gruppe zu dem Entschluss gelangt, dass es notwendig sei, eine Abspaltung von gewissen besonders riskanten Finanzaktivitäten innerhalb der eigenen Bankengruppe vorzunehmen. Die zu trennenden Bereiche sollten den Eigenhandel mit Sicherheiten und Derivaten sowie andere damit verbundene Aktivitäten umfassen.
Komplexität der Banken nicht überschaubar
Bei der Untersuchung der Finanzinstitute seien zahlreiche Probleme aufgetaucht, die die Belastbarkeit des europäischen und des weltweiten Finanzsystems schwächten. Eine Kombination von unzureichendem Risikomanagement, verfälschten Anreizen, zu geringe Risikoeinschätzung und ein Mangel an Übersicht hätten dazu geführt, dass übermäßige Risiken eingegangen wurden. Banken seien stärker durch den Großhandel finanziert worden und wurden damit anfälliger im Hinblick auf Zahlungsunfähigkeit am Markt.
In den Jahren vor der Krise seien die Banken sowohl von der Größe als auch der Komplexität her stark gewachsen. Dies habe es dem Bankmanagement erschwert, die gesamte Organisation zu kontrollieren. Es sei außerdem auch für die Partner außerhalb der Bank wie Investoren, Marktteilnehmer oder Aufsicht schwieriger geworden, das Verhalten der Banken effizient zu beobachten.
Barnier: Diskussion ohne Tabus
Die Krise habe ferner gezeigt, dass ein großer Teil des Grundkapitals von Banken unfähig war, die Verluste aufzufangen. Die wachsende Zuversicht über kurzfristige Finanzierungen vergrößerten ebenfalls die Anfälligkeit für Liquiditätsschocks.
EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier erklärte in Brüssel, es gehe darum, die Stabilität des Finanzsektors ohne Tabus zu diskutieren. Krisen müssten verhindert werden. Mit dem Liikanen-Bericht seien "Ecksteine" geliefert worden, über die es nachzudenken gelte. Ziel sei ein "robustes" Bankensystem. Barnier hofft auf eine Umsetzung der Bankenreformen bis Sommer nächsten Jahres.
(APA/dpa-AFX)
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