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Startschuss für Euro-Rettungsschirm ESM

08.10.2012 | 08:21 |   (DiePresse.com)

Der Vorsitzende der Eurogruppe Juncker sprach von einem "historischen Meilenstein". Bei Griechenland zeigt die EZB Härte. Merkel reist nach Athen.

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Der dauerhafte Europäische Rettungsschirm ESM wurde Montag nachmittag in Luxemburg offiziell gestartet. Der Gouverneursrat, dem die Euro-Finanzminister angehören, segneten den "Europäischen Währungsfonds" nun auch formal ab. Der ESM wird seinen Vorgänger EFSF ablösen. Allerdings laufen beide Schirme bis Mitte 2013 noch parallel, ehe der ESM allein das Ruder übernimmt. Der ESM verfügt über ein Stammkapital von 700 Milliarden Euro. Dieses teilt sich in 80 Milliarden Bareinzahlungen auf, die von den ESM-Ländern als Sicherheit nach und nach bis 2014 in den ESM-Kapitalstock einbezahlt werden müssen, sowie 620 Milliarden Euro an abrufbarem Kapital. Aufgrund der Sicherheiten kann der ESM bis zu 500 Milliarden Euro an Krisenstaaten ausleihen.

Der Vorsitzende der Eurogruppe - Jean-Claude Juncker - erklärte, es handle sich um einen "historischen Meilenstein". Die Eurozone sei damit krisensicherer geworden, aber es wäre falsch zu glauben, dass damit allein alle Probleme der Währungsunion im Handumdrehen gelöst seien.

Geleitet wird der ESM von einem Gouverneursrat, der sich aus den Finanzministern der Euro-Staaten zusammensetzt. Österreich ist durch VP-Ressortchefin Maria Fekter vertreten. Daneben gibt es ein Direktorium, Österreich hat Sektionschef Harald Waiglein entsandt. Geschäftsführender Direktor des ESM mit Sitz in Luxemburg ist der Deutsche Klaus Regling. Er ist bereits Chef des EFSF und damit bis Mitte nächsten Jahres Vorsitzender in beiden Rettungsschirmen.

Merkel in Athen

Am Dienstag reist Bundeskanzlerin Angela Merkel nach Athen, um mit der Regierung von Antonis Samaras zu beraten, wie eine drohende Staatspleite Griechenlands abgewendet werden kann. Nachdem der ESM heute in Luxemburg aus der Taufe gehoben wurde, tagen auch die Euro-Finanzminister in der Stadt. Es geht neben Griechenland um Portugal, das ein Jahr mehr Zeit für die Budgetsanierung bekommen soll (mehr dazu ...). Über die Gespräche mit den internationalen Geldgebern verlautete in Athen, dass es Fortschritte, aber keine Einigung über neue Einsparungen gebe. Experten von EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) - die sogenannte Troika - werden die Finanzminister über den Stand der Dinge informieren. Die EZB lehnt einseitige Hilfen für Griechenland ab.

Aus dem Umfeld der Troika sickerte durch, dass möglichst bis zum 15. Oktober die Verhandlungen abgeschlossen sein sollen. Die Hoffnung ist, dann beim EU-Gipfel am 18. und 19. Oktober in Brüssel zumindest "etwas Positives" vorzulegen. Bis Ende November soll die dringend benötigte Hilfstranche in Höhe von 31,5 Milliarden Euro freigeben werden. Nach Angaben von Samaras reicht das Geld in der Staatskasse noch bis dahin.

Griechenland: Fortschritte bei Sparprogramm

Die Gespräche mit der Troika gehen voraussichtlich an diesem Dienstag weiter, wie die Nachrichtenagentur dpa aus dem Finanzministerium in Athen erfuhr. Es gebe Fortschritte. "Dies aber bedeutet noch nicht, dass das Sparprogramm unter Dach und Fach ist", sagte eine Mitarbeiterin des Ministeriums am Sonntag.

Die bisherigen Verhandlungen seien "sehr gut und produktiv" verlaufen, erklärte IWF-Chefin Christine Lagarde nach Angaben ihres Büros in Washington im saudi-arabischen Riad.

7000 Polizisten für Merkel-Besuch

Mit massiven Sicherheitsvorkehrungen bereitet sich Athen unterdessen auf den Besuch der Bundeskanzlerin vor. 7000 Polizisten aus allen Teilen des Landes werden in der Hauptstadt zusammengezogen. Deutsche Einrichtungen wie die Botschaft und das Goethe-Institut werden nach Informationen griechischer Medien besonders geschützt. In der Bevölkerung kocht die Wut über die Sparauflagen, für die vor allem die Politik der Bundesregierung verantwortlich gemacht wird.

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Die größten Gewerkschaften des Landes haben einen dreistündigen Streik mit einer Großdemonstration im Zentrum Athens angekündigt.

Vor der Reise Merkels warnten SPD und Grünen vor Überheblichkeit. Europarlamentspräsident Martin Schulz (SPD) ermahnte sie, nicht als "reicher Onkel" in Athen aufzutreten. Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin forderte Merkel auf, den Griechen zu erklären, "dass sie auf dem harten, vor ihnen liegenden Weg auf die europäische Solidarität zählen können".

Schlechte Prognose für griechische Schulden

Nach einem Bericht der "Welt am Sonntag" droht Griechenland seine langfristigen Sanierungsziele zu verfehlen. "Die Griechen laufen auf einen Schuldenstand von 140 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2020 zu", schrieb die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf Verhandler. Angepeilt sind 120 Prozent.

Trotzdem lehnt EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen Erleichterungen für Athen ab: "Wir können weder die Laufzeiten für griechische Anleihen verlängern noch die Zinsen senken." Es sei "kein Selbstläufer", dass Griechenland im November Geld erhalte. Asmussen sieht trotz der lockeren Geldpolitik in der Schuldenkrise keine Inflationsgefahr für die Eurozone. "Nach unseren Prognosen wird bereits im nächsten Jahr die Inflation wieder unter die 2-Prozent-Marke sinken", sagte er der "Bild am Sonntag".

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(APA/dpa)

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128 Kommentare
 
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Mehr Geld löst die Probleme nicht

Erneut versuchen die Euroretter die Probleme in der Gemeinschaft mit mehr Geld zu lösen. Das hatten wir in den vergangenen Jahren des Öfteren, bisher ohne Erfolg.

Jetzt wird wieder Geld bereitgestellt um wieder das zu machen, was man schon immer gemacht hat.

Zuviel Geld führt am Ende zur Inflation, der ESM ist wieder ein Schritt in diese Richtung.
http://www.start-trading.de/blog/2012/10/09/was-haben-esm-und-simbabwe-gemeinsam/

Gast: die Chance in der Krise, aber nicht in Europa
09.10.2012 13:00
1 3

nicht aus Überzeugung kaufen die Asiaten den Euro

Sondern weil sie ihre Überschüsse streuen,
um von ihrer Dollar-Lastigkeit wegzukommen.

Was sollen sie denn sonst kaufen? Es bieten sich keine großen Währungsräume an.
So haben die Chinesen zuletzt im großen Stil "Yen" gekauft.

Den Euro kaufen sie ungern.
Sie wundern sich über ein Europa das keine Reformen mehr auf die Wege bringt.

Ein Europa zu dem sie früher aufgeschaut haben, ist heute versteinert, vergreist und unbeweglich.
Dazu kommt noch der hohe Staatsanteil der EU Wirtschaft von über 50%, der jede Privatinitiative, Dynamik und jedes Wachstum von vornherein abwürgt.

Ganz anders dagegen die Volkwirtschaften nach der Asienkrise 1997.

Nach großen Opfern und Anstrengungen einer jungen Gesellschaft wurde die Verschuldung in Südostasien in kürzester Zeit von 60% auf 20-30% zurückgeführt, sodass sich die freie Wirtschaft in ihrer vollen Blüte entfalten konnte und heute zur dynamischsten Region der Welt machte.


Gast: Wasserlaeufer
09.10.2012 12:39
1 4

Kuerftig gehen dann eben nicht mehr einzelne Staaten pleite;

sondern die ganze EU.

Gast: Gast 2012
09.10.2012 12:10
1 4

die Euro-Finanzminister zocken auf Kosten der Bürger

und manche Medien scheuen sich nicht diese illegale Aktion schönzureden.

Gast: ehschowurscht
09.10.2012 10:50
4 3

Euroland

Was oder wer ist eigentlich EUROLAND????

Kannte bisher nur das Südland!!!!

8 5

Das "ahnungslose Internet-Kommentariat"

ist trotz einiger Wissenslücken bzw. "Unschärfen" aber immer noch 1000 mal glaubwürdiger als gekaufte Schreiberlinge, lächerliche EU-Claquere und naive Schönredner.

Re: Das "ahnungslose Internet-Kommentariat"

Nicht gekaufte Schreiberlinge würden ESM auch eher als "europäischer Suizid-Mechanismus" übersetzten ... das will aber niemand hören, von jenen, die unsere Medien kontrollieren.

6 2

unfreiwillig komisch

... Aus 200 Mrd. sollen 500 Mio. werden...

Das wird viell. gat nicht lange dauern, zeigt aber auch die Kompetenz des Autors.

Der ESM wäre begrüßenswert, wenn die Zustimmung von folgenden Fakten abhängig gemacht worden wäre:


1)Finanztransaktionssteuer in allen EU Landern
2)Bankenregulierung
3)gemeinsame Fiskalpoilitik
4)Trennung des täglich fälligen Kunden- vom Investementgeschäfts

EMS Wahn

Der etwas andere Kommentar bei FAZ

Kommentar zum ESM, Der Euro-Fonds

08.10.2012 · Der Europäische Rettungsfonds ESM ist nun fester Bestandteil der Währungsunion. Gemeinsam mit der Europäischen Zentralbank kann er den Krisenländern Reformen erleichtern. Er kann aber auch - und dafür spricht die Erfahrung - dazu verführen, sich auf Dauer im Leben auf Kredit einzurichten.
Von Heike Göbel

Gast: mir reicht
09.10.2012 09:18
6 3

die eu

chris rea: this is the road to hell.

ESM ist kein IWF!

Der ESM ist die Bad Bank für faule Staats- und Bankkredite, die nach menschlichem Ermessen nie zurückgezahlt werden.
Der IWF ist für die Beistellung von kurzfristigen Fremdwährungskrediten bei Zahlungsbilanz-defiziten zuständig, die prioritär bedient und getilgt werden.
Journalistren sollten das nicht verwechseln!

Ob sich Herr Grimm und die Politik nicht irrt, dass die Asiaten glauben,

die sind nämlich sehr gute Geschäftsleute. Gute Geschäftsleute glauben nicht, die suchen nach Chancen und diese gilt es zu finden.

8 1

Nach der USA Wahl

Wird der Troika Bericht negativ ausfallen UND es wird noch ein "letztes" Hilfspaket für GR geschnürrt....Wetten?

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Können wir nach der nächsten Wahl wieder aussteigen?

das Einzige was viele interessiert.

Re: Können wir nach der nächsten Wahl wieder aussteigen?

sicher könnten wir! Genauso wie sich Brüssel einen feuchten Furz um Verträge kümmert ( Bail-Out etc.) und diese laufend bricht, können wir uns auch um Verträge nix pfeifen und aussteigen! Jedoch nur "Dativ", also könnten, denn solange Rot Schwarz Grün eine Mehrheit haben wird es weiter den Bach runter gehen und die Österreicher und unser schönes Land geopfert werden. Es sei denn die Bevölkerung lehnt sich endlich auf, nur ist das im Land der Schlafmützen eher unwahrscheinlich!

0 1

Re: Re: Können wir nach der nächsten Wahl wieder aussteigen?

"...nix pfeifen und aussteigen! Jedoch nur "Dativ", also könnten, denn solange..."

Ja was meinen´s denn mit "Dativ" ?

2 1

Re: Re: Können wir nach der nächsten Wahl wieder aussteigen?

richtig: SCHAFmützen.

ESM in Kraft: Euroland schafft sich ab ...

... wäre wohl die zutreffendere Überschrift gewesen.

Aber egal, Hauptsache Moodys hat dem ESM die Bestnote gegeben. Da kann ja nix mehr schiefgehen.

Zumindest die nächsten 3 Monate ...

Gast: pan-tora
09.10.2012 07:22
16 2

danke

herr grimm fuer diesen aufschlussreichen artikel. sehr nett haben sie ein paar punkte zum esm herausgegriffen. leider haben sie eine alte journalistenregel vergessen - der hund liegt immer im detail!
und egal welchen grund es auch immer haben sollte - eine organisation auszerhalb jeder rechtstaatlichkeit ist wahnsinn und durch NICHTS zu legitimieren!
und das herr waiglein fuer diese taetigkeit nicht extra entlohnt wird ist richtig, aber sie werden feststellen, das seine spesenabrechnung und div. andere zuwendungen pro monat eine vierstellige eurosumme ausmachen. und raten sie mal, wo er nach seiner "ehrenamtlichen" esm-taetigkeit unterkommt?
sie sind mir aber wirklich ein vorbildlicher journalist, wenn sogar ich diese informationen im internet finden kann...

Re: danke

und noch ein offensichtlich geförderter Journalist der den Schandvertrag hochjubelt, einfach unfassbar.

Gast: ösi
09.10.2012 06:17
6 0

1913 nun verspätet in europa


Gast: klaus3
09.10.2012 06:07
16 1

Die

Schulden der steuerhinterziehenden Südländer werden zu Lasten von Österreich und Deutschland aufgeteilt. Ich hoffe bei den nächsten Wahlen werden die Politiker die richtige Antwort bekommen. Danke Frau Fekter für dieses gute Geschäft!

11 1

So ESM ist in Kraft- Banken sind aufgefangen

Jetzt können sich Griechenland und Co über die Häuser hauen.
Wer brennts- wir Steuerzahler

13 1

Wirtschaftsjournalist und Pressesprecher genügt als Qualifikation?

Entsprechendes Studium hat er anscheinend auch keines, sonst hätte er ja einen akademischen Titel.
Volkshochschulkurs vielleicht?
Und dass man über Ökonomie schreiben kann ohne den geringsten Tau davon zu haben, führt uns hier gerade Oliver Grimm vor.

Antworten Gast: Humpelstilzchen
09.10.2012 07:54
8 0

Re: Wirtschaftsjournalist und Pressesprecher genügt als Qualifikation?

Sicher - wenn ein vielleicht-AHS Abschluss reicht um Bundeskanzler zu werden.
Die Entscheidungen treffen eh andere. Man braucht ein paar Dummies die die Befehle ausführen und Phrasen dreschen.

 
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