25.05.2013 07:31 Merkliste 0

ESM in Kraft: Euroland schafft sich seinen Währungsfonds

08.10.2012 | 18:08 |  Von unserem Korrespondenten OLIVER GRIMM (Die Presse)

Der Stabilitätsmechanismus lenkt die Eurorettung in klarere Bahnen. Der ESM zeigt aber auch, wie groß die Kluft zwischen Europas Bürgern und ihren politischen Eliten ist. Er nimmt am Dienstag seine Geschäfte auf.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Brüssel. Mit 200 Milliarden Euro an sofort verfügbarem Geld (bis zu 500 Millionen Euro sollen es Zug um Zug werden) und einer Mannschaft von knapp 60 Mitarbeitern nimmt der EU-Währungsfonds ESM am Dienstag in Luxemburg seine Geschäfte auf.

Schon seine Inauguration am Montagnachmittag durch die Finanzminister der 17 Euroländer machte dreierlei klar sichtbar: Erstens ist dieser „Europäische Stabilitätsmechanismus“ das klarste Indiz dafür, dass der Bestand des Euro auf Jahrzehnte sicher ist. Zweitens offenbart der Umgang der ESM-Spitze mit den dringendsten Problemen, dass es zu wenig ist, auf technokratische Expertise zu bauen, wenn politischer Entscheidungswille nötig ist. Drittens belegt der ESM, wie groß die Kluft zwischen Europas Bürgern und ihren politischen Eliten ist.

 

Steuerfrei, straffrei, nichts dabei

Letzteres zeigt sich in Österreich zum Beispiel an den Reaktionen auf die Nachricht, dass der frühere Pressesprecher und jetzige Sektionschef im Finanzministerium, Harald Waiglein, zum Direktor im ESM-Vorstand bestellt worden ist. Aus dem Umstand, dass Waiglein im Rahmen dieser Tätigkeit (und nur da) nicht dem Einkommensteuergesetz unterliegt und von Strafverfolgung ausgenommen ist, destillierte das stets meinungsfreudige, aber oft ahnungslose Internet-Kommentariat das Bild eines lukrativen Spitzenjobs, bei dem man straffrei allerlei Gräueltaten begehen dürfe. Dass Waiglein unentgeltlich im Rahmen seiner Dienstpflicht an ESM-Vorstandssitzungen teilnimmt, ging unter. Dasselbe gilt für den Umstand, dass die Straffreiheit der ESM-Direktoren bloß verhindern soll, dass sie bei Umschuldungen von Investoren rund um die Welt geklagt werden. Vielleicht wäre das Volk dem ESM weniger kritisch gesinnt, wenn man ihn als das bezeichnen würde, was er ist: ein Währungsfonds, der angeschlagenen Euroländern Kredit gibt, ihre Anleihen auf dem Markt kauft, Kreditlinien als vorbeugende Maßnahmen gewährt und das Geld für den Umbau maroder Banken bereitstellt.

Asien garantiert den Euro

Das zeigt, dass es weiterhin politische Führungsstärke braucht, um Europa finanziell zu stabilisieren. Was soll man zum Beispiel mit den Altschulden der irischen Banken tun, die Irlands Budget rasant haben aufquellen lassen? Soll die der ESM übernehmen – so wie er das in Spanien plant? Es dürfte künftig zu wenig sein, wenn ein sichtlich fadisierter Jean-Claude Juncker wie bei der Pressekonferenz am Montag in seinem Amt als Chef der ESM-Gouverneure (die Euro-Finanzminister) alle politischen Fragen von sich abputzt.

Denn der ESM zeigt, dass der Euro ein dauerhaftes politisches Projekt ist. So kann er bis zu 30-jährige Anleihen begeben, um sich zu finanzieren. Derzeit sei das nicht nötig, sagte ESM-Chef Klaus Regling am Montag. Doch wenn er eines Tages seine erste Anleihe begebe, „hoffe und erwarte“ er, dass die asiatischen Staaten „traditionell gute Kunden“ sein würden – und die ESM-Anleihen so eifrig kaufen wie bisher jene des provisorischen Hilfsvehikels EFSF. 40 Prozent von dessen Bonds kauften asiatische Investoren. Die Asiaten glauben an den Euro – vielleicht mehr als die Europäer selbst.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.10.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

Mehr auf DiePresse.com

128 Kommentare
 
12 3 4

Mehr Geld löst die Probleme nicht

Erneut versuchen die Euroretter die Probleme in der Gemeinschaft mit mehr Geld zu lösen. Das hatten wir in den vergangenen Jahren des Öfteren, bisher ohne Erfolg.

Jetzt wird wieder Geld bereitgestellt um wieder das zu machen, was man schon immer gemacht hat.

Zuviel Geld führt am Ende zur Inflation, der ESM ist wieder ein Schritt in diese Richtung.
http://www.start-trading.de/blog/2012/10/09/was-haben-esm-und-simbabwe-gemeinsam/

Gast: die Chance in der Krise, aber nicht in Europa
09.10.2012 13:00
1 3

nicht aus Überzeugung kaufen die Asiaten den Euro

Sondern weil sie ihre Überschüsse streuen,
um von ihrer Dollar-Lastigkeit wegzukommen.

Was sollen sie denn sonst kaufen? Es bieten sich keine großen Währungsräume an.
So haben die Chinesen zuletzt im großen Stil "Yen" gekauft.

Den Euro kaufen sie ungern.
Sie wundern sich über ein Europa das keine Reformen mehr auf die Wege bringt.

Ein Europa zu dem sie früher aufgeschaut haben, ist heute versteinert, vergreist und unbeweglich.
Dazu kommt noch der hohe Staatsanteil der EU Wirtschaft von über 50%, der jede Privatinitiative, Dynamik und jedes Wachstum von vornherein abwürgt.

Ganz anders dagegen die Volkwirtschaften nach der Asienkrise 1997.

Nach großen Opfern und Anstrengungen einer jungen Gesellschaft wurde die Verschuldung in Südostasien in kürzester Zeit von 60% auf 20-30% zurückgeführt, sodass sich die freie Wirtschaft in ihrer vollen Blüte entfalten konnte und heute zur dynamischsten Region der Welt machte.


Gast: Wasserlaeufer
09.10.2012 12:39
1 4

Kuerftig gehen dann eben nicht mehr einzelne Staaten pleite;

sondern die ganze EU.

Gast: Gast 2012
09.10.2012 12:10
1 4

die Euro-Finanzminister zocken auf Kosten der Bürger

und manche Medien scheuen sich nicht diese illegale Aktion schönzureden.

Gast: ehschowurscht
09.10.2012 10:50
4 3

Euroland

Was oder wer ist eigentlich EUROLAND????

Kannte bisher nur das Südland!!!!

8 5

Das "ahnungslose Internet-Kommentariat"

ist trotz einiger Wissenslücken bzw. "Unschärfen" aber immer noch 1000 mal glaubwürdiger als gekaufte Schreiberlinge, lächerliche EU-Claquere und naive Schönredner.

Re: Das "ahnungslose Internet-Kommentariat"

Nicht gekaufte Schreiberlinge würden ESM auch eher als "europäischer Suizid-Mechanismus" übersetzten ... das will aber niemand hören, von jenen, die unsere Medien kontrollieren.

6 2

unfreiwillig komisch

... Aus 200 Mrd. sollen 500 Mio. werden...

Das wird viell. gat nicht lange dauern, zeigt aber auch die Kompetenz des Autors.

Der ESM wäre begrüßenswert, wenn die Zustimmung von folgenden Fakten abhängig gemacht worden wäre:


1)Finanztransaktionssteuer in allen EU Landern
2)Bankenregulierung
3)gemeinsame Fiskalpoilitik
4)Trennung des täglich fälligen Kunden- vom Investementgeschäfts

EMS Wahn

Der etwas andere Kommentar bei FAZ

Kommentar zum ESM, Der Euro-Fonds

08.10.2012 · Der Europäische Rettungsfonds ESM ist nun fester Bestandteil der Währungsunion. Gemeinsam mit der Europäischen Zentralbank kann er den Krisenländern Reformen erleichtern. Er kann aber auch - und dafür spricht die Erfahrung - dazu verführen, sich auf Dauer im Leben auf Kredit einzurichten.
Von Heike Göbel

Gast: mir reicht
09.10.2012 09:18
6 3

die eu

chris rea: this is the road to hell.

ESM ist kein IWF!

Der ESM ist die Bad Bank für faule Staats- und Bankkredite, die nach menschlichem Ermessen nie zurückgezahlt werden.
Der IWF ist für die Beistellung von kurzfristigen Fremdwährungskrediten bei Zahlungsbilanz-defiziten zuständig, die prioritär bedient und getilgt werden.
Journalistren sollten das nicht verwechseln!

Ob sich Herr Grimm und die Politik nicht irrt, dass die Asiaten glauben,

die sind nämlich sehr gute Geschäftsleute. Gute Geschäftsleute glauben nicht, die suchen nach Chancen und diese gilt es zu finden.

8 1

Nach der USA Wahl

Wird der Troika Bericht negativ ausfallen UND es wird noch ein "letztes" Hilfspaket für GR geschnürrt....Wetten?

11 1

Können wir nach der nächsten Wahl wieder aussteigen?

das Einzige was viele interessiert.

Re: Können wir nach der nächsten Wahl wieder aussteigen?

sicher könnten wir! Genauso wie sich Brüssel einen feuchten Furz um Verträge kümmert ( Bail-Out etc.) und diese laufend bricht, können wir uns auch um Verträge nix pfeifen und aussteigen! Jedoch nur "Dativ", also könnten, denn solange Rot Schwarz Grün eine Mehrheit haben wird es weiter den Bach runter gehen und die Österreicher und unser schönes Land geopfert werden. Es sei denn die Bevölkerung lehnt sich endlich auf, nur ist das im Land der Schlafmützen eher unwahrscheinlich!

0 1

Re: Re: Können wir nach der nächsten Wahl wieder aussteigen?

"...nix pfeifen und aussteigen! Jedoch nur "Dativ", also könnten, denn solange..."

Ja was meinen´s denn mit "Dativ" ?

2 1

Re: Re: Können wir nach der nächsten Wahl wieder aussteigen?

richtig: SCHAFmützen.

ESM in Kraft: Euroland schafft sich ab ...

... wäre wohl die zutreffendere Überschrift gewesen.

Aber egal, Hauptsache Moodys hat dem ESM die Bestnote gegeben. Da kann ja nix mehr schiefgehen.

Zumindest die nächsten 3 Monate ...

Gast: pan-tora
09.10.2012 07:22
16 2

danke

herr grimm fuer diesen aufschlussreichen artikel. sehr nett haben sie ein paar punkte zum esm herausgegriffen. leider haben sie eine alte journalistenregel vergessen - der hund liegt immer im detail!
und egal welchen grund es auch immer haben sollte - eine organisation auszerhalb jeder rechtstaatlichkeit ist wahnsinn und durch NICHTS zu legitimieren!
und das herr waiglein fuer diese taetigkeit nicht extra entlohnt wird ist richtig, aber sie werden feststellen, das seine spesenabrechnung und div. andere zuwendungen pro monat eine vierstellige eurosumme ausmachen. und raten sie mal, wo er nach seiner "ehrenamtlichen" esm-taetigkeit unterkommt?
sie sind mir aber wirklich ein vorbildlicher journalist, wenn sogar ich diese informationen im internet finden kann...

Re: danke

und noch ein offensichtlich geförderter Journalist der den Schandvertrag hochjubelt, einfach unfassbar.

Gast: ösi
09.10.2012 06:17
6 0

1913 nun verspätet in europa


Gast: klaus3
09.10.2012 06:07
16 1

Die

Schulden der steuerhinterziehenden Südländer werden zu Lasten von Österreich und Deutschland aufgeteilt. Ich hoffe bei den nächsten Wahlen werden die Politiker die richtige Antwort bekommen. Danke Frau Fekter für dieses gute Geschäft!

11 1

So ESM ist in Kraft- Banken sind aufgefangen

Jetzt können sich Griechenland und Co über die Häuser hauen.
Wer brennts- wir Steuerzahler

13 1

Wirtschaftsjournalist und Pressesprecher genügt als Qualifikation?

Entsprechendes Studium hat er anscheinend auch keines, sonst hätte er ja einen akademischen Titel.
Volkshochschulkurs vielleicht?
Und dass man über Ökonomie schreiben kann ohne den geringsten Tau davon zu haben, führt uns hier gerade Oliver Grimm vor.

Antworten Gast: Humpelstilzchen
09.10.2012 07:54
8 0

Re: Wirtschaftsjournalist und Pressesprecher genügt als Qualifikation?

Sicher - wenn ein vielleicht-AHS Abschluss reicht um Bundeskanzler zu werden.
Die Entscheidungen treffen eh andere. Man braucht ein paar Dummies die die Befehle ausführen und Phrasen dreschen.

 
12 3 4

Eurokrise - Die Begriffe

  • Was ist die Eurokrise? Ein Rückblick auf die Ursachen mehr...

    EFSF Der Rettungsschirm und wie er funktioniert mehr...

    Hebel für EFSF Wie man aus sehr viel Geld noch viel mehr Geld macht. mehr ...

    EFSM Der Mechanismus für Finanzstabilisierung und seine Aufgaben mehr...

    ESM Der Europäische Stabilitätsmechanismus soll 2013 den EFSF-Fonds ablösen. mehr ...

    Eurobonds Was gemeinsame EU-Anleihen bezwecken und wie sie funktionieren sollen. mehr ...

    EZB Die EZB ist Hüterin des Euro und soll eine geringe Inflation garantieren. Zumindest bis jetzt. mehr ...

    Waffen der EZB Was die "Bazooka" ist und welche anderen Waffen die Zentralbank hat. mehr ...

    IWF Der IWF ist die Finanzfeuerwehr der Vereinten Nationen und massiv an den Hilfsaktionen in Europa beteiligt. mehr ...

    Ratingagenturen Die wichtigsten Agenturen und deren Bewertungen. mehr ...

    SPIV Das Special Purpose Investment Vehicle soll die Finanzierung in Euroländern erleichtern. mehr ...

    Troika Die Troika ist eine Gruppe von Experten von EZB, IWF und EU-Kommission. mehr ...

    G20 Die 20 größten Wirtschaftsmächte repräsentieren zwei Drittel der Weltbevölkerung. mehr ...

    PSI Beim Private Sector Involvement geht es um die Beteiligung des Privatsektors an der Krisenlösung. mehr ...

    CDS Kreditausfallsversicherungen werden unter anderem dann fällig, wenn ein Land pleite ist. mehr ...

    Sekundärmarkt Der Sekundärmarkt ist der Markt, auf dem die bereits in Umlauf befindlichen Wertpapiere gehandelt werden. mehr ...

    OMT OMT ist die Abkürzung für Outright Monetary Transactions. Dahinter verbirgt sich das von der EZB am 6.September 2012 beschlossene neue Kaufprogramm von Staatsanleihen der Krisenländer. mehr ...