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IWF-Chefin: „Staatschulden auf Niveau von Kriegszeiten“

12.10.2012 | 18:35 |  Von unserem Korrespondenten FELIX LILL (Die Presse)

IWF, US-Regierung und OECD fordern eine noch lockerere Geldpolitik. Bundesbank-Chef Weidmann legt sich quer. Schließlich habe eine allzu lockere Geldpolitik auch in Japan nicht die erhoffte Wirkung gebracht.

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Tokio. Das „Niveau von Kriegszeiten“ sei jetzt erreicht. Sollten die Europäische Union, die USA und auch Japan ihre Staatsschulden nicht bald in den Griff bekommen, stehe „die Erholung der Weltwirtschaft auf dem Spiel“. Schließlich vereinten die wohlhabendsten Nationen der Welt mittlerweile einen Schuldenberg von 110 Prozent der eigenen Wirtschaftsleistung auf sich. „Womöglich sind die riesigen Schulden die größte Hürde für erneutes Wachstum.“ Die Botschaft von Christine Lagarde, Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), wirkte wie eine Selbstverständlichkeit.

Schon am Dienstag hatte Lagardes Chefökonom Olivier Blanchard das analytische Handwerkszeug dafür präsentiert. Nach Prognosen des IWF wird die Weltwirtschaft im Jahr 2012 nur um 3,3 Prozent wachsen, 0,6 Prozentpunkte weniger, als es frühere Berechnungen hatten erwarten lassen. Europa bilde dabei die stärkste Bremse, wobei drei Faktoren darüber entscheiden würden, in welche Richtung sich die Weltwirtschaft künftig bewege: Während sich die Sparprogramme sowie die aktuelle Unsicherheit über konkrete Ergebnisse der Reformbemühungen negativ auf das Wachstum auswirken, haben expansive Geldpolitiken der größten Notenbanken einen positiven Effekt.

 

„Unsicherheit auf den Märkten“

Welcher dieser drei Faktoren aber der entscheidende und daher dringendste sei, beurteilte Blanchard nicht. Dabei ist es diese Frage, über die in Tokio, wo derzeit neben dem IWF noch die Weltbank und die Bankenvertretung Institute of International Finance (IIF) tagen, große Uneinigkeit unter den Entscheidungsträgern der Welt herrscht.

„Der wichtigste Grund, warum das Wachstum nicht anzieht, ist die Unsicherheit auf den Märkten“, sagte etwa Anshu Jain, Chef der Deutschen Bank, beim IIF-Treffen. „Allzu starke Regeln wie Basel III mögen wir zwar nicht, aber schlimmer ist es, wenn wir gar nicht wissen, was uns erwartet.“ Ohne Klarheit über die konkrete Gestalt anstehender Reformen könne man kaum Investitionsentscheidungen treffen. So sei es kein Wunder, dass sich die expansive Geldpolitik der Zentralbanken nur bedingt auf Kreditvergaben auswirke.

 

Streit um Notenbankpolitik

Dabei wurden Staatsanleihenkäufe und Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank (EZB) von mehreren Seiten gelobt. Neben Christine Lagarde und dem IWF unterstützten der US-amerikanische Finanzminister Timothy Geithner sowie mehrere Vertreter der Bankenbranche das Programm. Auch Ángel Gurría, Generalsekretär der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), teilte diese Meinung gestern ausdrücklich.

Dass diese Politik aber das entscheidende Instrument zur Lösung der Krise sei, glaubt wiederum Jens Weidmann nicht. Der Vorsitzende der Deutschen Bundesbank und Mitglied des EZB-Rats sagte gestern: „Was mir etwas Sorgen bereitet, ist, dass sich die Hoffnungen und Erwartungen der Politik mehr und mehr auf die Zentralbanken als Problemlöser richten.“

Schließlich habe eine allzu lockere Geldpolitik auch in Japan, wo die Tagungen stattfinden, nicht die erhoffte Wirkung gebracht. Unterdessen forderte Christine Lagarde, dass Griechenland mehr Zeit bei der Durchführung seiner Sparpolitik bekomme, um gleichzeitig nicht die Wachstumschancen des Landes zu ersticken. Dem widersprach allerdings Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble: „Wenn man ein mittelfristiges Ziel hat, hilft es nicht, das Vertrauen zu zerstören, indem man in die andere Richtung geht.“

Auf einen Blick

Die Staatsschulden seien so gewaltig angewachsen, sie hätten „Kriegsniveau“ erreicht, so IWF-Chefin Christine Lagarde. Bei der Frage, wie diese Krise bekämpft werden soll, scheiden sich die Geister. Das Match heißt „Deutschland gegen den Rest der Welt“. Während IWF, Washington und OECD mehr „Gelddrucken“ fordern, warnt Bundesbank-Chef Jens Weidmann erneut davor, zu viel Hoffnung in die Geldpolitik zu legen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.10.2012)

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14 Kommentare
Gast: r-tiroch@t-online.de
14.10.2012 10:35
0 0

vor kriegszeiten gefühlt

und komischerweise steht die Welt tatsächlich wieder kurz davor. Israel-Iran, Türkei, Nato Syrien, Nodrkorea Südkorea USA. was für eine wunderbare Ablenkung das von der Krise währe.

Gast: robert
14.10.2012 01:31
0 0

verteilung des Kapitals sollte mal untersucht werden

sie meinen eher das die Guthaben der superreichen auf dem niveau von vorkriegszeiten stehen weil wo schulden sind dort sind auf anderer seite Guthaben aber das darf ja niemand wissen,ich hab das gefühl das die eu auf einen grossen zusammenbruch hinsteuert aber bevor der kommt müssen wir noch schnell die vereinigten staaten der EU umsetzen damit man die kritischen massen besser kontrollieren kann und einsperren kann wenn er oder sie sich dem system nicht beugen wollen ! leute leben wir in europa noch in einer DEMOKRATIE ??

Die Politik ....

.. sollte endlich mal die Courage aufbringen und den Leuten ehrlich sagen, dass diese in erster Linie selber für sich verantwortlich sind statt ständig den Vollkasko Staat zu predigen!

Wie Fr. Lagarde sagt haben wir mittlerweile Schuldenstände in Europa wie zu Kriegszeiten obwohl die EU Staaten - glücklicherweise - die längste Friedensperiode seir Menschengedenken haben! Vielleicht sollten wir auch ähnliche Maßnahmen wir nach dem Krieg setzen? Nach dem Krieg konnte sich auch keiner auf den Vollkasko Staat verlassen ...

Gast: Fprester
13.10.2012 11:50
1 0

Staatschuldenquote in Euroland bei 90%

Die (offizielle) Staatschuldenquote der Eurozone hat Ende 2011 89.4% des BIP erreicht. Ende 2012 dürfte die 90%-Marke deutlich überschritten werden. Man muss zudem davon ausgehen, dass mit kreativer Buchhaltung noch grössere Schuldenberge versteckt werden, wie im Beispiel Österreich. Ab einer Schuldenquote von 90% nimmt man an, dass der Schuldenberg nicht mehr durch "normale" Mittel wie Sparen und Steuererhöhungen abgebaut werden kann.

Das dürfte auch der Grund sein, warum man zunehmend von einer Währungsreform hört. Eine Währungsreform besteht darin, dass eine neue Währung eingeführt wird, etwa in der Form, dass ein "Euro alt" nur noch einen Bruchteil des "Euro neu" wert ist. Damit sinken alle Schulden und Guthaben im entsprechenen Umtauschverhältnis. Ein solcher Schnitt würde alle Staaten, resp. deren Bürger, in einem Währungsraum gleichermassen treffen.

Interessant ist auch, dass die EU-Staaten ausserhalb des Euroraums eine viel tiefere Staatschuldenquote haben. Sie betrug bevölkerungsgewichtet Ende 2011 61.4 %. Wenn man den Sonderfall Grossbritannien noch herausrechnet, so liegt die Schuldenquote der Nicht-Euro-Länder bei 47.1 %. Die Zunahme der Schuldenquote in diesen Ländern ist zudem geringer als in Euro-Land.

Sie hat es einfach nicht begriffen!

ES IST KRIEG! Nicht mit konventionellen oder atomaren Waffen, aber mindestens genauso zerstörerisch. Es wird Zeit, daß diese Frau endlich aufwacht!

Sie hat's nicht begriffen!


Gast: T. Light
13.10.2012 09:15
0 0

Die Bankster und Spekulanten freuen sich

Den das Vertrauen in die Märkte muss wiederhergestellt werden sagt der IWF und manch ein einfältiger Politiker.
Wer sind denn die Märkte? Bankster, Spekulanten und Hedgefonds.
Wer hat das Vertrauen zerstört?? Die vorhin Genannten.
Wer bezahlt den von den Bankstern verursachten Schaden? DAS VOLK .
Und wer muss sparen: DAS VOLK
Und wer profitiert: die Bankster, Spekulanten und Hedgfonds....

Gast: 12 monkeys
13.10.2012 01:52
0 0

immer das gleiche

immer nur an den symptomen rumdoktern aber nix gegen das grundproblem unternehmen. klar müssen die nationalbanken auch gegensteuern, aber bitte alles mit maß und ziel. struktur- und sytemreformen sind notwendig, doch dafür steht weder Deutschland, noch die USA und am wenigsten IWF und Weltbank etc.

Stellen sie sich vor Außerirdische (z.b. Vulkanier) landen auf unseren Planeten und verlangen die Anführer und die Elite der Menschen zu sprechen. Welchen Eindruck die von uns haben müssen, wenn die sehen von welchen Einfaltspinseln, Ideenlosen und Opportunisten wir uns führen lassen. Die drehen sofort um oder drehen uns sofort ab ;-)

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der IWF ist doch nur sprachrohr der usa

...und denen geht der arsch auf grundeis, weil wenn die eu nicht mitzieht, in richtung sackgasse, wird es schwierig für die usa als erster wieder aus der sackgasse herauszukommen ;-))))

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Ja, nur diesmal sind die Schulden vor dem Krieg da.


Antworten Gast: prison planet
12.10.2012 22:55
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Re: Ja, nur diesmal sind die Schulden vor dem Krieg da.


Wir sind schon im Krieg. Er wird nur mit anderen Waffen geführt.

Gast: badbankermacht
12.10.2012 22:32
0 0

die eurobankenpolitik u.massive sozialabbaupolitik schaden den menschen u.haben europa in den abgrund gerissen- der IWF, die weltbank u.börsenbanker haben wieder was schlimmes vor.

die banken-u. finanzmärkte werden weiter mit billionen versorgt u.subventioniert, lohndumping,hartzIV, u.ein sozialabbau bei den asvgpensionen durchgezogen. österreich steht auch schon mit über 80mrd. haftungen u. garantien für die korrupten finanzmärkte da. und es ist keine ende dieses bankenwahnsinns in sicht- mit volldampf wird am untergang europas gerarbeitet. jahrzehntelange aufbauarbeit u.der soziale wohlstand im alter- wird nun in nur ein paar jahren zunichte gemacht.
der soziale wohlstand u.soziale frieden für die mehrheit die bevölkerung hat keinen politischen wert mehr.
das surreale kapitalwachstum für wenige u.die volksvermögen- u.geldverschiebungen die diese heuschreckenfinanzindustrien u. eu/euro finanzlobbypolitiker betreiben sind die ursache am asvgpensionsabbau. die banken werden zur verantwortung gezogen-versprachen politiker wie faymann(SPÖ) u.andere. nun heissts von faymann und vielen politikern-das vertrauen der spekulanten,finanzmärkte u. börsen muß sichergestellt werden- mit unfassbaren summen von steuergeldern werden die verursacher der krise gestützt u.subventioniert- u.um dies zu finanzieren, werden von den sozialisten in ganz europa die sozial- und staatlichen asvg pensionssysteme auf ein armutsniveau runter gefahren,sodaß sich die arbeitenden menschen nun schon vor der altersarmut fürchten. U.nach 40 versicherungsjahren, beitragszahlungen usw. solls keine asvg pensionen mehr geben. europa schafft sich nun gerade ab, sagt sarrazin,leider.

Gast: Zeit isch, Mander!
12.10.2012 21:16
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Staatschulden auf Niveau von Kriegszeiten


Das Geld wird eh aus der Luft geschöpft und ist im Grunde nix wert.

Die haben uns alle lang genug betrogen.


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Voll sympatisch !!

Der Schäuble ist voll sympatisch ! Was denkt sich diese Lagarde eigentlich ? Erst kommt sie durch eine lausige Intrige gegen Ihren Vorgänger auf diesen Sessel und dann glaubt sie, auf uns hinhauen zu können. Amerika soll froh sein, dass Europa und vor allem Deutsachland sie noch wirtschaftlich am Leben erhält. Die sind um nichts weniger bankrott als die Griechen und die Spanier. Das Triple A ist eine Farce. Die müßten schon längst auf Ramschstatus sein. Aber wer lehnt sich schon gegen jemanden auf, der bis an die Zähne bewaffnet ist und ständig Kriege (auch ohne Grund) anzettelt ? Hoffentlich halten Merkel und Schäuble durch. Die Griechen sind ohnedies nicht mehr zu retten. Und sie wollen das auch nicht. Ausser sie kriegen es geschenkt.

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