Wien/Brüssel/Athen/Aga. Offiziell steht Griechenland nicht auf der Agenda des beginnenden EU-Gipfels. Doch während ein Streik der Staatsbediensteten, Bank-, Post- und Eisenbahnangestellten heute Donnerstag wieder das Land lähmt, wird die Rettung des griechischen Patienten abermals ein Hauptthema beim abendlichen Zusammentreffen der Staats- und Regierungschefs in Brüssel sein.
Der Troika-Bericht der Geldgeber aus EU, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB) steht allerdings weiter aus: Man habe zwar die Verhandlungen mit der griechischen Regierung abgeschlossen, es gebe Einigkeit über die meisten Spar- und Reformvorhaben, hieß es am Mittwochabend in Athen. Es seien aber weitere Diskussionen nötig. Ein positiver Bericht der Troika ist Voraussetzung für die Auszahlung der nächsten Hilfstranche von 31,5 Milliarden Euro, und mangels Troika-Bericht wird der EU-Gipfel in Brüssel keine Entscheidungen zu Griechenland treffen können.
Dennoch darf der konservative Regierungschef Antonis Samaras auf Zugeständnisse seiner Amtskollegen hoffen: Sie könnten eine Fristverlängerung von zwei Jahren für die Haushaltssanierung gewähren. Selbst der IWF war zuletzt dafür, Athen mehr Zeit zur Umsetzung der Reformen zu geben. Deutschland stemmt sich zwar bisher dagegen, könnte nun aber doch einlenken, wie es heißt.
Warnung vor Flächenbrand
Über einen Euro-Austritt des Landes wagt niemand mehr zu spekulieren: Nach neuer Studie der Bertelsmann-Stiftung könnte er einen Flächenbrand auslösen und eine tiefe globale Rezession einleiten.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.10.2012)

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