"Je wirksamer die Geldpolitik, desto stärker die Risiken"

22.10.2012 | 12:17 |   (DiePresse.com)

Die deutsche Bundesbank warnt vor der EZB-Krisenpolitik. Bundesbankchef Weidmann hatte sich zuvor gegen das Anleihen-Aufkaufprogramm gestemmt.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Mehr zum Thema:

Kurz vor einem Besuch von EZB-Chef Mario Draghi im deutschen Parlament hat die Bundesbank ihre Kritik an der Krisenpolitik der Europäischen Zentralbank bekräftigt. Mit Blick auf die in Aussicht gestellten Stützungskäufe am Anleihenmarkt für klamme Euro-Staaten schreibt die deutsche Notenbank in ihrem am Montag vorgelegten Bericht: "Je wirksamer die Geldpolitik mit ihren Maßnahmen die Finanzsysteme der Krisenländer stützt, desto stärker werden Risiken auf die Bilanz des Eurosystems übertragen und letztlich auf die Steuerzahler der Mitgliedsländer insgesamt umverteilt."

Das sich daraus ergebende "Spannungsverhältnis" werde spätestens dann akut, wenn die Frankfurter Währungshüter ihre Maßnahmen gezielt zur Stützung der betroffenen Ländern einsetzten. "Damit übernimmt die Geldpolitik eine Stabilisierungsfunktion, die in einer Währungsunion souveräner Mitgliedstaaten eine originär fiskalpolitische Aufgabe darstellt", mahnt die Bundesbank. Derartige Risikoübernahmen seien aber eigentlich demokratisch legitimierten Akteuren vorbehalten, kritisiert sie.

Mehr zum Thema:

Weidmann ist einsamer Warner in der EZB

Bundesbank-Chef Jens Weidmann hatte sich im EZB-Rat gegen ein Anleihen-Ankaufprogramm gestemmt, mit dem Spanien oder andere klamme Eurostaaten bei Bedarf gestützt werden können. Er lehnt solche Käufe wegen ihrer Nähe zur verbotenen Staatsfinanzierung ab und befürchtet mittelfristig eine Erhöhung der Inflationsgefahr durch potenziell unbegrenzte Käufe.

EZB-Chef Draghi, der am Mittwoch zu einem Informationsbesuch im Deutschen Bundestag erwartet wird, verteidigt die Käufe hingegen als Notmaßnahme gegen Marktstörungen, die die einheitliche Übertragung der EZB-Geldpolitik im Euroraum verhindern. Zugleich verweist er darauf, dass die EZB erst dann am Markt intervenieren kann, wenn Staaten zuvor unter den Euro-Rettungsschirm geschlüpft sind und sich zu strikten Reform-Auflagen verpflichtet haben.

(APA/Reuters)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Lesen Sie hier weiter zum Thema:

  • Draghi in der Berliner Höhle der Löwen

    Bild: (c) EPA (MICHAEL KAPPELER) Der EZB-Präsident verteidigte sein Anleihe-Aufkaufprogramm vor den skeptischen Abgeordneten des Bundestags. Die Kritik daran geht durch alle Fraktionen. Die Veranstaltung fand hinter verschlossenen Türen statt.

Mehr aus dem Web

8 Kommentare
Gast: EFF EFF
22.10.2012 16:13
0 0

stopfen gegen nimmersatt

Draghi will mehr Geld in das Finanzsystem stopfen als Investoren absaugen können. Es besteht das Risiko permanent explodierender Rohre. Nur wo bleibt dass Gefäss, dass das knappe Gut zur Vermeidung der Inflationsgefahr auffängt?

Des Bänkers Kälte

Wahrscheinlich brauchen wir jemanden wie Weidmann, damit wir nicht zu weit gehen. Aber Kälte und Härte dieser Haltung erschreckt mich, das jemand offensichtlich lieber den Untergang ganzer Wirtschaftssysteme in Kauf nimmt um die Stabilität einer Währung sicherzustellen. Ich bin froh, dass der politische Wille auch in Deutschland inzwischen ein anderer ist. Europa ist eben nicht nur eine Währung, das muss er als Bänker nicht verstehen, er sieht sich in einer anderen Aufgabe. Aber es wäre gut, würden Bänker dies verstehen, wir hätten viele Probleme nicht.

Re: Des Bänkers Kälte

Europa ist nicht nur "nicht nur" eine Währung. Sie ist überhaupt keine. Die Durchführung dieses Experiments hat mit einem Friedenprojekt exakt gar nichts am Hut - da ändert auch die andauernde Behauptung der üblichen Verdächtigen nichts.

Ich persönlich finde es übrigens eiskalt, zukünftige Generationen für Schulden zu verpflichten, die sie nicht selbst gemacht haben. Mit und ohne gemeinsame Währung. Absehbar ist, dass diese zukünftigen Generationen dann auf Friedensprojekte etc. ggfs. etwas empfindlich reagieren.

Re: Re: Des Bänkers Kälte

Hier gehen die Ansichten doch sehr weit auseinander. Die Nachfolgegenerationen werden seit 40 Jahren schon belastet, eben seit zB auch A ein Defizit hat. Das hat also wenig mit der EU zu tun. Man darf darauf hinweisen, dass gerade die deutsche Bundesbank in der Vergangenheit das Verbot der Staatsfinanzierung für sich aufgehoben hat, wo es für D opportun war. Inflation ist daraus nicht entstanden. Nur damals hatten die Banken noch eine andere gesellschaftliche Rolle und Verantwortung und diese hat sich gravierend geändert. Wir werden dahin zurückkommen müssen und seien Sie gewiss, der Euro und die EU werden überleben.

Re: Re: Re: Des Bänkers Kälte

Es ist aber eigentlich keine Ansichtssache, ob ich mehr Schulden habe, wenn ich Die anderer Leute auch noch übernehme, oder nicht.
Was - und da sind wir natürlich einer Meinung - erstmal nichts mit der EU zu tun hat. Und auch was den ersten Bruch der Maastricht-Kriterien betrifft (der Anfang vom Ende des EUR, wie er gedacht war) sehe wir das gleich.

Die Verantwortung der Banken sehen wir allerdings deutlich unterschiedlich. Es waren Regierungen, die beschlossen haben, Mittel aus funktionierenden Bereichen hin zum Finanzmarkt zu verschieben. Dass sich diese nicht verweigert haben, kann ich durchaus verstehen.

Dass eine Währung mit Namen EUR überlebt, bezweifle ich übrigens nicht. Sie wird erhalten werden, koste es was es wolle. Dementsprechend betrachte ich sie seit Jahren als schlechte Investition im Vergleich zu anderen Währungen (wobei ich jetzt explizit nicht den USD meine;-))

Re: Re: Re: Re: Des Bänkers Kälte

Wir liegen bei den Banken auch nicht so weit auseinander. Es waren politische Entscheidungen, mit denen wir die Dämonen gerufen haben und jetzt werden wir sie nur schwer wieder los. Absolut. Aber das macht die Bänker nicht zu unschuldigen Lämmern, ebensowenig natürlich die verantwortliche Politik, allen voran die deutsche FDP, die davon heute nichts mehr wissen will und aus meiner Sicht in gleicher Weise eine soziale Härte und Egozentrik zeigt, die befremdet, so wie ich Weidmann sehe.

Gast: PÖHSE
22.10.2012 13:32
9 0

Wirksam ist guuut ! Scherzerl ! Wirksam war


das echte Geld, Schilling, D-Mark, und Fuzziwuzzipapierln zum Dauerabwerten für den Süden !

der Teuro bringt nur die Katastrophe !

2 3

Re: Wirksam ist guuut ! Scherzerl ! Wirksam war

Genau genommen waren auch ATS und DM Schaaspapierl mit Ablaufdatum.
Nur wäre das Ablaufdatum später gekommen.
Gekommen wäre es aber allemal - so wie bei JEDEM Fiat Money.

Naja, mir kann es egal sein.
Ich hab weder Schulden noch "papierene Vermögenswerte".

Umfrage

AnmeldenAnmelden