Brüssel. So entstehen Enten: „Spiegel Online" missversteht eine Meldung der „Bild-Zeitung" und spitzt sie noch zu, gleich mehrere renommierte Nachrichtenagenturen wie DPA, AFP und APA übernehmen das ungeprüft, und flugs steht auf so gut wie jedem Internet-Portal deutscher Sprache, dass der neue Euro-Währungsfonds ESM mehrheitlich nur Käufer für seine Anleihen in der Eurozone finde. Auch auf "DiePresse.com" konnte man die Agenturmeldung lesen, sie wurde mittlerweile entfernt.
Der Rest der globalen Anlegerwelt scheue die ESM-Bonds, unkte „Spiegel Online" und fügte das vernichtende Urteil als Schlagzeile hinzu: „Euro-Zone rettet sich selbst".
Tatsächlich aber ist der „Europäische Stabilitätsmechanismus", der fortan wackelige Euroländer finanziell unterstützen soll, noch gar nicht am Markt unterwegs. Derzeit sammelt der in Luxemburg sitzende Fonds planmäßig jenes Kapital von den 17 Euro-Mitgliedstaaten ein, das als Basis für einen bis zu 500 Milliarden Euro umfassenden Rahmen an Darlehen, Kreditlinien, Garantien und ähnlichen Finanzhilfen dienen soll. 80 Milliarden Euro müssen die Euro-Länder bis zum Jahr 2017 in fünf gleich großen Tranchen direkt einzahlen. Dazu kommen Haftungszusagen derselben Staaten über weitere 620 Milliarden Euro. Mit diesen 700 Milliarden Euro ließen sich nach derzeitigem Stand besagte rund 500 Milliarden Euro an Hilfen finanzieren.
Der Ursprung dieser mehrfach im Internet verstärkten Falschmeldung ist rasch gefunden: Irgendwo auf dem Weg von einem Textverarbeiter zum nächsten wurde einfach der ESM mit dem bisherigen, vorerst parallel weiterlaufenden Rettungsvehikel EFSF verwechselt. Die EFSF war seit 25. Jänner 2011 mehrfach an den Finanzmärkten, um sich gegen bilaterale Garantien der Euro-Staaten Geld für die Rettung Griechenlands, Portugals und Irlands zu holen. Die letzte Anleihe begab die EFSF übrigens am 16. Oktober. In Summe hat sie 49,9 Milliarden Euro aufgenommen, dazu kamen Auktionen kurzfristig laufender Schuldtitel (sogenannte „Bills").
Die Käufer der EFSF-Anleihen kommen laut eigener Statistik tatsächlich zu 50 Prozent aus der Eurozone. Das ist nicht überraschend, denn überall auf der Welt werden staatliche Anleihen vor allem von Investoren des eigenen Währungsgebiets gekauft. 25 Prozent des Bonds wurden von asiatischen Investoren gekauft, und beachtliche 13 Prozent von britischen Anlegern. Letzteres ist recht ironisch, kommen aus der City of London doch die lautesten Unkenrufe über den baldigen Untergang des Euro. Der Rest der Anleihen wurde im Nicht-Euro-Europa sowie anderswo in der Welt gekauft. Übrigens sind die Asiaten von den EFSF-Papieren so sehr angetan, dass sie bei der bisher jüngsten Auktion rund ein Drittel der Anleihen kauften.
Die Ente von den ungeliebten ESM-Anleihen
22.10.2012 | 19:47 | von unsere Korrespondeten Oliver Grimm (DiePresse.com)
Der Euro-Währungsfonds finde kaum außereuropäische Käufer für seine Anleihen, orakelten zahlreiche Internetplattformen. Das stimmt – denn der ESM ist noch gar nicht am Markt unterwegs.
19 Kommentare
ESM operativ?
Offen ist die Frage, ob der ESM vor Jahresende überhaupt operativ werden kann. Der EUGH hat auf Grund irischen Einspruchs zu entscheiden, ob er nicht gegen die Lissabonverträge verstößt.http://curia.europa.eu/juris/document/document.jsf?text=&docid=127330&pageIndex=0&doclang=EN&mode=req&dir=&occ=first&part=1&cid=5052911
Alles egal, hauptsache das System hält bis nach den US-Wahlen.
Nach den US-Wahlen werden alle Märkte verrückt spielen.Hoffentlich wird von der EU nicht viel übrig bleiben.
Fehler eingestanden.
Das ist zu begrüßen.Maßnahmen gegen das heutzutage übliche, blinde Abschreiben setzen? - Wahrscheinlich nicht. Wird wohl alles so bleiben wie bisher.. Lippenbekenntnis..
So gesehen...
Die westliche Medien 50 % Ente und 50 % Manipulation...ESM überhaupt operativ?
Der EUGH wird erst zum Jahresende über die Bedenken des irischen Supreme Court entscheiden, ob der ESM überhaupt mit den Lissabonverträgen vereinbar ist.http://curia.europa.eu/juris/document/document.jsf?text=&docid=127330&pageIndex=0&doclang=EN&mode=req&dir=&occ=first&part=1&cid=5052911
So leicht wie Karlsruhe dürfte es sich der EUGH nicht machen.
Ja glaubt
denn die Presse tatsächlich das es dem ESM anders wie dem EFSF, den er ja ersetzt, gehen wird ????Beim EFSF geht das ja noch weil die Finanzkraft eher klein ist und locker von Investoren der Euro-Länder finanziert werden kann.
Der ESM soll aber deutlich gehebelt werden, man redet ja sogar von 2 Bill. und wenn dann nur Anleger aus dem eigenen Währungssysem dies bewerkstelligen sollen, dann wird der ESM früher oder später kein mehr bekommen weil es Investoren im Euro-Raum überfodert.
Ausserdem ist sowieso zu befürchten das der ESM zu eine Per-Pedum-Mobile wird. Die EZB gibt billig frisches Geld, damit kaufen die Banken dann die Anleihen des ESM, diese Anleihen werden dann der EZB zur Sicherheit gegeben und der Kreis hat sich geschlossen, die Banken fetten Reibach gemacht und die EZB die Staaten finanziert das Verlustrisiko auf den Steuerzahler übertragen.
Aber man wird sehen, aus meiner Sicht wird der ESM genauso "erfolgreich" sein wie der EFSF, und das wäre dann eher bescheiden.
Verlogenes...
...Spiegelpack. Beim Thema Euro brennen denen alle journalistischen Sicherungen durch. Da kennen die keine journalistische Ethik mehr, da wird alles abgedruckt, was der Praktikant am Klo in Brüssel hört und zu einer Katastrophenmeldung umgeschrieben. Qualitätsblatt? Lange her. In Sachen Euro sind Bild und Krone inzwischen glaubwürdiger.Die Katze beißt sich in den Schwanz.
Die Privaten sind nicht so behämmert.Es sind die Notenbanken die über Strohmänner die Anleihen kaufen lassen.
Es rette sich wer kann vor der kommenden Geldentwertung.
Liebes Presseteam!
Auch ihr habt ungeprüft abgeschrieben (zitiert). ;-)Re: Liebes Presseteam!
sagt er doch offen und selbstkritischDer EFSF wird doch in den ESM übergeführt oder versteh ich da was falsch?
Was macht den Unterschied aus?Re: Der EFSF wird doch in den ESM übergeführt oder versteh ich da was falsch?
Der ESM wird um einiges umfangreicher - das ist meines wissens der hauptunterschiedRe: Re: Der EFSF wird doch in den ESM übergeführt oder versteh ich da was falsch?
und der ESM wird eine dauerhafte Einrichtung sein.Aber die Parlamentarier wussten, worüber sie abstimmten
http://www.conwutatio.at/index.php?option=com_content&view=article&id=71:esm-offener-brief&catid=11:oesterreich
Wenn Herr Grimm das so schreibt,
werden wir alle schlussendlich doch noch den ESM lieben lernen....oder was?Den eigentlichen Artikel, mit den vielen
Kommentaren (..rettet sich selbst) , findet man nicht mehr .
Wohl vergessen....
....die weltgrößten Anleihefonds haben sich schon vor Wochen aus dem Euroraum verabschiedet.
Also wer bleibt dann noch übrig?
Die europäischen Banken, die von der EZB mittels Notenpresse und Null-Zinsen unbegrenzt mit Geld versorgt werden.
Und wenn´s schiefgeht, retten wir halt wiedermal die Banken.
Re: Wohl vergessen....
Auch das hat sich wieder gedreht. Die Spekulation gegen den Euro ist vorbei. War wohl nix!Re: Re: Wohl vergessen....
Das kann in 2 Monaten wieder ganz anders sein.Noch nie manipulierte die Politik so die Märkte und da ist alles möglich, wie im Lotto.

AAA bis RamschSo kreditwürdig sind EU-Länder und USA