20.06.2013 02:24 Merkliste 0

"Nicht Aufgabe der EZB, Land am Leben zu halten"

23.10.2012 | 13:41 |   (DiePresse.com)

Der vor einem Jahr als EZB-Chefvolkswirt zurückgetretene Jürgen Stark attackiert EZB-Chef Mario Draghi. Er kritisiert Draghis "Basta"-Politik.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Der vor bald einem Jahr im Streit als EZB-Chefvolkswirt zurückgetretene Jürgen Stark sieht Notenbankpräsident Mario Draghi bei dessen Besuch des Bundestags am Mittwoch in der Pflicht, eine schlüssige Begründung für die geplanten Interventionen der EZB an den Anleihemärkten zu liefern. "Er kann nicht einfach den deutschen Parlamentariern sagen: 'Das ist alles im Rahmen unseres Mandats. Basta!'", sagte Stark im Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters einen Tag vor der mit Spannung erwarteten Berlin-Visite Draghis.

Seiner Ansicht nach hat die EZB ihr eigentlich auf Wahrung stabiler Preise beschränktes Mandat mit den geplanten Anleihekäufen überschritten. "Es ist nicht Aufgabe der Zentralbank, ein Land am Leben zu halten, bis die zuständigen Gremien in Brüssel grünes Licht gegeben haben."

EZB hat ihre Aufgabe erfüllt

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte im September gegen den Widerstand der Deutschen Bundesbank angekündigt, dass sie angeschlagenen Euro-Ländern mit massiven Staatsanleihenkäufen unter die Arme greifen will, wenn sie unter den Euro-Rettungsschirm ESM gehen und sich reformieren.

Zugleich sieht der EZB-Rat die Übertragung seiner Geldpolitik auf die Volkswirtschaften im Euroraum als gestört an. Eine Begründung für künftige Eingriffe in die Märkte, die Stark so nicht teilt: "Die EZB kann etwas zur Lösung der Krise beitragen, das hat sie bereits getan, sie hat das Bankensystem mit Liquidität geflutet. Das war ihre Aufgabe, mehr aber auch nicht."

Kritik an deutscher Regierung

Hart ins Gericht geht Stark auch mit der deutschen Regierung, die nach seiner Ansicht die EZB geradezu ermuntert, auf dem jetzt eingeschlagenen Weg weiterzugehen. "Dahinter steht ein kurzfristiges politisches Kalkül, damit man nicht erneut sofort in den Bundestag gehen und um zusätzliches Geld bitten muss. Da wird aus kurzfristigen, ja ich möchte sagen opportunistischen Gründen der leichtere Weg unter Umgehung des Parlaments genommen."

Draghi wird am Mittwoch die Abgeordneten von drei Ausschüssen in einer gemeinsamen Sitzung treffen: des Europa-, des Haushalts- und des Finanzausschusses. Nach der Begegnung hinter verschlossenen Türen wollen Bundestagspräsident Norbert Lammert und Draghi dann vor die Presse treten.

(APA/Reuters)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

Mehr auf DiePresse.com

7 Kommentare
Gast: unbeteiligter
23.10.2012 17:36
0 0

Wenn sich mehrere Personen zu einem ...

gesetzwidrigen Vorhaben verabreden nennt man das dann nicht die Gründung einer kriminellen Organistation.

also quasi eine Zweigstelle der EU ,,,,,

PS; Tod der EU !
-

Starke Ansage!

Endlich einer, der es weiß, der es kann und der die Wahrheit sagt.
Von einer EZB nach dem Muster der deutschen Bundesbank kann dank ClubMed leider keine Rede mehr sein.
Geldwertstabilität ist out.

unsympathisch

der schaut schon so unsympathisch aus

Tolles Argument, offenbar sind Sie bezahlter Poster.


Re: Tolles Argument, offenbar sind Sie bezahlter Poster.

nur von wem bezahlt ? bitte um Vorschläge - Postertyp: "EU-Positiver und EURO- Freund"

Gast: Hans im Glück
23.10.2012 14:36
5 0

Seit wann heisst es: "Europa, Europa über alles..." ?

Oder:

"Multikulti, Multikulti über alles" ?

Wie heißt es so schön im Musikal Elisabeth:
"Ich gehör nur mir"

Auf der Schleimspur der deutschen Politiker rutscht Deutschland und mit ihr die ganze EU ins Verderben.

Gast: PÖHSE
23.10.2012 14:08
12 0

Nicht Aufgabe Österreichs,

fremde Schulden zu bezahlen, oder Kredite an Konkursreife zu geben.

S. 'Vertrag von Lissabon ', no-bail-out-Klausel .

Eurokrise - Die Begriffe

  • Was ist die Eurokrise? Ein Rückblick auf die Ursachen mehr...

    EFSF Der Rettungsschirm und wie er funktioniert mehr...

    Hebel für EFSF Wie man aus sehr viel Geld noch viel mehr Geld macht. mehr ...

    EFSM Der Mechanismus für Finanzstabilisierung und seine Aufgaben mehr...

    ESM Der Europäische Stabilitätsmechanismus soll 2013 den EFSF-Fonds ablösen. mehr ...

    Eurobonds Was gemeinsame EU-Anleihen bezwecken und wie sie funktionieren sollen. mehr ...

    EZB Die EZB ist Hüterin des Euro und soll eine geringe Inflation garantieren. Zumindest bis jetzt. mehr ...

    Waffen der EZB Was die "Bazooka" ist und welche anderen Waffen die Zentralbank hat. mehr ...

    IWF Der IWF ist die Finanzfeuerwehr der Vereinten Nationen und massiv an den Hilfsaktionen in Europa beteiligt. mehr ...

    Ratingagenturen Die wichtigsten Agenturen und deren Bewertungen. mehr ...

    SPIV Das Special Purpose Investment Vehicle soll die Finanzierung in Euroländern erleichtern. mehr ...

    Troika Die Troika ist eine Gruppe von Experten von EZB, IWF und EU-Kommission. mehr ...

    G20 Die 20 größten Wirtschaftsmächte repräsentieren zwei Drittel der Weltbevölkerung. mehr ...

    PSI Beim Private Sector Involvement geht es um die Beteiligung des Privatsektors an der Krisenlösung. mehr ...

    CDS Kreditausfallsversicherungen werden unter anderem dann fällig, wenn ein Land pleite ist. mehr ...

    Sekundärmarkt Der Sekundärmarkt ist der Markt, auf dem die bereits in Umlauf befindlichen Wertpapiere gehandelt werden. mehr ...

    OMT OMT ist die Abkürzung für Outright Monetary Transactions. Dahinter verbirgt sich das von der EZB am 6.September 2012 beschlossene neue Kaufprogramm von Staatsanleihen der Krisenländer. mehr ...