19.05.2013 12:55 Merkliste 0

Griechenland: Sind die Milliarden verloren?

28.10.2012 | 18:23 |   (Die Presse)

Die Gläubigertroika schlägt einen neuen Schuldenschnitt für Griechenland vor. Österreich könnte das mehr als eine Milliarde Euro kosten. Gegen den Plan der Troika legen sich viele Länder in der Eurozone quer.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Wien/Höll. Die Hiobsbotschaften aus Griechenland reißen nicht ab: Die sogenannte Gläubigertroika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds (IWF) empfiehlt laut Medienberichten einen weiteren Schuldenschnitt für das südeuropäische Land.

Der am Sonntag bekannt gewordene Vorschlag sieht vor, dass sich diesmal die öffentlichen Gläubiger an der Maßnahme beteiligen und auf einen Großteil ihrer Forderungen verzichten sollen. Damit würden vor allem die Steuerzahler in den Euroländern belastet. Auch Österreich müsste auf einen Teil der bislang geleisteten Zuschüsse verzichten. Die Höhe des Schuldenschnitts ist derzeit noch nicht bekannt. Finanzkreisen zufolge könnte Österreich mit bis zu 1,55 Milliarden Euro betroffen sein.

Telefonkonferenz am Mittwoch

Gegen den Plan der Troika legen sich viele Länder in der Eurozone quer. Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sprach sich am Sonntag strikt gegen einen erneuten Schuldenerlass aus. Das sei „eine Diskussion, die wenig mit der Realität in den Mitgliedstaaten der Eurozone zu tun hat“, sagte er.

Die erste Teilentschuldung für Griechenland gab es im Frühjahr 2012. Damals waren in erster Linie private Investoren betroffen. Banken, Versicherungen und Investmentfonds, die griechische Staatsanleihen gehalten haben, verloren bis zu 80Prozent ihres Investments. Der österreichische Staat kam über die Bad Bank der Kommunalkredit ebenfalls zum Handkuss. Der Steuerzahler schoss dem Institut eine Milliarde Euro zu. Eine Sonderrolle nimmt bei den Programmen die Europäische Zentralbank (EZB) ein. Diese hält zwar griechische Staatsanleihen in der Höhe von 40 Milliarden Euro. Laut einem Bericht des „Spiegel“ müsste sich die EZB auch am zweiten Schuldenschnitt nicht beteiligen, weil ihr diese Form der Staatsfinanzierung verboten ist.

Am Mittwoch, den 31.Oktober werden die Finanzminister der Eurozone bei einer Telefonkonferenz darüber beraten, wie es mit Griechenland weitergehen soll. Themen sind die Verzögerung des griechischen Sparprogramms und offene Fragen der Finanzierung. Österreichs Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) wollte sich zu einer möglichen Teilentschuldung nicht äußern. Sie warte zuerst die Telefonkonferenz ab, hieß es am Sonntag im Finanzministerium.

Entscheidungen sind am Mittwoch aber nicht zu erwarten. Diese sollen erst beim nächsten Treffen der Minister am 12.November fallen. Denn Athen braucht bis Mitte November die nächste reguläre Finanzspritze von 31,5 Milliarden Euro. Das Land hat nur noch bis 16.November Geld. Die 31,5 Milliarden Euro sind Teil des zweiten Hilfsprogramms, das die Euro-Finanzminister im Frühjahr 2012 beschlossen haben und 130 Milliarden Euro schwer ist.

Athen erreicht Sparziel nicht

Doch nun stellt sich heraus, dass die 130 Milliarden Euro nicht ausreichen. Neben dem Schuldenschnitt wird daher auch über ein drittes Hilfsprogramm diskutiert. Die Regierung in Athen sagte ursprünglich zu, dass sich die Schuldenquote bis zum Jahr 2020 durch die Hilfsgelder und verschiedene Sparmaßnahmen von derzeit über 160Prozent der Wirtschaftsleistung auf 120 Prozent reduzieren soll. Aus einem Bericht des Internationalen Währungsfonds geht allerdings hervor, dass die 120 Prozent ohne zusätzliche Hilfen nicht zu erreichen sind. Die Rede ist von einer weiteren Finanzlücke von bis zu 30 Mrd. Euro. Kommt es zu keiner Teilentschuldung, müssen die anderen Euroländer wieder Geld zuschießen.

Friedman, Thatcher & Co: Die Euro-Kritiker der ersten Stunde

Alle 14 Bilder der Galerie »

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.10.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

Mehr auf DiePresse.com

513 Kommentare
 
12 3 4 5 6 7 8 9 10 11

Für diesen Staat sollen wir noch bürgen.

Griechenland ist nicht mehr das Land der Demokratie sondern der Steuerhinterzieher und korrupten Politiker. Die arme Bevölkerung soll jetzt für diese Parasiten noch herhalten. Steht dann einer auf und macht es publik, wird er noch eingesperrt. Das erinnert mich mehr an den Ostblock.

GR wird nur dann Strukturreformen realisieren, ,

wenn die lokalen Politiker entmachtet und durch eine kommissarische EU-Verwaltung ersetzt wuerden.
Als souveraener Staat kann das Land nur ausserhalb der €-Zone oder gar der EU erfolgreich sein.

Re: GR wird nur dann Strukturreformen realisieren, ,

Eine EU-Verwaltung würde niemals von den Griechen akzeptiert.
Das würde einen Flächenbrand über ganz Südeuropa ergeben!
Das wünscht sich wohl niemand......

Ich fürchte mich vor der Telefonkonferenz der Finanzminister. Fekter wird zu einem neuen Milliardenpaket sicher ja sagen. Wir haben es ja.

Liebe Frau Fekter, samt den Herren Faymann und Spindelegger, der Tag der Tränen kommt für Euch. Bei der Nationalratswahl sehen wir uns wieder.

Gast: Griechenland
31.10.2012 09:26
0 0

Sind die Milliarden verloren?

Ja.

Wer anderes behauptet, ist ein Märchenerzähler.

http://de.wikipedia.org/wiki/Staatsbankrott


Schweizer abkommen wir nötig

es wird Zeit das die schweiz für den gesamten Eu-Raum die Quest einführt! dann würden alle Länder zumindest ihre Kapitalertragssteuer erhalten. bei der zinssituation zwar ein Tropfen auf dem heißen Stein, doch die Zinsen werden sich in Zukunft auch wieder ändern.

Re: Schweizer abkommen wir nötig

das gibt es doch schon: 35% auf Erträge aus nicht offengelegte Depots bzw. Anlagekonten. (europäische Quellensteuerdirektive)

Gast: Dominik Wild
31.10.2012 03:19
1 0

Pension fuer ledige Toechter der Beamten??

Wurde mir in Deutschland erzaehlt: Ledige Toechter von hohen Beamten in Griechenland bekommen eine Pension zugesprochen. Stimmt das?

Re: Pension fuer ledige Toechter der Beamten??

ja, das ist korrekt! nicht vergessen, die Vergünstigungen der Staatsparasiten (Beamte) bei den verstaatlichten Strom, Gas, Wasser, etc.-versorgern.

Re: Pension fuer ledige Toechter der Beamten??

Ledige unverheiratete Töchter in Griechenland (z.B. auch in der Türkei) erhalten die Rente ihres Vater nach dessen Ableben weiter.

0 0

so kommt auch unser Geld in die Schweiz - aber was macht es dort?


Gast: Morgennebel
30.10.2012 19:34
1 0

Chefredakteur verhaftet

So gut funktioniert die europäischer Demokratie?

Gast: Raub.ritter
30.10.2012 13:34
7 0

Kritik an der Berichterstattung zu Griechenland

Die Berichterstattung zu Griechenland ist schon lange nicht mehr nachvollziehbar.

Hier die Zahlen

http://de.statista.com/statistik/daten/studie/167459/umfrage/staatsverschuldung-von-griechenland/
" target="_blank">http://de.statista.com/statistik/daten/studie/167459/umfrage/staatsverschuldung-von-griechenland/


Der angeblichen Schuldenschnitt von über 100 Milliarden ist nirgends ersichtlich.

Es wurde die beispiellose Rettungsaktion mit 380 Milliarden verkündet, also weitaus höher, als die Staatsschulden jemals ausmachten.

http://diepresse.com/home/wirtschaft/eurokrise/750470/380-Mrd-Euro-fliessen-nach-Griechenland
" target="_blank">http://diepresse.com/home/wirtschaft/eurokrise/750470/380-Mrd-Euro-fliessen-nach-Griechenland


Das alles ist längst nicht mehr nachvollziehbar.

Chefredakteur wurde verhaftet

Ich würde ihn mit dem Journalismus Preis des Jahres auszeichnen.

Re: Chefredakteur wurde verhaftet

Vielleicht gibt es ja in Österreichs Journaille Nachahmer? Herr Klenk bitte melden!

Gast: HelleOlga
30.10.2012 13:16
16 0

Ist ja offensichtlich, diese Schweinerei

Samaras hat jahrelang das Budget verfälscht, die Zahlen geschönt und mit Goldman Sachs die Tricksereien durchgeführt.

Wer hat denn damals die Millionen/Milliarden erhalten? Sicher nicht das - jetzt - arme Volk, sondern korrupte Politiker, Beamte sowie Firmen im Naheverhältnis zum Staat. Und dass die Liste immer wieder "verschwunden" ist, spricht für die Echtheit.

Solange diese Verbrecher weiterhin an den Schalthebeln sitzen, werden auch die zukünftigen Hilfs-Gelder in deren Löchern versickern.


Re: Ist ja offensichtlich, diese Schweinerei

Die Alternative ? Kommunisten, KKE oder SYRIZA ist es wohl nicht. Bleibt nur die Wahl zwischen Teufel und Belzebub

24 0

Respekt dem griechischen Journalisten!

Respekt dem griechischen Journalisten mit Zivilcourage!
Solche Leute braucht Griechenland - Aber: er wird wie ein Verbrecher behandelt.
Eine Schande für das Mutterland der Demokratie!

Re: Respekt dem griechischen Journalisten!

Wieso? Weil er die Namen von Personen veröffentlicht, die sich erdreisten, ein Konto im Ausland und in Fremdwährung zu unterhalten?
Vielleicht gar um damit - wie unsolidarisch aber auch - ihr Währungsrisiko zu streuen?

Aber Sie haben vielleicht Recht: Wer sich Gedanken um seine Ersparnisse macht, ist schon verdächtig. Schon allein, weil er welche hat.

Antworten Antworten Gast: Gast Kritiker
30.10.2012 15:42
7 1

Re: Re: Respekt dem griechischen Journalisten!

Ich gebe ihnen schon recht, dass sich diese Leute Sorgen um ihren Mammon machen! Aber viel mehr Sorgen sollten sich die Steuerzahler in den übrigen Ländern machen, die diesen maroden griechischen Staat mit ihren Steuergeldern schadlos halten müssen, wenn es schief geht. Warum eigentlich?Und wenn schon Steuerzahler in anderen Ländern solidarisch sind,wo bleibt dann die Solidarität der sogenannten Elite (Elite für was eigentlich ?)für ihr Land?! Wenn sie mit ihrem Geld Flucht aufnehmen schädigen sie eigentlich ja auch ihr eigenes Land. Sie ziehen ja Geld von ihren griechischen Banken ab, was wiederum denen fehlt, weil deren Eigenkapitalquote sinkt. Ja dann wird wieder rasch um Hilfe angesucht und man flutet wieder über die EZB die Banken mit Geld! Und immer sind es die Leute aus der sogenannten Elite. Zuerst füllen sie sich ihre Taschen mit erklärungsbedürftigen Einnahmen und dann schaffen sie es schnell ins Ausland. Wer übrig bleibt sind die working poor in Griechenland und die "dummen Steuerzahler" in den Zahlerländern! Warum verteidigen sie diese Leute. Die wollen doch nur ihren Profit und andere sollen ihre offene Rechnung begleichen!

Nicht nur für Grüne und Sozialisten

die Lösung ist immer der Ruf nach dem Geld der anderen, das eigene riskiert man selbstverständlich nicht - auch nicht für das eigene Land.

Warum verteidigen sie diese Leute

Weil ich 2 grundsätzliche Tendenzen für nicht wünschenswert halte:

a) Jemand, der sich etwas erspart hat, wird ins schiefe Licht gerückt. Ist ja zumindest "erklärungsbedürftig", wenn jemand etwas besitzt, was für Leute unüblich ist, die sich nicht mit Geld befassen.

b) Noch bedenklicher finde ich, dass geldwertes Vermögen ausserhalb des eigenen Währungsraums politisch zunehmend "incorrect" wird. Wenn Sie persönlich z.B. 50.000€ angespart haben (natürlich von völlig normal versteuertem Einkommen), sollte Ihnen niemand das Recht nehmen können, dieses zum Teil in anderer Währung anzulegen. Ein Fremdwährungskonto freut übrigens nur die Bank.

Was die Schädigung des eigenen Landes betrifft, muss da wohl die Relation gewahrt bleiben. Wieviel Ihrer Ausgaben (inkl. Urlaub, Auto plus Benzin, Unterhaltungselektronik etc. etc.) bleibt als Wertschöpfung in Ihrem Land? Wieviel fliesst ab, wenn Sie o.a. Betrag im Ausland anlegen?

Bitte mich nicht falsch zu verstehen: Meine Argumentation gilt ausschliesslich für jene Beträge, deren Erwerb im Inland jeweils korrekt versteuert wurde.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: vielmehr
31.10.2012 05:08
1 0

Re: Warum verteidigen sie diese Leute

natürlich von völlig normal versteuertem Einkommen...

sie hätten sich alle anderen zeilen sparen können, wenn sie an märchen glauben.

Re: Re: Warum verteidigen sie diese Leute

Ob Sie oder irgendwer sonst etwas glaubt oder nicht sollte in einem Rechtsstaat keine Rolle spielen. Interessant, dass die Notwendigkeit von Beweisen hier überhaupt keine Rolle zu spielen scheint.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Gast Kritiker
31.10.2012 11:03
2 0

Re: Re: Re: Warum verteidigen sie diese Leute

Sehr geehrter Poster!
Sie haben mir aber damit nicht die Frage beantwortet, warum der österreichische Steuerzahler mit seinen Steuergeldern bürgen soll und im schlechtesten Fall für Griechenland zahlen soll, wenn nicht einmal die griechischen Politiker und deren Anhang an Griechenland glaubt und sein Geld in Sicherheit bringt. Ausgehend von deren Überlegungen ihr eigenes Geld ins Ausland zu schaffen, da große Gefahr besteht, dass es nichts mehr wert ist, würde es ja nur mehr als gerecht sein auch keine Hilfszahlungen mehr an Griechenland zu leisten. Denn es besteht ja große Gefahr, dass dieses Geld verloren ist. Und was die Beweise betrifft. Wer ist denn so einfältig und glaubt dass Hinterzieher von Steuergeld, die ihr hinterzogenes Geld dann unversteuert ins Ausland schaffen freiwillig bekunden werden, dass sie das getan haben. Das glauben nur Naivlinge. Und wenn wirklich etwas passiert ist, dann wird es unter den Tisch gekehrt in viribus unitis der zuständigen Ministerien. Hören sie mir auf mit Beweisen und Rechtsstaat zu sprechen. Das gab es und gibt es schon lange in vielen Ländern nicht mehr. Das liegt aber auch an den Wählern und den gewählten Parteien. Macht verdirbt den Charakter!

Re: Warum verteidigen sie diese Leute

aber bei den Genannten handelt es sich doch um Steuerhinterzieher, und nicht um ehrliche Anleger, oder?

 
12 3 4 5 6 7 8 9 10 11

Eurokrise - Die Begriffe

  • Was ist die Eurokrise? Ein Rückblick auf die Ursachen mehr...

    EFSF Der Rettungsschirm und wie er funktioniert mehr...

    Hebel für EFSF Wie man aus sehr viel Geld noch viel mehr Geld macht. mehr ...

    EFSM Der Mechanismus für Finanzstabilisierung und seine Aufgaben mehr...

    ESM Der Europäische Stabilitätsmechanismus soll 2013 den EFSF-Fonds ablösen. mehr ...

    Eurobonds Was gemeinsame EU-Anleihen bezwecken und wie sie funktionieren sollen. mehr ...

    EZB Die EZB ist Hüterin des Euro und soll eine geringe Inflation garantieren. Zumindest bis jetzt. mehr ...

    Waffen der EZB Was die "Bazooka" ist und welche anderen Waffen die Zentralbank hat. mehr ...

    IWF Der IWF ist die Finanzfeuerwehr der Vereinten Nationen und massiv an den Hilfsaktionen in Europa beteiligt. mehr ...

    Ratingagenturen Die wichtigsten Agenturen und deren Bewertungen. mehr ...

    SPIV Das Special Purpose Investment Vehicle soll die Finanzierung in Euroländern erleichtern. mehr ...

    Troika Die Troika ist eine Gruppe von Experten von EZB, IWF und EU-Kommission. mehr ...

    G20 Die 20 größten Wirtschaftsmächte repräsentieren zwei Drittel der Weltbevölkerung. mehr ...

    PSI Beim Private Sector Involvement geht es um die Beteiligung des Privatsektors an der Krisenlösung. mehr ...

    CDS Kreditausfallsversicherungen werden unter anderem dann fällig, wenn ein Land pleite ist. mehr ...

    Sekundärmarkt Der Sekundärmarkt ist der Markt, auf dem die bereits in Umlauf befindlichen Wertpapiere gehandelt werden. mehr ...

    OMT OMT ist die Abkürzung für Outright Monetary Transactions. Dahinter verbirgt sich das von der EZB am 6.September 2012 beschlossene neue Kaufprogramm von Staatsanleihen der Krisenländer. mehr ...