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Hochrangige Beamte unter Athens Steuersündern?

29.10.2012 | 18:11 |   (Die Presse)

Der Chefredakteur des griechischen Magazins "Hot Doc" wurde wegen „Verstoßes gegen die Persönlichkeitsrechte“ verhaftet, nachdem er eine Liste mit mutmaßlichen Steuerflüchtlingen veröffentlicht hatte.

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Wien/Athen/aga/c.g. Die Liste ist hochbrisant. Unter den 2059 genannten Steuerflüchtlingen sind der Berater des griechischen Premierministers Antonis Samaras, Stavros Papastavros, die Frau des ehemaligen Kulturministers Georgios Voulgarakis und der bereits verstorbene Giannis Boutos, früherer Abgeordneter der regierenden Nea Dimokratia (ND) und Nationalbank-Chef. Beamte des griechischen Finanzministeriums finden sich darauf ebenso wie wohlhabende „Normalbürger“: Ärzte und Anwälte, aber auch Hausfrauen, Pensionisten und Studenten. Sie alle sollen Konten bei der Großbank HSBC in Genf haben, wie das griechische Magazin „Hot Doc“ am Wochenende enthüllte. Unklar ist, wie viel Geld insgesamt auf die betreffenden Konten überwiesen wurde – doch mehrere Einzelpersonen sollen Summen bis zu 500 Millionen Euro in der Schweiz deponiert haben.

Gegen die mutmaßlichen Steuersünder haben die griechischen Behörden bisher nichts unternommen. Dafür wurde der Chefredakteur von Hot Doc, Costas Vaxevanis, nach der Veröffentlichung der Liste am Wochenende verhaftet. Wegen „Verstoßes gegen die Persönlichkeitsrechte“, erklärte ein Polizeisprecher. Es gebe keinerlei Beweise, dass sich die Genannten tatsächlich der Steuerflucht schuldig gemacht hätten. Gestern, Montag, musste Vaxevanis erstmals vor dem Gericht in Athen erscheinen, das ihm Datenschutzverstöße vorwirft. Nun drohen dem 46-Jährigen bis zu drei Jahre Haft.

 

„Habe nur die Wahrheit enthüllt“

„Ich habe nur das getan, wozu ein Journalist verpflichtet ist. Ich habe die Wahrheit enthüllt, die sie verborgen haben“, rechtfertigte er sich in einer Videobotschaft. „Die Steuerfahnder haben noch nichts unternommen, weil sie wohl Angst haben. Sie haben die Namen auf der Liste gesehen und realisiert, dass es sich um viele wichtige Personen handelt. Deshalb entschieden sie, nichts zu tun, bevor sie nicht klare politische Weisungen erhalten“, vermutet er.

Die Veröffentlichung der Liste ist gerade in einer Zeit explosiv, da die griechische Regierung auf Druck der internationalen Geldgeber ein weiteres, 13,5 Milliarden Euro schweres Sparpaket schnüren muss, das harte Einschnitte für Arbeitnehmer und Pensionisten bedeutet. Jährlich entgehen dem Staat 28 Milliarden Euro durch Steuerhinterziehung.

Vaxevanis will die Liste der mutmaßlichen Steuersünder von einem unbekannten Informanten auf einem USB-Stick zugespielt bekommen haben. Ihren Ursprung hat sie im Jahr 2007, als ein HSBC-Mitarbeiter die Daten entwendete und damit nach Frankreich floh. Im Herbst 2010 gab die damalige französische Finanzministerin und heutige IWF-Chefin Christine Lagarde die Liste an ihren griechischen Amtskollegen Giorgos Papakonstantinou weiter. Anscheinend blieb sie über zwei Jahre ungenutzt. Papakonstantinou behauptet, er ließ das „Profil“ der wichtigsten Kontoinhaber erstellen, sein damaliger Chef-Steuerfahnder widerspricht dem. Papakonstantinou reichte die Liste im Sommer 2011 an seinen Nachfolger, Evangelos Venizelos, weiter. Der ließ den USB-Stick in seiner Schublade verschwinden.

Erst Anfang Oktober 2012, als die Existenz der „Lagarde-Liste“ durchgesickert war, „fand“ er sie wieder und übergab sie dem jetzigen Finanzminister Giannis Stournaras. Eine Verwertung der Daten sei für ihn nicht in Frage gekommen, erklärte Venizelos, das wäre „illegal“ gewesen. Im Transparenz-Ausschuss des Parlaments involvierte Papakonstantinou nun Ex-Ministerpräsidenten Giorgos Papandreou. Dieser sei informiert gewesen und habe Anweisung zu ihrer Nutzung gegeben. Stournaras zweifelt indes an der Vollständigkeit der Liste: Er forderte die Daten neuerlich aus Frankreich an.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.10.2012)

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513 Kommentare
 
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Für diesen Staat sollen wir noch bürgen.

Griechenland ist nicht mehr das Land der Demokratie sondern der Steuerhinterzieher und korrupten Politiker. Die arme Bevölkerung soll jetzt für diese Parasiten noch herhalten. Steht dann einer auf und macht es publik, wird er noch eingesperrt. Das erinnert mich mehr an den Ostblock.

GR wird nur dann Strukturreformen realisieren, ,

wenn die lokalen Politiker entmachtet und durch eine kommissarische EU-Verwaltung ersetzt wuerden.
Als souveraener Staat kann das Land nur ausserhalb der €-Zone oder gar der EU erfolgreich sein.

Re: GR wird nur dann Strukturreformen realisieren, ,

Eine EU-Verwaltung würde niemals von den Griechen akzeptiert.
Das würde einen Flächenbrand über ganz Südeuropa ergeben!
Das wünscht sich wohl niemand......

Ich fürchte mich vor der Telefonkonferenz der Finanzminister. Fekter wird zu einem neuen Milliardenpaket sicher ja sagen. Wir haben es ja.

Liebe Frau Fekter, samt den Herren Faymann und Spindelegger, der Tag der Tränen kommt für Euch. Bei der Nationalratswahl sehen wir uns wieder.

Gast: Griechenland
31.10.2012 09:26
0 0

Sind die Milliarden verloren?

Ja.

Wer anderes behauptet, ist ein Märchenerzähler.

http://de.wikipedia.org/wiki/Staatsbankrott


Schweizer abkommen wir nötig

es wird Zeit das die schweiz für den gesamten Eu-Raum die Quest einführt! dann würden alle Länder zumindest ihre Kapitalertragssteuer erhalten. bei der zinssituation zwar ein Tropfen auf dem heißen Stein, doch die Zinsen werden sich in Zukunft auch wieder ändern.

Re: Schweizer abkommen wir nötig

das gibt es doch schon: 35% auf Erträge aus nicht offengelegte Depots bzw. Anlagekonten. (europäische Quellensteuerdirektive)

Gast: Dominik Wild
31.10.2012 03:19
1 0

Pension fuer ledige Toechter der Beamten??

Wurde mir in Deutschland erzaehlt: Ledige Toechter von hohen Beamten in Griechenland bekommen eine Pension zugesprochen. Stimmt das?

Re: Pension fuer ledige Toechter der Beamten??

ja, das ist korrekt! nicht vergessen, die Vergünstigungen der Staatsparasiten (Beamte) bei den verstaatlichten Strom, Gas, Wasser, etc.-versorgern.

Re: Pension fuer ledige Toechter der Beamten??

Ledige unverheiratete Töchter in Griechenland (z.B. auch in der Türkei) erhalten die Rente ihres Vater nach dessen Ableben weiter.

0 0

so kommt auch unser Geld in die Schweiz - aber was macht es dort?


Gast: Morgennebel
30.10.2012 19:34
1 0

Chefredakteur verhaftet

So gut funktioniert die europäischer Demokratie?

Gast: Raub.ritter
30.10.2012 13:34
7 0

Kritik an der Berichterstattung zu Griechenland

Die Berichterstattung zu Griechenland ist schon lange nicht mehr nachvollziehbar.

Hier die Zahlen

http://de.statista.com/statistik/daten/studie/167459/umfrage/staatsverschuldung-von-griechenland/
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Der angeblichen Schuldenschnitt von über 100 Milliarden ist nirgends ersichtlich.

Es wurde die beispiellose Rettungsaktion mit 380 Milliarden verkündet, also weitaus höher, als die Staatsschulden jemals ausmachten.

http://diepresse.com/home/wirtschaft/eurokrise/750470/380-Mrd-Euro-fliessen-nach-Griechenland
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Das alles ist längst nicht mehr nachvollziehbar.

Chefredakteur wurde verhaftet

Ich würde ihn mit dem Journalismus Preis des Jahres auszeichnen.

Re: Chefredakteur wurde verhaftet

Vielleicht gibt es ja in Österreichs Journaille Nachahmer? Herr Klenk bitte melden!

Gast: HelleOlga
30.10.2012 13:16
16 0

Ist ja offensichtlich, diese Schweinerei

Samaras hat jahrelang das Budget verfälscht, die Zahlen geschönt und mit Goldman Sachs die Tricksereien durchgeführt.

Wer hat denn damals die Millionen/Milliarden erhalten? Sicher nicht das - jetzt - arme Volk, sondern korrupte Politiker, Beamte sowie Firmen im Naheverhältnis zum Staat. Und dass die Liste immer wieder "verschwunden" ist, spricht für die Echtheit.

Solange diese Verbrecher weiterhin an den Schalthebeln sitzen, werden auch die zukünftigen Hilfs-Gelder in deren Löchern versickern.


Re: Ist ja offensichtlich, diese Schweinerei

Die Alternative ? Kommunisten, KKE oder SYRIZA ist es wohl nicht. Bleibt nur die Wahl zwischen Teufel und Belzebub

24 0

Respekt dem griechischen Journalisten!

Respekt dem griechischen Journalisten mit Zivilcourage!
Solche Leute braucht Griechenland - Aber: er wird wie ein Verbrecher behandelt.
Eine Schande für das Mutterland der Demokratie!

Re: Respekt dem griechischen Journalisten!

Wieso? Weil er die Namen von Personen veröffentlicht, die sich erdreisten, ein Konto im Ausland und in Fremdwährung zu unterhalten?
Vielleicht gar um damit - wie unsolidarisch aber auch - ihr Währungsrisiko zu streuen?

Aber Sie haben vielleicht Recht: Wer sich Gedanken um seine Ersparnisse macht, ist schon verdächtig. Schon allein, weil er welche hat.

Antworten Antworten Gast: Gast Kritiker
30.10.2012 15:42
7 1

Re: Re: Respekt dem griechischen Journalisten!

Ich gebe ihnen schon recht, dass sich diese Leute Sorgen um ihren Mammon machen! Aber viel mehr Sorgen sollten sich die Steuerzahler in den übrigen Ländern machen, die diesen maroden griechischen Staat mit ihren Steuergeldern schadlos halten müssen, wenn es schief geht. Warum eigentlich?Und wenn schon Steuerzahler in anderen Ländern solidarisch sind,wo bleibt dann die Solidarität der sogenannten Elite (Elite für was eigentlich ?)für ihr Land?! Wenn sie mit ihrem Geld Flucht aufnehmen schädigen sie eigentlich ja auch ihr eigenes Land. Sie ziehen ja Geld von ihren griechischen Banken ab, was wiederum denen fehlt, weil deren Eigenkapitalquote sinkt. Ja dann wird wieder rasch um Hilfe angesucht und man flutet wieder über die EZB die Banken mit Geld! Und immer sind es die Leute aus der sogenannten Elite. Zuerst füllen sie sich ihre Taschen mit erklärungsbedürftigen Einnahmen und dann schaffen sie es schnell ins Ausland. Wer übrig bleibt sind die working poor in Griechenland und die "dummen Steuerzahler" in den Zahlerländern! Warum verteidigen sie diese Leute. Die wollen doch nur ihren Profit und andere sollen ihre offene Rechnung begleichen!

Nicht nur für Grüne und Sozialisten

die Lösung ist immer der Ruf nach dem Geld der anderen, das eigene riskiert man selbstverständlich nicht - auch nicht für das eigene Land.

Warum verteidigen sie diese Leute

Weil ich 2 grundsätzliche Tendenzen für nicht wünschenswert halte:

a) Jemand, der sich etwas erspart hat, wird ins schiefe Licht gerückt. Ist ja zumindest "erklärungsbedürftig", wenn jemand etwas besitzt, was für Leute unüblich ist, die sich nicht mit Geld befassen.

b) Noch bedenklicher finde ich, dass geldwertes Vermögen ausserhalb des eigenen Währungsraums politisch zunehmend "incorrect" wird. Wenn Sie persönlich z.B. 50.000€ angespart haben (natürlich von völlig normal versteuertem Einkommen), sollte Ihnen niemand das Recht nehmen können, dieses zum Teil in anderer Währung anzulegen. Ein Fremdwährungskonto freut übrigens nur die Bank.

Was die Schädigung des eigenen Landes betrifft, muss da wohl die Relation gewahrt bleiben. Wieviel Ihrer Ausgaben (inkl. Urlaub, Auto plus Benzin, Unterhaltungselektronik etc. etc.) bleibt als Wertschöpfung in Ihrem Land? Wieviel fliesst ab, wenn Sie o.a. Betrag im Ausland anlegen?

Bitte mich nicht falsch zu verstehen: Meine Argumentation gilt ausschliesslich für jene Beträge, deren Erwerb im Inland jeweils korrekt versteuert wurde.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: vielmehr
31.10.2012 05:08
1 0

Re: Warum verteidigen sie diese Leute

natürlich von völlig normal versteuertem Einkommen...

sie hätten sich alle anderen zeilen sparen können, wenn sie an märchen glauben.

Re: Re: Warum verteidigen sie diese Leute

Ob Sie oder irgendwer sonst etwas glaubt oder nicht sollte in einem Rechtsstaat keine Rolle spielen. Interessant, dass die Notwendigkeit von Beweisen hier überhaupt keine Rolle zu spielen scheint.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Gast Kritiker
31.10.2012 11:03
2 0

Re: Re: Re: Warum verteidigen sie diese Leute

Sehr geehrter Poster!
Sie haben mir aber damit nicht die Frage beantwortet, warum der österreichische Steuerzahler mit seinen Steuergeldern bürgen soll und im schlechtesten Fall für Griechenland zahlen soll, wenn nicht einmal die griechischen Politiker und deren Anhang an Griechenland glaubt und sein Geld in Sicherheit bringt. Ausgehend von deren Überlegungen ihr eigenes Geld ins Ausland zu schaffen, da große Gefahr besteht, dass es nichts mehr wert ist, würde es ja nur mehr als gerecht sein auch keine Hilfszahlungen mehr an Griechenland zu leisten. Denn es besteht ja große Gefahr, dass dieses Geld verloren ist. Und was die Beweise betrifft. Wer ist denn so einfältig und glaubt dass Hinterzieher von Steuergeld, die ihr hinterzogenes Geld dann unversteuert ins Ausland schaffen freiwillig bekunden werden, dass sie das getan haben. Das glauben nur Naivlinge. Und wenn wirklich etwas passiert ist, dann wird es unter den Tisch gekehrt in viribus unitis der zuständigen Ministerien. Hören sie mir auf mit Beweisen und Rechtsstaat zu sprechen. Das gab es und gibt es schon lange in vielen Ländern nicht mehr. Das liegt aber auch an den Wählern und den gewählten Parteien. Macht verdirbt den Charakter!

Re: Warum verteidigen sie diese Leute

aber bei den Genannten handelt es sich doch um Steuerhinterzieher, und nicht um ehrliche Anleger, oder?

 
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