Spanien: Hohe Inflation erschwert Kampf gegen Rezession

13.11.2012 | 11:16 |   (DiePresse.com)

Die Jahresteuerung kletterte im Oktober auf 3,5 Prozent. Begründet wird der Anstieg mit seit September gültigen Mehrwertssteuer von 21 Prozent.

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Die Verbraucherpreise sind in Spanien trotz der Wirtschaftskrise so stark gestiegen wie seit Mai 2011 nicht mehr. Die Jahresteuerung kletterte im Oktober auf 3,5 Prozent, wie das Statistikamt am Dienstag mitteilte. Im September hatte die Regierung des unter hoher Schuldenlast ächzenden Landes die Mehrwertsteuer erhöht. "Der aktuelle Preisauftrieb ist vorwiegend auf diesen Effekt zurückzuführen", sagte Citi-Ökonom Jose Luis Martinez.

Die weit über dem Stabilitätsziel der Europäischen Zentralbank (EZB) von knapp zwei Prozent liegende Inflationsrate dürfte es dem Land noch schwerer machen, die Rezession zu überwinden.

Die Kaufkraft der Spanier ist durch die Krise bereits geschwächt. Zudem ist mehr als jeder vierte Spanier ohne Arbeit. Die Gegner des von Ministerpräsident Mariano Rajoy verordneten Sparkurses machen am Mittwoch erneut mobil: Der konservativen Regierung steht bereits der zweite Generalstreik seit ihrer Machtübernahme im Dezember 2011 ins Haus.

Der normale Satz der Mehrwertsteuer stieg von 18 auf 21 und der ermäßigte von acht auf zehn Prozent. Die „super-ermäßigte“ Steuer für Grundnahrungsmittel oder Bücher blieb bei vier Prozent. Am ärgsten betroffen waren die Eltern von Schulkindern, denn der Satz für Schulbedarf wie Hefte oder Stifte wurde von vier auf 21 Prozent heraufgesetzt - und das zu Beginn des neuen Schuljahrs.

(APA/Reuters)

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1 Kommentare

Und wieder ein Erfolg des "einnahmenseitigen Sparens"

Allerdings muss man Spanien zugestehen, dass es als einzige Land der Eurozone sehr schnell auch ausgabenseitige Maßnahmen setzte. Spaniens Probleme kommen auch vorwiegend aus einer geplatzten Immoblase, welche auch eine sehr ungesunde Wirtschaftsstruktur zur Folge hatte.
Der Umbau Spaniens wird vermutlich auch länger dauern, Spanien kann es aber schaffen.

Die strukturellen Probleme in Italien und Frankreich sind viel breiter und lassen sich daher auch viel schwieriger in den Griff bekommen. Italien scheint die besseren Karten zu haben, Frankreich kann es kaum schaffen, weil die irre Staatsausgabenquote von 55% des BIP niemals unter Kontrolle gebracht werden kann.

Sicher ist aber, dass die vielen Versuche, seit vielen Jahren, betreffend "einnahmenseitigen Sparen" (kalte Progression beachten!) einen gewaltigen Schaden an der Wirtschaft, an den Arbeitnehmern angerichtet hat und so die strukturellen Disbalancen noch verstärkt hat.

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