Griechenland: Streit über Mehrkosten der Staatsfinanzierung

13.11.2012 | 18:23 |   (Die Presse)

Die Euro-Finanzminister und der IWF gewähren Athen zwei weitere Jahre für die Reformen. Aus dieser Aufschiebung der Reformmaßnahmen bis 2016 entsteht eine Finanzlücke von 33 Milliarden Euro.

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Wien/Athen/Brüssel/Ag./Red. Zwei Jahre mehr Zeit zum Sparen für Athen: Das haben die Euro-Finanzminister gemeinsam mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) bei einem Treffen in Brüssel beschlossen. Doch die Aufschiebung der Reformmaßnahmen bis 2016 bedeutet auch erhöhten Geldbedarf; und nun ist unter den Geldgebern ein Streit darüber entbrannt, wie die Mehrkosten von bis zu 33 Milliarden Euro finanziert werden können. Derweil ist lediglich von einem „Maßnahmenmix“ die Rede, konkrete Vorschläge sind ausständig. Einen weiteren Schuldenschnitt des Landes, der diesmal die öffentlichen Geldgeber betreffen würde, schließt Deutschland explizit aus.

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Auch die von Athen dringend benötigte Kredtittranche von 31,5 Milliarden Euro aus dem laufenden Hilfsprogramm kann erst später frei gegeben werden – voraussichtlich bei einem Treffen der Euro-Finanzminister am kommenden Dienstag. Euroländer und IWF wollen dann offenbar mehrere Tranchen auf einmal auszahlen.

Zwei Teilbeträge seien im Verlauf der vergangenen Monate aufgelaufen, sagte Schäuble gestern Nachmittag. Sie sollten nun zusammen mit der für Dezember eingeplanten Summe ausgezahlt werden. Der Gesamtbetrag beläuft sich nach seinen Worten auf knapp 44 Milliarden Euro.

Eine gestern gestartete Bondauktion in Griechenland verlief positiv, das Land konnte sich gut vier Milliarden Euro an frischem Geld besorgen. Schon am Freitag werden jedoch Schuldtitel in Höhe von über fünf Milliarden Euro fällig. Tschechiens Präsident Vaclav Klaus kommentierte die dramatische Lage bei einem Wien-Besuch am Dienstag in gewohnt kritischer Manier: Ein „Zwangsaufenthalt“ Griechenlands im Euroraum sei „eine Katastrophe“, räsonierte er.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.11.2012)

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46 Kommentare
 
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Griechenland hat wahrscheinlich wirklich jede Menge Rohstoffe

Die Rettungsmaßnahmen werden immer mit Solidarität, Verhindern des Domino-Effektes sowie Banken-Bankrott begründet. Rein logisch betrachtet, MUSS es aber noch etwas anderes sein.
Legt man diese Geschichte auf den Privatbereich um ergibt sich folgendes:
Ich bin Vermieter und suche einen Mieter. Es meldet sich jemand, der einen Einkommensnachweis von 2000 Euro pro Monat vorlegt. Nach 1 Monat stellt sich heraus, dass dieser Jemand aber arbeitslos ist und daher die Miete nicht bezahlen kann. Der Nachweis war gefälscht. Ich bezahle dem Mieter aber die Miete selbst weiter, damit er nicht aus meiner Wohnung ausziehen muss. Frage: Warum? Es kann meiner Meinung nach nur einen Schatz (Rohstoffe) geben (der den Wirbel und das Risiko wert ist!!) , von dem ich mir ein schönes Stück abschneiden möchte. Russland ist Hauptlieferant für Europa in Punkto Erdgas und hat kein Interesse an Erdgasfeldern innerhalb des Euros!! Der Hafen von Piräus wurde bereits an Chinesen verkauft. Und amerikanische Firmen warten auch schon (Eldorado Gold, Nobel Energy) um bisher verstaatlichten Betriebe günstig zu kaufen.
Die Eu will verhindern, dass GR ausverkauft wird. Es wäre ein schwerer Schlag für Europa. Problem ist aber: GR weiß, dass es ein Spielball ist, aber es verkauft sich so teuer wie möglich.


Österreich ist Griechenland

http://www.stiftung-marktwirtschaft.de/wirtschaft/themen/generationenbilanz.html
Die echte Staatsverschuldung liegt bei 300% und die Maastrichkriterien von 60% BIP kümmern keinen.

"Das kostet nicht unbedingt mehr Geld", sagte er am Dienstag im Südwestrundfunk. "Es erhöht nur den Finanzierungsbedarf auf der Zeitachse. Und dafür müssen Lösungen gefunden werden."

Ja, Ja - der Schäuble könnte es auch sein!
Einfach nachschenken - Prost!

Einfach zum Nachschenken...

Würden Sie Ihrem besten Freund Geld leihen wenn Sie wissen, dass er mit seinem Einkommen nicht einmal seinen Lebensunterhalt decken kann?

Würden Sie einem Griechen Geld leihen wenn Sie wissen, dass er mit seinem Einkommen nicht einmal seinen Lebensunterhalt decken kann?

Wenn Sie beide Fragen mit Ja beantwortet haben sind Sie entweder sehr reich oder sehr arm oder einfach nur blöd aber trotzdem in Runde 2!

Wenn Sie der beste Freund nach einiger Zeit um Geld bittet um die Schulden die er zuvor bei Ihnen gemacht hat zu bezahlen, werden Sie es ihm geben?

Dem Griechen auch?

Wenn Sie bis jetzt alle Fragen mit Ja beantwortet haben können Sie nur Alexis Tsipras oder Maria Vassilakou sein!

Oder der Bundestaxler...

Einfach nachschenken - Prost!

alle paar Wochen wieder

Was gestern galt, zählt heute nicht mehr. Wie lange wird noch weiter getrickst. Wann listet die griechische Regierung ihre beschlossenen Reformschritte auf, um erkennen zu können, welche Strukturveränderungen bereits gesetzlich fixiert sind? Die Märchenerzähler sammeln wieder Geld für den Süden...


Re: Ein Wahnsinn bei denen, für diese Tätigkeiten 3000€/ Monat!

Und, die Spitzeninformation dieser Meldung ist jene, dass solche Privilegien, nach Jahren der Krise und Bezahlung durch die Steuerzahler Resteuropas, bis heute noch immer existieren.

Und genau das erinnert an die Praxis der ehemaligen Ostblockmachthaber, deren Privilegienstadel ja auch nur deswegen zusammengefallen ist, weil er nicht a la GR fremdfinanziert wurde.

Re: Ein Wahnsinn bei denen, für diese Tätigkeiten 3000€/ Monat!

zum ko..en

Re: Ein Wahnsinn bei denen, für diese Tätigkeiten 3000€/ Monat!

Solange die Griechen nicht ihren eigenen Saustall aufräumen, sollte die keinen Cent bekommen!! Da musst ja kotzen für diese Privilegien! Unsereiner muss arbeiten, und am Lohnzettel wird dir alles abgezogen!

Der Euro hat mit Tricksereien angefangen

und wird mit Tricksereien enden.

Re: Der Euro hat mit Tricksereien angefangen

Nur wird das Ende ein Trauerspiel.

Re: Trauerspiel is zu harmlos!

Die Pleite des Euros konnte wieder um ein paar Wochen (Monate?) verzögert werden, aber um welchen Preis ??

Liebe Politiker

Es war euer Wille Griechenland in Europa zu halten zu jeden Preis. War euch nicht klar, dass dann Europa die Schulden zahlt? Mir war das schon klar.

Insgesamt wurde hier ...

in den Kommentaren zwischen 09:44 und 11:11 (makaber?) ganz schön gelichtet: auch meiner Weisheitensind ertrunken!

Eurozone und IWF streiten über Aufschub für Athen

Grimms Märchen haben mehr Wahrheitsgehalt als alle Berichte die man so lesen kann.
Das was sicherlich stimmt, 38 Jahre Plünderung des griechischen Kapitals durch Politiker dieses Landes hat seine Spuren hinterlassen. ca 50% des griechischen Volkes sind in irgendeinerweise mit einer der beiden Parteien verknüpft gewesen. Der Rest der Bevölkerung wurde von den 50% ausgenommen. Das Problem der Regierungspartei jetzt, es muß diese als Beamte bezeichnete Personen, richtigerweise entlassen. Das macht Probleme, denn die wissen zu viel. Die alte Nomenklatura hat Angst den parlamantarischen Schutz zu verlieren, sie sitzen alle wieder im Parlament und stimmen fleißig ab aber nicht für Sinnvolles sondern nur für ihren eigenen Schutz, für ihre eigene Tasche und gegen den Willen des Volkes.
Der § 120 der griechischen Verfassung sagt ganz präzise, das Volk kann in einer friedlichen Demonstration, in der es seinen Willen zum Ausdruck bringt, dass das Parlament aufgelöst werden soll, dieses auflösen. Es hat dies bereits mehrmals versucht.
Die Schulden sind rein theoretischer Natur, siegt das Volk, sind die Schulden einfach weg. Die Rohstoffe auch, aber nicht für das griechische Volk !!!!!
Das griechische Volk selbst hat keine Schulden, sie ist auch nicht der Verursacher.

Re: Das griechische Volk selbst hat keine Schulden, sie ist auch nicht der Verursacher.

Wenn es Sie es tatsächlich so sehen, dass rund 50% des griechischen Volkes im Verbund mit den Regierungen Griechenland ausgenommen hat, so sollten Sie auch Ihren Schlußsatz anders formulieren. Denn mit Ihrer vorhandenen Formulierung hätten auch die 50% Mitkassierer keine Schulden, und wären keine Verursacher derselben.

Aufschub hin, Aufschub her, das Geld ist weg.

Von Anfang an und bis in alle Ewigkeit, Hunderte Milliarden sind weg, und die Normalgriechen haben nichts davon.
Nicht nur wegen Griechenland, EUroland wird diese Politik nicht mehr lange ohne fundamentalen Schaden für uns alle durchhalten.


Re: Ich will hier raus!

Du kannst nur in der Türkei Zuflucht finden! Die Türkei ist moment die einzige sichere Ort!

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Investieren kann man nur mehr in

Substanzorientierte investitionsmodelle! Wer staatsanleihen kauft ist selber schuld!

Der Schärdinger

Nie und nimmer wird GR auf 120% kommen.
Eher in ein paar Jahren wieder auf 300% sein.
Nur schönreden, das wird in der Zukunft nicht reichen. Märchenerzähler Juncker gehört schon längst ausgewechselt. Wer das alles zahlen soll, was er vorschlägt, Luxenburg sicherlich nicht!!!!

Re: Der Schärdinger

Aber geh`, dann erzählt uns halt der Nowotny noch seinen, roten Senf, dass wir alle gut dastehen und keine Probleme haben - so wie er 2008 gesagt hat, dass die "böse Krise" auf Amerika beschränkt bleibt ... und er hat ja auch damals recht behalten ... unser Herr Experte Nowotny ... als schöpfen Sie Vertrauen in unsere "EU-Experten" und "grandiosen Politiker" ... .

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<<Berechnungen der EU-Kommission zufolge steigt Athens Schuldenstand von fast 177 Prozent in diesem Jahr auf knapp 189 Prozent im Jahr 2014>>


Daten Eurostat Griechenland per 31.12 2011:

BIP: 208,532 Mrd €

Schuldenstand: 355,658 Mrd €

Schuldenstand/BIP: 170,6%

Daten Berechnungen der EU-Kommission per 31.12.2012:

Schuldenstand/BIP: 177%

BIP (sinkt 2012 um ca 6%): 196 Mrd €

Schuldenstand: 347 Mrd € (196*1,77)

Die Schulden Griechenlands sinken 2012 um ca. 10 Mrd €.

Der Schuldenschnitt 2012 entlastete Griechenland um ca. 105 Mrd €.

D.h., Griechenlands Neuverschuldung wird 2012 ca. 95 Mrd € ausmachen.

Das wären ca. 48%/BIP (95/1,96) !

Aber der Troika-Bericht ist positiv!

http://epp.eurostat.ec.europa.eu/cache/ITY_PUBLIC/2-22102012-AP/DE/2-22102012-AP-DE.PDF

http://diepresse.com/home/wirtschaft/eurokrise/752509/Griechenland-erklaert-Schuldenschnitt-fuer-vollzogen

Re: <<Berechnungen der EU-Kommission zufolge steigt Athens Schuldenstand von fast 177 Prozent in diesem Jahr auf knapp 189 Prozent im Jahr 2014>>

Ich kann mir nicht vorstellen, dass Ihre Zahlen stimmen.
Griechenland hat, wenn ich mich richtig erinnere, derzeit kein (oder nur ein geringes) Primärdefizit.
D.h. die von Ihnen genannte Neuverschuldung von 95 Mio müsste von den Zinszahlungen stammen. 95/346 wären etwa 28% Zinsen p.a.
Soweit ich weiß zahlt Griechenland für die Neuschulden weniger als 7% und für die Altschulden noch weniger.

Re: Teil 1


<< Ich kann mir nicht vorstellen, dass Ihre Zahlen stimmen.>>

Bis auf die BIP-2012-Hochrechnung sind das nicht meine Zahlen.

<<Griechenland hat, wenn ich mich richtig erinnere, derzeit kein (oder nur ein geringes) Primärdefizit.>>

Geplant war, das Primärdefizit heuer auf 1%/BIP zu senken. Das werden die Griechen nicht schaffen. Jetzt gehen sie von einem 1,5%-igem Primärdefizit aus (soll sich jedes Jahr bis 2016 um 1,5%-Punkte verbessern). 2016 sollen (!) die Hellenen dann einen 4,5%-igen Primärüberschuss erzielen.

4,5% wären von einem auf ca 180 Mrd Euro geschrumpften BIP ca 8 Mrd Euro.

Dieser 8-Mrd-Primärüberschuss hätte auch heuer nicht ausgereicht, um dem Zinsendienst nachzukommen (340 Mrd Ø Schulden * 5% Ø Zinssatz = ca 17 Mrd Euro).

<<D.h. die von Ihnen genannte Neuverschuldung von 95 Mia müsste von den Zinszahlungen stammen.>>

Nein.

Z.B. mussten die griechischen Banken nach dem Schuldenschnitt rekapitalisiert werden.

Außerdem soll der Schuldenschnitt beträchtliche Nebenkosten verursacht haben.

IWF: „Die nominale Schuldenreduktion wegen des ‚Schuldenschnitts’ des Privatsektors ist substantiell, sie wird aber teilweise wieder aufgehoben durch dessen Kosten und durch die notwendigen Maßnahmen zur Stützung des Bankensektors.“

Wahrscheinlich erklärt das noch nicht die komplette Neuverschuldung 2012 von ca. 95 Mrd Euro.

Ich versuche, weiter zu recherchieren. Sollte ich fündig werden, melde ich mich wieder.

Re: <<Berechnungen der EU-Kommission zufolge steigt Athens Schuldenstand von fast 177 Prozent in diesem Jahr auf knapp 189 Prozent im Jahr 2014>>

Das nennt man offiziell mittlerweile "auf einem guten Weg sein". Ist so ähnlich wie ein "Sparpaket", welches zum Großteil aus Steuer- und Abgabenerhöhungen besteht.

Würde die Politik ihren Ideenreichtum beim verschleiern und verniedlichen auf echte Lösungen umlegen können, was natürlich für Parteisoldaten ohne reale Erfahrung im täglichen Leben der Wirtschaft und Normalbürger etwas schwierig sein wird, wir wären nie in eine solche Lage gekommen.

 
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