"Zeitbomben"-Cover: "Economist" verärgert Paris

16.11.2012 | 18:37 |   (DiePresse.com)

Das britische Wirtschaftsmagazin nennt Frankreich "die Zeitbombe im Herzen Europas". In Paris ist man über die Titelgeschichte not amused.

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Mit einer Frankreich-kritischen Titelgeschichte hat das britische Wirtschaftsmagazin "The Economist" den Zorn der Regierung in Paris auf sich gezogen. Industrieminister Arnaud Montebourg verglich das Magazin am Freitag mit der französischen Satirezeitung "Charlie Hebdo", die im September mit dem Abdruck von Mohammed-Karikaturen für Aufregung gesorgt hatte.

Auf der Titelseite der neuen Ausgabe des "Economist" sind unter der Überschrift "Zeitbombe im Herzen Europas" Baguettes abgebildet, die mit einem Band in den französischen Landesfarben blau-weiß-rot wie Dynamitstangen zusammengebunden und mit einer brennenden Zündschnur versehen sind. Im Innenteil legt das einflussreiche Magazin auf 14 Seiten dar, dass Frankreich angesichts seiner Staatsverschuldung und Wirtschaftsprobleme zur "größten Gefahr" für den Euro werden könnte.

"Ganz ehrlich, 'The Economist' hat sich nie durch einen Sinn für Maßhalten ausgezeichnet", sagte Montebourg im Sender Europe 1. Das Magazin sei "der 'Charlie Hebdo' für die City", fügte er unter Verweis auf das Londoner Finanzviertel hinzu. Bereits am Donnerstag hatte Premierminister Jean-Marc Ayrault dem Sender iTele gesagt, das Magazin wolle mit "Übertreibungen" Auflage machen, könne Frankreich damit aber nicht beeindrucken.

economist.com/Screenshot

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Die Präsidentin des französischen Unternehmerverbands Medef, Laurence Parisot, kritisierte die Titelgeschichte des "Economist" am Freitag als "vollkommen übertrieben". Das Magazin sei zudem zeitlich hinterher, weil die Geschichte vor der Vorstellung des sogenannten Gallois-Berichts über Frankreichs Wettbewerbsfähigkeit und den daraufhin von der Regierung beschlossenen ersten Maßnahmen recherchiert worden sei, sagte Parisot dem Sender RMC.

Der ehemalige Chef des Luftfahrt- und Rüstungsunternehmens EADS, Louis Gallois, hatte Anfang vergangener Woche Vorschläge gemacht, wie Frankreichs kriselnde Wirtschaft wieder fit für den internationalen Wettbewerb gemacht werden könne. Einen Tag später stellte die sozialistische Regierung in Paris Maßnahmen für mehr Wettbewerbsfähigkeit vor, in erster Linie Milliardenentlastungen für Unternehmen.

(APA/AFP)

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