EU-Milliardenhilfe für spanische Banken

26.11.2012 | 18:19 |   (Die Presse)

Spanien bekommt eine Milliarde Euro aus dem ESM-Rettungsschirm für seine Banken. Die angeschlagenen Institute müssen tausende Mitarbeiter kündigen.

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Berlin/Reuters. Spanien kann schon bald mit den ersten Milliarden aus dem Euro-Rettungsschirm ESM zur Stabilisierung seiner Banken rechnen. In ihrem ersten Prüfbericht bescheinigte die Troika aus EU, IWF und EZB dem Land, alle geforderten Bedingungen für die Auszahlung zu erfüllen. In ihrem Bericht lobten die Inspektoren die Bemühungen der Regierung in Madrid, auch das Haushaltsdefizit in den Griff zu bekommen.

Die deutsche Bundesregierung signalisierte bereits grünes Licht für die erste Hilfstranche. Nach einem Medienbericht dürften der spanischen Regierung rund 42 Milliarden Euro reichen – das wäre deutlich weniger als die vorsorglich veranschlagten 100 Milliarden Euro aus dem ESM.

Alleine ist das Land nicht in der Lage, sich den Betrag am Kapitalmarkt zu borgen, wie die Troika bestätigte. Im September hatte ein Stresstest ergeben, dass die spanische Finanzbranche rund 59 Milliarden Euro benötigt. Diese Rechnung wird von der Troika als „glaubhaft“ bezeichnet. Tatsächlich könnte die Summe – etwa wegen der Beteiligung privater Anteilseigner – aber unter 40 Mrd. Euro liegen, wie Vize-Wirtschaftsminister Miguel Temboury in der vergangenen Woche gesagt hatte. Die Zeitung „El Pais“ nannte am Montag einen voraussichtlichen Bedarf von bis zu 42,5 Milliarden Euro. Die Rekapitalisierung soll Mitte 2013 abgeschlossen sein.

 

Banken leiden unter Immo-Blase

Der positive Troika-Bericht ist eine zentrale Voraussetzung für die Überweisung der ersten Tranche. Im Gegenzug muss Spanien die strengen Reformauflagen erfüllen. Die spanischen Banken leiden seit Jahren unter der geplatzten Immobilienblase – und dadurch vielen faulen Krediten. Zur Staatsfinanzierung will die Regierung bisher nicht auf den ESM zurückgreifen.

Die Entscheidung über die Auszahlung des Bankenhilfspaketes soll auf EU-Ebene am 29.November erfolgen.

Laut „El Pais“ müssen die Banken als Gegenleistung tausende Arbeitsplätze abbauen. Der Euro-Rettungsfonds werde das Geld am 15.Dezember an den spanischen Banken-Rettungsfonds auszahlen, der es dann zwei Wochen später an die Institute weiterreiche. Konkret müsse das vom Staat gerettete Institut Bankia 6000 seiner rund 20.000 Arbeitsplätze abbauen, bei der NovaGalicia seien es 2000 von 5800 Stellen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf EU- und Bankenkreise. Zudem hieß es, beide zusammen müssten 1000 Filialen schließen.

Auf einen Blick

42 Mrd. Euro erhalten Spaniens Banken aus dem Euro-Rettungsschirm. Das ist weit weniger als die ursprünglich befürchteten 100 Milliarden. Nicht gerettet werden viele Arbeitsplätze Alleine Bankia muss 6000 Mitarbeiter abbauen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.11.2012)

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6 Kommentare

Das Nachfolgeunternehmen von Lehman Brothers ...


... hat seine Immobiliensparte 'Archstone' um 6,5 Mrd Dollar verkauft.

Gekauft hatten sie um 23,7 Mrd Euro.

Abschreibungs-Quote: 72,57%

Bei den Spaniern ähnlich?

Re: Korrektur


Gekauft hatten sie um 23,7 Mrd Dollar.

Zusammenfassung:

Der zukünftige Europäische Steuerzahler wird wieder höher verschuldet, Spanien bekommt zu den 25% noch ein paar tausend Arbeitslose dazu. Sieht nach einer Loose-Loose-Situation aus. Kann mich aber irren.

Sie leiden unter der Immo-Blase

Sie haben sie ja auch selbst verursacht. Das Volk wie die Politiker haben jahrelang zugesehen. Keiner hat jemals daran gedacht was in ein paar Jahren sein wird. Das trifft auf alle Länder zu, die jetzt die Probleme haben.

Re: Sie leiden unter der Immo-Blase

Genau das ist ja der Treppenwitz: Das Geld fliesst ausgerechnet exakt in jene Gebilde, die bewiesen haben, dass sie damit nicht umgehen können.
Wer solche Verluste einfährt, kennt nichtmal die Basics der Risikominimierung und liegt ausschliesslich aus eigenem Verschulden auf der Schnauze.

Re: Re: Sie leiden unter der Immo-Blase

Vor allem ist es menschliche Natur in Traditions-Inflationsländern. Sie haben den Geldsegen (in harter Eurowährung) genutzt um schnell in Sachwerte zu investieren und soviel wie möglich ins Ausland zu schicken. Ich denke, dass es Vorsorge für später eventuell auch für das Leben nach dem Euro sein wird.
Fragt sich nur warum man das nicht berücksichtigt?

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