IWF: „Die Welt verliert zunehmend die Geduld mit Europa“

28.11.2012 | 17:58 |  VON Josef Urschitz (Die Presse)

Der Exekutivdirektor des Internationalen Währungsfonds, Johann Prader, kritisiert nach den jüngsten Entscheidungen zu Griechenland, dass sich die Politik auf keine tragfähige Lösung einigen könne.

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Wien. Der Internationale Währungsfonds (IWF) verliert langsam die Geduld mit der Lösungskompetenz der Eurogruppe: Die Freigabe der jüngsten Hilfstranche für Griechenland trage zwar zur momentanen Entspannung der Eurokrise bei, sei aber nur „ein weiterer Kompromiss“, der lediglich helfen werde, die nächste Zeit zu überstehen, sagte IWF-Exekutivdirektor Johann Prader im Gespräch mit der „Presse“. Eine Lösung sei das nicht.
Diese sei ohne „tragbare Schuldenlösung“ für Griechenland – auf die der IWF nach wie vor bestehe – gar nicht möglich, meinte Prader. Bedeutet „tragbare Schuldenlösung“ den Schuldenschnitt unter Beteiligung der staatlichen Gläubiger, gegen den sich etwa Deutschland und Österreich so wehren? Er wolle das Wort „Schuldenschnitt“ nicht in den Mund nehmen, sagt Prader. Faktum sei aber, dass der Währungsfonds und die Entscheidungsträger der Eurozone unterdessen recht unterschiedliche Ansichten über die Lösung der Krise hätten.

Das betreffe vor allem das Tempo der Krisenbewältigungsmaßnahmen in Europa. Da gebe es inner- und außerhalb des alten Kontinents sehr unterschiedliche Betrachtungsweisen: „Die Welt hat zunehmend Schwierigkeiten, die Geduld für die viel zu langsamen und zaghaften Sanierungsschritte aufzubringen“, meinte der IWF-Direktor. Wenngleich allen klar sei, woran das liege: Eine tragbare Lösung werde durch Hürden „nicht ökonomischer Art“ behindert, etwa „durch Wahlzyklen“. Womit Prader offenbar auf Marktvermutungen anspielt, ein Schuldenschnitt für Griechenland solle jedenfalls bis zu den deutschen Bundestagswahlen im kommenden Jahr verschleppt werden.

Er hoffe, dass es früher zu beherzteren Schritten komme, meinte der IWF-Direktor. Denn sonst könnte den Akteuren die Situation leicht entgleiten: Es gebe eine „Obsession der Märkte und Analysten für Griechenland“, die sich sehr schnell unangenehm auswirken könne, wenn die Sache zu lange verschleppt werde.

Flaute in Osteuropa wird länger dauern

Sorgen bereitet Prader auch die relativ scharfe Konjunkturabschwächung in Osteuropa: Da seien „Spillover-Effekte“ der Eurokrise am Werk, die Flaute im Osten werde also wohl noch einige Zeit anhalten. Denn selbst wenn die Eurozone zu den vom IWF verlangten tragbaren Lösungen kommt, werde die Eurokrise nicht so schnell von der Tagesordnung verschwinden, meint der Experte: „Krisen, die durch solche Finanzereignisse wie 2008 ausgelöst werden, dauern im Schnitt acht Jahre, in Japan hält sie schon seit 22 Jahren an“, meinte der IWF-Experte. Man könne nicht seriös sagen, wie lange die derzeitige Krise dauern werde, aber man sei höchstens in der Mitte angelangt.

Das wird auch Auswirkungen auf die österreichischen Banken haben, die in Osteuropa sehr stark engagiert sind. Allerdings, so Prader, hätten die österreichischen Institute ihr Osteuropa-Geschäft in den vergangenen Jahren wesentlich stabiler gemacht, sodass die Risken für die Banken jetzt zwar „unzweifelhaft gestiegen“, aber noch nicht besorgniserregend seien.

Prader hält sich derzeit zum jährlichen „Updating“ für die im Sommer stattfindenden Gespräche zum Österreich-Bericht des IWF in Wien auf. Der seit Langem für den IWF tätige gebürtige Oberösterreicher ist – ein seltenes Ereignis für Österreich – am 1. November für zwei Jahre ins 24-köpfige IWF-Direktorium aufgerückt. Er vertritt dort eine „zentral- und osteuropäische Stimmrechtsgruppe“, zu der sich Österreich mit Slowenien, der Slowakei, Tschechien, Ungarn, Weißrussland, dem Kosovo und der Türkei zusammengeschlossen hat. Prader sieht darin einen „symbolischen Schritt der Reintegration Osteuropas 20 Jahre nach dem Zusammenbruch des Kommunismus“. „Die Begeisterung in der Gruppe ist derzeit sehr groß“, meinte der IWF-Direktor. Die acht Länder werden den ihnen nun zustehenden Direktoriumsposten im Rotationsprinzip alle zwei Jahre neu besetzen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.11.2012)

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22 Kommentare

Die Linke ruft zum letzten Gefecht...

Leider kriegt sie noch immer nicht mit, dass sie nur instrumentalisiert wird und die eigenen Anhänger bekämpft.


Au weh Emil!!!

Emil. Ich glaube da haben´s was nicht ganz verstanden,gell?
Aber nicht aufgeben. Weiterposten!!
Aber über den Molterer denke ich so wie Sie!!!

War das nicht zu erwarten?

Österreich entsendet einen gelernten Bauer (Molterer) in den Vorstand der EZB.

Da darf man sich über das Ergebnis nicht wundern.

richtig wäre:

IWF: "Die Welt verliert zunehmend die Geduld mit der EU"

Re: richtig wäre:


Sie haben ganz recht !
Diese ständige Gleichsetzung EU=Europa ist unzulässig.
Stirbt der Euro, stirbt nicht Europa, aber hoffentlich die monströse, zerstörerische EU !!

Re: Re: richtig wäre:

Ich sehe es auch so. Aber diese unstatthafte Gleichsetzung von EU=Europa ist von den Spin-Doktoren der EU zwecks psychologischer Konditionierung der Völker gewollt. Genauso wie übrigens ganz pötzlich in allen europäischen oder EU-Statistiken die Türkei auftaucht. Man will die Menschen so konditionieren, dass sie einem Beitritt dieses Landes zur EU als logisch empfinden (ist ja nun ein europäisches Land).

Die Wahrheit

Hätten die Amis nicht ihre Ratingagenturen (gehören der FED und Goldman Sachs) wäre das land auch auf dem Status von Griechenland.

Nachhaltiger Erfolgsgau

die Welt wartet doch drauf auf welches Datum man sich bei den gierigen einigt, um dann den Gau als nachhaltigen Erfolg zu verkaufen.

so weit haben wir es also gebracht?

irgend ein dahergelaufenen hr prader lässt ausrichten das die welt die geduld mit europa verliert!

hat wohl schnaps gesoffen der typ?

die bankenmärkte fordern noch mehr opfer. der sozialabbau und lohndumping werden in europa die tagespolitik beherrschen.


Unsere Geduld mit Agenten der neoliberalen Weltordnung

Ist auch vorbei. Und daher wird es dem Pack bald an den Kragen gehen. Schlage einen Schriftzug über deren Lager vor: Kosteneffizienz macht Frei!

HA HA

EU ist Super

Eine tragbare Lösung werde durch Hürden „nicht ökonomischer Art“ behindert...

...stimmt: durch unsere Politiker!!!

Eine tragbare Lösung werde durch Hürden „nicht ökonomischer Art“ behindert, etwa „durch Wahlzyklen“.

Das wirft Fragen auf:
a) Wen schlägt er als Diktator vor?
b) Ist es "tragfähig", wenn sich mehr Länder höher verschulden?

Sorry, aber der Mann scheint eine Gefahr zu sein. Beherrscht Grundrechenarten nicht und lehnt demokratische Prozesse ab. Unfähigkeit und Bösartigkeit sind eine ungute Mischung.

...

was interessiert mich der IWF?
Er repräsentiert nicht die Welt!
Er ist in einem Atemzug mit der Weltbank zu nennen...
Die zwei wichtigsten Werkzeuge des Amerikanischen Imperialismus's
zu empfehlen...The economic Hitman


Re: ...

wie kommt man nur darauf so einen quatsch zu schreiben? das kann ja nicht mal lehrstoff in der parteizentrale sein.

Vielleicht ändert sich Ihre Meinung wenn sie sich das Video mit dem Hitman anschauen.


Ich habs gewusst...

die überschrift ist falsch.

ÖSTERREICH VERLIERT DIE GEDULD MIT EUROPA

Gell, Wernerl, Mizzi, und und und aso euch is des eh Wurscht, denn die Knechte werden noch mehr ausgepresst, bis sie Sklaven sind...

DIE WELT VERLIERT DIE GEDULT MIT EUROPA

SO EIN SCHWACHSINN,WENN EINER DIE GEDULT VERLIERT DANN SIND ES DIE MENSCHEN IN EUROPA!!

13

Fragen über Fragen

Was soll das heißen "die Welt verliert die Geduld"? Was passiert, wenn die Welt die Geduld mit Europa verloren hat? Wer hat einen Anspruch darauf, dass Europa genau so reagiert, dass irgendjemand nicht die Geduld verliert? Ich dachte bisher, Europa wäre ein freier Kontinent und kann für sich selbst entscheiden. Stimmt das nicht? Gibt es da jemand, der so mächtig ist, dass Europa zu gehorchen hat?

Re: Fragen über Fragen

wenn man von anderen geld braucht ist es bald aus mit der freiheit.

Geht's dem Werner gut, geht's uns allen gut ...

... oder auch nicht ;o}

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