Entmachtung des Euro-Handelszentrums London?

03.12.2012 | 11:09 |   (DiePresse.com)

Der Hauptteil der weltweiten Eurogeschäfte wird in London abgewickelt. Das einflussreiche französische EZB-Mitglied Noyer will nun dagegen ankämpfen.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

London soll nicht länger der wichtigste Finanzplatz für den Euro sein - zumindest wenn es nach dem Willen des einflussreichen französischen EZB-Ratsmitglieds Christian Noyer geht. Es gebe keine logischen Gründe, dass sich das Finanzzentrum der Eurozone im Nicht-Euroland Großbritannien befinde, sagte der französische Notenbank-Chef im Gespräch mit der "Financial Times" (FT). Der größte Teil der Euro-Geschäfte solle innerhalb der Euro-Zone abgewickelt werden. Dies hänge mit den Möglichkeiten der Europäischen Zentralbank (EZB) zusammen, Liquidität zur Verfügung zu stellen und die Aufsicht seiner eigenen Währung zu gewährleisten.

"Wir haben nichts dagegen, dass Geschäfte in London gemacht werden, aber der Hauptteil der Geschäfte sollte unter unserer Kontrolle sein. Das ist die Konsequenz der britischen Entscheidung, außerhalb der Eurozone zu bleiben", so Noyer.

London wichtigster Euro-Handelsplatz

Seit der Einführung des Euro ist London der wichtigste Handelsplatz für die europäische Gemeinschaftswährung, wie die "FT" schreibt. 40 Prozent der weltweiten Eurogeschäfte werden demnach in London abgewickelt - das ist mehr als in der gesamten Eurozone zusammen.

Noyers Forderung kommt zu einem äußerst heiklen Zeitpunkt. Am Dienstag wollen die europäischen Finanzminister die EU-Bankenunion auf Schiene bringen. Diese würde die EZB zum obersten Wächter der Banken machen. Großbritannien will aber nur zustimmen, wenn auch die Interessen von Nicht-Eurostaaten gewahrt bleiben.

Finanzplatz London unter Druck

Es wäre ein weiterer schwerer Schlag für den Finanzplatz London. Erst im August wurde bekannt, dass in der britischen Hauptstadt heuer noch 3000 Leute in der Finanzbranche abgebaut werden müssen, wie "Die Presse" berichtete. Im Vergleich: An der Wall Street werden hingegen noch 9000 Mitarbeiter eingestellt.

Ebenfalls im August war die britische Großbank Standard Chartered unter Beschuss geraten. Die New Yorker Finanzaufsicht drohte mit dem Verlust der US-Lizenz. Die Bank soll trotz bestehender Iran-Sanktionen Transaktionen mit dem Land abgewickelt haben und wie eine "Schurken"-Bank agiert haben. Ein britischer Parlamentsabgeordneter sprach damals von einer "konzertierten Aktion der US-Regierung": "Washington versucht hier eine Schlacht zu gewinnen, bei der es darum geht, den Handel von London nach New York zu verlegen. Das ist ein politischer Angriff." (mehr dazu...)

(APA/Reuters/Red.)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

37 Kommentare
 
12

Das Imperium schlägt zurück

Wenn UK aus der EU austritt, und darauf scheint alles hinauszulaufen, wird die €-Zone selbstverständlich alles tun, um goße Teile der Finanzindustrie von der Londoner City in die Zone zu holen.
Sie wird dabei vermutlichl ziemlich repressiv reagieren.
Zugang zum Binnenmarkt und großzügige Freihandelsabkommen wird es für GB wohl nicht geben (können)
Nicht aus Revange degen den "Verräter", sondern aus Gründen des Sebsterhalts.
Wenn die europäische Öffentlichkeit sieht, daß man sich beim Austritt die Nettozahlungen spart und keinerlei negative Aspekte zu erwarten hat, brechen alle Dämme; S und DK werden die ersten sein, die sich dann vertschüssen.
Die Eu wird alles versuchen um das zu verhindern.
Ob das ausreicht, um die Rest-EU zusammenzuhalten und nicht die Zentrifugalkräfte schon längst die Oberhand haben ist eine andere Geschichte...

Re: Das Imperium schlägt zurück

England hat noch immer durch das Könighaus einen sehr großen Einfluß auf Länder die zu den größten Witschaften der Welt gehören. Der Internationale Handel in den wichtigsten Bereichen wird in US Dollar abgewickelt und nicht im EURO. Alle Rohstoffe werden eben in USD oder sogar in Pfund abgewickelt.
Das der EURO im internationalen Handel kontrolliert werden soll, das haben wir eigentlich heute schon. Der reine Devisenhandel sollte generell kontrolliert werden da es hierbei zum größten Teil um Devisenspekulationen handelt.
Bei Finanzinstrumenten die in EURO laufen sollte man in jedem Fall eine Kontrolle haben im Internationalen und innerhalb des EURO Raumes. Die USA hat da einiges in der Vergangenheit an vorhandenen Mängel aufgezeigt.
Die Kontrolle des EURO in ein Land innerhalb eines EURO Landes zu verlegen ist aus logischen Gründen schlüssig.
Es ist zu bedenken, dass in England ein anderes Recht zugrunde gelegt wird, das Anglo-amerikanische oder das
Angelsächsische. Das ist sicherlich ein Problem für die EURO Länder. Andererseits haben alle UK Länder und solche die einmal englische Kolonien waren dieses angelsächsische Recht.
Am internationalen Warenhandel wird sich nichts ändern. Da würde man sich in das eigene Fleisch schneiden wenn man hier irgendwelche Einschränkungen machen würde.

Re: Das Imperium schlägt zurück

"Wenn UK aus der EU austritt, und darauf scheint alles hinauszulaufen, wird die €-Zone selbstverständlich alles tun, um große Teile der Finanzindustrie von der Londoner City in die Zone zu holen."
Eine etwas naive These. Wie soll das denn gehen?

Freihandelsabkommen? Das gibt es auch ohne EU. Schon mal was von WTO-Abkommen gehört, das auch die EU unterschrieben hat? Im Übrigen herrscht bei solchen Massnahmen stets Reziprozität, auf gut Deutsch: wie Du mir, so ich Dir.

Re: Re: Das Imperium schlägt zurück

Ich habe Mutmaßungen angestellt, wie sich die EU in der Logik des Machterhaltes verhalten könnte.
Nicht behauptet habe ich, daß sie damit auch erfolgreich sein würde.
Kann sein, daß ich naiv bin, aber vielleicht ist es aber auch naiv zu glauben, für UK würde bei einem Austritt alles so bleiben wie gehabt. Was sonst sollte der Zweck einer Union sein als der, sich gegenüber der Außenwelt abzuschotten und damit den Mitgliedern Vorteile zu sichern?
Natürlich werden WTO-Abkommen weiter gelten, aber der Binnenmarkt geht eben darüber weit hinaus.

Re: Re: Re: Das Imperium schlägt zurück

Besten Dank für die Präzisierungen. Ich habe eine Frage zu Ihrem letzten Satz. Wo sehen Sie den wesentlichen Unterschied zwischen dem Binnenmarkt und einer Freihandelsabkommen à la WTO? Wo liegen die effektiven Vorteile des Binnenmarktes?

Re: Re: Re: Re: Das Imperium schlägt zurück

Den Unterschied zwischen dem WTO-Freihandelsabkommen und dem Binnenmarkt können wir möglicherweise bald in einem Feldversuch studieren.
Wenn nämlich Großbritannien tatsächlich aus der EU austritt.
Die negativen Folgen für UK oder deren Ausbleiben werden vielleicht darüber entscheiden, ob die Rest-EU eine letzte Chance erhält oder ob sie implodiert.

Re: Re: Re: Re: Das Imperium schlägt zurück

Das weiß ich so genau nicht.
Ich muß mich mit meinem Hausverstand begnügen. Und der sagt mir, daß es der ureigenste Zweck einer Gemeinschaft ist, Außenstehende zu benachteiligen.
Warum sonst hätten sich 1995 mit S FIN und A Länder der EU anschließen sollen, die keine Aussicht auf Nettotransferzahlungen haben.
Sie erwarten sich -zum damaligen Zeitpunkt- wirtschaftliche Vorteile und waren dafür sogar bereit,
Souveränität abzugeben.
Das macht man doch nicht aus Jux und Tollerei.
Oder doch?

Re: Re: Re: Re: Re: Das Imperium schlägt zurück

Juxund Tolerei ist es nicht. Es gibt jedoch noch andere Gründe oder Motive für einen Beitritt zu einem Binnenmarkt.

Ich habe in Wikipedia nachgeschaut. Ein Binnenmarkt besteht nicht nur aus frei handelbarne Waren, sondern umfasst auch alle anderen Freiheiten wie Kapiatlverkehrsfreiheit, Dienstleistungsfreiheit und Niederlassungsfreiheit. Bei einem Freihandelsabkommen werde nur die Handelshemmnisse allein abgebaut. Wenn man das etwas tiefer analysiert, so profitieren vom Binnenmarkt eigentlich nur die Unternehmen und die Einweltstaatideologen. Die breite Masse der Bevölkerung erleidet eher Nachteile, z.B. stagnierende Realeinkommen, Umverteilung von unten nach oben, etc.

Wenn man sagt was man denkt ...

... wird man in der EU wohl bestraft, so wie es scheint.

Diese Entmachtung kann nicht so tragisch sein, wie ein JA-Sagendes Mandat zum Ausverkauf des britischen Staatsgebietes.

Das wird mit der Transaktionssteuer sicher gelingen!

.

komisch

hier wird wieder politischer Druck ausgeübt. wie steht es aber mit den Goldreserven?! da wird wiederum behauptet das das Gold ruhig in London und New York bleiben soll. Gold sollte dann ja auch abgezogen werden. oder?! verkehrte Welt!

Die Euro Vertreter machen sich zu wichtig!

Sie sind nur eine Episode der Geschichte!

Re: Die Euro Vertreter machen sich zu wichtig!

Das sind nämlich diese Art von Menschen die uns zusammen mit den Griechen ins Jahr 1929 verfrachten ...

Re: Re: Die Euro Vertreter machen sich zu wichtig!

Sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen!

3 0

den

Hauptteil der Lottogewinne machen Andere, ich möchte sie aber zu mir transferieren - die Gewinne,nicht die Anderen.

Entmachtung des Euro-Handelszentrums London?

Wien im Herzen Europas würde sich als Euro-Handelszentrum vorzüglich anbieten.
Ein Menschenschlag der noch am Pfund festhält,
hat im modernen Europa keine Zukunft.


Frankreich und Deutschland sollten England von der Landkarte ausradieren!

Diese Briten machen alles kaputt. Jetzt wollen sie die EU kaputtmachen!

Re: Frankreich und Deutschland sollten England von der Landkarte ausradieren!

Ui, ui, ui! Das tönt ja wie vor 75 Jahren.

wer beim backen des kuchens nicht mitmachen will,

der darf sich auch nicht über ein kleineres kuchenstück beschweren.
und schon gar nicht hat er das recht, sich bereits aus dem teig die rosinen rauszupicken!

wer das tut, der sollte unbedingt eine auf die finger bekommen.

Wer einen Kuchen backt,

darf sich nicht beschweren, daß sein Nachbar, der nicht helfen wollte, trotzdem der bessere Bäcker ist sodaß das halbe Dorf zu ihm auf Kaffee und Kuchen kommt.


Re: Wer einen Kuchen backt,

wenn sie schon mein bild fortschreiben, dann müssen sie aber meine charaktere übernehmen!

dieser nachbar WEIGERT sich ja, kuchen zu backen. er ist ausschließlich spezialist im rosinenpicken.

Eben nicht.

Er backt genauso Kuchen, nur halt bessere.
Im Prinzip können Währungen überhall gehandelt werden - es halt halt seine Gründe, daß dies lieber in London als in Unterstinkenbrunn oder Paris passiert. Daß dies den Unterstinkenbrunnern nicht passt, hat nichts mit "Rosinenpicken" seitens Londons zu tun, sondern mit anderen Faktoren.

Re: Eben nicht.

der kuchen ist das projekt eu!
dabei macht england nicht mit, will nicht mitmachen.
london ist ein handelsplatz für die rosinen.

Was heißt "keine logischen Gründe"?

Wenn er sagt: "der Hauptteil der Geschäfte sollte unter unserer Kontrolle sein", so ist das doch logischer Grund genug, um nach London oder gar nach New York auszuweichen!

Ich wäre eher für die Entmachtung von Paris in politischer Hinsicht

weil die treiben uns alle in die Pleite und mit ihren verrückten "Großmacht-EU gegen dern Rest der Welt" Ansichten noch in schwere Konflikt wenn nicht gar in einen Krieg.

(Mit dem Friedensprojekt EG hat das auf jeden fall nichts mehr zu tun)

Sehe ich auch so.

Ein bisschen mehr London und ein bisschen weniger Paris täte der EU sehr gut.

Dann bestünde die Chance, daß sie wieder zu einer Freihandelszone mit Vorteilen für alle Beteiligten statt eines Umverteilungsvereins in einer Abwärtsspirale wird.

 
12

Umfrage

» Jetzt unter mehr als 6.000 Jobs
die perfekte Stelle finden.

AnmeldenAnmelden