Griechenland: Lage ähnlich dramatisch wie 1929

03.12.2012 | 11:06 |   (DiePresse.com)

Ein heute gestartetes Schuldenrückkauf-Programm soll den Haushalt entlasten. Die Talfahrt der Wirtschaft geht unterdessen ungebremst weiter.

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Griechenland hat am Montag die Bedingungen für seinen geplanten Schuldenrückkauf veröffentlicht. Den Haltern verschiedener Staatspapiere mit langen Laufzeiten werden Angebote von 30,2 bis 40,1 Prozent des ursprünglichen Werts gemacht. Das Offert endet am Freitag, 7. Dezember. Dies teilte die zuständige staatliche Behörde PDMA mit. Die Aktion ist wichtiger Bestandteil eines Milliardenpakets an Maßnahmen, um Griechenland in den kommenden Jahren zusätzlich finanziell zu unterstützen. Ihr Erfolg ist entscheidend dafür, dass dieses Hilfspaket der internationalen Geldgeber auch umgesetzt werden kann (>>> mehr dazu).

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BIP seit Krisen-Beginn um 20 % eingebrochen

Die Talfahrt der griechischen Wirtschaft geht unterdessen ungebremst weiter. Wegen der harten Sparmaßnahmen und geringen Investitionen rechnet die griechische Notenbank mit einem weiteren Schrumpfen der Wirtschaftsleistung im kommenden Jahr zwischen 4 und 4,5 Prozent. Seit Ausbruch der Krise sei das Bruttoinlandprodukt (BIP) um gut 20 Prozent gefallen. Die Lage sei ähnlich dramatisch wie nach der großen Rezession im Zuge der Weltwirtschaftskrise 1929, heißt es in einem Bericht der Notenbank, der dem griechischen Parlament vorgelegt wurde.

Es ist bereits das fünfte Rezessionsjahr. Die Arbeitslosenrate steigt auf mehr als 25 Prozent. Für Griechenland müsse es dringend einen nationalen Plan für Wachstum geben, fordert die Notenbank. Positive Entwicklung: Wegen der harten Sparmaßnahmen und Kürzungen habe die griechische Wirtschaft ihre Wettbewerbsfähigkeit größtenteils wieder gewonnen.

Privatanleger halten 62 Milliarden Euro

Am späten Montagnachmittag will der griechische Finanzminister Ioannis Stournaras seine Amtskollegen der Eurogruppe in Brüssel über die Details zum Schuldenrückkauf informieren.
Es soll eine Summe von bis zu zehn Milliarden Euro in die Hand genommen werden. Damit würde Griechenland nach Schätzungen von Experten eine Schuldenlast von bis zu 30 Milliarden Euro loswerden. Zuletzt hielten Privatanleger griechische Staatsanleihen im Volumen von etwa 62 Milliarden Euro. Etwas mehr als die Hälfte davon befindet sich in den Händen von Banken und Anlegern in Ausland. Es gilt als sicher, dass die griechischen Finanzinstitute, die rund 15 Milliarden Euro halten, an dem Rückkaufprogramm teilnehmen werden.

Details zu "Plan B" nicht bekannt

In Athen wird jedoch befürchtet, dass ausländische Privatanleger wie Hedgefonds in Erwartung höherer Gewinne das Angebot nicht annehmen werden. Finanzminister Stournaras hatte für diesen Fall in der vergangenen Woche über einen "Plan B" gespochen, dessen Details er aber nicht bekanntgab.

Die Kurse von griechischen Anleihen reagierten mit massiven Gewinnen auf die Veröffentlichung des Angebots. Der Kurs für richtungsweisende Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren stieg am Montagvormittag innerhalb weniger Minuten um etwa zehn Prozent.

(APA/dpa)

 
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49 Kommentare
 
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stefania
04.12.2012 19:16
0

Na , wenn das kein Geschäft ist...

verstehe ich das richtig ?
Die Griechen kaufen ihre Staatanleihen, die sie um 100% verkauft haben um 30% zurück und das mit unserem Geld ?
Wenn das kein Schuldenschnitt ist...

Wenn ich es falsch verstanden habe, bitte ich es mir zu erklären.

Austrian Economist
04.12.2012 16:34
1

Sind das eigentlich die gleichen Anleihen, auf die schon einmal 80% abgeschrieben wurde?


Siochana
04.12.2012 11:57
1

Staatsanwalt müsste tätig werden....

...bei diesen System !
Was blieb eigentlich von der europäischen Idee über?
EU= Banane!

radek
04.12.2012 11:40
2

Was heisst "die Griechen zahlen ein Drittel..."?

Die zahlen gar nichts = € 0,00.
Jeder Cent davon wird einem Steuerzahler in Nordeuropa abgepresst und abgegaunert.

Antworten Austrian Economist
04.12.2012 16:36
2

Re: Was heisst "die Griechen zahlen ein Drittel..."?

und die Griechen bekommen auch nichts. Das Geld ist nämlich für die Banken aus USA, UK, FR, DE und auch die griechischen Banken = griechische Milliardäre werden gerettet.

Emil Huber
04.12.2012 11:05
2

Der Euro brachte Not, Armut, Rekordarbeitslosigkeit und hohe Staatsschulden

Statt ENDLICH einen radikalen Kurswechsel, wollen Faymann, Spindelegger und Fekter weiter machen wie bisher.

Wahltag ist Zahltag!

Antworten CreepingConsumption.
04.12.2012 11:30
0

Re: Der Euro brachte Not, Armut, Rekordarbeitslosigkeit und hohe Staatsschulden

Über Not und Armut wissen wir exakt überhaupt nichts. Wir wollen hoffen, dass das so bleibt.
Die Staatsschulden haben wir selbst zu verantworten (als Wähler). Die Währung macht hier kaum einen Unterschied.

Antworten Antworten Emil Huber
04.12.2012 11:46
1

Was?

Erst vor etwa 6 Wochen gab es den Armutsbericht:

Mehr als 1 Mio Menschen in Österreich sind schon arm oder armutsgefährdet; über die Rekordarbeitslosigkeit veröffentlicht jedes Monat das AMS die Zahlen.

Antworten Antworten Antworten CreepingConsumption.
04.12.2012 14:33
0

Re: Was?

Der Armutsbericht enthält Zahlen auf "relativer" Basis. Im Grunde sagt er aus, dass sich die Schere weiter öffnet. Was wenig überrascht, wenn man sich Gedanken über Schulden macht. Arbeit für die Zinsen machen die "unten". Bekommen tun sie jene "oben". Schuldenpolitik ist anti-sozial.

Wenn Sie etwas über *absolute* Not und Armut erfahren wollen, gehen Sie in irgendwelche indischen Vorstädte. Afrikanische tun´s auch. Oder einfach 70 Jahre in der Geschichte rückwärts.

Leidgepruefter VIE
04.12.2012 10:15
4

Ich mache das jetzt auch so.

Ich leihe mir eine Million von der Bank und verjuble sie.

Dann nehme ich einen Kredit über 300.000 und zahle so diese Million zurück.

Und die 300.000 werden mir zur Belohnung dann auch erlassen ...

Antworten Dorian Gray II
04.12.2012 10:36
0

Re: Ich mache das jetzt auch so.

Banken = Mörder

da gibt es keine Ausrede

Antworten Antworten CreepingConsumption.
04.12.2012 10:53
0

Re: Re: Ich mache das jetzt auch so.

So lange Sie das nicht argumentieren können, ist das Unsinn.
Schulden hat man zurückzuzahlen. Auch an Banken. Dass diese wiederum vom Steuerzahler gefüttert werden ist weniger deren Schuld als unsere. Macht sie aber noch nicht zu "Mördern".

greentwig
04.12.2012 09:37
3

Wie man es dreht oder wendet...

"Jedenfalls verkaufen dürften die griechischen Banken, in deren Portfolios sich griechische Staatsanleihen über rund 15 Mrd. Euro befinden"

Ergo: Die griechischen Banken haben dem Staat Kredite zu 100% geliehen, verkaufen ihm diese zu einem Drittel zurück und werden dann von frisch gepresstem EZB-Geld "gerettet".

Irgendwie schaffen es die Griechen immer wieder, das Vermögen der übrigen Euro-Staaten anzuzapfen.

Antworten radek
04.12.2012 11:43
0

Re: Wie man es dreht oder wendet...

Wenns Ihnen ein Trost ist, unser Geld ist ja nicht wirklich weg, - es hat nur ein anderer.

crustacean
04.12.2012 09:02
1

Hedgefonds

die Hedgefonds werden ganz schön profitieren.ich hörte ein Interview mit einem amerikanischen Fondsmanager wo dieser den Deal mit griechischen Anleihen als sog. "no-brainer" bezeichnete. was bedeutet man braucht dafür kein Hirn und Erziehlt quasi ohne Risiko Fette gewinne. so kauften sie Anleihen zu Spottpreisen und Griechenland kauft sie zum nun um ca.40% mehr mit Eu-Geldern zurück. wem das wirklich hilft sei dahingestellt.

Antworten CreepingConsumption.
04.12.2012 11:37
0

Re: Hedgefonds

Es steht jeder Privatperson frei, Anleihen am Sekundarmarkt zu erwerben. Portugiesische bekommen Sie problemlos unter 70%. Zu behaupten, das wäre "quasi ohne Risiko" widerspricht der Sicht des Marktes. Ganz einfach da der Kurs ansonsten höher wäre.

Bricop
04.12.2012 07:41
0

Darf die EZB auch?

ich schätze, daß ist der Grund für die Aktion.

Bricop
04.12.2012 05:37
0

Konten der reichen Griechen

Kein Geld mehr bevor nicht alle Konten überprüft werden!

HaBeclin
03.12.2012 23:25
2

Athen zahlt ein Drittel für seine Staatsschuld

die griechische Nationalbank gehört nicht den Griechen. Es sind lediglich 4% die dem griechischen Staat gehören.
Also ist die Frage wer kauft die eigentlich zurück?
Es ist so kompliziert gemacht damit keiner den Schachzug durschaut.
Wenn also diese Anleihen zurückgekauft werden zu einem niedrigeren Preis als verkauft und die Bank wieder einer anderen Bank gehört und es eine Werteigerung durch den Rückkauf gibt, so kann man davon ausgehen dass die Papiere an Wert weiter nach oben gehen. Die Griechen selbst haben bis jetzt keinen Pfennig bekommen, alles ist als Zinsen im Durchlauf wieder zurückgelaufen.
Wenn die das Geld bekommen hätten, dann währe Griechenland nicht da wo es ist.
Schön langsam bekommt man ein Bild über das tatsächliche Geschäft das hier gemacht worden ist. Aber ohne das griechische Volk.

Paco
03.12.2012 20:47
2

Mit ...


... zehn Mrd neuen Schulden wollen die Griechen 30 Mrd alte Schulden zurück kaufen.

Wenn davon 15 Mrd von griechischen Banken stammen (die dann ja wieder vom griechischen Staat rekapitalisiert werden müssen), verringert sich die Verschuldung Griechenlands bei dieser Aktion um max. zehn Mrd Euro (vorausgesetzt, die Nebenkosten des Schuldenschnitts fallen nicht wieder so üppig aus wie beim letzten Mal!).


Peter Niveus
03.12.2012 20:46
8

Nebelbombe?

"Den verbliebenen privaten Gläubigern wird dabei angeboten, griechische Staatsanleihen zu einem Bruchteil des Nominalwertes zurückzukaufen."

Es ist wohl eher der Staat der die Anleihen zurückkauft und nicht die privaten Gläubiger. Wie sollen die privaten Gläubiger die Anleihen zurückkaufen die sie besitzen?

Die privaten Gläubiger trennen sich von ihren Papieren und der Staat kauft sie unter dem Nominalwert (Kurs 30-40 %) zurück. Mit einem Kredit des EFSF/ESM - wie anzunehmen ist.

Dieser Artikel ist eine Nebelbombe.

Antworten Bricop
04.12.2012 07:45
2

Re: Nebelbombe?

wie immer.
GR spart 40% vorausgesetzt diese Anleihen werden mal wieder etwas Wert?
Hauptsächlich es kennt sich wieder mal keiner mehr aus, außer Draghi.

Boris
03.12.2012 20:24
18

Kreditbetrug mit wohlwollender EU Billigung

bei Licht betrachtet.

dudelsack2.0
03.12.2012 20:04
12

und warum hat man mit dem rückkauf nicht schon 2009 begonnen?

als das griechische drama seinen anfang nahm!

ach ja stimmt, da hätten dann vermutlich nicht gewisse hedgefonds davon provitiert, was sich uu negativ auf die bestechungsgehälter der beteiligten politiker ausgeübt hätte!

Besucher
03.12.2012 19:10
14

Hedgefonds könnten die Gewinner sein.

Der Herr Mario Draghi zieht seine Fäden
im Hintergrund wirklich sehr geschickt.

Antworten Emil Huber
03.12.2012 19:32
14

100% richtig!

NICHT die Griechen selber,
NICHT die Geberländer,
sonder WIEDER die Zocker!!!

Zahlt alles der Steuerzahler!

 
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