Athen zahlt ein Drittel für seine Staatsschuld

Während die Deutschen auf einen weiteren Schuldenschnitt für Griechenland vorbereitet werden, hat Athen mit dem vereinbarten Rückkauf von Staatsanleihen begonnen. Hedgefonds könnten die Gewinner sein.

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Symbolbild – (c) REUTERS (YANNIS BEHRAKIS)

So schnell kann es gehen: Vor einer Woche haben Politiker und Notenbanker noch beteuert, es werde für Griechenland „keinen weiteren Schuldenschnitt geben“ (Finanzministerin Maria Fekter), dieser sei nämlich „vom Tisch“ (OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny). Und jetzt, ein paar Tage später, stellt die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel genau diesen Schuldenerlass auf Kosten der staatlichen Gläubiger Griechenlands, der Milliardenlöcher in die Budgets der Euroländer schneiden wird, unverhohlen für „frühestens 2014“ in Aussicht.

Vorerst sind aber noch die verbliebenen privaten Gläubiger dran: Am Montag begann der beim jüngsten Euro-Finanzministergipfel vereinbarte Schuldenrückkauf Griechenlands. Den verbliebenen privaten Gläubigern wird dabei angeboten, griechische Staatsanleihen zu einem Bruchteil des Nominalwertes zurückzukaufen. Sie können allerdings nicht gezwungen werden, dieses Angebot, das bis zum Ende dieser Woche „steht“, anzunehmen.

Den Gläubigern werden für Anleihen mit langer Laufzeit Rückkaufwerte zwischen 30,2 und 40,1 Prozent angeboten. Die Regierung erhofft sich damit, den Schuldenstand mit einem Kapitaleinsatz von rund zehn Mrd. Euro um rund 30 Mrd. Euro zu verringern.
Privatanleger halten insgesamt noch griechische Anleihen über etwas mehr als 60 Mrd. Euro. Das Geld für die Rückkäufe stammt übrigens aus dem jüngsten Hilfspaket der Euroländer, das in der Vorwoche freigegeben worden ist.

Griechische Anleihen, die zuletzt deutlich unter den jetzt angebotenen Werten notiert hatten, reagierten auf den Start der Rückkaufaktion mit massiven Kursgewinnen.
Spekulative Hedgefonds, die in den vergangenen Monaten in größerem Stil griechische Anleihen zu sehr niedrigen Kursen gekauft haben, dürften durch die EU-finanzierte Rückkaufaktion beträchtliche Gewinne erzielen. Trotzdem fürchtet die Regierung in Athen, dass sie dem Angebot nicht zustimmen, sondern den Druck erhöhen werden, das Angebot noch einmal nachzubessern.

Jedenfalls verkaufen dürften die griechischen Banken, in deren Portfolios sich griechische Staatsanleihen über rund 15 Mrd. Euro befinden. Die Geldinstitute des Landes haben Griechenland in den letzten Monaten mehrfach mit Hilfe von weitergereichten ELA-Notkrediten der EZB (mit deren Duldung) über Wasser gehalten. Experten halten das für problematisch, weil es einer verbotenen (wenn auch indirekten) Staatsfinanzierung durch die Notenbank entspreche, für die das ELA-Programm (ELA steht für Emergency Liquidity Assistance) nicht gedacht sei.

Sollten die nicht griechischen privaten Gläubiger auf das Rückkaufangebot nicht eingehen, dann wird sich die Euro-Gruppe nächste Woche noch einmal zu einer Krisensitzung treffen müssen. Die Teilentschuldung durch den Rückkauf eigener Anleihen ist nämlich als Voraussetzung für das in der Vorwoche beschlossene Hilfspaket gedacht. Griechenland hat für den Fall, dass der Rückkauf floppt, einen „Plan B“ angekündigt, ohne diesen näher zu spezifizieren.

Portugal will Sonderkonditionen

Am Montag mussten sich die Finanzminister der Euro-Gruppe mit einer Erweiterung des Griechen-Dilemmas herumschlagen: Das unter dem Rettungsschirm stehende Portugal verlangt bei seinem Hilfsprogramm dieselben Vorzugskonditionen wie Griechenland. Dem Vernehmen nach soll die Euro-Gruppe zu Zugeständnissen bereit sein.
Die Renditen der Staatsanleihen haben nach dem Start des griechischen Rückkaufprogramms in allen Euroländern deutlich nachgegeben.

Auf einen Blick

Die Regierung in Athen hat mit dem Rückkauf eigener Schulden zu rund einem Drittel des Nominalwerts begonnen. Ein erfolgreicher Abschluss der Aktion, die die Schuldenlast bei einem Kapitaleinsatz von zehn Mrd. Euro um 30 Mrd. Euro verringern soll, gilt als Voraussetzung für das Funktionieren des in der Vorwoche vereinbarten jüngsten Rettungspakets der Euro-Gruppe.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.12.2012)

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