Athen zahlt ein Drittel für seine Staatsschuld

03.12.2012 | 16:46 |  von Josef Urschitz (Die Presse)

Während die Deutschen auf einen weiteren Schuldenschnitt für Griechenland vorbereitet werden, hat Athen mit dem vereinbarten Rückkauf von Staatsanleihen begonnen. Hedgefonds könnten die Gewinner sein.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

So schnell kann es gehen: Vor einer Woche haben Politiker und Notenbanker noch beteuert, es werde für Griechenland „keinen weiteren Schuldenschnitt geben“ (Finanzministerin Maria Fekter), dieser sei nämlich „vom Tisch“ (OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny). Und jetzt, ein paar Tage später, stellt die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel genau diesen Schuldenerlass auf Kosten der staatlichen Gläubiger Griechenlands, der Milliardenlöcher in die Budgets der Euroländer schneiden wird, unverhohlen für „frühestens 2014“ in Aussicht.

Vorerst sind aber noch die verbliebenen privaten Gläubiger dran: Am Montag begann der beim jüngsten Euro-Finanzministergipfel vereinbarte Schuldenrückkauf Griechenlands. Den verbliebenen privaten Gläubigern wird dabei angeboten, griechische Staatsanleihen zu einem Bruchteil des Nominalwertes zurückzukaufen. Sie können allerdings nicht gezwungen werden, dieses Angebot, das bis zum Ende dieser Woche „steht“, anzunehmen.

Den Gläubigern werden für Anleihen mit langer Laufzeit Rückkaufwerte zwischen 30,2 und 40,1 Prozent angeboten. Die Regierung erhofft sich damit, den Schuldenstand mit einem Kapitaleinsatz von rund zehn Mrd. Euro um rund 30 Mrd. Euro zu verringern.
Privatanleger halten insgesamt noch griechische Anleihen über etwas mehr als 60 Mrd. Euro. Das Geld für die Rückkäufe stammt übrigens aus dem jüngsten Hilfspaket der Euroländer, das in der Vorwoche freigegeben worden ist.

Griechische Anleihen, die zuletzt deutlich unter den jetzt angebotenen Werten notiert hatten, reagierten auf den Start der Rückkaufaktion mit massiven Kursgewinnen.
Spekulative Hedgefonds, die in den vergangenen Monaten in größerem Stil griechische Anleihen zu sehr niedrigen Kursen gekauft haben, dürften durch die EU-finanzierte Rückkaufaktion beträchtliche Gewinne erzielen. Trotzdem fürchtet die Regierung in Athen, dass sie dem Angebot nicht zustimmen, sondern den Druck erhöhen werden, das Angebot noch einmal nachzubessern.

Jedenfalls verkaufen dürften die griechischen Banken, in deren Portfolios sich griechische Staatsanleihen über rund 15 Mrd. Euro befinden. Die Geldinstitute des Landes haben Griechenland in den letzten Monaten mehrfach mit Hilfe von weitergereichten ELA-Notkrediten der EZB (mit deren Duldung) über Wasser gehalten. Experten halten das für problematisch, weil es einer verbotenen (wenn auch indirekten) Staatsfinanzierung durch die Notenbank entspreche, für die das ELA-Programm (ELA steht für Emergency Liquidity Assistance) nicht gedacht sei.

Sollten die nicht griechischen privaten Gläubiger auf das Rückkaufangebot nicht eingehen, dann wird sich die Euro-Gruppe nächste Woche noch einmal zu einer Krisensitzung treffen müssen. Die Teilentschuldung durch den Rückkauf eigener Anleihen ist nämlich als Voraussetzung für das in der Vorwoche beschlossene Hilfspaket gedacht. Griechenland hat für den Fall, dass der Rückkauf floppt, einen „Plan B“ angekündigt, ohne diesen näher zu spezifizieren.

Portugal will Sonderkonditionen

Am Montag mussten sich die Finanzminister der Euro-Gruppe mit einer Erweiterung des Griechen-Dilemmas herumschlagen: Das unter dem Rettungsschirm stehende Portugal verlangt bei seinem Hilfsprogramm dieselben Vorzugskonditionen wie Griechenland. Dem Vernehmen nach soll die Euro-Gruppe zu Zugeständnissen bereit sein.
Die Renditen der Staatsanleihen haben nach dem Start des griechischen Rückkaufprogramms in allen Euroländern deutlich nachgegeben.

Auf einen Blick
Die Regierung in Athen hat mit dem Rückkauf eigener Schulden zu rund einem Drittel des Nominalwerts begonnen. Ein erfolgreicher Abschluss der Aktion, die die Schuldenlast bei einem Kapitaleinsatz von zehn Mrd. Euro um 30 Mrd. Euro verringern soll, gilt als Voraussetzung für das Funktionieren des in der Vorwoche vereinbarten jüngsten Rettungspakets der Euro-Gruppe.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.12.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

49 Kommentare
 
12

Na , wenn das kein Geschäft ist...

verstehe ich das richtig ?
Die Griechen kaufen ihre Staatanleihen, die sie um 100% verkauft haben um 30% zurück und das mit unserem Geld ?
Wenn das kein Schuldenschnitt ist...

Wenn ich es falsch verstanden habe, bitte ich es mir zu erklären.

Sind das eigentlich die gleichen Anleihen, auf die schon einmal 80% abgeschrieben wurde?


Staatsanwalt müsste tätig werden....

...bei diesen System !
Was blieb eigentlich von der europäischen Idee über?
EU= Banane!

2 0

Was heisst "die Griechen zahlen ein Drittel..."?

Die zahlen gar nichts = € 0,00.
Jeder Cent davon wird einem Steuerzahler in Nordeuropa abgepresst und abgegaunert.

Re: Was heisst "die Griechen zahlen ein Drittel..."?

und die Griechen bekommen auch nichts. Das Geld ist nämlich für die Banken aus USA, UK, FR, DE und auch die griechischen Banken = griechische Milliardäre werden gerettet.

Der Euro brachte Not, Armut, Rekordarbeitslosigkeit und hohe Staatsschulden

Statt ENDLICH einen radikalen Kurswechsel, wollen Faymann, Spindelegger und Fekter weiter machen wie bisher.

Wahltag ist Zahltag!

Re: Der Euro brachte Not, Armut, Rekordarbeitslosigkeit und hohe Staatsschulden

Über Not und Armut wissen wir exakt überhaupt nichts. Wir wollen hoffen, dass das so bleibt.
Die Staatsschulden haben wir selbst zu verantworten (als Wähler). Die Währung macht hier kaum einen Unterschied.

Was?

Erst vor etwa 6 Wochen gab es den Armutsbericht:

Mehr als 1 Mio Menschen in Österreich sind schon arm oder armutsgefährdet; über die Rekordarbeitslosigkeit veröffentlicht jedes Monat das AMS die Zahlen.

Re: Was?

Der Armutsbericht enthält Zahlen auf "relativer" Basis. Im Grunde sagt er aus, dass sich die Schere weiter öffnet. Was wenig überrascht, wenn man sich Gedanken über Schulden macht. Arbeit für die Zinsen machen die "unten". Bekommen tun sie jene "oben". Schuldenpolitik ist anti-sozial.

Wenn Sie etwas über *absolute* Not und Armut erfahren wollen, gehen Sie in irgendwelche indischen Vorstädte. Afrikanische tun´s auch. Oder einfach 70 Jahre in der Geschichte rückwärts.

Ich mache das jetzt auch so.

Ich leihe mir eine Million von der Bank und verjuble sie.

Dann nehme ich einen Kredit über 300.000 und zahle so diese Million zurück.

Und die 300.000 werden mir zur Belohnung dann auch erlassen ...

Re: Ich mache das jetzt auch so.

Banken = Mörder

da gibt es keine Ausrede

Re: Re: Ich mache das jetzt auch so.

So lange Sie das nicht argumentieren können, ist das Unsinn.
Schulden hat man zurückzuzahlen. Auch an Banken. Dass diese wiederum vom Steuerzahler gefüttert werden ist weniger deren Schuld als unsere. Macht sie aber noch nicht zu "Mördern".

Wie man es dreht oder wendet...

"Jedenfalls verkaufen dürften die griechischen Banken, in deren Portfolios sich griechische Staatsanleihen über rund 15 Mrd. Euro befinden"

Ergo: Die griechischen Banken haben dem Staat Kredite zu 100% geliehen, verkaufen ihm diese zu einem Drittel zurück und werden dann von frisch gepresstem EZB-Geld "gerettet".

Irgendwie schaffen es die Griechen immer wieder, das Vermögen der übrigen Euro-Staaten anzuzapfen.

0 0

Re: Wie man es dreht oder wendet...

Wenns Ihnen ein Trost ist, unser Geld ist ja nicht wirklich weg, - es hat nur ein anderer.

Hedgefonds

die Hedgefonds werden ganz schön profitieren.ich hörte ein Interview mit einem amerikanischen Fondsmanager wo dieser den Deal mit griechischen Anleihen als sog. "no-brainer" bezeichnete. was bedeutet man braucht dafür kein Hirn und Erziehlt quasi ohne Risiko Fette gewinne. so kauften sie Anleihen zu Spottpreisen und Griechenland kauft sie zum nun um ca.40% mehr mit Eu-Geldern zurück. wem das wirklich hilft sei dahingestellt.

Re: Hedgefonds

Es steht jeder Privatperson frei, Anleihen am Sekundarmarkt zu erwerben. Portugiesische bekommen Sie problemlos unter 70%. Zu behaupten, das wäre "quasi ohne Risiko" widerspricht der Sicht des Marktes. Ganz einfach da der Kurs ansonsten höher wäre.

0 0

Darf die EZB auch?

ich schätze, daß ist der Grund für die Aktion.

0 0

Konten der reichen Griechen

Kein Geld mehr bevor nicht alle Konten überprüft werden!

Athen zahlt ein Drittel für seine Staatsschuld

die griechische Nationalbank gehört nicht den Griechen. Es sind lediglich 4% die dem griechischen Staat gehören.
Also ist die Frage wer kauft die eigentlich zurück?
Es ist so kompliziert gemacht damit keiner den Schachzug durschaut.
Wenn also diese Anleihen zurückgekauft werden zu einem niedrigeren Preis als verkauft und die Bank wieder einer anderen Bank gehört und es eine Werteigerung durch den Rückkauf gibt, so kann man davon ausgehen dass die Papiere an Wert weiter nach oben gehen. Die Griechen selbst haben bis jetzt keinen Pfennig bekommen, alles ist als Zinsen im Durchlauf wieder zurückgelaufen.
Wenn die das Geld bekommen hätten, dann währe Griechenland nicht da wo es ist.
Schön langsam bekommt man ein Bild über das tatsächliche Geschäft das hier gemacht worden ist. Aber ohne das griechische Volk.

2 0

Mit ...


... zehn Mrd neuen Schulden wollen die Griechen 30 Mrd alte Schulden zurück kaufen.

Wenn davon 15 Mrd von griechischen Banken stammen (die dann ja wieder vom griechischen Staat rekapitalisiert werden müssen), verringert sich die Verschuldung Griechenlands bei dieser Aktion um max. zehn Mrd Euro (vorausgesetzt, die Nebenkosten des Schuldenschnitts fallen nicht wieder so üppig aus wie beim letzten Mal!).


Nebelbombe?

"Den verbliebenen privaten Gläubigern wird dabei angeboten, griechische Staatsanleihen zu einem Bruchteil des Nominalwertes zurückzukaufen."

Es ist wohl eher der Staat der die Anleihen zurückkauft und nicht die privaten Gläubiger. Wie sollen die privaten Gläubiger die Anleihen zurückkaufen die sie besitzen?

Die privaten Gläubiger trennen sich von ihren Papieren und der Staat kauft sie unter dem Nominalwert (Kurs 30-40 %) zurück. Mit einem Kredit des EFSF/ESM - wie anzunehmen ist.

Dieser Artikel ist eine Nebelbombe.

2 0

Re: Nebelbombe?

wie immer.
GR spart 40% vorausgesetzt diese Anleihen werden mal wieder etwas Wert?
Hauptsächlich es kennt sich wieder mal keiner mehr aus, außer Draghi.

18 1

Kreditbetrug mit wohlwollender EU Billigung

bei Licht betrachtet.

und warum hat man mit dem rückkauf nicht schon 2009 begonnen?

als das griechische drama seinen anfang nahm!

ach ja stimmt, da hätten dann vermutlich nicht gewisse hedgefonds davon provitiert, was sich uu negativ auf die bestechungsgehälter der beteiligten politiker ausgeübt hätte!

14 1

Hedgefonds könnten die Gewinner sein.

Der Herr Mario Draghi zieht seine Fäden
im Hintergrund wirklich sehr geschickt.

100% richtig!

NICHT die Griechen selber,
NICHT die Geberländer,
sonder WIEDER die Zocker!!!

Zahlt alles der Steuerzahler!

 
12

Umfrage

AnmeldenAnmelden