Griechenland: Wut der Pensionisten steigt

04.12.2012 | 12:07 |   (DiePresse.com)

"Die griechische Zentralbank hat nichts getan, um die Pensionskassen zu schützen", kritisiert der ehemalige Innenminister Prokopis Pavlopoulos.

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Mit 850 Euro müssen Pensionisten in Griechenland im Schnitt pro Monat auskommen. Die Sparmaßnahmen der Regierung, etwa die Kürzung der Pensionen, und die jüngsten Steuererhöhungen treffen sie besonders hart. Der Zorn richtet sich aber nicht mehr nur gegen die Politiker in Athen, sondern auch die Pensionskassen und die griechische Notenbank. Diese haben - so der Vorwurf von Sparern und Gewerkschaften - trotz vieler Warnsignale und Insiderwissens Milliarden verbrannt und die eigenen Pensionisten noch viel ärmer gemacht.

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Denn die griechische Zentralbank verwaltet die überschüssigen Bar-Bestände der Pensionskassen, die laut Gesetz zu 77 Prozent in einen dafür vorgesehen Pool fließen müssen. Und dieser darf die Gelder nur in griechische Anleihen und sogenannte T-Bills (kurzfristige Schuldscheine oft mit einer Laufzeit von nur ein paar Monaten) stecken. Die restlichen 23 Prozent können auch anders investiert werden - beispielsweise in Aktien oder Immobilien. Damit sollte sichergestellt werden, dass der Löwenanteil der Gelder besonders sicher angelegt wird und eine stetige Rendite abwirft. In guten Zeiten hat das auch funktioniert.

Pensionskassen verloren viel Geld

Doch sind die guten Zeiten lange vorbei. Griechenland droht seit Jahren unter seinem enormen Schuldenberg zu kollabieren. Nur dank Hilfen der Euro-Partner ist das ganz große Chaos bislang ausgeblieben. Die Hellenen sind aber vom Kapitalmarkt abgeschnitten und kommen ohne Hilfe aus dem Ausland nicht mehr an frisches Geld. Im Gegenzug hat sich das Land verpflichtet, harte Reformen umzusetzen. Für die einfache Bevölkerung heißt dies zunächst große Belastungen, weil die Arbeitslosigkeit mit gut 25 Prozent auf Rekordniveau ist und das Land nicht aus der schweren Rezession rauskommt.

Durch die gesetzlichen Vorgaben des Systems haben die Pensionskassen beim Schuldenschnitt für Griechenland viel Geld verloren, obwohl man die Risiken selbst am besten kannte. Nach Reuters-Informationen, die auf bisher unveröffentlichten Zentralbank-Daten basieren, hat die Notenbank seit Ausbruch der dortigen Wirtschaftskrise noch Gelder der Pensionskassen in Höhe von 1,18 Milliarden Euro in heimische Staatsanleihen gesteckt.

"Zentralbank hat nichts getan"

"Die griechische Zentralbank hat nichts getan, um die Pensionskassen zu schützen", kritisiert der frühere Innenminister Prokopis Pavlopoulos. "Seit Juli 2010 war es offensichtlich, dass es zu einer Restrukturierung der Schulden kommen musste." Während ausländische Banken und sonstige Investoren ihre Bestände im großen Stil reduzierten, habe niemand die Pensionskassen gewarnt. "Die Regierung wusste, dass es auf einen Schuldenschnitt hinausläuft, hat aber nichts für die Leute getan."

Zwar sind die genauen Zahlen umstritten. Eines steht jedoch fest: Die Pensionskassen - ein zersplittertes System mit rund 200 offiziellen Stellen, die Fonds betreiben - waren bis zuletzt sehr stark im eigenen Land engagiert. Laut Zentralbank-Daten hatten Pensionsfonds Anfang 2012 noch 19 Milliarden Euro in Staatsanleihen und weitere 1,4 Milliarden in T-Bills stecken. Im Sommer - also nach dem Schuldenschnitt - waren es zusammen noch 11,1 Milliarden Euro. Knapp zehn Milliarden Euro waren also in kurzer Zeit weg. Das entspricht knapp fünf Prozent der Wirtschaftskraft des Landes im Jahre 2011. Insgesamt hatten beim sogenannten Haircut private Banken, Versicherungen und Fonds Griechenland im März 2012 Forderungen von über 100 Milliarden Euro erlassen.

"Es gab kaum Spielraum"

Die Notenbank weist unterdessen die scharfe Kritik zurück. Aus ihrer Sicht gab es kaum Spielraum. Pensionskassen würden überall auf der Welt in Staatsanleihen investieren. Zudem sei die wirtschaftliche Misere nicht absehbar gewesen, als die meisten Investments getätigt wurden. "Mehr als 90 Prozent der Anleihen, die unter dem Haircut litten, wurden vor 2009 gekauft", sagt Mihalis Mihalopoulos, der für die Notenbank das Geld der Pensionskassen investiert.

Der frühere Arbeitsminister George Koutroumanis stützt diese Sicht. Die Verluste seien nicht vermeidbar gewesen. Die Regierung hätte nicht die heimischen Pensionskassen schützen, gleichzeitig aber Entgegenkommen ausländischer Investoren verlangen können. "So hätte es nicht laufen können."

(APA)

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10 Kommentare

Griechenland: Wut der Pensionisten steigt

Wenn man bedenkt das 98 Prozent der griechischen Rentner mindesten zwei Schusswaffen besitzen.

Hm...

.. sind das jene Pensionisten, die seit Jahrzehnten schon tot sind, deren Pension aber trotzdem kassiert wurde und wird???

Warum freuen sich die Griechen über "diese Rettung" nicht?

Arbeitnehmer wird das Einkommen um mind. 20% gekürzt,
die Pensionen werden gekürzt,
die Griechen haben eine Rokordarbeitslosigkeit...

Mit dem nicht mehr vorhandenen Geld sollen die Griechen mehr konsumieren und somit die Wirtschaft wieder in Schwung bringen; da stimmt doch etwas nicht!

Von den 100en Mrd. sehen die Griechen selber keinen Cent!

Banker und Zocker haben noch NIE eine Wirtschaft saniert. (Außer ihre Eigene)

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Re: Warum freuen sich die Griechen über "diese Rettung" nicht?

Gehaltskürzung 20% wenn ich keine Steuern bezahle stört mich das nicht und die Großeltern stört es auch nicht die Kürzung weil sie leben schon seit Jahren nicht mehr!

Re: Warum freuen sich die Griechen über "diese Rettung" nicht?

Das so nicht ganz richtig. GR hat sich über einen langen Zeitraum (und im letzten Jahrzehnt deutlich beschleunigt) ziemlich derb verschuldet. Dass manche Schichten davon nicht viel hatten, ist unbestritten. Insgesamt jedoch wurde auf Schulden verkonsumiert.
Was übrigens auch bei uns so ist.

Insgesamt ein äusserst warnendes Beispiel dafür, was passiert, wenn ein Land Schulden zur Aufrechterhaltung des Betriebs (und den Konsum) aufnimmt. Ok, lässt sich auch mit Grundrechenarten ausrechnen, aber der Blick nach GR ist spektakulärer.

Was uns aber wiederum in keiner Weise zu beeindrucken scheint. Wir machen einfach weiter. Bei uns gelten die Gesetze der Mathematik ja nicht.

"Wir müssen Geld aufnehmen um die Zinsen zu bezahlen", erklärten Fekter (ÖVP) und Ostermayer (SPÖ) im ORF (Zentrum)

Wir sollten sie dafür wieder wählen, damit sie noch lange so weiter machen können.


nicht vergessen

Die lieben Griechen haben doch auch weiterhin Pensionszahlungen kassiert, obwohl diese schon verstorben waren.

Gibt es dazu eine Aufstellung, wie viel Geld an tote Pensionisten ergangen sind?

Und wurden die ausgezahlten Beträge von deren Verwandten zurück gefordert?

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kapitalmarktabhängige minizusatzpensionen waren und sind schlußendlich nur ein betrug an den älteren menschen; und solche abzockerfinanzprodukte der casinobanken sollen vom staat auch noch subventioniert werden.


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Re: kapitalmarktabhängige minizusatzpensionen waren und sind schlußendlich nur ein betrug an den älteren menschen; und solche abzockerfinanzprodukte der casinobanken sollen vom staat auch noch subventioniert werden.

... und Sie meinen wirklich, dass so was Gewerkschaftsfunktionäre die sich eine komplette Gewerkschaftsbank "stehlen" haben lassen und zuvor bereits Unternehmen wie den "Konsum" total ausgeplündert haben von solchen hehren hochmoralischen Überlegungen beeindrucken lassen?

Die sind doch so was von korrupt ...

Fragen´s doch z.B. mal den Hund im Dorf!

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