Jeder zweite Österreicher ist gegen Euro-Rettungsschirm

Immer mehr fühlen sich selbst von der Krise betroffen. 13 Prozent sind überzeugt davon, dass wir in Zukunft wieder in Schilling bezahlen werden.

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REUTERS

Immer mehr Menschen in Österreich sehen sich persönlich in den Strudel der Finanz- und Währungskrise gezogen. Der Anteil jener, die sich davon "stark" oder "eher schon" betroffen fühlen, liegt heuer mit insgesamt 45 Prozent bereits um die Hälfte höher als noch 2010 oder 2009. Besonders stark empfinden das Alleinerziehende, Arbeitslose, Wenigverdiener - aber auch die Altersgruppe ab Mitte 30, die Mitten im Berufsleben steht. Dies geht aus einer Umfrage des Instituts für Trendanalysen und Krisenforschung (ITK) hervor, die am Mittwoch präsentiert wurde. Die Zuversicht, trotz Krise den eigenen Lebensstandard halten zu können, ist im Schwinden begriffen - vor allem bei Berufstätigen, die nach ihrem Leben in der Pension befragt werden. Fast jeder zweite glaubt, dass die Krise noch länger als drei Jahre dauern wird (siehe Grafik).

Dass sich Österreich am Euro-Rettungsschirm beteiligt, halten 49 Prozent nicht für richtig und 39 Prozent für richtig; 12 Prozent sind sich nicht sicher. Auch der Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB wird von der Mehrheit abgelehnt.

Die Hälfte sieht ein "Versagen der Politik"

In der "Gier der Menschen nach schnellem Profit" erblickt noch immer eine Mehrheit von 55 Prozent der Befragten eine Hauptschuld an der gegenwärtigen Finanz- und Wirtschaftskrise, 2009 waren es aber noch mehr als 75 Prozent. Am zweithäufigsten wurde jetzt - von 49 Prozent - "das Versagen der Politik" genannt. "Das fehlende Kontrollsystem am Finanzmarkt" machten nun aber nur noch 48 Prozent als Hauptgrund verantwortlich, 2009 waren es noch fast 80 Prozent gewesen. "Egoismus und mangelnde Solidarität" ist jetzt für knapp 25 Prozent schuld, ein "mangelndes Verantwortungsbewusstsein der Banken" aber bereits von 23 Prozent - Mehrfachnennungen möglich.

Insgesamt meinen 27 Prozent der Befragten, dass die Eurozone weiter bestehen und - wie geplant - um Mitgliedsstaaten der EU erweitert wird. 22 Prozent dagegen meinen, dass eine neu gebildete Eurozone nur jene Länder umfassen wird, die eine stabile Währungspolitik betreiben. Dass die Eurozone auseinanderbrechen und alle Euro-Länder wieder zu ihren früheren Währungen zurückkehren werden, glauben 13 Prozent; weitere sechs Prozent rechnen mit einem Ausscheiden der "südlichen Länder Europas".

Eine Mehrheit erwartet sich, dass die EU die Krise löst. 46 Prozent sehen die Verantwortung (auch) bei der österreichischen Regierung (siehe Grafik).

ITK hat für die Umfrage im Oktober österreichweit 550 Interviews bei 15- bis 72-Jährigen geführt, von denen 55 Prozent weiblich und 45 Prozent männlich sowie 67 Prozent erwerbstätig und 33 Prozent nicht erwerbstätig waren.

(APA)

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