Frist für griechischen Schuldenrückkauf abgelaufen

07.12.2012 | 10:37 |   (DiePresse.com)

Vier Großbanken beteiligten sich. Ob das Rückkaufprogramm erfolgreich war, wird erst am Samstag bekanntgegeben. In Athen ist man aber optimistisch.

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Die Frist für den Schuldenrückkauf Griechenlands ist abgelaufen. Ob das Rückkaufprogramm gelungen ist, blieb aber zunächst unklar. Wie die Nachrichtenagentur dpa am Freitagabend aus dem Finanzministerium erfuhr, ist erst am Samstag mit einem Ergebnis zu rechnen. Im Finanzministerium in Athen herrschte zurückhaltender Optimismus. Vom erfolgreichen Abschluss hängen weitere Hilfen für Griechenland ab, die eine Pleite des Eurolandes abwenden sollen.

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Die vier griechischen Großbanken National Bank, Alpha, Eurobank und Piraeus Bank erklärten am Freitagnachmittag, sie würden an dem Schuldenrückkauf teilnehmen. Auch kleinere Institute, wie die Postbank und die Attica Bank schlossen sich an. Allerdings ließen die Institute zunächst offen, wie viele ihrer Staatsanleihen sie an den Staat zurück verkaufen wollen. Finanzminister Iannis Stournaras hatte die Banker mit der Bemerkung bei der Ehre gepackt, es sei ihre nationale Pflicht, den Rückkauf zu einem Erfolg zu machen. Im Rundfunk kündigte der Minister zudem an, die Verwaltungsräte der Banken per Klausel vor Klagen von unzufriedenen Aktionären zu schützen. Das Land ist bereit, den Inhabern - je nach Laufzeit ihrer Papiere - für jeden Euro ihrer Forderungen zwischen 30 und 40 Cent zu zahlen.

Experten gingen davon aus, dass alle einheimischen Banken am Rückkauf teilnehmen. Sie halten insgesamt griechische Staatsanleihen im Volumen von rund 15 Milliarden Euro. Griechischen Medien zufolge sollen sich auch zahlreiche Hedge-Fonds bereiterklärt haben, mit mehr als 15 Milliarden Euro am Rückkauf teilzunehmen. Dann hätte Athen den Erfolg des Rückkaufs sicher in der Tasche.

Athen hatte den Haltern verschiedener Staatspapiere mit langen Laufzeiten Angebote von 30,2 bis 40,1 Prozent des ursprünglichen Werts gemacht. Wegen der dramatischen Schuldenkrise Griechenlands waren die Staatsanleihen rasant im Wert gefallen. Nehmen die Gläubiger das Angebot an, sind sie die Papiere los. Ob das zu einem Verlust führt, hängt davon ab, wann ein Investor zu welchem Preis in die Hellas-Bonds eingestiegen ist.

Insgesamt will Athen mit zehn Milliarden Euro aus dem europäischen Rettungsfonds EFSF etwa 30 Milliarden Euro an alten Schulden Griechenlands vom Markt nehmen. Das würde den Schuldenberg Athens deutlich verkleinern. Zuletzt hielten Privatanleger griechische Staatsanleihen im Volumen von etwa 62 Milliarden Euro. Etwas mehr als die Hälfte davon befindet sich in den Händen von Banken und Anlegern im Ausland.

Griechenland muss das Programm bis zum 13. Dezember abschließen. Dann wird die Eurogruppe bei einem Sondertreffen unmittelbar vor Beginn des EU-Gipfels voraussichtlich Hilfen an Athen von insgesamt rund 44 Milliarden Euro endgültig freigeben.

Allerdings ist für den Internationalen Währungsfonds (IWF) ein abgeschlossener erfolgreicher Schuldenrückkauf Athens Voraussetzung zur Auszahlung weiterer Kreditraten.

 

 

(APA/Reuters)

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6 Kommentare

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Die Banken verkaufen ihre Staatsanleihen um den Staat zu retten( da er sonst kein weiteres Geld bekommt).
und der Staat rekapitalisiert dann die Banken, die sich diesen Verlust nicht leisten können ;)
die Quadratur des Kreises...
Es hätte nur Sinn, wenn sich an so einem "verschleierten Konkurs" alle beteiligen würden.
Auch wir, mit unseren vergifteten Papieren, welche in den EZB Bilanzen lagern...
und doch gibt es auch viele Argumente die dagegen sprechen!!

Münchhausen

Man will der Bevölkerung weismachen, daß es möglich ist, sich wie Münchhausen am eigenen Zopf aus dem Sumpf zu ziehen. Vielleicht gibt es noch jemanden, der das glaubt. Die Eliten sind zuversichtlich, durch eine ausreichende Menge an Nebelgranaten ihr eigenes Unvermögen verschleiern zu können. Möge ihnen ihre Zuversicht abhanden kommen; dazu müßte allerdings die von ihnen gesteuerte Verblödungsmaschinerie enttarnt werden. Solange sie die Medien unter Kontrolle haben, wird das nicht leicht sein.

Ein Original ist besser als eine schlechte Raubkopie

Die Banken rauben neuerdings nicht nur das Steuergeld, sie klauen auch die Ideen mit denen sich die Bürger dagegen wehren.

Der Schuldenrückkauf ist eine Kopie des Finanzierungskonzeptes des Bürger-Bailouts.

Es geht darum, dass ein Kreditnehmer mit seinem Kredit Staatanleihen kauft und er die Zinsen für den Kredit mit der Rendite der Staatsanleihen begleicht. Der Staat kauft mit dem Erlös der Anleihen seine Anleihen am Markt (unter dem Nominalwert) zurück.

Genau das passiert beim Schuldenrückkauf. Spielt der Staat fair, macht er die Bürger zu Kreditnehmern. Vertritt der Staat die Interessen der Banken macht er die Banken zu Kreditnehmern.

Der griechische Staat macht die Banken zu Kreditnehmern: Der Staat legt kurzfristige Anleihen (T-Bills) auf und die Banken kaufen mit Kreditgeld der Steuerzahler (EFSF, ESM bzw. der Notenbank) die T-Bills. Mit der Rendite der T-Bills zahlen die Banken die Kreditzinsen. Der Staat kauft mit dem Erlös der kurzfristigen Anleihen die langfristigen Anleihen unter dem Nominalwert zurück.

Das ist exakt das Finanzierungsmodell des Bürger-Bailouts.

Natürlich habe ich nicht die Banken sondern die Bürger zu den Kreditnehmern gemacht. Das hat den Vorteil, dass der Staat nach der Umschuldung schuldenfrei ist, weil er nur mehr bei den Bürgern verschuldet ist und die Zinsen der Staatsschulden mit Steuergeld der Steuerzahler bezahlt werden. Es entsteht ein Umlagesystem, das den Staat von den Märkten unabhängig macht.

http://niveus.at/umschuldung

Der Schärdinger

Die Versager der Eurogruppe werden überhaupt nichts prüfen, sondern die Gelder freigeben.
Alles ist nur blah blah, zur Beruhigung der Bevölkerung.
Wie dieser Schwachsinn weitergeht, wieder Troika,
Prüfung von angeblich allem und jedem,
Schuldenschnitt und nur desshalb, weil sonst alles fürchterlich wird.


Die österr. Steuerzahler haben ein Recht und die Politik die Pflicht zur umfassenden Information, wie z. B. was uns die Eurorettung kostet:

http://www.wienerzeitung.at/meinungen/gastkommentare/?em_cnt=507139

Re: Die österr. Steuerzahler haben ein Recht und die Politik die Pflicht zur umfassenden Information, wie z. B. was uns die Eurorettung kostet:

Ich werde Ihrem Aufruf gerne Folge leisten Hr. Cvrkal.

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