Griechen und Spanier müssen sich selbst retten wollen

12.12.2012 | 18:11 |   (Die Presse)

Die wirtschaftlichen „Erfolge“ in Südeuropa sind nur Kosmetik, den die strukturellen Probleme bleiben weiterhin ungelöst. Das Wifo fordert einen Kurswechsel.

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Wien/Auer. So wie bisher kann es nicht weitergehen. Hunderte Milliarden Euro gingen als Hilfsgelder nach Athen, Madrid und Lissabon, Löhne und Pensionen wurden gekürzt, Zigtausende verloren in Europas Krisenländern im Süden ihren Job. Der Erfolg ist bescheiden. Zwar hat sich die Wettbewerbsfähigkeit etwas gebessert und auch die Leistungsbilanz ist nicht mehr tiefrot. Doch mehr als Kosmetik war das nicht. Die Länder stecken noch tief in der Rezession, gleichzeitig steigen die Staatsschulden weiter munter an. An den tragenden Säulen der Misere hat weder Griechenland noch Portugal oder Spanien ernsthaft gerüttelt.

 

Neuer Kurs für Südeuropa

„So kommt Südeuropa nicht aus der Krise“, sagt Wifo-Chef Karl Aiginger. Die bisherigen Einsparungsprogramme seien zwar „in der Tendenz richtig, strukturell aber falsch“. Die Staaten müssten beginnen, ihre Ausgaben – ohne sie zu erhöhen – so umzuschichten, dass wieder mehr Wachstum möglich werde.

Wo dabei anzusetzen wäre, ist nicht wirklich neu: Allen voran müssen die Staaten wohl ihre verlorene Wettbewerbsfähigkeit zurückgewinnen. Eine starke Industrie fehlt ihnen schon seit Langem. Es ist kein neues Phänomen, dass griechische Unternehmen auf dem Weltmarkt nicht mehr so erfolgreich sind wie vor zwanzig Jahren. Und auch Spanien hat seine strukturell hohe Jugendarbeitslosigkeit nur durch die Immobilienblase rund um die Jahrtausendwende kurzfristig überdecken können. Die Arbeitskosten in Spanien, Portugal und Griechenland stiegen deutlich schneller als im Rest Europas, und was viel schlimmer wiegt: Die Produktivität konnte damit einfach nicht Schritt halten. Griechen und Spanier haben immer mehr verdient, obwohl sie im Grunde nicht vom Fleck kamen.

Auch den Politikern und Ökonomen in den Ländern waren diese Probleme wohlbekannt. Doch in einer Ära, in der die Regierungen Kredite beinahe zum Nulltarif nachgeworfen bekamen, war es leicht, beide Augen zu zu drücken.

Nicht, dass sich in den vergangenen Jahren nichts getan hätte. Seit 2008 sind die Lohnkosten stärker gesunken, als sie in den acht Jahren zuvor gestiegen sind. Die Wettbewerbsfähigkeit hat sich verbessert. Aber die Erfolge stehen auf tönernen Beinen. Denn ihre Produktivität konnten die Unternehmen nicht stärken.

Aiginger schlägt nun einen neuen Kurs für die Krisenstaaten vor. Dafür hat sich das Wifo angesehen, welche Regionen in Europa bisher den Aufstieg von ganz unten bis an die Spitze geschafft haben – und warum. Viele haben die Ökonomen nicht gefunden. Nur sieben haben das in den letzten zwanzig Jahren geschafft. Etwa Mittelböhmen oder auch Niederösterreich.

 

60 Prozent „Bewahrer“

Die Lösung war stets dieselbe: Nicht die „Zentrale“, sondern die Betroffenen selbst müssten den Wechsel anstoßen, Ziele formulieren und auch verfolgen. Vorgaben von außen bringen wenig Erfolg und bieten lediglich lokalen Politikern einen willkommenen Sündenbock. Tipps, wie Griechenland, Spanien und Portugal – mit internationalem Kapital – vorankämen, gibt es genug: Steuern müssten tatsächlich bezahlt, der brachliegende Energiesektor in Griechenland wiederbelebt und die Häfen stärker als Knotenpunkt für den internationalen Handel genutzt werden. Bleibt die Frage, warum aus Athen, Madrid und Lissabon keine Visionen für die Krisenländer zu hören sind.

Am mangelnden Druck liege es nicht, so Aiginger. Zwar drücke die EZB auch heute die Zinsen für die Staaten, doch die Wirtschaftskrise allein sei Grund genug, sich zu verändern. Die Ursache für den fehlenden Reformwillen könnte tiefer verwurzelt sein. So schätzen griechische Ökonmen zwar, dass 40 Prozent ihrer Landsleute in allen Institutionen einen Kurswechsel wollen. 60 Prozent seien aber Bewahrer des Status quo. Und die sind offenbar an der Macht.

„Die Mutigen werden Griechenland retten“, hat der griechische Regierungschef Antonis Samaris jüngst im TV verkündet. Sich selbst hat er damit wohl nicht gemeint.

Auf einen Blick

Das Wifo hat im Rahmen des von der EU-Kommission geförderten vierjährigen Forschungsprojektes „Welfare, Wealth and Work for Europe“ ein Forschungspapier zur Krisenbewältigung in Südeuropa erarbeitet.

Das Geld aus Brüssel sei zwar wichtig, solange die Länder selbst aber keinen Plan für sich selbst entwerfen und auch umsetzen, bringe das herzlich wenig.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.12.2012)

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10 Kommentare

Monopolpolitik

Wenn sich gewisse Monopolisten aus gewissen Ländern die ganzen Betriebe unterm Nagel reissen (aufkaufen/Investieren/durch Knebelverträge abwürgen), dann bleibt für die ärmeren Länder logischerweise weniger übrig, weil die Gewinne zu denen Monopolisten fliessen, ....... "die sich um das Menschliche wohl sorgen, und alles >>gerecht<< verteilen."

Re:

Den Spruch "Leben und Leben lassen" hat es wirtschaftlich gesehen noch gar nie gegeben.
Zuerst drückt man den Staaten irgendwelche Kredite aufs Auge und danach sollen sie zu sehen wie sie klar kommen.

Die Gelder die von der EU verliehen wurden sind nichts anderes als ein Tropfen am Heissen stein, besser wäre es gewesen direkt die Aufträge (Arbeit) zu verteilen, .....

Waren sie vor 20 Jahren?

"Es ist kein neues Phänomen, dass griechische Unternehmen auf dem Weltmarkt nicht mehr so erfolgreich sind wie vor zwanzig Jahren."

Re: Waren sie vor 20 Jahren?

Nach dem Euro-Beitritt bekam Griechenland "Kredite fast zum Nulltarif" nachgeworfen, weil die Spekulanten sicher waren, dass die andern Europäer dafür haften würden.
Die Folge war eine enorme Geldschwemme in Griechenland, die Preise stiegen um 50 %, die Gehälter der Staatsangestellten sogar um 60 %. Zu diesen Preisen kann Griechenland kaum mehr etwas verkaufen, die Wettbewerbsfähigkeit brach total zusammen!
Die EU-Auflagen erzwangen in der Erwartung, dass dann die Preise sofort wieder sinken würden, eine erhebliche Kürzung von Löhnen und Pensionen. Das ist allerdings nicht im erwarteten Ausmaß eingetreten, die Wettbewerbsfähigkeit wurde nicht wieder hergestellt, aber die Bevölkerung ist dadurch total verarmt, wodurch gefährlicher sozialer Sprengstoff erzeugt wurde!

Ich fass es nicht, es gibt ja doch noch Verstand. Endlich haben sie den Wald verlassen.

Notwendig ist jetzt noch die Erkenntnis, dass der Euro gescheitert ist, dass auch eine Bankenunion mit Monsterapparat nur den Korrupten dient, dass eine weitere Zentralisierung der EU eine Katastrophe ist, dass die EZB mit falschen Mehrheiten ausgestattet ist, dass Korruption und Organisierte Kriminalität einen guten Teil der Krise ausmachen.
Eigenverantwortung, Eigeninitiative und klare Grenzen sind der Schlüssel.

http://www.conwutatio.at/index.php?option=com_content&view=article&id=98:euro-euro-ueber-alles&catid=5:europa

http://www.welt.de/politik/ausland/article111973327/Ex-Premier-erhaelt-Geld-fuer-seelische-Schaeden.html

Die Kaputtsparkonzepte Marke IWF und Merkel verschärfen nur die Krise in Südeuropa.

Spanien versinkt in der Rezession. Die Arbeitslosigkeit hört nicht auf zu steigen. Der Staat, der vor der Krise wesentlich weniger verschuldet war als Lehrmeister Deutschland, droht unter der hohen Zinslast zusammenzubrechen. Alle Programme aus Brüssel lassen auf sich warten. Eine Direktfinanzierung der angeschlagenen Banken ist genauso Zukunftsmusik wie der versprochene Aufkauf von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank oder ein großer Wachstumspakt.
Europa versagt auf ganzer Linie. Die Disziplin, mit der sich der Süden totspart, grenzt schon an Selbstkasteiung. Wer glaubt, dass dies der Weg aus der Krise ist, irrt. Es ist nur eine Frage von sehr wenig Zeit, bis die Rezession auch den Oberlehrer Deutschland sowie dessen treues Gefolge von Österreich bis nach Skandinavien erreicht. Doch dann ist es zum Umdenken wahrscheinlich zu spät. (aus DER STANDARD 20120928)
Die Länder brauchen Wachstum. Das funktioniert nur mit einem Ausstieg aus dem Euro. Dann kann die Währungskorrektur erfolgen. Dann ist auch Wachstum wieder möglich.
Erfolgt die Korrektur nicht gibt es nur den Weg einer Transferunion. Das ist politisch aber kaum durchsetzbar.
Ohne entschlossene Korrekturmaßnahmen wird der Euro zerbrechen.
Werner Sinn hat es im Handelsblatt am 27.09.2012 gesagt: Die Eurorettung ist total schief gelaufen.


Re: Die Kaputtsparkonzepte Marke IWF und Merkel verschärfen nur die Krise in Südeuropa.

Dass die streikfreudigen Südeuropäer ständig weit überzogene Lohnforderungen durchsetzen, die regelmäßige Währungsabwertungen nötig machen, um nichr die Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren, das hätte man auch schon vorher wissen müssen.
Mit dem Euro geht das nicht mehr und der naive Glaube, dass sich die Südeuropäer, wenn sie erst den Euro haben, so verhalten werden, wie die weiter nördlich lebenden Bürger, hat sich als fataler Fehler erwiesen. Die Mentalität ändert sich nicht, die Wettbewerbsfähigkeit wird im Süden immer schlechter, die Staaten müssen mehr Schulden machen denn je, um das Volk vor der Verarmung zu bewahren!
Nicht nur die Aufnahme Griechenlands in den Euroraum war eine "Todsünde" (@Theo Waigel), sondern auch die anderer Südeuropäer! Der Euro für alle erzwingt dauernde Hilfszahlungen vom Norden in den Süden, was auf Dauer für die Einen genau so wie für die Anderen unerträglich ist!
Der Euro kann nur überleben, wenn er sich auf jene Staaten beschränkt, die eine kompatible Finanz- und Wirtschaftspolitik machen.
"Vergemeinschaftung" wird nie funktionieren, Nord- und Südeuropäer werden niemals auf gleiche Art leben wollen!


Griechen und Spanier müssen sich selbst retten wollen

den letzten Satz kann man nur unterstreichen. Weder Politiker noch irgendwelche Banken noch die EU können einen Staat retten.
Einen Staat retten kann nur das Volk selbst.
Politik und Wirtschaftpolitik fängt da an, wo das Geld aufhört. Politiker können nur Geld verkaufen, wenn kein Geld mehr da ist, dann sind sie mit ihrem Latein am Ende.
Die Währung EURO hat die Politiker blind gemacht vor der im Hintergrund weiterlaufenden Inflation ihrer eigenen Währung- Eine eigene Währung braucht ein Staat sonst ist er kein Staat mehr. Die eigene Währung und dessen Stabilität, ist der einzige Beweis der Leistungsfähigkeit des Volkes.
Die Gesetze gehören einfach definiert damit sie jeder einhalten kann.
Die geistige Kraft des Volkes wieder-holen!!!!!
Mittelmäßigkeit und Vermassung des Volkes ausschalten.
Jede Volksgruppe , ob Hilfsarbeiter -Arbeiter-Bauer-oder Akademiker wieder ins Parlament damit wieder Hausverstand einkehrt.
Ich habe einen sehr schönen Artikel gelesen über Anton Benya, er zählte zu den Edelroten. Er hat nur die Bürgerschule besucht, aber die war besser als die heutigen Schulen. Das Beispiel mit der Wurstsemmel und dem Bier zeigt eindrucksvoll seinen logischen Hausverstand.
Man sollte sich schon einmal schlau machen, die Zeiten kommen wieder !!


interventionismus ist klaeglich zum scheitern verurteilt

und schuert "unmut" auf beiden seiten, von den helfern und denen, denen geholfen wird.

Wollen sie das?

So lange WIR sie mit unserem Steuergeld sanieren darf das bezweifelt werden!

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