Standard & Poor's stuft Griechenland kräftig herauf

18.12.2012 | 20:28 |   (DiePresse.com)

Die Ratingagentur hebt die Kreditwürdigkeit gleich um sechs Stufen an. Grund sei die Entschlossenheit der Euro-Partner, das Land in der Währungszone zu behalten.

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Der Schuldenrückkauf Griechenlands ist geglückt, die Auszahlung der milliardenschweren Notkredite ist genehmigt. Jetzt machen die Bonitätswächter von S&P ihre Ankündigung wahr und heben Athens Kreditwürdigkeit wieder an.

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Die Ratingagentur Standard & Poor's hat die Kreditwürdigkeit Griechenlands nach dem erfolgreichen Anleihenrückkauf um sechs Stufen angehoben. Die Bewertung erhöhe sich von einem teilweisen Zahlungsausfall ("SD") auf "B-", teilte die Agentur am Dienstagabend mit. Dies entspricht einer spekulativen Anlage. Der Ausblick sei stabil.

S&P begründete den Schritt mit der starken Bestrebung der Euro-Partner, das Land in der gemeinsamen Währungszone zu halten. Athen hatte zuletzt Anleihen im Volumen von mehr als 30 Mrd. Euro am Markt aufgekauft. Erst vergangene Woche hatten die Euro-Finanzminister nach monatelanger Hängepartie 49,1 Milliarden Euro an Notkrediten endgültig freigegeben.

S&P hatte Griechenland wegen des Schuldenrückkaufs Anfang Dezember herabgestuft, weil es dieses Vorgehen als teilweisen Zahlungsausfall bewertet. Die Note für die Kreditwürdigkeit des Landes wurde seinerzeit von "CCC" auf "SD" gesenkt. Damals hatte die Agentur aber angekündigt, die Bewertung für den Fall eines geglückten Rückkaufs wieder zu erhöhen.

Griechenland hatte mit dem Abschluss dieser Aktion den Weg für die Hilfsmilliarden freigemacht. Mit dem Rückkauf von alten Staatsanleihen über 31,9 Milliarden Euro reduzierte Athen seine Schuldenlast auf einen Schlag um rund 20 Milliarden Euro. Viele Anleger wollten ihre Papiere, deren Wert in den vergangenen Jahren rasant gesunken war, zu akzeptablen Preisen von 30 bis 40 Prozent des Nennwertes zurückgeben.

Insgesamt sehen die internationalen Geldgeber für die Rettung Griechenlands vor dem Staatsbankrott aber große Risiken. In ihrem in Brüssel veröffentlichten Bericht äußert die Troika aus Europäischer Zentralbank (EZB), EU-Kommission und Internationalem Währungsfonds (IWF) Zweifel daran, dass Athen tatsächlich seinen Verpflichtungen nachkommt und die zugesagten Reformen verwirklicht. "Die Risiken für die Umsetzung des Programms bleiben sehr hoch", heißt es. Probleme könnten durch die brüchige Regierungskoalition und den politischen Widerstand gegen manche Vorhaben entstehen. Die milliardenschweren Notkredite sollten dennoch wie geplant an Athen fließen.

Aus Protest gegen geplante Entlassungen wollen die Staatsbediensteten morgen Mittwoch in Griechenland streiken. Schulen, Ministerien und Steuerämter sowie die Behörden der Städte sollen geschlossen bleiben. Auch Züge werden nicht fahren, wie die Gewerkschaft des öffentlichen Dienstes ADEDY mitteilte. Das Motto laute: "Entweder Du kämpfst oder Du wirst entlassen". Im Zuge der Einsparungen sollen in den nächsten Jahren rund 150.000 Staatsbedienstete gehen.

Bereits seit Montag behandeln die Ärzte Patienten der staatlichen Krankenkassen nur gegen Barzahlung. Der Staat schuldet ihnen nach Angaben ihrer Gewerkschaft mehrere Millionen Euro. Schon seit zwei Wochen geben die griechischen Apotheker Medikamente nur noch gegen Bargeld aus. Hintergrund ist auch hier, dass die staatlichen Krankenkassen ihre Schulden bei den Apothekern seit Monaten nicht bezahlt haben sollen. Auch die Müllabfuhr streikt in vielen Städten des Landes.

 

(APA/AFP)

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69 Kommentare
 
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So funktioniert die Eurozone! (Das nennt man Soilidarität)

Andere Euroländer werden abgewertet weil sie Mrd. ihres Steuergeldes nach Griechenland schicken, die Griechen bekommen im Gegenzug eine starke Aufwertung.

Da facto ist Griechenland ja von der EU pragmatisiert worden....

und Pragmatisierte haben solange beste Bonität, als ihre Chefs (die Deutschen) gut bei Kasse sind.

Re: Da facto ist Griechenland ja von der EU pragmatisiert worden....

Jede Privatperson stünde wegen Konkursverschleppung vor dem Richter!

1 0

da hat HALT

GRIECHENland (mit unseren Geldern) seine Schulden bei den Raten-Agenturen bezahlt.
Bei der nächsten EU-Spende wird es j AAAA.

Wie bitte ?

"Aus Protest gegen geplante Entlassungen wollen die Staatsbediensteten morgen Mittwoch in Griechenland streiken."

Sicher wieder mit Merkel als Hitler auf zornig hochgehaltenen Plakaten.

DAS nenne ich aufrichtigen Dank. Ein wirklich großartiger Beweis echter Lernfähigkeit ...

Standard & Poor's stuft Griechenland kräftig herauf

Da hat aber die EU kräftig intervenieren müssen, anders kann ich mir das nicht vorstellen.

Die wahren Kosten der Umschuldung werden verschleiert.

Der Schuldenrückkauf wurde vom EFSF (Steuerzahlerhaftungen) finanziert. Der griechische Staat wäre ohne weitere Hilfskredite der Rettungsschirme (Steuerzahler) nicht in der Lage die Kosten der Umschuldung zu tragen, das heißt, seine Umschuldungskredite (T-Bills) zu bedienen.

Die T-Bills wurden von griechischen Banken auf Kredit gekauft. Kreditgeber war der EFSF. Der EFSF hat kein Eigenkapital und hat sich am Anleihemarkt mit Haftungen finanziert.

Zahlt Griechenland oder die griechischen Banken ihre Schulden nicht, kann der EFSF seine Anleihen nicht bedienen. Dies würde bedeuten, dass der Rettungsschirm EFSF gerettet werden muss, mit Haftungen, die der Steuerzahler gegenüber dem EFSF eingegangen ist.

Tatsächlich ist Griechenland nicht einmal in der Lage die Kosten der Umschuldung zu bezahlen (die T-Bills zu bedienen). Also beschloss man Griechenland weiter Kredite zu geben, damit die Haftungen nicht fällig werden und der finale System-Kurzschluss (noch) nicht eintritt.

Info: Weißbuch Niveus, Bürger-Bailout (direkte Links werden leider zensiert)

Frau Merkel holt aus Europa das Beste für Deutschland heraus

Langsam glaube ich, sie hat auch den Sarkozy über den Tisch gezogen, denn am meisten Rettungsgelder sind nach Deutschland geflossen.
Wenn reiche Griechen ihr Geld nach Deutschland retten ("Reiche Südeuropäer fürchten um ihre Ersparnisse" Spiegel.de) fragt Frau Merkel nicht ob es in Griechenland versteuert wurde.
In Berlin und Hamburg wird man schnell mit Schwarzarbeitern aus dem Oststaaten ein paar neue Luxusimmobilien bauen um den armen Südeuropäern ihre Wünsche zu erfüllen.
Die Deutsche-Bank wird Kredite nach Griechenland vergeben, denn sie wissen Frau Merkel lenkt die Eurozone so, dass das Geld auch sicher wieder mit hohen Zinsen in Deutschland landet.

Ist wohl taktisch

begründet, das GR gleich 6 Stufen besser gestellt wird.
Ich würde sagen, die RatingGurus sind der Meinung das aus GR das Maximale herausgeholt wurde. Nun bewertet man Sie besser was die Schuldenaufnahmen von GR wieder erleichtert und das ist Kritisch.
Ausserdem wollte die EU solangsam keine Rettungsgelder mehr locker machen.
Also wertet man GR auf und wendet sich anderen Ländern zu. Für die GR Rettung haben die €Länder ja NEUE SCHULDEN gemacht die erstmal bleiben.
Wertet man nun z.b. ESP, FR usw soweit ab das die unter der Rettungsschirm müssen, dann wird die EU NOCH MEHR neue SCHULDEN aufnehmen.

Sogesehen treibt man den gesamten €*Raum mittels ESM/EFSF in die ultimative Überschuldung. Das beste an ESM/EFSF aus Spekulanten Sicht ist ja das man zweigleisig fahren kann da ja ESM/EFSF ja nicht nur Staaten sondern auch Banken mit EU-Steuergeldern rettet und damit die Überschuldung des gesamten €-Raums nur eine Frage der Zeit ist.

Also mal sehen wie es 2013 weitergeht. Ich wette einer der großen FR, ESP oder I wird abgewertet und in Schwierigkeiten gebracht. Ich tippe auf FR.

Re: Ist wohl taktisch

Ich tippe auf Ö.
Kurz nach der Wahl kommt es zu einem Kassasturz und dann fällt nur mehr die Garantiebescheinigung der ÖBB raus.

Das ist kein Scherz!

mal übersetzen ;)

standard & poor = Durchschnitt und Arm

moody = launisch

fitch = Iltis

na wer denen vertraut, ist sicher selber schuld.

na wer denen vertraut, ist sicher selber schuld

Oder - glauben Sie´s oder nicht - gesetzlich (d.h. vom Staat) dazu verpflichtet.

mal übersetzen:


Wahnsinn

da werde ich gleich meine Ersparnisse in Griechenland Anleihen anlegen. Hand aufs Herz, bei meiner Seel!

Ratingagenturen

sind der Schwindel des Jahrtausends.

4 2

mit diesem hinauf-hinunter raten

kann man natuerlich eine masse geld machen, wenn man weiss, was der naechste spruch sein wird. waeren die verschwenderstaaten nicht dermassen den banken hoerig, waere das aber alles kein problem.

Damit ist das Schicksal vom Euroraum

mit dem von Griechenland verkoppelt! Wer möchte jetzt aussteigen?

Re: Damit ist das Schicksal vom Euroraum

Da diese Art der Verkoppelung letztendlich in einer "offiziellen" Transferunion mit überbordender Verwaltung mündet, ich.

Denn es ist nie zu spät eine Fehlentwicklung, so sehe ich eine solche EURO-Transferunion und interpretiere die dazu geschlossenen und noch immer geltenden Verträge (Maastricht) dem Sinn nach, zu korrigieren. Zumindest so lange nicht, als man noch (immer) in der Lage dazu ist.

schönen guten morgen, frau merkel!

wie war das gleich 2010, als das gr-problem evident wurde?
wurde da einigkeit, geschlossenheit und geschwindigkeit demonstriert (also das, was internationale anleger beeindruckt)?
oder haben SIE auf der bremse gestanden und monatelang blockiert, weil in NRW ja zuerst gewählt werden musste? eine wahl, die ihre partei dennoch glorios verloren hat...

eine schnelle und entschlossene reaktion der eu (statt verspätet und zizerlweise) hätte nicht milliarden an zusätzlichen zinsen in die börsen von spekulanten gespült, sondern diese wären den griechen und damit UNS verblieben!

schön, dass sie als europas 'muttchen' noch die kurve gekratzt haben.
noch schöner und mit einem milliarden-profit verbunden wäre es gewesen, wenn das rechtzeitig erfolgt wäre ohne billiges (und eh erfolgloses) schielen auf ein paar wählerstimmen.

Re: schönen guten morgen, frau merkel!

Sie haben wohl nicht mitbekommen, dass die ganze Entwicklung entstanden ist, weil Merkel gebremst hat.

Frankreich hätte einfach Geld reingepumpt. Der Rückkauf wäre nie in Betracht gezogen worden, weil Sparen kein Thema gewesen wäre.

Für den Rückkauf mußte man aufgestellt sein, Das haben die Griechen gemacht, sie wurden vorbereitet, mußten streiten und kämpfen, ernten aber jetzt ihre Früchte.

Glauben sie wirklich, dass die Meldung hier stehen würden, wenn die Griechen sich nur weiter mit dem Geld der anderen weitergewurschtelt hätten?

Die Effekte in Griechenland sind entstanden, weil das harte "Training" erste Früchte zeigt. Und ja Merkel ist hart und ein Glück dass sie die Mannschaft wieder auf Vordermann bringt.

Glauben sie dass das Großmaul Sarkozy oder die Gießkanne Hollande, oder die Grinsekatze FaySpindi das irgendwie hinbringen würden.
Die haben nicht verstanden, dass man die Scherben, die man verursacht hat, zuerst wegputzen muß.

Und es gibt jetzt noch ein Problem:
Die EZB druckt noch immer Geld um Hollande und Faymann und die anderen zu finanzieren.
Leider kann sich Merkel hier nicht durchsetzen. Warum nicht? Weil die Regierungschefs hier nicht sagen können: Die anderen sind Schuld.

Re: Re: Die Effekte in Griechenland sind entstanden

weil die EURO-Länder Milliarden dort hineingepumpt haben, und ununterbrochen ankündigen das auch weiter ohne Limit tun zu wollen. Dazu kommt die EZB mit direkter Subventionierung (halbwegs vor den Augen der Öffentlichkeit verborgen) der GR-Banken. Der bisherige "Eigenanteil" von GR an dieser Situation ist minimal, denn die würden bis dato keinen Null-Haushalt hinbekommen, selbst wenn sie über Nacht zinsen- und schuldenfrei wären.

Re: Re: Re: Die Effekte in Griechenland sind entstanden

Griechenland steht vor Schuldenrückzahlungen viel viel besser da als Ö.

Und das ist deren Leistung in den letzten 2-3 Jahren.
Die haben Sachen hingebracht, über die unsere Regierung nicht einmal nachdenkt.

Unsere Regierung erhöht die Pendlerpauschale, anstatt vor Schuldenrückzahlung eine positive Zahl hinzukriegen. Die Griechen haben das schon.

Re: Re: Re: Re: Die Effekte in Griechenland sind entstanden

Zitat aus Petros Makaris (ein Grieche) Buch "Zahltag":
"Der griechische Staat ist weltweit die einzige Mafia, die es geschafft hat, bankrottzugehen. Alle anderen kriminellen Vereinigungen blühen und gedeihen."

Das Österreich hier noch etwas besser steht ist wohl dem Umstand zu verdanken, dass hier mehr Steuern erwirtschaftet (der Hauptpunkt) und auch bezahlt werden, als in GR. Denn das GR, trotz der von Ihnen gerühmten "Anstrengungen" (von außen auferlegt) ohne Abermilliarden von EURO-Ländern und EZB schon jahrelang pleite wäre, sollte wohl unbestritten sein.

Re: Re: Re: Re: Re: Die Effekte in Griechenland sind entstanden

1) Ö steht nicht besser da als Griechenland. Wir rechnen derzeit nur nicht genau genug. Wir sind über 100% Verschulgungsquote (ÖBB, ASFINAG und CO muß man ja mitrechnen) und in Ö reichen die Steuereinnahmen !NICHT! für die normalen Aufwendungen des Staates;
In Griechenland seit 2 Jahren SCHON.

2) zur Mafia: Eine Mafia würde ihren "Angestellten" nie einfach Geld geben, ohne eine Gefallen zu verlangen. Außerdem wird der Chef nicht gewählt sondern hat seine Gegner früh genug umbringen lassen.
Außerdem schaut eine Mafia auf ihre Struktur und baut sie auch um, wenn das Ergebnis nicht paßt
Und es gibt Mafia-Clans/Familien die verschwunden sind/oder unwichtig geworden sind.

Den griechischen Staat würde ich jetzt nicht als Mafia bezeichnen (auch wenn ein "Volkswirtschriftsteller" es treffender nicht ausdrücken könnte).
Dass wird die Griechen als Blitzableiter nehmen, obwohl wir selbst genauso sind, ist eher das Problem und eine naive Sichtweise.

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Re: schönen guten morgen, frau merkel!

Merkel ist kein Befehlsabstempler von Baroso&Rumpoy und darf die Interessen ihrer Waehler vertreten.

mal angenommen

man würde österreichs finanzen so genau unter die lupe nehmen... wie gross wäre dann ein eventueller unterschied noch zu griechenland?

 
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