Zypern: IWF will Hilfspaket offenbar nicht mittragen

Der Weltwährungsfonds verlangt einem Medienbericht zufolge einen Schuldenschnitt. Sonst will er das Hilfspaket der Euroländer nicht mittragen.

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Zypern: Kommt das Geld bald aus Russland? – EPA

Der Internationale Währungsfonds (IWF) ist einem Zeitungsbericht zufolge nicht dazu bereit, das geplante Hilfspaket der Euroländer für Zypern in der bisher diskutierten Form mitzutragen. Der IWF verlange einen Teilerlass der zypriotischen Staatsschulden ähnlich dem bereits erfolgreich umgesetzten Forderungsverzicht privater Gläubiger für Griechenland, berichtete die "Süddeutsche Zeitung" vorab unter Berufung auf Verhandlungskreise. Andernfalls werde das Land auch nach Abschluss aller Reformen nicht in der Lage sein, seine Zinslast zu tragen.

Der Vorschlag sei unter den Euroländern umstritten, berichtete das Blatt weiter. Während einige Regierungen einen Schuldenschnitt für Zypern befürworteten, sähen andere Euro-Staaten einen solchen Schritt skeptisch. Schließlich habe man beim erzwungenen Forderungsverzicht der privaten Banken gegenüber Griechenland stets betont, dass es bei diesem Einzelfall bleiben solle. Breche man dieses Versprechen nun, werde die gesamte Eurozone erneut an Vertrauen und damit an Kreditwürdigkeit verlieren.

"Lage wesentlich dramatischer als in Athen"

Eine Lösung ist offenbar nicht in Sicht. "Die Lage in Zypern ist wesentlich dramatischer als die in Griechenland", sagte ein ranghoher EU-Beamter der Zeitung. Für Deutschland dürfte ein Hilfspaket für Zypern ohne Beteiligung des IWF keine Option sein. So hat Kanzlerin Angela Merkel in der Vergangenheit ein Mitwirken des Fonds bei Hilfsprogrammen stets als essenziell bezeichnet. Als eine denkbare Lösung gilt dem Bericht zufolge, dass Russland fünf Milliarden Euro an den IWF überweist, der das Geld seinerseits nach Nikosia weiter reicht. Damit bliebe der Fonds formal an Bord, müsste aber kein eigenes Geld in die Hand nehmen. Russische Bürger haben riesige Guthaben auf zypriotischen Konten geparkt.

Zypern hatte im Sommer als drittkleinstes Mitgliedsland der Währungsunion beim Euro-Rettungsschirm ESM einen Antrag auf Notkredite in Höhe von 17,5 Milliarden Euro gestellt. Davon dürften mehr als zehn Milliarden Euro in den relativ großen Bankensektor des Landes fließen, der eng mit dem Krisenherd Griechenland verflochten ist.

>>> KARTE: Die Bonität der EU-Länder

(APA/Reuters)

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