Zypern: IWF will Hilfspaket offenbar nicht mittragen

20.12.2012 | 08:22 |   (DiePresse.com)

Der Weltwährungsfonds verlangt einem Medienbericht zufolge einen Schuldenschnitt. Sonst will er das Hilfspaket der Euroländer nicht mittragen.

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Der Internationale Währungsfonds (IWF) ist einem Zeitungsbericht zufolge nicht dazu bereit, das geplante Hilfspaket der Euroländer für Zypern in der bisher diskutierten Form mitzutragen. Der IWF verlange einen Teilerlass der zypriotischen Staatsschulden ähnlich dem bereits erfolgreich umgesetzten Forderungsverzicht privater Gläubiger für Griechenland, berichtete die "Süddeutsche Zeitung" vorab unter Berufung auf Verhandlungskreise. Andernfalls werde das Land auch nach Abschluss aller Reformen nicht in der Lage sein, seine Zinslast zu tragen.

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Der Vorschlag sei unter den Euroländern umstritten, berichtete das Blatt weiter. Während einige Regierungen einen Schuldenschnitt für Zypern befürworteten, sähen andere Euro-Staaten einen solchen Schritt skeptisch. Schließlich habe man beim erzwungenen Forderungsverzicht der privaten Banken gegenüber Griechenland stets betont, dass es bei diesem Einzelfall bleiben solle. Breche man dieses Versprechen nun, werde die gesamte Eurozone erneut an Vertrauen und damit an Kreditwürdigkeit verlieren.

"Lage wesentlich dramatischer als in Athen"

Eine Lösung ist offenbar nicht in Sicht. "Die Lage in Zypern ist wesentlich dramatischer als die in Griechenland", sagte ein ranghoher EU-Beamter der Zeitung. Für Deutschland dürfte ein Hilfspaket für Zypern ohne Beteiligung des IWF keine Option sein. So hat Kanzlerin Angela Merkel in der Vergangenheit ein Mitwirken des Fonds bei Hilfsprogrammen stets als essenziell bezeichnet. Als eine denkbare Lösung gilt dem Bericht zufolge, dass Russland fünf Milliarden Euro an den IWF überweist, der das Geld seinerseits nach Nikosia weiter reicht. Damit bliebe der Fonds formal an Bord, müsste aber kein eigenes Geld in die Hand nehmen. Russische Bürger haben riesige Guthaben auf zypriotischen Konten geparkt.

Zypern hatte im Sommer als drittkleinstes Mitgliedsland der Währungsunion beim Euro-Rettungsschirm ESM einen Antrag auf Notkredite in Höhe von 17,5 Milliarden Euro gestellt. Davon dürften mehr als zehn Milliarden Euro in den relativ großen Bankensektor des Landes fließen, der eng mit dem Krisenherd Griechenland verflochten ist.

>>> KARTE: Die Bonität der EU-Länder

(APA/Reuters)

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22 Kommentare

Beitritt zur Eurozone am 1.1.2008

Wer waren die Irrsinnigen, die den im Ruf eines Schwarzgeldparadieses stehenden Inselstaat in die Eurozone geholt haben? Man sollte diese verantwortungslosen Herrschaften nun wirklich einmal zur Rechenschaft ziehen.

Wer?

Warum wohl bestellen SPÖ+ÖVP auch Richter, Staatsanwälte, ORF und Polizei im Proporz?

"Darum wird Uwe Scheuch verurteilt und Flötl & Co freigesprochen".

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lustig gg

fragt mal die türkei die würde zypern gerne retten wollen aber die arroganz der griechen und die sturheit verhindern jegliches hilfspaket.

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Zeugnisverteilung Zypern

Schuldenkrise: Zeugnistag für Europas Pleitekandidaten 201212017

Zyperns Abschlusszeugnis 2012

• Politische Stabilität
Eine Einigung der geteilten Insel (türkisch im Norden, griechisch-zypriotisch im Süden) ist nicht in Sicht. Kommunist Christofias wird bei der Präsidentschaftswahl im Februar 2013 nicht erneut antreten, offen ist, wer an seine Stelle tritt. Die orthodoxe Kirche hat einen großen Einfluss.
Note: 4

• Umsetzung von Reformen
Der öffentliche Sektor ist aufgebläht, Christofias mied jede Reform. Die Troika will er nicht ins Land lassen, lieber lässt sich die Regierung mit einem Kredit aus Russland helfen.
Note: 6

• Sparwille
Zypern verfehlt die Maastricht-Kriterien deutlich. Das Haushaltsdefizit liegt in diesem und im kommenden Jahr bei deutlich über fünf Prozent. Dennoch lehnt Christofias ein Sparporgramm entschieden ab.
Note: 6

• Gesamtnote
Zypern hat 2012 bewiesen, dass es politisch nicht nach Westeuropa passt. Das Land ist nicht willens zu sparen und blockiert nötige Reformen. Europas Glück: Das Land ist zu klein, um die Währungsunion nachhaltig zu schaden.
Note: 5-

Verehrte Wirtschaftsredaktion, wäre es möglich ein Statement zum Thema Zypern von Faymann, Spindelegger oder Fekter zu bekommen?

Wenn die zyprischen Banken gerettet werden, dann werden russische Steuerhinterzieher und Mafiosi sich den Bauch vor Lachen halten.
Wann kehren unsere Regierer bzw. die Regierungsdarsteller endlich um und lassen unser sauer verdientes Steuergeld im eigenen Land. Griechenland und Zypern, Portugal, Spanien, Italien hängen wie Bleigewichte am Bein der zahlenden Europäer. Es muß endlich Schluß sein mit sinnlosen "Rettungsaktionen" die die Dinge nur verschlimmern.
Danke an die Redaktion für den Hinweis auf die " Süddeutsche", da werden wir wenigstens indirekt informiert.

Wahltag ist Zahltag!

SPÖ+ÖVP+Grüne im Parlament haben den ESM beschlossen und uns damit Mrd Haftungen ohne jeglicher Begrenzung für andere Schuldenländer auferlegt.

Wir können uns demnächst bei ihnen dafür bedanken.

Re: Wahltag ist Zahltag!

welche Partei wollen sie wählen die Ihnen ein anderes Ergebnis verspricht?Europa ist ein Politisches Projekt indem die Finanzpolitik von den Großbanken bestimmt wird und nicht von so Marionetten wie Hr. Faymann!

So lange wir als Wähler "keine Alternative" zu SPÖ+ÖVP wollen,

wird sich weiterhin nichts ändern.

Nur wer Veränderung wählt bekommt auch Veränderung. (Das hat uns das Volk der DDR bewiesen. Die haben sich schon vor 20 Jahren von der Mißwirtschaft mit Honecker & Co verabschiedet).


Re: So lange wir als Wähler "keine Alternative" zu SPÖ+ÖVP wollen,

absolut - damals gabe es aber noch kein Eurokorsett und keine Bankenmafia die unseren Politikern diktiert was zu tun ist...

100% richtig!

Faymann, Spindelegger und Fekter lassen sich von Brüssel diktieren und auch immer öfters über den Tisch ziehen.

In einer Debatte sagten Scholten (SPÖ) und Fischler (ÖVP): "Faymann und Spindelegge rmeinen immer öfters Merkel und Hollande machen da schon für uns.

Re: 100% richtig!

wenn man Hr. Schäuble noch hört, dass D seit dem Krieg nicht mehr souverän ist und die Leute in der nächsten Krise gezwungen werden die EU-Bankendikatatur zu akzeptieren weiss man wieviel man an der Wahlurne noch zu bestimmen hat...

das nächste Fass ohne Boden!

die armen russischen Oligarchen die ihre Kohle in Zypern haben, können sich ihre Yachten nicht mehr leisten wenn wir nicht ganz hurtig ein Bailout-Paket schnüren und es ihnen unter den Weihnachtsbaum legen...Zypern ist natürlich auch systemrelevant für die EU-DSSR...

Re: das nächste Fass ohne Boden!

Auch einige prominente Österreicher haben auf Zypern "Briefkästen" unterhalten. Oder tun es immer noch. Für steinreiche Steuerhinterzieher ist das von einem Kommunisten regierte Zypern der ideale Platz.

Mit welcher Begründung

muss der Steuerzahler (an dem bleibt´s letztendlich ja hängen) eines Hochsteuerlandes für die Schulden eines (relativen) Steuerparadieses aufkommen?

Re: Mit welcher Begründung

Ich stimme Ihnen absolut zu. Wenn ich etwas allgemeiner werden darf: Betrachtet man die Entwicklungen in Europa ganzheitlich, so muss festgestellt werden, dass zur Zeit kein Staats- und Steuermodell vorbehaltlos akzeptiert wird.

Tiefsteuerländer werden (insbesondere von politischen Entscheidungsträgern in Brüssel) zunehmend als "Steuerparadiese" und "Steueroasen" beschimpft. Eine relative Hochsteuerpolitik (Schweden) wird demgegenüber von der politischen Elite geschätzt (logisch, denn es gilt mehr Mittel zu "verwalten" oder besser: "Verlochen"), die Bürgerschaft qualifiziert diese jedoch als "kommunistisch"/"sozialistisch", womit die Glaubwürdigkeit (bisweilen gar die Legitimation) des Staatsgebildes in Frage gestellt wird. Unschöne Nebenerscheinungen wie Steuerflucht oder fehlende Zahlungsmoral sind die Folge. In Italien ist dies sehr schön zu beobachten.

Ebenso exemplarisch: Nationen mit einer tiefen Staatsverschuldungsquote werden durchaus kritisch und mit einem gewissen Argwohn betrachtet. Oft wird behauptet, dass "unredliches Gebaren" dem Erfolg zugrunde liegen dürfte. Der CH wird der (absurde) Vorwurf gemacht, durch "Schwarzgeldhandel" die Staatskassen über Jahre hinweg saniert zu haben, Deutschland wurde unlängst (von Italien aus) kritisiert, es habe sein Staatsbudget durch die enormen Handelsbilanzüberschüsse - die zu Lasten der peripheren "Sünderländer" gehen würden - ausgeglichen und lebe im Prinzip auf Kosten der Defizitländer.

Re: Re: Mit welcher Begründung

Gute Analyse!
Es wäre tatsächlich gut gewesen, die zentralen Fragen
- Welche Aufgaben hat der Staat? (und welche nicht)
- Wieviel Geld benötigt er dafür?
- Auf welche Höhe beschränkt er seine Verschuldung?
- Auf welche Sachverhalte verteilt er die Besteuerung?
etc.
europaweit einheitlich (oder zumindest sehr ähnlich) zu beantworten, bevor alle Länder ins gemeinsame Währungskorsett gezwängt werden.

Dazu hätte es aber einer Weiterführung der gesamteuropäischen Vision bedurft und politischem Vordenken (nicht Verwalten).
An alldem hat´s gefehlt und damit war die rein technische Umsetzung einer Gemeinschaftswährung politisch schmerzloser.

Den von Ihnen beschriebenen fehlenden Konsens in der aktuellen Situation zu finden, ist nochmal um Größenordnungen schwieriger. Also gehen wir auf der technischen Ebene weiter ohne zu verstehen, dass das das Gesamtproblem nicht nur nicht löst, sondern sogar vergrössert.

Re: Re: Re: Mit welcher Begründung

Besten Dank. Grundsätzlich bin ich für ein europäisches "Konkurrenzmodell". Ich denke es bringt unseren Kontinent insbesondere dann weiter, wenn wir auf eine nicht abgestimmte, uneinheitliche Steuer-, Haushalts- und Standortpolitik setzen würden. Der Wettbewerb würde spielen. Zudem könnte auf die komplett verschieden gelagerten und strukturierten Volkswirtschaften Rücksicht genommen werden. Insofern hätte sich wohl auch ein gesamteuropäischer Währungsraum erübrigen sollen.

Andererseits kann man's natürlich auch folgendermassen betrachten: Wir verheinheitlichen die europäische Steuergesetzgebund und beschränken uns auf den interkontinentalen Wettbewerb. Ich befürchte allerdings, dass - solange die Welt nicht noch wesentlich (ökonomisch) näher rückt, Europa eine Steuerwüste ausser Konkurrenz werden würde. Unser Kontinent würde an Wettbewerbs- und Innovationskraft verlieren, nicht gewinnen, wie doch so mancher "Europa Visionäre und Fundamentalisten" unentwegt zu behaupten versucht.

Re: Re: Re: Re: Mit welcher Begründung

Zusatzbemerkung: Der europäische Erfolg und Wohlstand (der Vergangenheit) basiert im Wesentlichen auf der jahrhundertealten Konkurrenz zwischen den Regionen und Nationalstaaten innerhalb unseres Kontinentes.

Ein Lesetipp dazu: Niall Ferguson, der Westen und der Rest der Welt.

Sollte ich Sie vor Weihnachten nicht mehr auffinden können: Ich wünsche Ihnen eine besinnliche, erholsame Weihnachtszeit. Genissen Sie die (möglicherweise) ruhigsten Tage des Jahres.

Liebe Grüsse, Kollege Helvetier.

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Frankreich ...


... wird schon dafür sorgen, dass die Zyprioten die Euro-Kohle bekommen (als Dank für Gas-Bohrrechte für Total).

Dank dieser können dann die zypriotischen Beamten auch weiterhin fürstlich entlohnt werden (Ø 46.700 Euro p.a.).

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welches

"ZIPPERN!? griechisches (EU) türkisches ? SONSTIGES?? echt E(inig) U(nnötig).

Zypern ist zwar nicht die einzige Sünde der EU,

aber eine grosse Sünde! Zypern ist geteilt und eine Lösung ist nicht in Sicht. Der Teil, der die Vereinigung verhindert hat, wurde für damaliges Verstaendnis mit der EU-Mitgliedschaft belohnt. Dieser Teil hat aber Russland indirekt an den EU-Entscheidungen beteiligt. Russische Bürger mit spekulativem Geld darf in der EU, durch die Staatsangehörigkeit von Zypern, überalll reisen und unter anderem Geldwaesche betreiben.
Jetzt möchte die EU diese Schwarzgelder ersetzen! Toll... Alles für eine Christenunion!

Nach dem Griechenlanddesaster folgt Zypern

Nicht nur Griechenland, Zypern sondern auch Portugal, Spanien und Belgien sind bankrott und die Grande Nation steht kurz vor dem Abgrund. Wenn alle gerettet sind, ist auch Österreich pleite. Das Volk hat ein Recht und die Politik die Pflicht zur vollständigen Information.

Rund 4 Jahre Krisenbewältigung durch die Machthaber und heute stehen die EU-Staaten schlechter da als 2008, womit wohl die Vergemeinschaftung der Schulden sich letzten Endes als falsches, jedoch für die Steuerzahler überaus teures Konzept herausstellt.

http://www.wienerzeitung.at/meinungen/gastkommentare/507139_Die-Todsuenden-der-Politik.html

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