Eurokrise: Experten sehen kein Ende

26.12.2012 | 18:05 |   (Die Presse)

Wirtschaftsexperten fürchten, dass die Staatsschuldenkrise im Euroraum noch lange nicht überwunden ist. Der EU-Parlamentspräsident will Steuerflucht bekämpfen.

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Brüssel/Ag./Red. Die Finanzmärkte haben sich beruhigt, nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) angekündigt hat, notfalls unbegrenzt Staatsanleihen zu kaufen. Mitte Dezember brachten die Finanzminister der EU die Bankenunion auf den Weg. Viele Politiker verknüpften dies mit der Hoffnung, dass die wirtschaftliche Talsohle nun endgültig durchschritten sei. „Das Schlimmste liegt nun hinter uns“, sagte etwa EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy. Viele namhafte Ökonomen können sich dieser Meinung allerdings nicht anschließen. Eine Umfrage der Deutschen Presse Agentur unter Wirtschaftsexperten ergab nun: Die Euro-Schuldenkrise ist längst noch nicht überwunden.

„Da noch keine vernünftige Lösung für die ursächlichen Probleme gefunden worden ist, kann eine erneute Eskalation nicht ausgeschlossen werden“, sagte etwa Oliver Holtemöller vom Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). Er räumt ein, dass die Ankündigung der EZB, Staatsanleihen der Krisenländer zu kaufen, „zumindest kurzfristig“ eine Verschärfung verhindere.

Auch Dennis Snower vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel (IfW) meint: „Die Euro-Schuldenkrise ist noch immer nicht überwunden.“ Er ortet eine „fehlende Nachhaltigkeit in der Fiskal- und Geldpolitik“.

Fast alle befragten Ökonomen und Wirtschaftsexperten Deutschlands sind mit voreiligen Prognosen sehr zurückhaltend. Vorsichtig optimistisch äußerte sich Hans Heinrich Driftmann vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Der Arbeitgebervertreter sagte: „Die Eurozone kommt im nächsten Jahr langsam aus der Rezession. Viele Länder sparen und reformieren derzeit kräftig. Klar ist aber auch: Die Anstrengungen verlangen den Menschen und der Politik in den Krisenländern viel ab.“

 

Heuer schrumpft die Wirtschaft

Für den Präsidenten des Europaparlaments, den deutschen SPD-Politiker Martin Schulz, ist die beim jüngsten EU-Gipfel beschlossene Bankenunion „ein Schritt in die richtige Richtung“. Doch nach wie vor gebe es „keine schlüssige Entscheidung“ über eine wirkliche Wirtschaftsregierung. Die zentrale Frage sei, wie eine echte wirtschaftliche Koordinierung in der Eurozone und in der gesamten EU aussehen solle.

Laut Berechnungen der EU-Kommission wird das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in der EU heuer um 0,3, im Euroraum um 0,4 Prozent schrumpfen. Für das kommende Jahr gehen die Experten in ihrer Herbstprognose EU-weit von einem schwachen Wachstum von 0,4 Prozent und im Euroraum von 0,1 Prozent aus. Erst Ende 2013 soll die Wirtschaft wieder Fahrt aufnehmen. Für 2014 wagt die EU-Kommission eine Prognose von plus 1,6 Prozent (EU-weit) und plus 1,4 Prozent (Eurozone).

In Österreich erwarten die führenden Institute Wifo und IHS im kommenden Jahr ein Wachstum von einem bzw. 0,8 Prozent. 2014 sehen die Experten beider Häuser ein Wirtschaftswachstum von 1,8 Prozent. Heuer dürfte die heimische Wirtschaft hingegen nur um 0,6 bis 0,7 Prozent wachsen.

Im Gespräch mit der französischen Nachrichtenagentur AFP plädierte der Präsident des EU-Parlaments, Schulz, für eine härtere Gangart gegen Steuerflucht und „bestimmte Spekulationen“, bei denen die Gewinne zwar privat seien, die Verluste aber der gesamten Gesellschaft aufgebürdet würden.

In Anspielung auf den Friedensnobelpreis für die EU meinte der SPD-Politiker kritisch: Jüngere Menschen seien nicht „mit den Erfolgen der EU im 20. Jahrhundert“ zu gewinnen. „Diese Erfolge bringen unseren Kindern keine Arbeitsplätze.“

 

Lagarde warnt Schäuble

Vor einem übertriebenen Spareifer Deutschlands warnte IWF-Chefin Christine Lagarde ihren „Freund“, Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Die größte Volkswirtschaft Europas wird als Lokomotive beim Weg aus der Krise gebraucht. Die Bundesregierung könne es „sich leisten, bei der Konsolidierung etwas langsamer vorzugehen als andere“, sagte Lagarde der „Zeit“. Damit könnten die wachstumsdämpfenden Effekte abgefedert werden, die von den Krisenländern Griechenland, Italien, Spanien und Portugal ausgehen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.12.2012)

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25 Kommentare
 
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detail zum euro am rande

schon die stückelung der banknoten und münzen war von anfang an ein murks. allein daran sieht man schon die inkompetenz, wenn nicht dummheit der banker.

Der Anfang vom Übel war,

Das Zins und Zinseszins Systhem.Darum sind die österreichischen Erwebstätigen jährlich mit EUR 1.964 für Zinsen dem österreichischen Staate schuldig; das heißt ein Monat Sklavenarbeit für die Großbanken.
Staatsschulden 1970 EUR 3.421.000.000
" 1980 EUR 27.002.000.000
" 1990 EUR 76.518.000.000
" 2000 EUR 137.994.000.000
" 2010 EUR 205.576.000.000
" 2012 EUR 227.571.125.971

Das Zins und Zinseszinssystem. Jeder Erwerbstätige ist jährlich dem Staat EUR 1.964
an Zinsen schuldig, dazu kommen noch Zinsen für die Privatschulden;das heißt Sklavenarbeit für ein Monat für die Finanzkonzerne. Das Schulden machen begann schon 1973 unter Kreisky.
Schuldenstand EUR
1970 3.421.000.000
1980 27.002.000.000
1990 76.002.000.000
2000 137.994.000.000
2010 205.576.000.000
2012 227.571.125.971

Grichenland,Spanien, Italien usw. sind noch höher Verschuldet, darum ist der Zusammenbruch dieses Lügengebeudes nicht aufzuhalten. Sind diese sogenannten Fachleute, nur Lügner oder leiden sie an Demenz.

Brecht endlich die "Zinsherrschaft" nur das führt aus der Kriese.


Querdenker sagt:

aber der Schäuble hat doch treuherzig vorgetragen, dass die krise vorbei sei. und er sieht sogar Wachstum, sagt er. also irgendwie muß sich da einer irren, oder wir werden pausenlos und rotzfrech angelogen.

Man sollte allen wieder ihre alten Währungen zurückgeben und gleichzeitig den Euro behalten - nur die Wechselkurse zum Euro sollten variieren dürfen.


Re: Man sollte allen wieder ihre alten Währungen zurückgeben und gleichzeitig den Euro behalten - nur die Wechselkurse zum Euro sollten variieren dürfen.

Aber die Schulden Bleiben

Re: Man sollte allen wieder ihre alten Währungen zurückgeben und gleichzeitig den Euro behalten - nur die Wechselkurse zum Euro sollten variieren dürfen.

super Idee!!
2 Währungen im Land stehen zueinander in Konkurrenz. Die Bessere setzt sich durch.
Die Griechen werden ihre Euro zum sparen und die Drachme zum ausgeben verwenden. Gewisse werthaltige, ausländische Güter werden sie auch nur in Euro bekommen.

Aber das Wichtigste!
Nur so kann Kapitalflucht und Währungschaos im Euroraum unterbunden und die Konkurrenzfähigkeit wieder hergestellt werden.


Re: Re: Man sollte allen wieder ihre alten Währungen zurückgeben und gleichzeitig den Euro behalten - nur die Wechselkurse zum Euro sollten variieren dürfen.

2 Währungen im Land wirken wie eine Disziplinierungspeitsche.

Die Griechen dürfen es nicht zu liederlich treiben, sonst verlieren ihre Drachme zu viel Wert gegen die eigenen Euro.

Die Deutschen werden anders herum ihre neue Mark sparen und mit Euro zahlen.

Spart die schwäbische Hausfrau zuviel (Artikel von Herrn Keuschnigg), so werden die Deutschen auch bestraft, weil ihre Mark zu stark gegen ihre Euro aufwertet.


was jetzt?

in 3 Jahren gehts aufwärta- vor 3 Jahren gings abwärts - jetzt gehts irgendwo , und dann sind wir froh.

Experten

Die Experten tagen, die Experten sagen, die Experten wollen, die Experten wissen. Wer sind diese Experten ?

Jeder durchschnittlich normal denkende Mensch, ohne Expertenwissen, weiß das schon lange.


Re: Experten

die Experten die das Wirtschaftswachstum vorrausberechnen sind mir am meisten suspekt. Kann mich nicht erinnern das daß schon jemals geklappt hätte. Jedes Tageszeitungshoroskop schlägt sie in punkto Treffsicherheit um Lichtjahre. Nichts destotrotz quaseln sie uns jeden Tag mit diversen Prognosen was die Wirtschaft im Jahre so und so machen wird voll.

EU in der Krise

Keine Frage, wir sind in der Krise. Nur, in Ländern wie Österreich oder Deutschland mit florierender Wirtschaft und Beschäftigung eher ein abstrakter Begriff, der höchstens Zukunftsängste schürt. Tatsächlich danken wir die Lage dem niedrigen Euro der durch die Krise in den südeuropäischen Ländern am Aufwerten gehindert wird. Noch haben die globalen Konkurrenten wir Indien oder Indonesien noch nicht richtig Tritt gefasst, aber wenn sie es tun sollte unser Wirtschaft bereit sein, sofern es mit Wettbewerbsmärkten von einer Milliarde und mehr überhaupt langfristig möglich sein wird.
So sehr uns die bisherige, von uns als unverantwortlich verstandene Wirtschaftspolitik der südeuropäischen EU Länder auch ärgern mag, wir haben keine andere Chance.

Schilda läßt grüßen....

Die Schneeräumen kostet viel Geld, besonders im Jänner. Also verabschiedet das Parlament ein Gesetz, das den Schneefall im Jänner verbietet. Als es 2 Tage nicht schneit, sonnt sich die Politik im "Erfolg" ! Doch weil sich die Wirklichkeit immer durchsetzt, beginnt es dann doch im Jänner zu schneien. Was tut die Regierung ? sie läßt ein Gesetz beschließen, das den Jänner und August die Namen tauschen läßt. Und schon schneit es im Jänner nicht mehr - ist doch ein toller Erfolg, oder ...

Ein totes Pferd

zu reiten ist eben nicht effizient

Re: Ein totes Pferd

und lebende Politik-Imitatoren treten wäre viel lustiger.

Zum Kuckuck mit den Prognosen, Abfedern und Illusionen!

. . . Schengen nieder, Spekulation, Lohndumping und Schulden raus!
Was die bankrotten Länder brauchten, ist Arbeit, sprich Fabriken und nicht steuerfressende Bürokraten*.
*Der veritable Hofstaat eines Eurokraten: Der Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz, ist ein fröhlicher Rheinländer, mit dem man jede Woche Weiberfastnacht feiern möchte. In seinem vorigen Leben war er Bürgermeister der Gemeinde Würselen bei Aachen und in dieser Eigenschaft, so lesen wir es bei Wikipedia, „insbesondere für den Bau des Spaßbades Aquana verantwortlich“; angesichts der Haushaltslage der Stadt werde diese Entscheidung inzwischen „kritisch gesehen“. Soll heißen: Das Spaßbad liegt der Gemeinde schwer auf der Tasche. Aber damit hatte sich Schulz für eine wichtige Aufgabe in der EU qualifiziert. In seinem Kabinett beschäftigt er einen Bürochef, einen stellvertretenden Bürochef, eine Anzahl von Assistenten und Beratern; dazu Berater der Assistenten und Assistenten der Berater, vier Pressesprecher, einen Spokesman, einen Redenschreiber, einen Terminverwalter, einen Büroboten, einen Kammerdiener und einen Fahrer. Alles in allem 38 Mitarbeiter, die mit ihm zwischen Brüssel und Strasbourg hin- und her fahren. Der veritable Hofstaat eines Eurokraten.

Re: Zum Kuckuck mit den Prognosen, Abfedern und Illusionen!

Der Bundespräsident in Österreich hat 75 Mitarbeiter. Auch Fischer hat keine schlaflose Nacht weil er überlegen muss mit was er seine Leute eigentlich tagsüber beschäftigen soll.

Das VOLK verträgt durchaus die Wahrheit, dass die Politik bisher die Eurokrise nicht im Griff hat sondern nur viele Steuermilliarden nahezu wirkungslos verpufft sind

http://www.wienerzeitung.at/meinungen/gastkommentare/511632_Vorschau-2013.html

Re: Das VOLK verträgt durchaus die Wahrheit, dass die Politik bisher die Eurokrise nicht im Griff hat sondern nur viele Steuermilliarden nahezu wirkungslos verpufft sind

Das Volk ist so dumm,dass es sich lieber an Lügen klammert als die Realität anzuerkennen.
Aus der Vergangenheit nichts gelernt !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

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falsche Prognosen

Wer an positive und optimistische Prognosen glaubt,ist selbst schuld wenn er auf der Straße landet.

14

experten

DIE experten DIE wir in der eu haben kennen sich selber nicht aus.

16

der fellner...

... hatte noch vor tagen in seinem bunten klopapier drinnen stehen, 2013 würde die krise beendet sein.
er und seine logen-kumpanen scheinen eher experten im steuergeld-abzapfen sein.

Re: der fellner...

das sind die Brüder immer. Mit Leistung konnte noch keiner auch nur irgendetwas ausrichten.

Der Euro

ist kein Geld, der Euro kostet Geld.

Re: Der Euro

Sie können mir gerne alle Ihre EURO überweisen, wenn Ihnen dadurch Unkosten entstehen.
Aber Ihre Schulden, Ihre offenen Rechnungen, die Sie fälschlicherweise als EURO-Kosten sehen, müssen Sie doch selbst bezahlen, in welcher Währung auch immer!

Querdenker sagt:

da muß ich aber auch ein Experte sein, denn ich glaube seit 5 Jahren schon nicht an das Ende der krise, obwohl sie uns schon 10x versprochen wurde. vielleicht denke ich ja irrational, gell?

 
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