Ein Drittel der Griechen arbeitet bereits schwarz

28.12.2012 | 13:30 |   (DiePresse.com)

Immer mehr Griechen flüchten in die Schwarzarbeit. Und Autofahren wird zum Luxus. 70.000 Personen meldeten alleine im Dezember ihre Autos ab.

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Die Schwarzarbeit nimmt in Griechenland im Zuge der dramatischen Finanzlage weiter zu. Mittlerweile arbeiten 35 Prozent der Menschen nach behördlichen Angaben schwarz. 2011 waren es noch 29 Prozent, 2010 etwa 25 Prozent, wie die zuständige Kontrollbehörde (SEPE) am Freitag berichtete. Insgesamt habe es 2012 rund 19.000 Kontrollen gegeben. In knapp 6700 Fällen davon seien Unregelmäßigkeiten festgestellt worden.

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Die Arbeitslosigkeit in Griechenland liegt auf einem Rekordniveau von mehr als 25 Prozent. 58 Prozent der jungen Leute bis 24 Jahre haben keinen Job. Der Anteil der erwerbsfähigen Bevölkerung, die illegal am Finanzamt vorbei arbeiten, wird vergleichsweise in Deutschland in Studien auf zehn Prozent geschätzt.

Autofahren als Luxus

Wegen der harten Sparmaßnahmen des pleitebedrohten Landes ist das Einkommen der Griechen nach Schätzungen der Gewerkschaftsverbände (GSEE-ADEDY) seit 2009 um fast 30 Prozent gefallen. In der Folge kommen schwierige Zeiten für Autofahrer in Griechenland zu. In den Steuerämtern des Landes bildeten sich am Freitag lange Warteschlangen. Viele Menschen gaben die Nummernschilder ihrer Autos ab, damit sie 2013 keine Verkehrssteuern mehr zahlen müssen. "Vorläufig hören wir in unserer Familie mit dem Autofahren auf. Wir können die 265 Euro Verkehrssteuer nicht zahlen", sagte eine 40-Jährige Frau im griechischen Fernsehen. Sie besitze einen 1,6 Liter Mittelklassewagen.

Nach Angaben des Verkehrsministeriums haben allein im Dezember 70.000 Kfz-Inhaber ihre Autos aus dem Verkehr gezogen, 15 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Bis zum Freitag (28. Dezember) hatten dem Ministerium zufolge nur 60 Prozent der Autoinhaber Kfz-Steuern gezahlt. Das Verkehrsministerium prüfe eine Verlängerung der Frist, berichtete das Staatsradio (ERA1) am Freitag.

Im Kampf um mehr Einnahmen müssen auch Besitzer von 15 Jahre alten Kleinwagen jährlich 120 Euro Kfz-Steuer zahlen. Inhaber von Luxusautos müssten bis zu 1320 Euro entrichten, berichtete das Staatsradio. 2011 waren in Griechenland insgesamt rund 250.000 Autos abgemeldet worden.

(APA/dpa)

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32 Kommentare
 
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beindruckende Entwicklung...

die Griechen und Griechinnen lösen sich von der Staatsgewalt und entscheiden sich still und leise für die Freiheit!

Außenminister Spindelegger will Schuldenländer aus dem Euroraum schmeißen

Warum macht er das nicht?

Bleibt es wieder einmal bei leeren Versprechungen?

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Ja so werden sie die Schulden bei uns nie zahlen!

Ist das jetzt EU Konform oder eine legalisierte Methode. Vielleicht sollten wir das auch so machen dann könnten unsre Regierungen kein Geld dort versenken!

Re: Ja so werden sie die Schulden bei uns nie zahlen!

Habe sie Griechenland Geld geliehen? Wer jemandem Geld leiht, sollte sich vorher über die Rückzahlungswahrscheinlichkeit Gedanken machen. Das jetzige Programm dient nur den Gläubigern.

Das soll einen "Sanierung" sein?

Etwa 1/3 der Bevölkerung arbeitet "schwarz" und zahlt keine Steuern,
fast 60% der Jugendlichen sind ohne Arbeit.....

Als HC Strache am 16.6.2011 im Parlament von einem Faß ohne Boden sprach wurde er noch von SPÖ+ÖVP lautsark ausgelacht. Mittlerweile ist ihnen das Lachen schon vergangen

Frau Fekter legte nach und behauptete: Mrd Steuergeld das wir nach Griechenland schicken ist für uns ein gutes Geschäft.

Wir verdienen nichts andere! WIR haben JA zu dieser EU gesagt.

Bald Österreichische Verhältnisse

In diesem Winter haben sehr viele Leute in unserer Gegend angefangen ihr Haus zu sanieren. Entweder sie fanden wirklich Firmen die exklusiv am Sa/So für sie gearbeitet haben, oder sie machen das, wie sagt man so schön, privat.
Und die 265€ Steuer schrecken mich auch nicht besonders. Ich habe ein sehr sparsames Auto und zahle über 300€ Steuern.

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wenn viele Autos in Griechenland nicht mehr fahren können

ist das ein Beitrag für weniger CO2-Ausstoß und die Klimaziele der EU sind leichter zu erreichen. Somit ist uns Griechenland wieder voraus!

Schwarzarbeit

Schwarzarbeit liegt vor wenn keine Steuer bezahlt wird.

In Österreich zahlt 1/3 der Leute keine Steuer, 1/3 der Leute arbeiten gar nicht und parallel ein kleiner Teil schwarz.

Und wo genau ist jetzt der Unterschied zu Griechenland?

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Re: Schwarzarbeit

Auch der Schwarzarbeiter bezahlt Steuern,sobald er irgendwo etwas ums Schwarzgeld kauft und sei es nur eine Wurstsemmel.
Der Steuer entkommt eben keiner.

Re: Schwarzarbeit

Schwarzarbeit liegt wohl eher vor, wenn keine Sozialversicherung bezahlt wird. d.h. die Schlingel arbeiten in ihre eigene Tasche statt für die Allgemeinheit.

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Re: Schwarzarbeit

das ist natürlich falsch und das wissen sie auch. leute die zu wenig verdienen um steuern zu zahlen sind bei weitem von menschen die schwarz arbeiten zu unterscheiden.

Re: Re: Schwarzarbeit

"zuwenig verdienen" um Steuern zu bezahlen ist eine willkürliche Definition eines Gesetzgebers der auf seine Wähler achten muss

Was sich heute in Griechenland abspielt, haben wir morgen in Spanien und Portugal.

Durch das Festhalten an falschen Konzepten wird bewusst die Zerstörung des europäischen Friedensprojektes in Kauf genommen. Die Frage ist nur verlieren zuerst die Einwohner der Südländer aufgrund der rigorosen Sparprogramme die Lust auf Europa oder sind es die Bevölkerungen der Nordstaaten, die nicht ewig für die Südländer zahlen wollen? Europa gleicht immer mehr einem Pulverfass, weil durch eine Politik für Spekulanten den Bevölkerungen das notwendige Einkommen fürs Überleben abgegraben wird. Waren früher nur die unteren Schichten von Armut bedroht, so sind z. B. in Griechenland oder Spanien mittlerweile auch die Mittelschicht betroffen. Auch in Österreich gibt es bereits über 300.000 Einwohner, die ihre Wohnungen nicht mehr heizen können. Ein Blick in die Zukunft zeigt, die Lage wird sich weiter verschärfen.

http://www.wienerzeitung.at/meinungen/gastkommentare/511632_Vorschau-2013.html

Im Klartext:

2/3 liegen uns auf der Tasche.

Re: Im Klartext:

Hauptsache die Banken und Investoren haben ihr Geld!

und was haben sie vorher gemacht? geld am fiskus vorbei ins eigene tascherl ist im prinzip das selbe!

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Re:

Und warum haben sie das vorher gemacht und machen es jetzt?

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1 drittel...

...das zumindest arbeitet ;)

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merkel hat ganze arbeit geleistet


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Re: merkel hat ganze arbeit geleistet

Hat ja auch DDR Schule hinter sich .

Re: merkel hat ganze arbeit geleistet

Nicht die Merkel hat ganze Arbeit geleistet, sondern die politische Kaste in Griechenland, indem sie die eigenen Bürger und die EU betrogen hat. Schulden müssen früher oder später immer beglichen werden.
Dies sollten wir auch in Österreich nicht vergessen; auch nicht, dass die nächsten Wahlzuckerl die Verschuldung weiter nach oben treiben werden!!!

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Re: Re: merkel hat ganze arbeit geleistet

Geh bitte, als ob die EU das nicht gewusst hätte. Die Zustände in Griechenland waren jahrzehntelang ein offenes Geheimnis, und jeder mit ein bisschen Verstand wusste, dass es früher oder später zur Implosion dieses Systems kommen würde. Bis es soweit war, haben diejenigen, die in der EU das Sagen haben, gut daran verdient.

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So schaffen diese Levantiner sicher den Turn-around

...indem sie ihr "Null-Steuer dem Staat" Verhalten fortsetzen.

Aber es gibt ja uns Steuerzahler aus dem "reichen" Westen. Unsere Regierungen haften für Milliarden an möglichen Ausfällen der Banken mit unserem Steuergeld, die Bankmanager freuen sich ob ihrer weiter erhaltenen Boni, die Spekulanten setzen auf die Rettung Griechenlands durch Westeuropäische Länder und scheffeln damit Gewinne, unsere Jugend sieht einem zu Ende gehenden eigenen Sozialstaat entgegen, Pension ade! Den Griechen bleibt wenigstens die Sonne, was bleibt uns? Na klar:

Die Nationalratswahl 2013 und eine Antwort ...

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Re: So schaffen diese Levantiner sicher den Turn-around

Schön, aber das hilft bei der grundsätzlichen Frage nicht, von welchem Geld man Steuern zahlen sollen, wenn schon das Bruttogehalt zum Leben nicht reicht?

Re: So schaffen diese Levantiner sicher den Turn-around

Herzlichen Dank - auf den Punkt gebracht - perfekt!

was glauben die denn

woher die Gelder fuer die Spitaeler,... kommen, wenn niemand Steuern zahlt und des jahrelang?
und dann noch in aller Welt um Almosen betteln, weil das Gesundheitssystem eingeht und Medikamente ausgehen.
(ja ich weiss, die glauben, dass es aus der EU kommt, schon klar. meine 3-jaehrige Nichte meint auch, dass das Geld aus der Wand kommt (bankomat))
klar, schenken wir ihnen weiterhin ihr system, waehrend sie sich ins faeustchen lachen und huebsch schwarz arbeiten, um ja keine steuern zahlen und ihren beitrag zur staatrettung leisten muessen.

 
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