Spanien: Krise verdirbt Cava-Winzern das Geschäft

30.12.2012 | 18:29 |  Von unserem Korrespondenten RALPH SCHULZE (Die Presse)

Die schlechte Wirtschaftslage in dem Krisenstaat beschert den dortigen Sektproduzenten empfindliche Absatzrückgänge im Inland. Nur der Export, vor allem nach Deutschland, federt einen noch tieferen Fall ab.

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Madrid. Es war natürlich kein Thema, öffentlich zumindest nicht Aber in den Cava-Kellereien Kataloniens dürften am letzten Novembersonntag die Sektkorken heftig geknallt haben. Die Katalanen hatten bei den Regionalwahlen den Befürwortern einer Unabhängigkeit eine empfindliche Niederlage zugefügt.

Eine Abspaltung von Madrid – und damit der Verlust der EU-Mitgliedschaft – wäre ein Schreckensszenario für die Wirtschaft der nordspanischen Region gewesen, und damit auch für die dort ansässigen Cava-Produzenten.

Der Verbleib im Königreich ist ein kleiner Trost angesichts der empfindlichen Absatzrückgänge: Denn in dem Land werden heute, zu Silvester, und im kommenden Fasching deutlich weniger Sektkorken knallen. Spanien befindet sich weiterhin in einer tiefen Wirtschaftskrise mit einer Massenarbeitslosigkeit von mehr als 26 Prozent. Da vergeht vielen Menschen die Sektlaune.

 

Großer Heimmarkt lässt aus

Die Produzenten des nach der Champagnermethode hergestellten Cava beklagen daher im Inland schmerzhafte Umsatzeinbußen. Immerhin, in guten Jahren wie 2010 wurden von den 245 Millionen produzierten Flaschen 95 Millionen im Inland verkauft.

Bereits im vergangenen Jahr setzten die katalanischen Sektproduzenten, die von den Weltmarken Freixenet und Codorniu angeführt werden, auf dem heimischen Markt um knapp neun Prozent weniger um. Heuer ging der Verkauf noch einmal spürbar zurück.

Da hilft es auch wenig, dass Freixenet mit dem Werbespruch lockt: „Das Leben ist zum Feiern da.“ Hunderttausenden Spaniern, die in die Armut rutschten, ist eher zum Weinen zumute. „Die Leute trinken einfach weniger“, bilanziert Freixenet-Chef Josep Lluis Bonet betrübt.

Früher floss der Cava in Spanien in Strömen. Vor allem zu Silvester, Weihnachten und sonstigen großen Feiern. Jetzt begnügen sich viele Spanier mit einer einzigen Flasche für die ganze Großfamilie – um auf eine ungewisse Zukunft anzustoßen. „Wir machen die Gläser nur noch halb voll“, erzählt ein Familienvater. „Die guten Zeiten sind hier erst einmal vorbei.“ Seine Frau, eine Bürokraft, steht ohne Job da. Er selbst ist Staatsdiener – mit harten Gehaltskürzungen und ohne Weihnachtsgeld.

Andernorts wird der spanische Sekt gleich ganz gestrichen und durch Bier ersetzt. Sogar zwei große private Fernsehsender, Antena 3 und La Sexta, verzichten in ihren beliebten Silvester-TV-Shows auf Cava und werden den Millionen Zuschauern mit Bier zuprosten. Das ist eine Revolution in dem Land, wo Cava zu den bekanntesten Spezialitäten zählt und einen wichtigen Exportartikel darstellt.

 

Katalanen fielen in Ungnade

Wobei die Abkehr vom beliebten Schaumwein auch damit zusammenhängen dürfte, dass er im aufmüpfigen Katalonien gekeltert wird. Seitdem die Katalanen verkündet haben, dass sie einen eigenen Staat gründen wollen (auch wenn dies vorerst ad acta gelegt ist), sind ihre Produkte im Rest des Königreichs in Ungnade gefallen.

Nur der Export, vor allem in die reicheren nördlichen EU-Länder wie etwa Deutschland, rettet die spanischen Kellereien vor einem noch größeren Kater. 150 Millionen Flaschen, zwei Drittel der Gesamtproduktion, gehen in den Export. Und davon wiederum allein 41 Millionen nach Deutschland. Ein nicht unwesentlicher Grund: Der spanische Sekt ist im Schnitt nur halb so teuer wie französischer Champagner.

Die Deutschen schlagen mit ihrer Sektlaune sogar die Briten, die den Spaniern mehr als 30 Millionen Flaschen abnehmen. Das Geschäft mit dem Ausland boomt also noch. Sogar im benachbarten Champagnerland Frankreich – ein kleiner Trost für die katalanischen Kellermeister.

Auf einen Blick

Die Wirtschaftskrise in Spanien drückt auf die Sektlaune und vermiest den Cava-Produzenten das Geschäft. Viele Familien verzichten ganz auf den Sekt, der in guten Jahren zu den Festtagen in Strömen floss. Auch in beliebten TV-Shows wird Bier statt Cava getrunken.

Einzig der Export bremst den massiven Absatzrückgang. Vor allem Deutschland trinkt gern Cava– im Vorjahr 41 Millionen Flaschen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.12.2012)

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4 Kommentare

schade

um spanien, schade für die menschen, dank an brüssel und die wahnsinnigen EU phantasten.

die sollen nicht saufen,sondern arbeiten


die sollen nicht saufen,sondern arbeiten


Spanien wird das griechische Schicksal erleiden

Sieht man sich die Entwicklung Griechenlands vor rund 18 Monaten an und vergleicht diese mit der Lage Spaniens dann ist ableitbar, dass die Spanier bald in der gleichen Lage sein werden wie heute die Griechen. Totale Abhängigkeit von der TROIKA und unserem Geld.

http://www.wienerzeitung.at/meinungen/gastkommentare/511632_Vorschau-2013.html

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