Griechenland stellt sich auf schwieriges Jahr ein

01.01.2013 | 18:26 |   (Die Presse)

Trotz wiederholter Rettung Griechenlands und Staatsanleihenrallye muss sich die Bevölkerung erneut auf einen harten Sparkurs einstellen. Die Wirtschaftskrise setzt dem Konsum schwer zu.

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Frankfurt/Athen/Bloomberg/Dpa/Reuters. Das neue Jahr begann in Griechenland mit einem Streik. Aus Protest gegen neue Einkommenskürzungen legten die Stadt- und U-Bahn-Fahrer in Athen für 24 Stunden die Arbeit nieder. Der Hintergrund: Im Rahmen des Sparprogramms wurden die Gehälter aller Beschäftigten in staatlichen und öffentlich-rechtlichen Unternehmen mit den Einkommen der Staatsbediensteten gleichgestellt. Das hat laut Gewerkschaften Einkommensverluste von bis zu 25 Prozent zur Folge. Auch Pensionen wurden abermals gekürzt. Die Sparmaßnahmen sind Voraussetzungen für weitere Hilfen für das schuldengeplagte Land.

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Nach mehrmonatigen Verhandlungen hat die Euro-Gruppe am 17.Dezember ein weiteres Hilfspaket für das schuldengeplagte Land in Form von Notkrediten über 49,1Mrd. Euro freigegeben. Davon sind bereits mehr als 34 Mrd. Euro an Athen geflossen. Mitte Jänner wird die Troika (bestehend aus EU, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds) in Athen erwartet, um die Fortschritte der Reformbemühungen zu prüfen. Am 21.Jänner soll die Euro-Gruppe grünes Licht für eine weitere Hilfstranche in Höhe von 9,2 Mrd. Euro geben.

 

Umsatz im Einzelhandel schrumpft

Der griechische Ministerpräsident Antonis Samaras stimmte das Volk in seiner Neujahrsansprache indes auf einen weiteren harten Sparkurs ein. „2013 wird kein leichtes Jahr sein“, kündigte er an. Griechenland habe 2012 mit der Vergangenheit abgerechnet. „2013 werden wir die Wette um die Zukunft gewinnen.“ Ziel der Regierung sei es, die Wirtschaft wieder anzukurbeln, damit die Menschen Arbeit finden können.

In den vergangenen Monaten ist die Arbeitslosigkeit allerdings emporgeschnellt. Laut Berechnungen des EU-Statistikamts Eurostat waren zuletzt 26 Prozent der Griechen auf Jobsuche. Das ist eine mehr als doppelt so hohe Quote wie in der gesamten Eurozone (11,7 Prozent). Die Wirtschaftskrise macht vor allem dem Einzelhandel schwer zu schaffen. Der Umsatz der Branche war im Oktober (jüngste verfügbare Daten des Statistikamts Elstat) um 18,1 Prozent geringer als vor einem Jahr. Es handelt sich um den stärksten Rückgang seit zwei Jahren. Ursachen sind neben der steigenden Arbeitslosigkeit auch höhere Steuern, sinkende Pensionen und Ausgabenkürzungen. Experten erwarten, dass die griechische Wirtschaft heuer das sechste Jahr in Folge schrumpft.

Indes hat die Erleichterung darüber, dass die Eurozone das Sorgenkind Griechenland nicht hat fallen lassen, griechische Staatsanleihen im Vorjahr zu den Top-Performern gemacht. Wie berichtet, konnte man laut Bank of America Merrill Lynch einen Ertrag von 80 Prozent einfahren – wenn man den richtigen Einstiegszeitpunkt erwischte und die Nerven behielt. Es war das erste Mal seit 2009, dass Investoren mit griechischen Schuldentiteln überhaupt verdienten.

 

Staatsanleihen brachten viel Geld

Seit der Ankündigung von EZB-Chef Mario Draghi im Juli, man werde alles Notwendige tun, um den Euro zu retten, sanken auch die Renditen von Anleihen anderer krisengebeutelter Staaten deutlich ab. Das heißt, dass sich die Staaten günstiger verschulden können. Für Inhaber bestehender Anleihen bedeutet es, dass sie ihre Papiere jetzt teurer verkaufen und so Kursgewinne lukrieren können. Laut Daten von Bloomberg konnte man auf diese Weise im Vorjahr mit portugiesischen Anleihen 57 Prozent verdienen, mit irischen 29 und mit italienischen 21 Prozent. Über die gesamte Eurozone betrug das Plus zwölf Prozent. Weit unter dem Schnitt blieben die als sicher geltenden deutschen Anleihen, mit denen man „nur“ 4,5 Prozent verdienen konnte.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.01.2013)

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8 Kommentare

Die "Fachleute" treumen alle.

Die "Zins und Zinseszinswirtschaft", hat den EUR in den Sand gesetzt. Das hin und herschieben von betrucktem "Clo Papier" ist gelinde gesagt eine Augenauswischerei. Der Zusammenbruch des EUR ist unvermeidlich.
Die Schulden Österreichs betragen im Jahr2012
EUR 227.571.125.971
Das heißt jeder Erwerbstätige ist mit
EUr 54.680
an die internationalen Finanzmärkte verschuldet.
Die südlichen Staaten sind noch höher verschuldet, das gibt einen unvermeidlichen ZUSAMMENBRUCH DES EUR.

Ich frage mich, sind sie nur Lügner, oder leiden sie an Demenz?

Das mit den hohen Staatsschulden ist ja nicht neu!

Fekter (ÖVP) und Schieder (SPÖ) erklärten im Dezember 2011 im ORF Zentrum: "Wir müssen Geld aufnehmen um die Zinsen für die hohen Staatsschulden zu bezahlen. ... und weiters: Die Staatsverschuldung soll von derzeit 185 Mrd. bis 2015 auf unglaubliche 280 Mrd. steigen".

Gestern verkündete Frau Fekter: "Noch vor den Wahlen soll es eine Steuerreform geben".

Wissen die das nicht?

Lt. "linke" Gewerkschaft bringt weniger arbeiten ja mehr Arbeitsplätze. Sollen die Griechen weniger arbeiten damit bringen sie die Wirtschaft wieder in Schwung???

Ich meine: Je mehr wir arbeiten um so mehr Arbeit entsteht, um so mehr Arbeitsplätze gibt es.

ein faß ohne boden - die banker/finanzmärkte saugen weiter abermrd. aus den staaten, arbeitnehmern u. staatl. asvg pensionsystemen heraus. der soziale frieden in europa wird durch die bankerlobbypolitik nachhaltig zerstört.


Wir immer gibt es Gewinner und Verlierer

Gewinner sind die Banken. Die haben bereits vorher gut verdient weil sie Griechenland unbeschränkt Geld geborgt haben. Damit haben sie erstmals gut verdient und dieses Desaster erst ermöglicht.

Nachdem nun Griechenland & CO die hohen Schulden nicht mehr zurückzahlen können haftet vordergründig der Staat, tatsächlich der Steuerzahler.

Um die Wirtschaft in den Schuldenländern in Schwung zu bringen borgen die Banken den Schuldenländern wieder Geld und verdienen* dabei.

Gewinner sind auf alle Fälle wieder die Banken!
Die Blöden sind die Steuerzahler, die bezahlen das ALLES!!!

*Die Banken holen sich (fast) zinsenloses Geld von der EZB und geben es den Schuldenländern zu Rekordzinsen.

Re: Wir immer gibt es Gewinner und Verlierer

Sie übersehen, dass es der Steuerzahler/Wähler (via Staat) ist, der sich laufend mehr Geld ausborgt, als er erwirtschaften kann.
Und der sich damit erpressbar macht. Jeder Idiot weiss, dass Schulden Abhängigkeit erzeugen. Der Wähler muss es noch lernen.

Nicht nur GR

Diese Krise wrid uns noch 20 Jahre begleiten wenn wir den Euro nicht abschaffen und eine Schuldentilgung für alle fordern.

na

endlich! (immer) wieder kommt die Hin-und HERTrab , und ja und nein Troika .

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