Eurokrise: "Deutschland muss teurer werden"

07.01.2013 | 16:21 |   (DiePresse.com)

Der Wirtschaftsweise Bofinger und das IMK-Institut treten eine neue Debatte los: Um Europa zu stabilisieren, sollen die Löhne in Deutschland steigen.

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Deutschland sollte nach Ansicht des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) mit starken Lohnerhöhungen helfen, die Euro-Krise zu lösen. Die Anstiege sollten künftig deutlich über der durchschnittlichen Gehaltsentwicklung im Währungsraum liegen, forderten die gewerkschaftsnahen Forscher am Montag. "Aus Gründen der europäischen und der deutschen Stabilität dürften es in den nächsten zwei, drei Jahren vier Prozent oder vielleicht sogar etwas mehr sein", sagte IMK-Direktor Gustav Horn in Berlin. Dies sei ein Beitrag zur Stabilisierung der Eurozone und "kein Opfer". Denn höhere Einkommen würden die Binnennachfrage ankurbeln. Zudem würden die deutschen Importe steigen und damit die Exportchancen der Krisenstaaten verbessern, sagte Horn.

Bofinger fordert fünf Prozent mehr

"Deutschland muss teurer werden", fordert auch der Wirtschaftsweise Peter Bofinger im "Spiegel". Das Land würde so an Wettbewerbsfähigkeit verlieren, wodurch Länder wie Italien, Spanien und Frankreich aufschließen könnten. Bofinger tritt für ein Fünfprozentplus auf breiter Front ein. Das heißt, das nicht nur die Löhne, sondern auch Pensionen und Hartz-IV-Bezüge dementsprechend steigen müssten. "Wir haben nur die Wahl zwischen hässlichen Alternativen: entweder eine zeitweise höhere Inflationsrate bei uns oder eine Deflation in Südeuropa", so Bofinger.

Das IMK Spielraum sieht langfristig Spielraum für Lohnerhöhungen um etwa drei Prozent über alle Branchen hinweg. Ein noch stärkeres Plus in den nächsten Jahren würde der guten Wettbewerbsfähigkeit laut Horn kaum schaden, auch wenn man den "einen oder anderen Exportauftrag von außerhalb der Eurozone" verliere. Die Unternehmen müssten ihre Gewinnmargen etwas eindampfen.

Der neue Präsident des Industrieverbandes BDI, Ulrich Grillo, warnt hingegen vor stark steigenden Einkommen. Denn gerade die lange moderate Lohnentwicklung habe die Firmen fitter für den internationalen Konkurrenzkampf gemacht. "Wir haben in den letzten Jahren eine hervorragende Wettbewerbsposition in Deutschland erarbeitet." Die Lohnstückkosten seien "hervorragend wettbewerbsfähig", betonte Grillo und mahnte: "Wir müssen aufpassen, dass wir diese Position nicht riskieren."

"Fast alle versuchen gleichzeitig zu sparen"

Das IMK rechnet mit 0,8 Prozent für 2013. "Das ist keine Katastrophe und keine Rezession, aber auch kein Wert, an dem man sich berauschen kann", sagte Horn. Das IMK bekräftigte seine Forderung an die Euro-Krisenmanager, von einem zu harten Sparkurs auf die Stärkung des Wachstums umzuschwenken. Die Strategie von EU-Kommission, Internationalem Währungsfonds und Europäischer Zentralbank habe sich als falsch erwiesen, monierte Horn. Eine Belastung sei zudem, wenn die halbe Welt an der gleichen Schraube drehe: "Fast alle Staaten versuchen gleichzeitig zu sparen", sagte Horn. Länder mit fiskalpolitischem Spielraum wie Deutschland müssten vielmehr für Impulse sorgen. Horn plädierte für Investitionen in Bildung oder die ökologische Modernisierung, die über höhere Einkommensteuern bei Spitzenverdienern gegenfinanziert werden sollten.

(APA/Reuters/Red.)

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27 Kommentare
 
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genial

die löhne der deutschen sollen steigen, dann zahlen sie mehr steuern, die dann für weitere rettungschirme ausgegeben werden können, damit die südstaaten an ihren strukturen weiterhin nix ändern müssen...allerdings werden die deutschen dann am weltmarkt halt ein bissl weniger wettbewerbsfähig, was dann ein bissl mehr arbeitslose bringt, was dann das steueraufkommen wieder verringert...und am ende haben alle nix davon. und freuen tut sich china

europa, das neue live-experiment

von friedmann und co...

Haha,

das nenne ich einen "genialen" Wirtschaftsfachmann ??

Wie kann man nur so verbohrt sein.
DE macht es ganz richtig, nur die anderen (Südstaaten) haben sich um gar nichts gekümmert und müssen eben jetzt bezahlen.

Kaufkraft muss steigen...

... d.h. die Steuern und Abgaben müssen gesenkt werden. Löhne auf dem sehr hohen Niveau stabil gehalten werden.

Leistung muss erhöht werden: d.h. Arbeitszeit auf 44h/Woche erhöhen und Urlaub auf 20 Tag/Jahr reduzieren; und das bei vollem Lohnausgleich.

Re: Kaufkraft muss steigen...

Nur wenn wir mehr arbeiten entsteht auch mehr Arbeit.

Österreich hat eine der höchsten Steuerquoten der Welt. Trotzdem kommen immer wieder Finanzminister (in den vergangenen 10 Jahren ÖVP) mit den Steuereinnahmen nicht aus!

Und was ist mit Österreich?

In keinem Land der Welt gibt es eine so dichte Arbeitnehmervertretung wie in Österreich.

Vergleich 2000 - 2010
Deutschland
Reiche -7% Arme -8%

Österreich
Reiche -10% Arme - 35%

In keinem Land der Euroland sind die Einkommen so stark gesunken wie in Österreich!

Re: Und was ist mit Österreich?

1. Definieren Sie arm und reich. Da scheiden sich die Geister glaube ich. 2. Wenn die Deutschen so einen schwachsinn verzapfen, müssen wir um Himmels willen nicht mitmachen. Geld ausgeben, weil das Geld Knapp ist, die Logig ist ja wohl saudumm.

Re: Re: Und was ist mit Österreich?

Reich ist jemand, wenn er ohne Erwarbsarbeit gut (deutlich über dem Durchschnitt) leben kann.

Da gibt es in AT nur sehr wenige davon.

Bofinger

ist der König unter den Clowns. Manchmal vermute ich, muss er seine Mundwinkel unten befestigen, damit er nicht über seinen eigenen Blödsinn lacht.

Dieser Wirtschaftsweise

ist ein Dummkopf der nur ein Ziel haben kann: seine Freunde in den Gewerkschaften für ein paar Jahre glücklich zu machen und anschliessend Deutschland zu ruinieren. Er vergisst völlig, dass es auch ausserhalb der EU zunehmend Konkurrenten für deutsche Exportprodukte gibt. Sollen die dann auch die Kosten und Preise erhöhen um Deutschland aus der Patsche zu helfen wenn es konkurrenzunfähig geworden ist? Die Lösung ist doch eine ganz andere: jene Länder, die derzeit konkurrenzunfähig sind müssen BILLIGER werden !

Re: Dieser Wirtschaftsweise

Bofinger der Wirtschaftswaise!

Exportweltmeister

Nicht nur Waren, auch die eigene Deflation wird erfolgreich exportiert.

Ja ja

wohin hohe Löhne etc geführt haben, haben wir ja in Griechenland, Spanien, Portugal, Frankreich etc. zur Genüge miterlebt. Jetzt soll natürlich gefälligst Deutschland dasselbe machen - anstelle eben diese an die Wand gefahrenen Staaten in den Hintern zu treten um endlich Reformen durchzuführen...

dem Staatsoberhaupt der EU-Länder ein Recht zu räumen

einen Platinmünzen in beliebiger Höhe zu prägen. Damit die Schuldenkrise ist gelöst.

Vielleicht sollten wir auch so ein Platinenes 1Billionen-Münzchen herstellen


Das kann nicht ernstgemeint sein...

Man könnte genauso schreiben, dass die Deutschen jetzt mit der Schwächung Ihrer eigenen Wirtschaftskraft und somit der Schwächung ihrer internationalen Wettbewerbsfähigkeit für die habgierige und rücksichtslose Finanzpolitik der bankrottgefährdeten Länder bezahlen soll.

Eigentlich eine pure Frechheit so etwas zu lesen. Was soll als nächstes kommen? Die Rettung der spanischen Bankia durch die Erhöhung der Mehrwertssteuer auf 21% in Deutschland? Sowas ähnliches wird ja hier zwischen den Zeilen gefordert.

Von wegen „fiskalpolitischer Spielraum“… Allein dieser Ausdruck ist schon eine Zumutung für den deutschen Steuerzahler. Bei der jetzigen Geld- und Bankenpolitik könnte man alle Länder mit „fiskalpolitischem Spielraum“ zusammentun und trotzdem wird es die bankrotten Länder nicht retten!

Re: Das kann nicht ernstgemeint sein...

Gleichzeitig würde aber auch die Binnennachfrage in D einen mächtigen Impuls erhalten. Was nützt es D, in Länder zu exportieren, die sich die Waren de facto nicht leisten können und es in weiterer Folge zu einem Nachlass kommt. Wenn die Euro-Zone Fahrt aufnimmt, würde der USD schwächer werden, doch haben die USA auch bei einem sehr starken Euro, den wir schon gesehen haben, kräftig aus Europa importiert.

Gewerkschaftsirrsinn

Wie kann ich die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit eines Landes sichern? Durch maßvolle Lohn- und Pensionssteigerungen.Das Negativbeischpiel sehen wir leider in Griechenland. Die sehr starke Gewerkschaft hat es erreicht ( wenn sie dort leben- es wundert sich keiner mehr- irgend eine Gewerkschaft streikt immer.Besonders witzig wenn das Stromamt streikt. Ohne Strtom geht bekanntlich nichts.)Aber auch immer im Sommer streiken die Fährengewerkschaften. So verblödet können leider nur Gewerkschaften sein. Sie ruinieren den Fremdenverkehr, und somit Arbeitsplätze. Ich hoffe nur, dass auch Gewerkschafter aus ihren Fehlern lernen können. Nur fürchte ich,dass ich ein Illusionist bin.

"Lähmend wirke auch die hohe Unsicherheit, wann dieses Ponzi-System kollabieren werde."


Ist schon krank, da soll sich das gerade noch wettbewerbsfähige Euro-Land an den nicht wettbewerbsfähigen Euro-Ländern orientieren anstatt umgekehrt.

http://www.nzz.ch/finanzen/uebersicht/boersen_und_maerkte/ponzi-system-der-enormen-verschuldung-1.17924746

[...] Aus Sicht der BCG ist das Wachstumsmodell der Industrieländer zerbrochen. Hohe Verschuldung bremse wirtschaftliches Wachstum. Gleiches gelte für den überdimensionierten, zumeist 40% des BIP übersteigenden Staatssektor. [...]

[...] Lähmend wirke auch die hohe Unsicherheit, wann dieses Ponzi-System kollabieren werde. [...]

So eine schwachsinnige Argumentation ...

... wie hier wieder mal von der Gewerkschaft kommt habe ich selten gelesen. Glauben die wirklich, dass es dem Euro Raum besser geht, wenn der Hauptfinanzgeber auch noch an Wettbewerbsfähigkeit verliert? Wer sollte den dann zahlen?

Wettbewerbsfähigkeit


ES stimmt natürlich, dass man mit großzügigen Lohnerhöhungen in D-Land das große Ungleichgewicht zwischen D auf der einen Seite und Ländern wie F, IT, ES, GB auf der anderen Seite verringern kann.

Aber der Preis ist, dass EUROPA als Ganzes dann in der globalen Wettbewerbsfähigkeit zurück fällt. Die EU hatte bisher als Ganzes - Dank Deutschland - ein einigermaßes ausgeglichenes Handelsbilanzdefizit.

Ist es wirklich zielführend, die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands (und damit der EU als Ganzes) zu reduzieren, um damit die Ungleichgewichte innerhalb der EU etwas zu reduzieren?

Ich glaube, erstmals müssten Länder wie IT, FR, ES, G etc ihre Hausaufgaben machen und Reformen umsetzen. Und dann müsste man sehen wie groß die Ungleichgewichte zu Deutschland dann noch sind.

Ich finde es jedenfalls falsch, sich bei Wettbewerbsfähigkeit an den schwachen und problematischen EU-Ländern zu orientieren.

schön

wenn man so eine beengte weltsicht hat- was kümmern einen die USA, deren industrieunternehmen zu einem drittel der energiekosten produzieren können, was kümmern südkorea und immer mehr auch china, die der deutschen industrie auf der ganzen welt marktanteile wegnehmen werden. Hauptsache, den griechen und italienern geht es gut und sie müssen auf keinen fall ihre gewohnte lebensart ändern.

Man sollte wenigstens so EHRLICH sein

und dazu sagen, dass man damit die INFLATION (= Geldentwertung) in Deutschland anheizen will.

Re: Man sollte wenigstens so EHRLICH sein

wohin die Ausplünderung der Wirtschaft und eine sozialdemokratische Wirtschaftspolitik führte, das wird uns ja zur Zeit sehr gut im ZDF gezeigt. "Die Adlons".

Zur Information.

http://www.conwutatio.at/index.php?option=com_content&view=article&id=98:euro-euro-ueber-alles&catid=5:europa

Was diese beiden Herren aus den Instituten vermelden, ist der blanke Wahnsinn. Ein paar Aufträge zu verlieren, ist für Beamte wie Bofinger und Horn eben kein Problem, aber eines für die Arbeitnehmer und Unternehmer.

Wachet auf!!!

Löhne

so eine dumme Begründung hab ich noch nie gelesen!
Es zielt doch auf eine Destabilisierung der Deutschen ab, deren Wirtschaftskraft die anderen Staaten stört, umgekehrt aber davon leben.

 
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