22.05.2013 10:27 Merkliste 0

IWF-Experten legen "Fehler" in den Sparauswirkungen offen

07.01.2013 | 18:14 |  WOLFGANG BÖHM (Die Presse)

Die Effekte der Haushaltskonsolidierung in Ländern wie Griechenland, Spanien und Portugal auf die Arbeitslosigkeit und Binnennachfrage wurden laut Experten des Internationalen Währungsfonds unterschätzt.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Wien. Wurde in Griechenland, Spanien und Portugal zu radikal gespart? Wer das Arbeitspapier der beiden IWF-Experten Oliver Blanchard und Daniel Leigh liest, könnte zum Schluss kommen, dass diese Länder zu stark unter Druck gesetzt wurden, ihre Haushaltsprobleme in den Griff zu bekommen. Denn Blanchard und Leigh schreiben: „Die Prognosen haben das Anwachsen der Arbeitslosigkeit und das Sinken der Binnennachfrage signifikant unterschätzt.“ Der negative Effekt der Sparpolitik, die allerdings von den beiden IWF-Mitarbeitern nicht infrage gestellt wird, war also deutlich größer gewesen, als dies der Internationale Währungsfonds, die EU-Kommission und die Europäische Zentralbank vorab erwartet hatten.

Detailreich erklären die beiden IWF-Experten, wie der „Verstärkungseffekt“ durch eine geänderte Fiskalpolitik berechnet wird. Und sie schlagen für die Zukunft alternative Ermittlungsverfahren vor. Allerdings betonen Blanchard und Leigh auch, dass ihre Ergebnisse nicht als Argument für eine neue Fiskalpolitik herangezogen werden dürften.

IWF-Chefin Christine Lagarde hatte allerdings bereits Ende des vergangenen Jahres dazu aufgerufen, Griechenland mehr Zeit bei der Haushaltskonsolidierung zu geben. Die Arbeitslosigkeit ist durch die Sparanstrengungen auf mittlerweile 26 Prozent geklettert. Der Umsatz im Einzelhandel hat im vergangenen Oktober mit 18,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr einen Rekordeinbruch aufgewiesen. In diesem Jahr will die griechische Regierung erstmals ein positives Primärdefizit (öffentlicher Haushalt ohne Schuldendienst) ausweisen.

Poul Thomson, der IWF-Vertreter in der Troika, die alle Reformanstrengungen in Athen kontrolliert, hat bereits zu einer langsameren Budgetkonsolidierung aufgerufen. Er fordert ebenso wie seine Kollegen von der EU-Kommission und der EZB allerdings stärkere strukturelle Reformen im Land, um das Wachstum wieder anzukurbeln.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.01.2013)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

Mehr auf DiePresse.com

2 Kommentare

Querdenker sagt:

so so, immer sind es Fehler. ich denke wir werden hochqualifiziert verarscht.

Da sind sich die Keynesianer wieder einig. Doch wer soll das bezahlen???


Eurokrise - Die Begriffe

  • Was ist die Eurokrise? Ein Rückblick auf die Ursachen mehr...

    EFSF Der Rettungsschirm und wie er funktioniert mehr...

    Hebel für EFSF Wie man aus sehr viel Geld noch viel mehr Geld macht. mehr ...

    EFSM Der Mechanismus für Finanzstabilisierung und seine Aufgaben mehr...

    ESM Der Europäische Stabilitätsmechanismus soll 2013 den EFSF-Fonds ablösen. mehr ...

    Eurobonds Was gemeinsame EU-Anleihen bezwecken und wie sie funktionieren sollen. mehr ...

    EZB Die EZB ist Hüterin des Euro und soll eine geringe Inflation garantieren. Zumindest bis jetzt. mehr ...

    Waffen der EZB Was die "Bazooka" ist und welche anderen Waffen die Zentralbank hat. mehr ...

    IWF Der IWF ist die Finanzfeuerwehr der Vereinten Nationen und massiv an den Hilfsaktionen in Europa beteiligt. mehr ...

    Ratingagenturen Die wichtigsten Agenturen und deren Bewertungen. mehr ...

    SPIV Das Special Purpose Investment Vehicle soll die Finanzierung in Euroländern erleichtern. mehr ...

    Troika Die Troika ist eine Gruppe von Experten von EZB, IWF und EU-Kommission. mehr ...

    G20 Die 20 größten Wirtschaftsmächte repräsentieren zwei Drittel der Weltbevölkerung. mehr ...

    PSI Beim Private Sector Involvement geht es um die Beteiligung des Privatsektors an der Krisenlösung. mehr ...

    CDS Kreditausfallsversicherungen werden unter anderem dann fällig, wenn ein Land pleite ist. mehr ...

    Sekundärmarkt Der Sekundärmarkt ist der Markt, auf dem die bereits in Umlauf befindlichen Wertpapiere gehandelt werden. mehr ...

    OMT OMT ist die Abkürzung für Outright Monetary Transactions. Dahinter verbirgt sich das von der EZB am 6.September 2012 beschlossene neue Kaufprogramm von Staatsanleihen der Krisenländer. mehr ...