Staatsanleihen: Eine Klausel gegen Staatsgläubiger

08.01.2013 | 17:19 |   (Die Presse)

Die Eurozone macht sich für eventuelle weitere Staatspleiten fit: Umschuldungen und Schuldenschnitte à la Griechenland werden seit 1. Jänner deutlich erleichtert, Staatsanleihenkäufer werden ausgebootet.

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Wien/ju. Am Dienstag, holte sich die Republik Österreich die erste Milliarde dieses Jahres vom Kapitalmarkt. Die Nachfrage war gut, die Zinsen (1,383 Prozent Rendite für die zehnjährige, 2,82 Prozent für die fünfzigjährige Variante) blieben weiter niedrig. „Business as usual“ eben. Denn die Republik Österreich gilt als guter Schuldner, ihre Anleihen als sicher.

Zumindest für Kleinanleger wird sich das aber bald relativieren: Die Eurozone rüstet nämlich für eventuelle weitere Staatspleiten auf. Seit 1. Jänner sind die „Allgemeinen Bedingungen“ aller Eurostaatsanleihen (also auch der österreichischen) mit einer Umschuldungsklausel (Collective Action Claus, CAC) versehen, die den Eurostaaten künftig Schuldenschnitte à la Griechenland deutlich erleichtert: Anleihegläubiger können sich gegen einen solchen Schuldenschnitt dann nicht mehr wehren, wenn die Mehrheit der Gläubiger dem Schnitt zustimmt.

Für die beiden am Dienstag emittierten heimischen Anleihen gilt das noch nicht, weil es sich lediglich um Aufstockungen von im Vorjahr begebenen Bonds handelt. Ab der ersten echten 2013er-Anleihe wird es aber ernst: Dann tritt die „Enteignungsklausel“, wie Kritiker die neue Bestimmung unterdessen nennen, auch für Käufer österreichischer Papiere in Kraft.

Die Klausel, der sich alle Staatsanleihenkäufer künftig unterwerfen, ist sehr umfangreich (sie ist mit den allgemeinen Anleihebedingungen unter www.oebfa.at abrufbar). Der wesentliche Punkt: Will der Anleiheemittent beispielsweise weniger zurückzahlen, als er aufgenommen hat, oder Zahlungstermine verschieben, dann muss er nicht mehr alle Gläubiger um Zustimmung bitten. Sind bei einer Gläubigerversammlung 75 Prozent des aushaftenden Nennkapitals und bei einer schriftlichen Abstimmung 66,66 Prozent einverstanden, dann können sich die restlichen gegen die Maßnahme nicht mehr wehren.

Der klare Hintergrund: Schuldenschnitte bei Staaten sollen künftig schneller und schmerzloser durchgeführt werden können. Einzelnen Gläubigern (auch großen, etwa Hedgefonds) wird es dann deutlich erschwert, sich querzulegen.

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Griechenland als Anstoß

Auslöser waren die Turbulenzen um den Schuldenschnitt in Griechenland im vergangenen Jahr gewesen. Damals hatten störrische Gläubiger die Entschuldung stark verzögert. Griechenland hatte sich dann (rechtlich nicht ganz astrein) mit der nachträglichen Einführung einer CAC-Klausel beholfen.

„Erfunden“ war diese Klausel allerdings schon 2001 nach der Staatspleite Argentiniens worden. Im Gefolge hatten mehrere südamerikanische Länder CAC-Klauseln in ihre Anleihebedingungen implementiert. Die Eurokrise macht sie jetzt in Europa salonfähig.

In Südamerika (aber auch im Vorjahr in Griechenland) hat die Einführung der Klauseln einen ganzen Rattenschwanz an Prozessen nach sich gezogen. Die Chancen, dass ein Anleihekäufer einen solchen Prozess gewinnt, sind aber gering. Die seit 1. Jänner in der Eurozone geltende Klausel sei in diesem Punkt „wasserdicht“ gemacht worden, hieß es.

„Kreditfall“ wird nicht ausgelöst

Ein wichtiges Detail wurde im Vorfeld auch geklärt: Die Inanspruchnahme der Klausel durch Pleitestaaten löst keinen „Kreditfall“ aus. Das heißt, Eurostaaten können künftig Umschuldungen anstreben, ohne fürchten zu müssen, für zahlungsunfähig erklärt zu werden. Das drohende „Kreditereignis“ galt bisher als wesentliches Hindernis für Umschuldungen: Es würde – mit unabsehbaren Folgen für das Finanzsystem – die abgeschlossenen Kreditversicherungen (Credit Default Swaps, CDS) schlagend werden lassen.

Für Anleger bekommen Staatsanleihen durch die Erleichterung der Zwangsumschuldung ein starkes Unsicherheitselement. Betroffen ist praktisch jeder: Staatsanleihen werden in großem Stil von Lebensversicherungen und Pensionsfonds gehalten. Auch Banken sind Großinvestoren in diesem Sektor.
Kleinanleger, die solche „sicheren“ Papiere halten, sind Schuldenschnittwünschen mit dieser Konstruktion künftig wehrlos ausgeliefert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.01.2013)

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51 Kommentare
 
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EU als Profiteur von Staatspleiten?

Was besseres kann der EU nicht passieren als dass sich die Mitgliedstaaten in den Ruin werfen, weil die EZB dann billig die Staatsanleihen "Eikaufen" kann, und somit eine endgültige Verpflichtung (Aufkauf) der Mitgliedsstaaten bewirkt.

Irgendwann werden die großzügigen EZB-Kredite eingetrieben, dann ist es so weit.

Die Mehrheit der Gläubiger entscheidet..

.. also, die EZB .. also, die EU Politiker

ich greif den Drec. sowieso nicht an, jetzt noch weniger!!!

Objektiv eine gute Sache die ich bei jeder Bondemission auch für Unternehmen reinnehmen würde

... nur so kannst eine ordentliche Entschuldung im Krisenfall sicherstellen ohne dass ein paar "Querulanten" die Emittentin erpressen

CDS

Wenn eine Umschuldung nicht mehr als Kreditereignis gilt, werden eben neue Versicherungen gegen Umschuldungen auf den Markt kommen.

Genial

Damit werden sich keine Käufer der poteniell maroden Papiere mehr finden ......

Re: Genial

und was mit ihrem Geld machen, verbrennen??

Re: Re: Genial

Investieren in die eigene Zukunft / die der Kinder / Sachwerte und die Realwirtschaft .
Für institutionelle Anleger wirds halt schwieriger .....

Ähm, *Hüstel*

Allein JP Morgan Chase hielt per Sept 2007 über 60 B(!)illionen USD an Derivaten

Sie haben keine Ahnung wieviel Geld momentan am Markt ist..

Re: Ähm, *Hüstel*

Man sollte auch noch anmerken, dass mit 60 BIL. die Gesamte Jahresweltproduktion um 1 BIL überflügelt wurde!

Re: Ähm, *Hüstel*

Ihren letzten Satz können sie bitte vergessen - aber stellen sie sich vor , dieses virtuelle Geld wandert in die Realwirtschaft - dann könnten ja sogar Menschen davon profitieren .....

2011 hielt JP Morgan sogar über 78(!) Billionen an Derivatrisken - oder wie würden Sie diese Liste interpretieren?

http://www.zerohedge.com/sites/default/files/images/user5/imageroot/2011/09/Morgan%20Stanley%20FX.jpg

Gut gemeint aber nicht machbar, denn

diese Geldmengen würden eine Hyperinflation auslösen.

Das gesamte Derivatenrisiko der too-big-to-fail Institute betrug 2011 mehr als 249 (!) Billionen $ - oder habe ich da was falsch interpretiert?

http://www.zerohedge.com/sites/default/files/images/user5/imageroot/2011/09/Morgan%20Stanley%20FX.jpg

Unsere UNFÄHIGEN Politiker bitte des Landes verweisen !!


Es geht auch ANDERS :

http://www.nzz.ch/aktuell/schweiz/schweiz-bund-kanton-gemeinde-finanzen-1.15344128

Re: Unsere UNFÄHIGEN Politiker bitte des Landes verweisen !!

warten sie nur wenn auch die Schweiz so linksverseucht ist wie Österreich, dann ist Schluß mit Überschuß. Welche erbärmlichen Politdeppen haben wir nur.

Geh bitte lassen Sie die Hände von den Staatsanleihen weg, WO sollen wir uns sonst die Steuergelder unserer Kunden zurückholen? Die Reichen zahlen ungern Steuern und durch die Staatsanleihen (Bonds) können wir uns ihre Millionen ganz legal zurückholen!!!


Re: Geh bitte lassen Sie die Hände von den Staatsanleihen weg, WO sollen wir uns sonst die Steuergelder unserer Kunden zurückholen? Die Reichen zahlen ungern Steuern und durch die Staatsanleihen (Bonds) können wir uns ihre Millionen ganz legal zurückholen!!!

muß wohl jeder psychiatriet werden, der noch Staatsanleihen kauft.

und was wird passieren ?

die zinsen für neuemissionen von staatsanleihen werden halt steigen .. hedgedfonds sind doch nicht dumm .. wenn das ausfallrisiko steigt, (schuldenschnitte werden erleichtert, absichern geht nicht mehr, weil die CDS nicht schlagend werden), dann werden sie halt höhere risikokosten kalkulieren, also höhere zinsen verlangen ...und wenn der staat die zinsen nicht zahlen will, dann bleibt er halt auf den anleihen sitzen .. so einfach ist das .. und das staatsanleihen beim ersten anzeichen einer krise schneller verkauft werden, also die preise eben fallen, ergibt sich daraus natürlich von selbst ..

ganz einfache finanzlogik für anfänger halt, und wenn es so kommt, keine grossen kulleraugen, was von bösen spekulanten brabbeln und so tun, wie wenn das niemand wissen konnte :-):-)

Die Wahrheit ist, dass dadurch Gläubiger geschützt werden.

Der Presseartikel ist Irreführend. Diese CAC sind auch ein Schutz für Gläubiger. Bisher war es so, dass einige immer wieder auf den Bankrott von Ländern spekuliert haben. Im Falle eines Zahlungsausfalles hofften sie darauf die Versicherungsprämien zu kassieren und deswegen sassen sie mit am Verhandlungstisch der Gläubiger und versuchten um jeden Preis jede nur erdenklich gute Lösung, die einen Zahlungsausfall verhindern soll zu vermeiden. Sie hatten sich ja mit Kreditausfallsversicherungen eingedeckt und diese kann man in jeder beliebigen Höhe kaufen und zwar auch dann, wenn man keinen Kredit zu versichern hat. Also kauften sie wenige Staatsanleihen, sassen mit am Verhandlungstisch, blockierten die Rettungsversuche von Schuldnern und Gläubigermehrheit - eben mit dem erklärten Ziel einen Zehlungsausfall herbeizuführen um die Versicherungsprämie zu kassieren. Das wird nun mit der neuen Regelung so nicht mehr funktionieren und deswegen werden damit auch die "echten Gläubiger" geschützt, weil es eine Verhandlungslösung geben darf, die nicht "Zahlungsunfähigkeit" heisst. Es ist also eine super Lösung, die da jetzt gemacht wird und auch die Gläubiger schützt.

Re: Die Wahrheit ist, dass dadurch Gläubiger geschützt werden.

warum sind Käufer eines CDS keine "echten Gläubiger"? Ihre Festellung ist ein typischer Tatbestand aus dem AntiDiskriminierungsGesetz und strafbar.

Re: Re: Die Wahrheit ist, dass dadurch Gläubiger geschützt werden.

@liberaler

Wissen Sie "liberaler", Käufer von CDS sind schon deswegen per Definition keine Gläubiger, weil es am Schuldverhältnis zum Schuldner mangelt. Verstehen Sie jetzt? Das hat jetzt noch nicht einmal etwas mit Moral zu tun sondern vielmehr mit Fachwissen und lassen wir das Strafrecht doch am Besten aussen vor. Es passt hier nicht dazu. Es sind keine Gläubiger sondern Versicherungsnehmer, die auf einen Eintritt eines Schadensfalles hin arbeitenund an das Geld der Versicherung ranwollen. Im übertragenen Sinne verhalten die sich so wie jemand der eine Diebstahlsversicherung abschliesst und mit jemandem in der Art zusammenarbeitet aufdass es zu einem Diebstahl kommt un er dann die Versicherungsprämie kassieren kann. So etwas würde eine Versicherungsgesellschaft wahrscheinlich als Versicherungsbet... bezeichnen.

Re: Re: Die Wahrheit ist, dass dadurch Gläubiger geschützt werden.

Blödsinn, wenn man eine Position von sagen wir mal 0,1% hält aber ein vielfaches davon versichert hat, dann hofft man auf einen Crash und wird Lösungen boykotieren und somit das Gesamtsystem schädigen.

Nur weil etwas erlaubt war ist es noch lange nicht ethisch korrekt!

zinsen

werden steigen, wir alle werden wie immer zahlen.
Die dummheit der politik ist unfassbar.

Wenn man die Ruckzahlungserwartung der Anleihenglaeubiger heruntersetzt,

dann werden weniger Anleihen zu gegenwaertigen Konditionen gekauft. Der Kapitalmarkt is global und meist recht schnell im Handeln.


Re: Wenn man die Ruckzahlungserwartung der Anleihenglaeubiger heruntersetzt,

Ach das ist doch das geringste Problem. Wenn die Anleihen, wovon auszugehen ist, weniger Absatz finden, kauft die EZB eben mehr davon....

Re: Re: Wenn man die Ruckzahlungserwartung der Anleihenglaeubiger heruntersetzt,

Da haben Sie sicher recht - kurzfristig gesehen.

 
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