"Vom Wohlstand ausgeschlossene Generation entsteht"

Siemens-Personalchefin Brigitte Ederer warnt in einem Interview vor dem "gesellschaftlichen Sprengstoff" Jugendarbeitslosigkeit.

ELEKTRO-MOBILITAeT IN OeSTERREICH: EDERER
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ELEKTRO-MOBILITAeT IN OeSTERREICH: EDERER
APA/HANS KLAUS TECHT

Arbeitslosenraten von rund 50 Prozent und knapp darunter in den südeuropäischen Krisenstaaten lassen bei der österreichischen Ex-Spitzenpolitikern und nunmehrigen Siemens-Personalchefin Brigitte Ederer die Alarmglocken schrillen. "Die hohe Jugendarbeitslosigkeit ist gesellschaftlicher Sprengstoff. Da entsteht eine Generation, die vom Wohlstand ausgeschlossen ist – trotz guter Ausbildung und sogar Uni-Abschlusses", sagte sie im Gespräch mit dem "Standard" (Wochenendausgabe).

Bei den umstrittenen Staatshilfen für Griechenland fordert sie weniger "Populismus" ein. "Niemand hat etwa in Österreich ein Problem, wenn der Staat Kärnten unter die Arme greift, doch bei Griechenland gibt es schnell einen Aufschrei. Da braucht es mehr Immunität gegen Populismus. Der Norden hat ja auch sehr von der Nachfrage des Südens profitiert", so die internationale Top-Managerin.

Ederer sieht grundlegende Fehler in der Politik der vergangenen Jahre. "Leider ist das Gleichgewicht zwischen Finanz- und Realwirtschaft aus den Fugen geraten: Die europäische Politik hat die Industrie vernachlässigt und zu sehr auf die Deregulierung der Finanzmärkte gesetzt. Statt in die reale Wirtschaft zu investieren, wurde Renditen nachgejagt, die sich in der Krise als illusorisch entpuppten. Es ist höchste Zeit, dass Politik und Banken da umdenken", hält sie fest.

(APA)

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